Test: Fender Passport Event Series 2 Beschallungsanlage

20. August 2020

Mobile Beschallungsanlage statt Gitarrencombo!

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Fender Passport Event Series 2

Ein neuer Fender Gitarrencombo? Dies war erwartungsgemäß meine erste Einschätzung, als mir der Paketbote ein vergleichsweise großes, aber nicht übermäßig schweres Paket mit der Aufschrift Fender in die Hand drückte. „Aha, ein Transistoramp“, vermutete ich ob des Gewichts, allerdings brachte mich die von oben betrachtet ovale Form des Produktes, die sich mir nach Öffnen des Pakets offenbarte, ein wenig ins Grübeln. Nicht ohne Grund, handelte es sich bei dem Fender Passport Event Series 2 um ein portables Audiosystem, fernab jeglicher Verstärker, die unter anderem zum Weltruhm der Marke beigetragen haben. Fender macht jetzt auch auf Audiosysteme?

Die Konstruktion des Fender Passport Event Series 2

Dass eine der bekanntesten Trademarks weltweit sich nicht auf immer und ewig auf seinen Ikonen wie zum Beispiel Strat, Tele, Precision und Bassman ausruht, liegt in der Natur der Sache, allerdings trat Fender in den letzten Dekaden mehr oder minder nur in Erscheinung, wenn es sich um die Übernahme anderer Gitarren-lastiger Hersteller wie zum Beispiel Jackson, Charvel, Ovation oder Hamer Guitars ging. Der Einstieg in den Audiosystem-Bereich, früher auch gerne als „Gesangsanlage“ bezeichnet, ist daher mit einer deutlichen Erweiterung des Kerngeschäftes zu verstehen.

Mit dem Fender Passport Event Series 2 bietet der amerikanische Hersteller den mittleren Vertreter einer aus drei Varianten bestehenden Beschallungsanlage an, die in Sachen Leistung und Funktionsumfang unten von der Conference und nach oben von der Venue-Variante abgerundet wird. Alle drei Modelle wurden unter dem gleichen Aspekt der einfachen Handhabung und des leichten Transports gebaut, was bei Audiosystemen dieser Leistungsklasse ein immer wichtigeres Kaufargument darstellt. Nur noch wenige User aus dem Amateurbereich spüren das Bedürfnis, sich in die Audiomaterie einzuarbeiten und geben einer reinen Plug-and-Play Lösung immer häufiger den Vorzug.

Um genau diese Zielgruppe aus dem Bereich Gartenparty, Hobby-DJ und einfache Straßenfestbeschallung zu erfassen, hat Fender die Handhabung der Fender Passport Event Series 2 audio-technisch auf nur sehr wenige Regelmöglichkeiten heruntergebrochen, sich stattdessen aber sehr viele Gedanken über den Transport und die Optik des Produktes gemacht. Bereits der erste Eindruck zeigt eine der Stärken des Systems. Das aus zwei Boxen und einer Steuerkonsole bestehende System lässt sich in einen Koffer zusammenbauen und mit nur einer Hand transportieren. Dabei sind die Abmessungen mit 737 x 559 x 286 mm (B x H x T) und einem Gewicht von 21,1 kg sehr moderat für ein Audiosystem, das mit einer Ausgangsleistung von insgesamt 375 Watt wirbt. Als Lautsprecher kommen pro Box je ein 8 Zoll Tieftöner und ein 1,2 Zoll Hochttontreiber zum Einsatz.

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Fender Passport Event Series 2 – geschlossen

Die beiden Boxen haben auf der Unterseite einen Standard 35 mm Flansch für den Hochständerbetrieb, den die Boxen auch gut gebrauchen können. Die nach hinten oval verlaufenden Boxen mögen optisch eine gute Figur abgeben, in Sachen Standfertigkeit hingegen erweisen sich die beiden Boxen als äußerst kippanfällig. Ein leichter Stoß von der Seite und der Schwerpunkt überschreitet die Seitenkante des Gehäuses. Was auch sehr selten verbaut wird, ist der Lautsprecheranschluss auf der Vorderseite des Gehäuses, so wie es hier bei den Boxen der Fender Passport Event Series 2 praktiziert wird. Der Grund ist in der Transportabilität zu suchen. Da die Boxen auch gleichzeitig die Außenteile des Transportkoffers darstellen, würde sich mit einer außen anliegenden Anschlussbuchse die Gefahr eines Bruchs oder einer Verschmutzung der Buchse ergeben. So hingegen hat man aber während des Betriebs immer die Lautsprecher Kabel vor der Box baumeln. Nun ja, dies sollte jeder selber entscheiden, ob einen dieses Detail stört.

Die Rückseite

Die Mittelkonsole bietet auf der Vorderseite alle Regelelemente, während die Rückseite über drei kleine Fächer verfügt, in denen Kabel oder ein Mikrofon platziert werden können. Der Aufbau des Systems ist so weit massiv genug für einen guten Transport, allerdings wirken ein paar Detaillösungen, wie zum Beispiel der Verschluss der rückseitigen Klappe, ein wenig „plastikeresk“. Sei’s drum. Neben Kaltgerätebuchse, On/Off-Schalter und Betriebsspannungswahl befinden sich hier auch die beiden Buchsen zwecks Anschluss der Boxen.

