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Test: Fairfield Circuitry Meet Maude, analoges Delay-Pedal

6. Juli 2021

The Spell of Maude - analoge Traumkiste

Meet Maude Analog Delay

Unter Gitarristen mit einem Faible für ausdrucksstarke, lebendige Sounds, die Vintage und analogen Charme versprühen, haben analoge Delays einen ganz besonderen Stand. Ich zähle mich selbst dazu. Es ist nicht einfach, in Worte zu fassen, was der Klang eines guten analogen Delays auslösen kann. Und ich gehöre auch zur Fraktion, die nachvollziehen kann, wenn gesagt wird – wie bitte? Klingt doch alles irgendwie gleich.

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Ein Stück weit stimmt das. Und dann eben doch nicht. Ein Vapor Trail klingt nicht wie ein analoges Boss Delay. Und ein Memory Man nicht wie ein Tonal Recall. Ich bin kein Pedalbauer – ich kann nicht sagen, welche Unterschiede in den verbauten Bucket-Brigade-Chips sich wie auf Klangfarbe und -charakter niederschlagen. Ich weiß nur, dass bei manchen ein ganz besonderer Funken überspringt.

Meet Maude.

Test: Fairfield Circuitry Meet Maude

Fairfield Circuitry Meet Maude – Analog-Delay

Fairfield Circuitry besetzen eine ganz besondere Nische unseres Erachtens. Die Pedalfirma aus Quebec, Kanada, war lange ein Geheimtipp, bis das Shallow Water auf den Markt kam. Schnell machte es die Runde, dass es sich um eine nostalgische Wunderkiste handelte, dass dieses Vibe/Chorus/Flanger Pedal etwas ganz Besonderes ist. Und tatsächlich: Der Microcontroller, der im Shallow Water verbaut war und für einen ganz eigensinnigen Sound durch einen randomisierten LFO erzeugte, war irgendwie unvergleichlich. Fairfield Circuitry ist ein kleines Team. Keine großen Töne, keine „flashy“ Boxen, keine Interviews, keine Social-Media-Kampagnen. Die Jungs und Mädels lassen ihre Arbeit für sich sprechen. Sympathischer geht es nicht.

Test: Fairfield Circuitry Meet Maude

Nun also das Meet Maude, das wir uns nun zum Test in die Redaktion geholt haben. Fakt ist – es hat ein bisschen was an Zeit auf dem Buckel, aber das nimmt nichts von seiner Bedeutung auf dem Markt. Auch weil wir der Meinung sind, dass es in vielerlei Hinsicht eines der stärksten analogen Delay-Pedale überhaupt ist. Weil es, bei aller analoger Wärme, technisch raffiniert ist. Und weil es, da gibt es nichts dran zu rütteln, einfach großartig klingt – aber der Reihe nach.

Die metallische Box im Industrial-Look mit seinen geriffelten Reglern ist auf den ersten Blick recht übersichtlich gebaut. Das Pedal besitzt sämtliche Anschlüsse links und rechts – rechts der Eingang für die 6,3-Klinke neben dem 9 Volt Netzteil, links der Ausgang sowie der CV-Anschluss. Auf Letzteres werden wir noch im Detail eingehen. Gleich am Eingang befindet sich ein JFET-Feedback-Kompressor, der dafür sorgt, dass der Feedback-Regler bei eurem Delay-Signal kein Chaos anrichtet. Der Kompressor kann mit dem unteren Kippschalter in zwei Modi versetzt werden – „Light“ und „Heavy“. Speziell Letzteres dürfte es erlauben, mit ordentlicher Zerre immer noch ein schönes Delay-Signal rauszukriegen. Der Schaltplan des Meet Maude sieht vor, das Signal nun durch die Tone-Control zu schicken. Gleich vorweg: Der Grundcharakter des Meet Maude ist dunkel. Merkt man an der zentralen Position des Tone-Regler, die sich bei den unteren Mitten einpendelt. Die Interaktion von Tone und Feedback ist hierbei wichtig – besonders dunkle oder helle Klangeinstellungen begünstigen und beschleunigen das Feedback.

