Für virtuelle Strippenzieher
Fanan Colosseum ist ein modularer Plug-in-Host, der es ermöglicht, verschiedene Plug-in-Instrumente und Effekte in einem modularen Patch-Feld miteinander zu verbinden. Die Patches können in einem Standalone-Host oder einem VST-Host innerhalb einer DAW genutzt werden. Schauen wir uns an, wie modular das wirklich ist. Außerdem sehen wir uns an, wie sich die Bedienung von Fanan Colosseum gestaltet.
Worum geht es? Test des modularen Plug-in-Hosts Fanan Colosseum für das flexible Verschalten von Instrumenten, Effekten und Tools innerhalb einer DAW oder als Standalone-Lösung.
- Konzept: Modularer Plug-in-Host mit Patch-Feld für Audio-, MIDI- und Effekt-Routings.
- Stärken: Besonders gelungen sind der Autosampler und der Transienten-Splitter mit hohem Praxisnutzen.
- Bedienung: Klare Oberfläche und einfache Handhabung, jedoch mit fehlenden Komfortfunktionen wie Undo.
- Schwächen: Presets sind nicht zwischen Standalone- und Plug-in-Version kompatibel, zudem gibt es kleinere Bugs.
- Fazit: Für rund 20,- Euro ein interessantes Tool mit guten Ansätzen und attraktivem Preis-Leistungs-Verhältnis.
Inhaltsverzeichnis
Fanan Colosseum, modularer Plug-in-Host
Installation
Ihr müsst euch zunächst die Demoversion von Fanan Colosseum herunterladen, denn hier findet ihr im Register-Fenster eure Computer-ID. Diese müsst ihr auf der Website zusammen mit eurer E-Mail-Adresse eingeben. Als Bezahlung stehen Kredit-/Debitkarte und PayPal zur Verfügung. Nach erfolgreichem Abschluss erhaltet ihr einen Lizenzschlüssel per E-Mail.
Die Software gibt es als Standalone- und VST/AU/CLAP-Variante für Windows (>=10) und macOS (>=10.15) zum Download. Einen Installer gibt es allerdings nicht. Ihr könnt einfach nur die .app bzw. .exe starten. Auch die Plug-in-Variante müsst ihr manuell in eure entsprechenden Ordner kopieren. Die Plug-in-Installation finde ich deswegen auch ein wenig unkomfortabel.
Plug-in-Handling von Fanan Colosseum
Nach dem ersten Start wird Fanan Colosseum zunächst einmal eure VST-Plug-ins scannen. Dabei müssen eventuell Dialoge bestätigt werden – vor allem, wenn es um einige mit iLok gesicherte Plug-ins geht. Dieser Scan kann eine ganze Weile dauern und muss nur einmal zu Beginn ausgeführt werden. Außerdem wird dieser Scan nur von der Standalone-Version vorgenommen.
Es gibt auch einen Quick-Scan, der bei jedem neuen Start der Software immer ein paar Sekunden dauert. Falls Fanan Colosseum also mal im Betrieb abstürzen sollte, müsst ihr geduldig sein. Aber schon mal Entwarnung: Im Testzeitraum ist mir das Programm nur ein einziges Mal abgestürzt. Das geschah nur bei der Zusammenstellung und nicht beim Spielen.
Damit Fanan Colosseum als Plug-in innerhalb einer DAW schneller starten kann, wird hier nicht gescannt. Ihr müsst die Plug-ins einzeln auf der Festplatte auswählen, also .dll für Windows und .vst/.vst3/.component für macOS. Als großes Manko empfinde ich dabei, dass die Presets, die ihr euch in beiden Versionen (Standalone und Plug-in) zusammenstellt, nicht austauschbar sind.
