Test: Fender Jim Root Jazzmaster, E-Gitarre

8. Juli 2014

Jazzmaster gone wild!

Test: Fender Jim Root Jazzmaster, E-Gitarre

Test: Fender Jim Root Jazzmaster, E-Gitarre

Wenn man sich mal die Mühe machen würde, das Produktsortiment von Fender im Gitarrenbereich übersichtlich zusammenzufassen, ich glaube damit wäre man Tage beschäftigt. Allein die unzähligen Variationen der Stratocaster füllen so ziemlich jede musikalische Lücke und für viele Fender Endorser ist sie in aller Regel auch der Ausgangspunkt für ein Signature Instrument, im Detail gestaltet nach den persönlichen Vorlieben und Wünschen des Künstlers.

Doch Ausnahmen bestätigen ja die Regel, wie wir alle wissen. Und so hat sich der Saitenschwinger einer der wohl düstersten Metalbands unseres Planeten eben nicht nur für eine Strat, sondern für ein in dieser Stilistik eher untypisches Instrument entschieden: Jim Root von Slipknot spielt eine Jazzmaster! Fender huldigt den Saitenschwinger gleich mit mehreren Modellen, sogar eine weiße Telecaster wurde nach Roots Vorgaben gepimpt! Neben einer Signature-Strat erscheint aber auch die Fender Jim Root Jazzmaster im Fokus, die wir heute im Test auf Amazona begrüßen dürfen.

Facts & Features Fender Jim Root Jazzmaster

Bis auf die Form des Korpus ist von der ursprünglichen Fender Jazzmaster nicht viel übrig geblieben. Dieser Gedanke schießt prompt durch den Kopf, wenn man das hochwertige Case, in dem die Fender Jim Root Jazzmaster geliefert wird, das erste Mal öffnet. Nichts mit schillerndem Perlmutt-Schlagbrett inklusive Plastik-Minischaltern und jaulendem Vibrato – hier herrscht gerade zu Tristesse im Vergleich zum Original! Und auch bei der Auswahl des Tonholzes für den Korpus geht man hier einen anderen Weg, denn bei der Jim Root Jazzmaster wurde ein Stück Mahagoni verwendet – traditionell wurden (und werden) ja für die Jazzmaster eher die Hölzer Esche, Linde oder Erle genutzt. Aufgrund des extrem deckenden, mattschwarzen Finish lässt sich unmöglich bestimmen, aus wieviel Teilen der Korpus zusammengesetzt wurde. Tippen dürfte man in dieser Preisregion auf zwei.

Auf der Decke herrscht wahrhaftig gähnende Leere, bis auf einen Dreiwege-Schalter und ein Volume-Poti zur Anwahl bzw. Lautstärkeregelung der zwei EMG Pickups verzichtet Mr. Root auf jeglichen Schnickschnack. Die Tonabnehmer sind selbstverständlich aktiv, so verrichtet das Modell EMG 60 am Hals seinen Dienst, in der Stegposition tut dies der EMG 81. Zugang zur benötigten Batterie erhält man über die Rückseite, allerdings nicht in Form eines eigenen Batteriefachs. Leider muss zum Wechseln der Batterie das Abdeckfach für die Elektronik komplett abgenommen werden, was den Einsatz eines Kreuzschlitzdrehers erforderlich macht.

Geöffnetes Elektonikfach mit dem 9-Volt-Block

Sehr gut mitgedacht wurde dennoch durch das Einsetzen von Metallhülsen zur Aufnahme der Kreuzschlitz-Schrauben des Kunststoffdeckels, so herrscht auch nach dem hundertsten Batteriewechsel immer noch Freude über gut zupackende Gewinde. Im Innern des Elektronikfachs geht es zwar etwas beengt zu, dennoch wurde hier sauber gearbeitet. Die 9-Volt-Batterie besitzt eine Ummantelung aus Schaumstoff, die man nach einem Wechsel zusammen mit dem Akku möglichst wieder einsetzen sollte. So sitzt der Saftspender fest und verursacht keine Übel.

Ganz in der Tradition der Jazzmaster zeigt sich der eingeschraubte Hals aus einem Stück Ahorn. Um der linken Hand den durch das breite Cutaway ohnehin schon großen Freiraum noch zu erweitern, besitzt der Halsfuß eine leichte Fräsung. So sind die 22  Jumbo-Bünde wirklich gut zu erreichen, auch von Spielern mit größeren Handmaßen. Die Bundstäbchen sind zudem perfekt in das Ebenholzgriffbrett eingelassen und abgerichtet, es sind faktisch keine Kanten oder Unebenheiten spürbar. Auf Dots wurde leider gänzlich verzichtet, zur Orientierung müssen also die Punkte auf der Oberkante des Griffbretts genügen.

Die Fender Jim Root Jazzmaster besitzt eine String-Through-Body Saitenführung, die Saiten werden also durch den Korpus und den Steg Richtung Kopfplatte geführt. Hier erwarten die sechs Drähte voll gekapselte und eingeschwärzte Fender Locking-Mechaniken, die während der Testdauer ein gutes Bild abgaben. Sowohl das eigentliche Stimmen als auch das Halten der Stimmung ist mit ihnen zuverlässig möglich. Hier an der Kopfplatte im Fender 70s Style erhält man auch den dezenten Hinweis auf den Namensgeber der Gitarre: Das Signet von Jim Root wurde auf der Rückseite der Kopfplatte aufgedruckt und zusammen mit der Halsrückseite in einem griffigen Satin-Finish lackiert.