Test: Fairfield Circuitry Meet Maude

Über eine gewöhnliche BBD-Chip-Schaltung wird die charakteristische klangliche Degeneration des analogen Delay-Pedals vorangetrieben. Über den Mixregler könnt ihr einstellen, wie das Verhältnis von Dry- und Wet-Signal sein soll und der große Time-Regler kümmert sich um die Delay-Zeit. Im Anschluss, bevor das Signal an den Output geht, greift noch mal ein Lowpass-Filter, das die Repeats zusätzlich „verdunkelt.“ Entgegen der gängigen Praxis, Modulation auch über einen Regler einstellen zu können, geht dieses Analog-Delay einen anderen Weg: einen Dreiweg-Kippschalter, über den die Modulationsstärke von eins bis drei eingestellt werden kann.

Fairfield Circuitry Meet Maude – analoges Delay für Gitarre

Das Meet Maude besitzt ein entscheidendes Feature, den CV Anschluss für ein Expression-Pedal. Es wundert nichtsdestotrotz, dass das Pedal mehrere grundlegende Modi besitzt, die per Control-Voltage gesteuert werden können, dies aber nur über den Schaltblock innerhalb des Gehäuses umgestellt werden kann. Denn grundlegend kann das Meet Maude entweder Delay-Zeit, Feedback oder beides gleichzeitig per CV ansteuern lassen. Warum das nicht über einen Dreiwegschalter wie bei der Kompression und Modulation eingestellt werden kann und man stattdessen hierfür Maude aufschrauben muss, nun ja – es bleibt schleierhaft.

Test: Fairfield Circuitry Meet Maude

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Darüber hinaus jedoch erlaubt der Schaltblock einen weiteren Kniff – eine interne Effektschleife kann eingestellt werden, auch hier wieder über den Schaltblock. Das erlaubt ein Tappen des Signals sowie das Hinzunehmen mehrerer anderer Pedale, die man in der Schaltfolge nach der Tone- und vor der Delay-Sektion per Y-Kabel einspeisen kann. Insgesamt also ein bisschen umständlich und nicht unbedingt benutzerfreundlich, aber das ist zu verschmerzen, wenn man bedenkt, dass Meet Maude eben auch ein Geschenk für Begeisterte des Prinzips Vintage-Delay sein soll. In der Zunft ist das Aufschrauben eines Pedals sowie das Bedienen eines Schaltblocks sicher kein Neuland – Fairfield Circuitry knows their audience, wenn man so will. Also – wie klingt das denn jetzt?

Das Meet Maude in der Praxis – analoger Delay-Sound

Wir nutzen das Meet Maude mit Vintage-Pickups einer Jazzmaster, speisen das Pedal direkt in den REVV G20 und erlauben uns so ein Bild von der Klangcharakteristik. Darüber hinaus gibt es jedoch auch eine Nutzkombination, die unseres Erachtens zu selten unter die Lupe genommen oder demonstriert wird: die Nutzung eines Analog-Delays mit FM-Synthese. Entsprechend werden den Meet Maude auch mit dem Volca FM von Korg nutzen.

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„Tapey“ Sounds, mit viel Knistern und dunklem Schwelen? Japp, kommt ungefähr hin. Aber da ist mehr – viel mehr. Die dunkle Klangqualität ist eine Sache, aber das Meet Maude schöpft das gesamte Potential aus, wenn man sich des CV-Anschlusses bedient. Aber Vorsicht: Die Oszillation kommt schnell und heftig, vor allem, wenn man den Tone-Regler jenseits der 12 hat. Aber wer vorsichtig mit dem Expression-Anschluss arbeitet, wird mit atmosphärischen Klangwolken belohnt, die sich mühelos zähmen lassen. Die Modulation ist definitiv für Feinschmecker und selbst auf der höchsten Stufe einen Zacken zu zurückhaltend für meinen Geschmack. Da wäre noch Luft nach oben gewesen, aber es ist zu verschmerzen. Es ist – und mir ist bewusst, wie sich das anhört – ein traurig klingendes Pedal. Das ist der viel beschworene Charakter des Meet Maude, das Nostalgische, dunkel verwobene Schwingen in den Repeats .. .es ist nicht einfach in Worte zu fassen. Aber es entfaltet definitiv eine gewisse Wirkung und lädt zu entsprechenden Kadenzen, Akkorden und Tonarten ein.