Nach dem Scan stehen dann alle validierten Plug-ins zur Verfügung und können nach verschiedenen Kriterien sortiert werden, um euch die Auswahl zu erleichtern. Ihr könnt nach Plug-in-Typ (Instrument oder FX) oder -Format (VST3/AU) sortieren, aber auch nach Namen oder Hersteller. VST2-Plug-ins werden nicht standardmäßig gescannt, können aber über direktes Hinzufügen von der Festplatte eingebunden werden. 32-Bit-Versionen laufen dabei auf macOS nicht, da Apple jeglichen 32-Bit-Support mit 10.15 entfernt hat.
Im Plug-in-Manager könnt ihr dann alle Plug-ins noch einmal sehen und einzelne auch aus der Liste streichen sowie eine Blacklist einsehen, die euch zeigt, welche Plug-ins nicht geladen werden konnten. Fanan Colosseum testet dabei alle Plug-ins in einem eigenen Prozess. Wenn eines nicht funktioniert, bedeutet das nicht, dass das ganze Programm deswegen abstürzt.
Allerdings wurden einige Plug-ins beim Scan zu schnell beendet. Zum Beispiel, wenn ein Sampler-Plug-in fragt, wo sich die Sample-Dateien befinden. Bevor ich den richtigen Zielort eingeben konnte, wurde das entsprechende Dialogfenster bereits von Colosseum geschlossen. Ich musste das dann im Nachhinein vornehmen.
Neben den installierten Plug-ins findet ihr auch vierzehn Tools-Module, die verschiedenste Aufgaben erledigen. Diese sind namentlich:
- Connector
- Stereo Meter
- MIDI Monitor
- Recorder (nimmt Audio auf)
- Manual Sampling
- Auto Sampling
- MIDI Player (Spielt MIDI-Dateien ab)
- Step Sequencer (nur MIDI-CC)
- Transient Splitter
- Latcher (ermöglicht die Ausgabe von Note-On-Befehlen)
- MIDI Multi-Filter
- Container
- VST2 Plug-In (manuelles Laden)
- VST3 Plug-In (manuelles Laden)
Preset-Verwaltung und Anleitung
Die Anleitung findet ihr innerhalb des Fensters. Diese ist wiederum in elf Abschnitte unterteilt, sodass ihr kein zweites Fenster oder gar einen Browser öffnen müsst, um an die Informationen zu gelangen. Es stellt sich heraus, dass das nicht die praktischste Art ist, da ich den Sachverhalt, zu dem ich Hilfe benötige, dabei zwingend aus dem Fokus verliere.
Eine Preset-Verwaltung ist eigentlich nicht vorhanden. Ihr könnt jedoch einen Ordner festlegen, der alle darin befindlichen Presets als Favoriten in der rechten Rack-Seite präsentiert. Die Suchfunktion für Plug-ins blendet dann alle Favoriten ein, in denen diese Plug-ins auch vorhanden sind.
An dieser Stelle seien auch die Container erwähnt, mit denen ihr Untergruppen zusammenstellen könnt, um so für Ordnung auf der Oberfläche zu sorgen. Diese kommen aber mit einigen Einschränkungen, wie wir später beim Auto-Sampling-Modul sehen werden.
In einem Container werden mehrere Plug-ins zusammengefasst
Fanan Colosseum Oberfläche
Fanan Colosseum bietet euch eine Ein-Fenster-Ansicht, mit Ausnahme des Mixers, der auch als zweites Fenster herausgeholt werden kann.

Im Mixer von Fanan Colosseum sind alle Kanäle des Audiointerfaces und der aktiven Plug-ins zu sehen
Auf der linken Seite findet ihr die Hauptabteilungen, auf der rechten seht ihr die gescannten Plug-ins, falls ihr euch in der Rack-Ansicht befindet. Weitere Ansichten sind:
- Mixer
- Settings
- Plugins
- Manual
- Register
Danach folgen die Schaltflächen für Patch Load und Save, Reset, ein Software-Keyboard sowie der Panic-Button und der Button zur Aktivierung des Floating-Mixers.
Die grafische Gestaltung ist dabei sehr nüchtern und auch farblich nicht gerade eine Augenweide. Dafür ist sehr schnell klar, wie Fanan Colosseum zu bedienen ist.
