Zwischen Tradition und Moderne
Das Rad kann man nicht neu erfinden, aber man kann es besser und schöner machen. Der Fender Player II Mod J erledigt das erfolgreich.
- Klassischer Charakter: Der Mod J Bass orientiert sich klar an den Jazzbass-Vorbildern der 60er- und 70er-Jahre.
- Moderne Features: Aktive Elektronik, Noiseless-Pickups und HiMass-Bridge bringen zeitgemäße Flexibilität.
- Sehr gute Verarbeitung: Der „Made in Mexico“-Bass überzeugt mit sauberem Setup und hochwertigen Details.
- Vielseitig einsetzbar: Klanglich zwischen Tradition und Moderne – ideal für viele Stilrichtungen.
Inhaltsverzeichnis
Der erste Eindruck
Schon beim Auspacken und ersten Anspielen wird klar: Hier hatte niemand vor, das Rad neu zu erfinden. Eine klassische Korpusform, ein sofort vertrautes Handling und der typische Sound eines Fender Jazz Bass – alles schon mal in der Hand gehabt, deswegen aber nicht verkehrt. Der schmale Hals mit seinem angenehm ausgeprägten C-Profil liegt von Beginn an super in der Hand und spielt sich wie Butter. Die Ansprache ist schnell und auf den Punkt, das Instrument schwingt unplugged merklich am Körper und bringt trocken bereits einen runden Ton mit sich.
Dazu sieht das dunkle Grün in Kombination mit dem schwarzen Pickguard und den Mechaniken aus Chrom richtig gut aus. Fender kopiert sich selbst – zum bezahlbaren Preis – und das Ergebnis kann sich sehen und hören lassen. Der einzige kleine Wermutstropfen könnte das Gewicht sein: Mit 4,2 kg ist der Fender Player II Mod J Bass kein Leichtgewicht, bewegt sich aber noch im Rahmen für einen 4-Saiter. Dieser Bass macht Lust auf mehr!
Aufbau und Verarbeitung
Von den Specs her bringt der Fender Player II Mod J Bass klassische Werte mit sich:
- Korpus: Erle
- Geschraubter Hals: Ahorn
- Griffbrett: Palisander
- Weiße Dot-Griffbretteinlagen
- Halsprofil: Modern „C“
- Griffbrettradius: 241 mm (9,5″)
- Mensur: 864 mm (34″)
- Sattelbreite: 38,1 mm (1,5″)
- TUSQ-Sattel
- 20 Medium-Jumbo-Bünde
- Tonabnehmer: 2 Player II Noiseless Jazz Bass Single Coils
- Regler: Master Volume, Pan-Poti (Pickup-Selector), Höhen Boost/Cut, Mitten Boost/Cut, Bass Boost/Cut, Aktiv/Passiv-Ton
- Aktiv/Passiv-Toggle-Schalter
- 3-lagiges schwarz-weiß-schwarzes Schlagbrett
- Fender HiMass-Steg mit verchromten Zink-Sätteln
- Offene Tapered-Shaft-Mechaniken
- Nickel/Chrom-Hardware
- Besaitung ab Werk: Fender USA 7250M Nickel Plated Steel .045–.105
- Farbe: Harvest Green Metallic
Der wohl größte Unterschied zum Vorbild aus den 60er-Jahren ist die HiMass-Bridge, die Fender seit einigen Jahren als Alternative zu ihrem klassischen Blechwinkel im Programm hat und in Anlehnung an die berühmte Leo Quan BadAss II – einem beliebten Mod – gebaut wurde. Eine weitere Abweichung zum berühmten Original ist die aktive Elektronik mit 3-Band-EQ. Für alle, die es trotzdem old-school haben möchten, hat Fender einen Toggle-Switch spendiert, um zwischen aktivem und passivem Betrieb zu wechseln.
Die restlichen Potis sind bestückt mit einer klassischen Tonblende, einem Volume-Regler und einem Balance-Poti, mit dem man stufenlos beide Pickups stufenlos mischen kann. Eine weitere kleine Besonderheit sind die beiden Fender Noiseless Jazz Bass Single-Coils, die den offenen Sound typischer Einspuler mitbringen sollen, dabei jedoch arm an Nebengeräuschen und Brummen sind. Ansonsten bringt der Fender Player II Mod J Bass die typische Palette an Eigenschaften mit, die man eben auch von einem Jazz Bass erwartet.