Wir nutzen den Gain-Kanal des Revv G20, drehen die Verzerrung auf 9.00 Uhr und überprüfen die Wirksamkeit der Kompressoren. Tatsächlich passiert hier was, das nicht zu verachten ist – bei Gain glättet der Kompressor ein Stück weit das Feedback. Es ist ein feiner, aber wichtiger Unterschied, der das Gerät auch für verzerrte Angelegenheiten brauchbar macht.

Kommen wir zu Synthie-Frage. Mir ist bewusst, dass ohne MIDI und sogar ohne Tap-Tempo hier keine idealen Bedingungen herrschen. Aber mein Verdacht bestätigt sich: Die nostalgisch-knisternde Note des Meet Maude harmoniert einfach wundervoll mit dem Arcade-Charakter der FM-Sounds. Er bettet sie atmosphärisch ein und erlaubt mit dem Tone-Regler auch eine entsprechende Anpassung an die Soundtypen. Speziell glockige Sounds verwandeln sich bei heller Tönung plötzlich in eine raschelnde Erinnerung, während klebrige Arcade-Sounds plötzlich greifbarer und erträglicher werden. Das Meet Maude verschönert sämtliche FM-Sounds und ist für diesen Gebrauch so gut geeignet, dass da meines Erachtens wenige Plug-ins mithalten können.

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Fazit

Das Meet Maude verdient mehr Beachtung unter den analogen Delays – auch deshalb präsentieren wir es euch im Rahmen dieses Tests. Sehr gut verarbeitet, mit CV-Anschluss, eigensinniger Modulation, dunklem Grundcharakter und einer starken Tone-Feedback-Interaktion. Das Meet Maude ist ein bisschen sperrig und es eignet sich definitiv mehr für die dunklen Klänge als für hellen U2-Stadionrock. Aber es befindet sich der analoge, nostalgiebeladene X-Faktor in der Klangfarbe, der dafür sorgt, dass man es immer wieder einschalten möchte, ob mit Gitarre oder FM-Synthese. Teuer, ja – aber man möchte Maude irgendwie nicht mehr missen.

Plus

  • warmer, ungemein natürlicher Grundsound
  • einzigartige Modulation
  • dunkler Tape-Grundcharakter

Minus

  • Preis

Preis

  • 359,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Organist007  AHU

    Leider kein stereo.

    ich besitze seit kurzem aber shallow water (für orgel/synths etc.) und bin begeistert. ist zwar auch mono, kann ich aber nachher mit einem stereo pedal (TC Alter ego/binson clone) STEREO verbreitern -HAMMER !!!

    • Profilbild
      Dimi Kasprzyk  RED

      Hey Organist007

      Ich habe den EQD Disaster Transport leider nie unterm Fuß gehabt, kann keinen Vergleich ziehen. Aber auch wenn Mono – die Klangtiefe des Meet Maude ist schon etwas Besonderes.

      LG

  2. Profilbild
    Hein Schlau  AHU

    Klingt super. Aber mit 399 Euro viel zu teuer – man fragt sich, wie vor 30 Jahren die ganzen japanischen Pedale, die heute teurer Vintage-Kult sind, für 100 Mark über den Tresen gehen konnten. Mir ist gleich, ob die Pedale handgedengelt wurden und die Platine goldbestäubt wurde, konsequent weitergedacht hat man dann bei einem Pedalboard mit so 8 Pedalen dann 3200 Euro unter dem Fuß.
    Ich finde das maßlos.

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