Alles ist in diesem einen Fenster untergebracht. Es gibt keine weiteren Menüs, ausgenommen von Menüs, die die verschiedenen Tool-Komponenten bieten. Also nicht hübsch, dafür sehr funktional.
Bedienung
Rack-Ansicht
Das Herzstück von Fanan Colosseum ist die Rack-Ansicht. Hier werden alle Plug-ins platziert und Verbindungen gezogen. Ich suche mir also ein Plug-in auf der rechten Seite aus, das ich per Suchfunktion gefunden habe, und erhalte ein entsprechendes Modulsymbol auf der Rack-Oberfläche. Diese ist ausreichend dimensioniert und ihr könnt zwischen 0 % und 200 % Zoom alle Größen einstellen. Zusätzlich findet ihr auch eine kleine Mini-Map unten in der rechten Ecke, mit der ihr bei komplexen Patches einfach navigieren könnt.
Oberhalb der Hauptansicht solltet ihr die Workspaces finden. Mit diesen könnt ihr schnell zwischen sechzehn Konfigurationen hin- und herschalten. Auf der Abbildung auf der Fanan-Website sind diese auch zu sehen, doch leider nicht bei meinen Installationen auf dem Mac oder Windows.
Es gibt grundsätzlich keine Beschränkungen an gleichzeitig nutzbaren Plug-ins. Ganz unten in der Leiste habt ihr aber direkten Zugriff auf die Mute-Funktion von 32 Plug-ins, entweder per Mausklick oder MIDI-CC. Natürlich gelten auch die Beschränkungen eurer Hardware, deren Auslastung ihr ganz oben rechts sehen könnt. Hier werden das genutzte RAM sowie die CPU-Auslastung angezeigt.
Auf der Rack-Oberfläche findet ihr standardmäßig eine Repräsentation aller Ein- und Ausgänge des in den Settings ausgewählten Audiointerfaces sowie zwei Module für MIDI-Ein- und -Ausgänge. Alle in den Settings eingestellten MIDI-Quellen und Ziele werden hier abgegriffen. Es erscheint mir deswegen unvollständig, wenn ich mit dem MIDI-Filter-Modul nur nach MIDI-Kanälen, aber nicht nach MIDI-Geräten filtern kann.
Praxis
Natürlich ist das der wichtigste Punkt bei so einem modularen Software-Host – wie lässt er sich benutzen? Ist die Verkabelung intuitiv und gibt es versteckte Fallstricke? Dazu habe ich drei exemplarische Patches gemacht, um das auszuloten.
Als Erstes ein einfaches Patch, mit dem ich mit einem externen MIDI-Keyboard zwei Plug-ins ansteuere, die beide sofort in den Audioausgang gehen. Rote Patch-Punkte stehen für eine MIDI-Verbindung, blaue für eine Audio-Verbindung. Ihr könnt einen Ausgang mit mehreren Eingängen und einen Eingang mit mehreren Ausgängen verbinden. Einen Mixer mit Fadern für Audiosignale gibt es nicht, obwohl laut Anleitung das Connector-Tool diese Funktion haben sollte.
Das Ziehen der Kabel und Positionieren der Module geht gut von der Hand. Allerdings ist das Löschen von Verbindungen nicht ganz einfach. Dazu müsst ihr das dünne Kabel anvisieren und mit einem Rechtsklick das Kontextmenü zum Löschen aufrufen. Falls ihr euch verstrickt habt, müsst ihr das auch manuell rückgängig machen, denn es gibt keine Undo-Funktion. Das ist beinahe unverzeihlich im täglichen Umgang mit jedweder Software.
Weiter geht es mit einem Patch zum Auto-Sampling, das übrigens auch in der Demoversion vollständig funktionsfähig ist. Diese fügt alle 15 Sekunden 3 Sekunden Stille ein. Dazu muss einfach ein MIDI-Eingang einer Plug-in-Kette mit dem Auto-Sampler-Modul verbunden werden. Dieses erkennt automatisch, wo die Signalkette aufhört und greift das Signal dort ab.