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Fender Passport Event Series 2 – Konsole

Die Vorderseite

Wie bereits erwähnt, wurden die Regelelemente der Fender Passport Event Series 2 auf ein Minimum reduziert, um den User nicht zu überfordern, was natürlich auch immer eine gewisse Kompromissbereitschaft für den prof. User mit sich bringt. Das siebenkanalige Mischpult bietet vier nicht verriegelte XLR/TSS-Kombibuchsen, einen Monoklinke und einen Stereo-Klinkeneingang an. Die Kombibuchsen sind in ihrer Empfindlichkeit zwischen Mikrofon- und Line-Pegel, der Mono-Klinkenkanal zwischen Line-Pegel und hochohmig (zum Beispiel für einen passiver E-Bass) umschaltbar. Der linke Klinkeneingang der Stereo-Klinkeneingänge lässt sich auch für den Monobetrieb nutzen. Zusätzlich gibt es noch einen analogen 3,5 mm Stereo-Miniklinkeneingang für den Anschluss von mobilen Geräten oder ähnlichem. Des Weiteren verfügt das System über einen Bluetooth-Eingang, der mit einem beleuchteten Druckschalter aktiviert wird und das Pairen einleitet.

Jeder der Eingangskanäle verfügt über einen separaten Volume-Regler, einen Gain-Regler hingegen sucht man wohl auch aufgrund der gerne falsch praktizierten Handhabung vergebens. Dass dies insbesondere im Mikrofonbereich zu Fehlanpassungen führen muss, ist klar und sollte mit einkalkuliert werden. Für die Klangregelung wurde, wohl auch für die einfache Handhabung auf eine 2-Band-Lösung aus Bässen und Höhen zurück gegriffen. Die Kanäle werden von einem Reverb-Regler abgerundet, der die Zumischung eines fest eingestellten Hallprogramms erlaubt. Vier Regler pro Kanal, das war es schon. Wie erwähnt, es verringert die Fehlbedienung, schränkt aber auch die Möglichkeiten ein.

Im Gegensatz zum stark limitierten Mischpultbereich, verfügt die Mastersektion hingegen über einen Anschluss, den ich nicht unbedingt erwartet hätte. Die Fender Passport Event Series 2 verfügt über einen Subwoofer-Anschluss mit einer festen Crossover-Frequenz von 120 Hz, die sofern regelbar, bei Betrieb eines Subwoofers dort ebenso eingestellt werden sollte. Die Übergabefrequenz scheint gut gewählt, da selbst ein 18 Zöller immer noch bis ca. 180 Hz hinauf geht und sie die Satelliten um einen beträchtlichen Tiefbassanteil entlastet.

Des Weiteren verfügt das System über einen Mono-Ausgang für den Anschluss eines Aktivmonitors, dessen Pegel vor dem Master-Volume-Regler abgegriffen wird und der über einen eigenen Volume-Regler verfügt, der auch einen Kopfhörerausgang (3,5 mm Miniklinke) regelt. Als Abschluss des Panels sind zwei LEDs (Power und Protect), besagter Master-Volume-Regler und zwei LED-Ketten, die über die Leistungsabgabe informieren, zu sehen.

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Fender Passport Event Series 2 – Box

Die Fender Passport Event Series 2 in der Praxis

Entsprechend der Zielgruppe ist die Fender Passport Event Series 2 innerhalb von zwei Minuten betriebsbereit. Netzkabel stecken, LS-Kabel stecken, Mikrofon oder Line-Instrument einstecken, Volume hoch, kurz den Klang grob nachregeln, fertig. Ich habe wahrlich selten eine Aktivanlage gesehen, die in so kurzer Zeit betriebsbereit war. Um den Klang der Anlage zu testen, musste das System die Standard-Prozedur über sich ergehen lassen, will heißen, verschiedene Loops und finale Produktionen zzgl. Mikrofonbetrieb im Raum, kleine Halle und freies Feld über ca. 50 m.

Der erste Klangeindruck war in der Tat überraschend. In Anbetracht der verwendeten Komponenten liefert die Fender Passport Event Series 2 einen ungewöhnlich hohen Bassanteil, den ich weder der Gehäusegröße, noch den verwendeten 8 Zoll Basslautsprechern zugetraut hätte. Auch bietet die Endstufe einen unerwartet hohen Headroom, selbst bei starken Impulsen. Der Mittenbereich kommt sehr ausgewogen und angenehm rüber und ist deutlich präsenter als bei vielen Konkurrenzprodukten dieser Bauart.

Über den Hochtonbereich kann man geteilter Meinung sein, da er zugunsten des „Live-Bereichs“ etwas „schroffer“ ausgelegt wurde, will heißen, eine feine Auflösung mit entsprechendem „Säuseln“ wie bei hochwertigen Studiomonitoren sucht man hier vergebens. Inwieweit dies für das persönliche Einsatzgebiet von Nöten ist, muss allerdings jeder für sich selber entscheiden. Aufgrund der reduzierten Klangregelung lassen sich leider keine „Reparaturen“ des angelieferten Klangmaterials durchführen, das heißt, es gilt sehr auf die Qualität des Materials zu achten.

Was Fender hier allerdings für 629,- Euro Ladenpreis klanglich bietet, ist in der Tat deutlich über dem, was ein Großteil der User erwartet hätte. Zusammenfassend muss man dem System einen guten Klang und hervorragende Transportabilität bescheinigen.

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Fender Passport Event Series 2 – Einzelkomponenten

Fazit

Mit dem Fender Passport Event Series 2 bietet einer der größten Namen des Gitarrenbereichs eine sehr leistungsstarke Aktivanlage für den schnellen Einsatz. Eine sehr gute Transportabilität nebst gutem Grundklang schaffen ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, zumal das System auch den unerfahrenen Nutzer nicht vor unlösbare Detailprobleme stellt.

Plus

  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • kräftiger Sound
  • Transportabilität

Preis

  • 629,- Euro
Forum

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