Dezenter Hinweis auf den Künstler

Mit einer Mensur von 648 mm und einer Sattelbreite von 42,8 mm weicht die Jim Root Jazzmaster vom Originalmodell nicht ab und bietet dadurch auch für ideale Voraussetzungen für eine gute Bespielbarkeit. Ob dem so ist und wie das so klingt, erfahren wir auf der nächsten Seite.

Sound & Praxis: Fender Jim Root Jazzmaster

Trotz des voluminösen Mahagonikorpus als Gegengewicht kann man der Fender Jim Root Jazzmaster eine gewisse Kopflastigkeit leider nicht absprechen. Diese Unart macht sich natürlich vorwiegend beim Aufliegen des Instruments auf dem Oberschenkel bemerkbar, mit einem rutschfesten Gurt ist die Sache jedoch nicht weiter tragisch. Dass die Kombination Mahagoni-Korpus und Ahornhals schon immer beste Voraussetzungen für einen ausgewogenen Gitarrenton waren und bis heute sind, beweist auch unsere Jazzmaster bereits beim ersten, unverstärkten Anspielen. Der akustische Grundsound ist als ausgesprochen wuchtig, spritzig und drahtig zu bezeichnen und besitzt darüber hinaus ein sehr schönes Sustain, sodass selbst einzeln angespielte Noten schon im unverstärkten Zustand mit einem kräftigen Ton glänzen.

Die Bespielbarkeit des Halses, dessen Shaping Fender mit „Modern C“ bezeichnet, ist schlichtweg hervorragend. Ich wage sogar zu behaupten, dass die Verarbeitungsqualität den Modellen aus der Custom Shop Fertigung in nichts nachsteht. Neben der natürlich-holzigen Halsrückseite (aufgrund der nur hauchdünn aufgetragenen Lackschicht) sind auch die grandios verarbeiteten Bundstäbchen und das weit ausgeschnittene Cutaway mit verantwortlich für das äußerst bequeme Spielgefühl, das die Fender Jim Root Jazzmaster bereits nach wenigen Sekunden vermittelt.

Zwei Pickups, ein Schalter und ein Poti: Mehr braucht’s nicht, zumindest nicht für Jim Root

Auch die EMG Pickups passen hervorragend zu diesem Instrument. Viel geht zwar nicht, allerdings ist das, was geht sehr beeindruckend! Die Pickups sind voll und ganz in der Lage, das akustische Grundgerüst der Gitarre eindrucksvoll an einen Amp zu portieren und glänzen dabei mit den typischen Attributen für aktive Pickups: Sie sind Nebengeräuscharm und reagieren auch bei Zurückregeln des Volume-Potis nicht mit einem völligen Zusammenbruch der Dynamik im Signal.

Der Dreiwegeschalter erlaubt nur den Betrieb als Doppelspuler, eine Singlecoil-Schaltung ist nicht vorgesehen. Doch das macht nur wenig bis gar nichts, denn zum einen würde sich kein Fan von cleanen Sounds je solch eine Gitarre umhängen und zum anderen besitzt die Gitarre mit diesen Pickups durchaus einen eigenen, ja fast schon Vintage-artigen Grundcharakter. Oha, da scheint ja doch noch was von den Wurzeln der einstigen Jazzmaster hängen geblieben zu sein? Und ob! Und das beweist die Fender Jim Root Jazzmaster nicht nur im verzerrten Betrieb, was natürlich die Domäne dieses Instruments und seines Namensgebers darstellt.

Fazit

Wer hätte gedacht, dass man aus dem einstigen Mauerblümchen, der Fender Jazzmaster, ein derart modernes Instrument erschaffen kann? Fast hat man das Gefühl, Fender erfindet sich immer wieder neu, denn bei der Konstruktion Jim Root Jazzmaster ist kein Stein auf dem anderen geblieben oder besser gesagt: Bis auf das Shaping des Korpus und den Hals bestehen zur Ur-Jazzmaster nur wenige Gemeinsamkeiten. Die geradezu spartanische Ausstattung mit nur einem Schalter und einem Poti für die Lautstärke könnte schon zu der Annahme verleiten, man hätte es bei der Fender Jim Root Jazzmaster mal wieder nur mit einem High-Gain-Brett zu tun. Das Wort „Brett“ kommt in diesem Zusammenhang aufgrund der ausladenden Korpusform zwar schon irgendwie hin, allerdings deckt dieser charakterstarke Sound weit mehr als nur den Hard’n’Heavy Bereich ab. Die Fender Jim Root Jazzmaster kann locker das ganze Spektrum der Rockmusik abdecken. Ganz locker!

Die Klangbeispiele wurden mit einem Bugera V22 und einem Shure SM57 Mikro in Logic aufgenommen und nicht weiter bearbeitet.

Plus

  • sehr knackiger und spritziger Sound
  • Bespielbarkeit
  • sehr gute Verarbeitung, speziell der Hals
  • Locking Mechaniken
  • edles Case dabei

Minus

  • Batteriewechsel umständlich

Preis

  • Straßenpreis: 1.539,- Euro
Klangbeispiele
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