Welche Noten und in welcher Velocity ihr sampeln möchtet, könnt ihr als einfache Textanweisung im Modul hinterlegen und diesen Text auch abspeichern. Ein Klick auf den Play-Button startet den Vorgang und stellt die Samples mit Notennamen und Velocity in einem Ordner bereit. Sehr praktisch ist die Option, alles zu einem SFZ-Instrument zusammenzustellen. So könnt ihr mit einem SFZ-Player direkt das Ergebnis spielen.
Das funktioniert sehr gut, hat aber die Einschränkung, dass ihr keine Layer von mehreren Instrumenten sampeln könnt. Auch der Umweg über Container ist keine Option, da ihr bei der MIDI-Verkabelung sofort eine entsprechende Fehlermeldung erhaltet. Schade. Gerade hier hätte ich einen großen Mehrwert gesehen.
Das dritte Patch nutzt das Tool-Modul Transient Splitter. Hier könnt ihr die Transienten eines Signals vom Sustain-Teil trennen und getrennt bearbeiten. Dazu stehen verschiedene Parameter zum Fine-Tuning bereit. Das funktioniert auch gut und ist natürlich sehr gut für die Bearbeitung von perkussiven Signalen geeignet.
Allgemeine Handhabung von Fanan Colosseum
Es gäbe noch mehr zu berichten, aber wer Fanan Colosseum selbst testen möchte, kann sich die Demoversion herunterladen und mit den verschiedenen Modulen experimentieren. In der Testzeit sind mir noch viele Kleinigkeiten aufgefallen, die insgesamt den Eindruck vermitteln, dass die Software noch nicht ganz ausgereift ist.
Viele Sachen, die selbstverständlich sein sollten, wie Undo-Funktion oder sogar das Kopieren und Einfügen von vorhandenen Modulen, sind einfach nicht vorhanden. Es gab auch Probleme mit manchen Plug-ins. So wollte die Oberfläche eines Plug-ins partout nicht verschwinden, auch nach dem Schließen des Plug-in-Fensters nicht.
Dann sind es kleine Dinge, wie dass das MIDI-File-Player-Modul kein Drag-and-drop unterstützt oder dass die Oberfläche bei bestimmten Vorgängen in der Container-Ansicht stecken bleibt. Auch dass die Plug-in-Oberflächen bei der Plug-in-Version von Colosseum hinter dem Colosseum-Host verschwinden, ist unpraktisch.
Eine Sache, die ich von einem als modular betitelten Plug-in-Host erwarten würde, wäre die Bereitstellung der Parameter eines Plug-ins, wie sie auch in der Automation jeder DAW möglich ist. Dann wären auch Module wie LFOs oder Hüllkurven angebracht gewesen, um diese Parameter, z. B. den Filter-Cutoff eines Synthesizers verstellen zu können.
Zudem habe ich einen kleinen Performance-Test gemacht und die CPU-Anzeige bei verschiedenen Konfigurationen zu Rate gezogen:
- GForce Axxess + Bassstation in Colosseum: Reaper 57 %
- GForce Axxess + Bassstation nativ: Reaper 36 %
- Reaper Leerlauf: 5 %
Das unscheinbar wirkende Host-Plug-in bringt also einen Overhead von ca. 21 % in Sachen CPU-Auslastung mit – das ist kein Pappenstiel.














































„Nach dem ersten Start wird Fanan Colosseum zunächst einmal eure VST-Plug-ins scannen.“
Da er wird er bei mir keine finden. Ich fände es gut, wenn „VST-PlugIn“ nicht als Synonym für Audio PlugIns genommen werden würde. Sorry, jetzt hat es dich erwischt, war aber oft bei anderen Autoren so.