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Test: Fender American Professional Precision Bass MN OWT

Die Macht ist mit ihm!

1. August 2017

2016 stellt Fender seine American Standard-Serie ein und ersetzt sie durch die Fender American Professional Series. Schnell werden die Unkenrufe aus der Musiker-Community laut, die von einer Umbenennung mit Preiserhöhung sprechen – damit hat man auch nicht ganz unrecht. Mit leichten Überarbeitungen gegenüber dem Vorgängermodell kommen die Bässe und Gitarren der Serie zwar daher, aber es handelt sich hier nach wie vor einfach um klassische amerikanische Fender-Instrumente. Oberhalb rangiert noch die Elite-Reihe, die bei den Bässen zum Beispiel mit Aktivelektroniken und Compound-Griffbrettprofilen und -Halsradien ausgerüstet ist, während die Professional Series die Topline-Modelle mit klassischer Ausstattung liefert. Aus dieser Serie liegt der Fender American Professional Precision Bass mit Ahorngriffbrett vor, in der Farbe Olympic White und mit mintfarbenem Schlagbrett.

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Zum Kurs von 1699,- Euro kein günstiges Instrument, aber noch deutlich unterhalb der 2245,- Euro des entsprechenden Elitemodells angesiedelt. Das zeugt von Premium-Anspruch, muss entsprechend aber auch Premium-Ansprüchen an Verarbeitung, Handling und Sound genügen. Die beliebten American Standards wurden diesen Erwartungen in den letzten Jahren stets gerecht, schauen wir mal, wie sich das Nachfolgemodell schlägt.

Jetzt habe ich tatsächlich den Test nicht mit der klassischen Anekdote zu meiner ersten Begegnung mit der Instrumentengattung (oder meiner blanken Verachtung für sie) begonnen, aber das wird prompt nachgeliefert. Mein erster Bass war tatsächlich eine Preci-Kopie, ein räudiges Ding, aber danach fand ich die Dinger ungefähr 15 Jahre lang zwar schick und mochte ihren Sound, kam aber nie wirklich selber damit klar. Inzwischen hat sich das aber massiv geändert, und ich denke aktiv über die Anschaffung eines Preci nach. Entsprechend ist dieser Test nicht nur einer der üblichen, sondern auch Teil meiner Suche nach dem Trauminstrument. Habe ich das hier gefunden? Let’s find out!

Facts zum Fender American Professional Precision Bass

Der Precision Bass gehört zu den großen Klassikern des Instrumentenbaus, und entsprechend wird so ziemlich jeder Bassist wissen, was ausstattungstechnisch zu erwarten ist. Gegenüber den etwas spartanischen Mexiko-Standardmodellen – die die Bezeichnung „Standard“ auch eher verdienen als die gehobenen American-Modelle, weswegen ich deren Umbenennung in „Professional“ auch nicht so schlecht finde – hat Fender hier aber etwas aufgestockt und leichte moderne Modifikationen vorgenommen.

Prinzipiell kriegt man beim American Professional Precision Bass natürlich das, was man erwartet. Straight forward und ohne Schnickschnack, ein Splitcoil-Tonabnehmer, passive Elektronik mit Volume-Regler und Höhenblende, stabiler Hals, Erlenkorpus, fertig. Öffnet man den mitgelieferten stabilen, mit grauem Plüsch gepolsterten GFK-Koffer, liegt auf den ersten Blick ein Instrument vor einem, wie es klassischer kaum sein könnte. Kleine Detailüberarbeitungen offenbaren sich erst auf den zweiten Blick, so zum Beispiel die HiMass-Bridge, eine schwerere Version des klassischen Bleckwinkels. Zwar ohne Topload-Option, dafür aber „String-through-Body“ und mit Messingreitern, nobel. Weiterhin hat man die zwar nach wie vor klassisch offenen Mechaniken etwas überarbeitet und mit konischen Achsen zur Gewichtsreduzierung ausgestattet.

Weiterhin wurde der Tonabnehmer („V-Mod“) überarbeitet und der Hals mit Narrow-Tall-Frets ausgerüstet, also Bünden, die vintagemäßig schmal, aber fast so hoch wie moderne Jumbo Frets sind. Soll für bessere Intonation sorgen, interessant! Auch ist das Halsprofil vom flacheren Modern C zum etwas stabileren 1963 C zurückgekehrt, aber trotzdem noch lange kein 50er-Precision-Prügel. Obendrein enthält der Hals zwei (unsichtbare) Grafitstäbe für bessere Stabilität.

In allen weiteren Bereichen regiert dann aber die klassische Auslegung. Korpus aus Erle, hochglanzlackiert, dicke, griffige und satt laufende Potiknöpfe, Ahorngriffbrett. Letzteres ist auf den seidenmatt lackierten Ahornhals aufgeleimt, entsprechend verzichtet der auch auf den Skunk Stripe auf der Rückseite. Der Hals hat die übliche Breite von 41,3 mm am Sattel, der Griffbrettradius ist mit 9,5 Zoll nicht zu flach und die Trussrod-Schraube sitzt am korpusseitigen Ende. Der Halsfuß ist eckig und ohne moderne Shapings, dafür ist das komplette Instrument perfekt verarbeitet. So gehört sich das bei dem Preis aber auch!

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Gibt es sonst noch was zum Fender American Professional Precision Bass zu sagen? Nicht viel, außer dass ich die Kombi von weißem Korpus mit Ahornhals und lindgrünem Schlagbrett schon ziemlich schick finde.

Zwischenfazit

Das ist ein Precision Bass, gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen. Okay, der Witz wird langsam alt und passt hier auch nicht wirklich. In der Tat hat Fender mit dem Fender American Professional Precision Bass ein professionell anmutendes Instrument hergestellt. Durch und durch Klassiker, doch mit kleinen und sinnvollen Detailverbesserungen, perfekt verarbeitet und todschick – vorausgesetzt man mag die klassischen, von Autodesignern entworfenen Fender-Formen. Erster Eindruck: Ja, das kann was werden, selbst zum Preis von 1699,- Euro, der für so eine fast schon primitive Konstruktion doch recht stolz anmutet. Und damit ab zum Soundcheck!

— Rückseite mit String-Through-Option —

Praxis mit dem Fender American Professional Precision Bass

Am Test eines Instruments ohne Verstärker scheiden sich seit jeher die Geister – der eine schwört darauf, dass ein Instrument niemals gut klingen könnte, wenn es trocken nicht klingt, während der andere propagiert, dass der Trockenklang völlig unerheblich sei, weil der Ton ja eh aus dem Tonabnehmer käme. Selbstverständlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte, denn natürlich ist das Gesamtsystem Bass/Gitarre für den Klang verantwortlich. Trotzdem ist ein guter Trockenklang oft ein gutes Indiz für ein gut konstruiertes Instrument, wenn auch eine Gurke von Tonabnehmer das natürlich durchaus zunichte machen kann. Langer Reder kurzer Sinn, der Fender American Professional Precision Bass klingt bereits unverstärkt grandios. Drahtig, voll, nicht überlaut, aber ausgewogen und direkt auch mit der typischen knorrigen Preci-Charakteristik.

Am Gurt weist der Bass eine ganz leichte Tendenz in die Waagerechte auf, die durch die trotz der angeblichen Gewichtsoptimierung noch recht schweren Mechaniken ausgelöst wird. In Kombination mit einem recht leichten Erlenkorpus wird daraus eben leichte Kopflastigkeit und führt zum klassischen „Preci-Problem“ – Mühlstein oder kopflastig, such dir eins von beiden aus. Allerdings ist die Kopflastigkeit nur sehr schwach ausgeprägt und schon an einem recht schmalen Ledergurt hängt der American Professional Precision Bass ausgewogen da.

Der Hals ist von Werk aus absolut perfekt eingestellt – flache, aber nicht zu flache Saitenlage (immerhin haben wir’s hier nicht mit einer „Slapwaffe“ zu tun, mehr dazu später) und Profil und Radius liegen zumindest mir perfekt in der Hand. Ich mag keine flachen Rennhälse, dafür ist meine Technik als nicht ganz professioneller Rockmusiker auch einfach zu rustikal  und der hier trifft die Balance aus genug Fleisch zum Anpacken und trotzdem einfacher Bespielbarkeit genau. Super Sache! Auch die Narrow-Tall-Bünde fallen beim Spielen nicht auf, weder negativ noch positiv.. Die allerhöchsten Bünde sind erreichbar, allerdings nicht so komfortabel wie auf moderneren Interpretationen des Precision mit abgeflachtem Halsfuß, aber das ist okay.

Was allerdings leicht negativ ins Gewicht fällt, ist, dass die A-Saite bei hartem Daumenanschlag am ansonsten gut gekerbten Sattel etwas klappert. Ein bekanntes Problem, was eben durch ein Verbauen des zweiten Niederhalters der Elite-Serie hätte vermieden werden können. Aber man kann nicht alles haben, um im Ernstfall ist so etwas für kleines Geld nachrüstbar.

— So kennt man das – aber ein zweiter Niederhalter wäre trotzdem schön gewesen —

An den Amp angeschlossen zeigt sich das, was der trockene Klang bereits versprach. Wuchtig, bassig, tiefmittig und mit einer gesunden Dosis Brillanzen oben drauf bringt der Fender American Professional Precision Bass genau das, was er soll. Gerade die Höhen sind für eine passiven Preci beachtlich, aber nicht übertrieben, was dem V-Mod-Tonabnehmer und dem lackierten Ahorngriffbrett geschuldet sein dürfte. Mit Palisander (oder in Zukunft Ebenholz, Fender verzichtet ab 2017 auf Palisander) bestückte Exemplare könnten sich etwas zahmer zeigen. Einstreuungen oder Brummen gibt’s hier auch nicht, Humbucker sei Dank. Allerdings brummt es brutal, wenn man die Polepieces anfasst, ohne dabei mit einer der beiden Hände die Saiten zu berühren – Erdung? Das ist aber eine akademische Übung, die im Spielbetrieb einfach mal nie vorkommen kann, insofern völlig akzeptabel.

Soundbeispiele

Mit voll offenen Höhen mit den Fingern bespielt, offenbart sich auch direkt eine weiter Preci-Charakteristik. Wohl kaum ein Bass ist klanglich so skill-abhängig wie ein Precision. Man muss den Fender American Professional Precision Bass keinesfalls zwingen, gut zu klingen, schlägt man eine Seite an, drückt er direkt schön und differenziert aus dem Verstärker. Aber die direkte Konstruktion verzeiht absolut nichts und so muss man schon schön und sauber spielen – dann klingt er aber auch wirklich grandios!

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Precis sind bekanntlich auch unter pickbewehrten Rockern durchaus beliebt und das zu Recht. Nicht ganz mein Metier, aber mit dem Plektrum gespielt singt der Fender American Professional Precision Bass in den hohen Lagen schön und liefert ausgewogen Attack und Sustain, während er unten rum adäquat bollert. Die HiMass-Bridge, die mir beim Mexiko-Jazzbass letztes Jahr sauer aufstieß, tut dem Precision mit dem leichten Erlenkorpus sehr gut, genau die richtige Wahl, vor allem wenn man die Saiten String-through-Body aufzieht.

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Maiden-mäßiger Klacker-Metalsound mit Fingern ist allerdings etwas, mit dem ich mich doch noch etwas mehr anfreunden kann und auch das macht der P mit Bravour.

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Der holzige, knorrige Preci-Knurr lässt sich aber am besten nach vorne schieben, wenn man die einzige Möglichkeit der elektronischen Klangformung, die Höhenblende, etwas zurücknimmt. Anders als bei günstigen Vertretern der Gattung fällt auch die E-Saite, die sonst oft etwas pappig klingt, nicht ab. Viel mehr bratzelte sie im Werks-Setup schon fast etwas zu heftig, was sich aber mit einer kurzen Korrektur der Pickup-Höhe beheben ließ.

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Da kommt dann auch bei noch weiter zugedrehten Höhen der Fingerfunk à la Rocco Prestia ins Spiel. Mit der linken Hand gedämpft, lassen sich diese schönen perkussiven, aber nicht stotternden Sounds erzeugen, die die Rhythm Section von Tower of Power erst so richtig grooven lassen. Wer so etwas spielen will, für den geht der Weg an einem Preci nicht vorbei, und der hier ist ein sehr guter Vertreter seiner Klasse. Nichts auszusetzen!

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Ich erwähnte, dass ein Preci, und so auch der Fender American Professional Precision Bass, bauartbedingt keine Highspeed-Slapwaffe sein kann. Für Sperrfeuer-Salven à la Victor Wooten fehlt die Mittenaushöhlung des Jazz Bass und das „gewisse Filigrane“. Bespielbarkeitstechnisch ist so was auf dem hier vorliegenden Exemplar kein Problem, es klingt aber dann doch nicht so, wie es soll. Steht man aber auf erdige, dreckige Funk-Slapgrooves, dann kann man mit dem Fender American Professional Precision Bass sehr glücklich werden!

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Fehlt einem Precision auch das Filigrane eines Jazz, die dieser nicht zuletzt durch die zwei Tonabnehmer erhält, reagiert das hier vorliegende Exemplar jedoch sehr fein auf Veränderungen der Anschlagsposition. Verschiebt man diese Richtung Bridge, lassen sich auch etwas feingliedrigere Töne entlocken, auch wenn es natürlich immer stets nach Preci klingt.

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Fazit

Alles, was er konstruktionsbedingt können kann und soll, kann dieser Bass. Perfekt verarbeitet, werksseitig gut eingestellt und mit genau DEM Klang ist der Fender American Professional Precision Bass eine absolute Wucht. Wer einen guten klassischen Precision sucht, der ist hier richtig und die Detailverbesserungen, die Fender implementiert hat, machen allesamt Sinn und verwässern den Charakter des Instruments nicht. Wer noch mehr Luxusoptionen will, die aber dann schon etwas weiter vom klassischen Ideal weg gehen, der kann auch noch mal 500,- Euro mehr für den Elite ausgeben.

Für mich persönlich wird der American Professional P in die engere Auswahl des als nächstes zu beschaffenden Instruments aufgenommen. Wer 1699,- Euro über hat und einen Preci will – hier ist er, zuschlagen. Die 1699,- Euro sind aber auch der Grund, warum ich dem Fender American Professional Precision das Best-Buy-Prädikat verweigere – gut hin oder her, das ist ein stolzer Preis für ein solches Instrument und ich würde behaupten, dass man mit genug Zeit zum Suchen Vergleichbares eventuell etwas günstiger bekommen könnte. Aber hier verhält es sich wie mit einem Mercedes – wenn es ein echter sein muss, dann der hier, das Geld ist er irgendwie wert, auch wenn die Konkurrenz vielleicht etwas billiger ist.

Plus

  • Verarbeitung
  • Bespielbarkeit
  • Sound
  • Konstruktion und Ausstattung
  • Lieferumfang

Minus

  • kein Saiteniederhalter für die A-Saite
  • ganz leichte Kopflastigkeit

Preis

  • Ladenpreis: 1699,- Euro
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