Die Verarbeitung des Instruments ist dabei durchweg hervorragend. Die Zeiten, in denen „Made in Mexico“ als minderwertig galt, sind vorbei – der Fender Player II Mod J Bass ist anstandslos gut gebaut und braucht sich nirgendwo zu verstecken. Ein wichtiges Qualitätsmerkmal ist diesbezüglich immer die Abrichtung der Bünde – und hier wurde tadellos gearbeitet: Nichts schnarrt oder steht über. Einen echten Kritikpunkt kann ich, selbst bei längerer Suche, nicht finden. Klasse!
Das Spielgefühl des Fender Player II Mod J Bass
Instrumente, die in Anlehnung an berühmte Vorbilder gebaut werden, stehen immer vor der Frage: Wie nah möchte ich am Original bleiben – und wie viel Eigenständigkeit darf ich mitbringen? Fender hat dies beim Player II Mod J Bass wohl im Punkt Handling mit „so gut es eben geht“ beantwortet – und entsprechend fühlt sich das Instrument auch an. Das Halsprofil erinnert sehr stark an das eines Jazz Bass der frühen 70er-Jahre, also an den Zeitraum, in dem mit „mehr Fleisch“ gebaut wurde, aber noch nicht der berühmt-berüchtigte „Baseballschläger“ angesagt war.
Die vom Hersteller zusätzlich angegebene Eigenschaft „modern“ in der Profilbeschreibung interpretiere ich durch die leichte Asymmetrie, die bei den Originalen aus den 60er- und 70er-Jahren so nicht vorhanden war. Ab dem 10. Bund spürt man eine zunehmende Verschlankung der Dicke, was sich angenehm unter den Fingern anfühlt. Ansonsten ist eigentlich alles so, wie man es kennt – von der Position des Basses am Gurt (mit der typischen Fender-Kopflastigkeit) bis hin zur Auflage der rechten Hand über das Shaping am oberen Ende des Bodys.
Für meinen persönlichen Geschmack hätte der Lack auf der Halsrückseite etwas dünner aufgetragen sein können, wirklich negativ fällt das aber nicht ins Gewicht. Ansonsten fühlt man sich auf dem Fender Player II Mod J Bass sofort wie zu Hause – nicht umsonst ist das Modell Jazz Bass wohl die am häufigsten verwendete Basis im Bassbau.
Die Sounds
Bereits unplugged bringt der Fender Player II Mod J Bass ein gutes Pfund an Sound mit. Der Bass schwingt und vibriert richtig durch, der Ton ist laut und knurrig mit einer leicht hochmittigen Betonung. Die Fender-Nickel-Saiten passen gut zum Instrument, denn sie unterstützen die Old-School-Vibes. Der Ton bleibt über das gesamte Griffbrett recht ausgewogen und rund, wird in den höheren Lagen aber etwas eng und nasal. Womit das genau zusammenhängt, vermag ich auf den ersten Blick nicht zu sagen – ggf. ist das etwas, das man über das Setup lösen kann.
Dieses ist vom Werk aus bereits recht gut – für meinen Geschmack könnte der Hals aber etwas gerader sein und dafür die Saitenreiter höher. Allerdings ist die typische Krümmung des Halses auch wiederum etwas, das zu einem Fender Bass einfach dazugehört und durch die klassische Bauform bedingt ist. Unabhängig davon ist der nasale Charakter in den höheren Lagen nichts, das stark negativ ins Gewicht fällt – jedoch soll es nicht unerwähnt bleiben. Ansonsten sucht man aber Deadspots oder Ungleichgewichte vergebens: Hier wurde ganze Arbeit geleistet und ein stimmiges Setup abgeliefert.
Zu Beginn hören wir mal in die Sounds im passiven Betrieb rein. Für die Sounds mit offener Tonblende habe ich einen funky Rock-Riff gewählt, der vor allem durch einen sauberen Attack zur Geltung kommt. Bei geschlossener Tonblende wurde es ein klassischer Walking-Bass im Rock’n’Roll-Stil.
Für meine Ohren zeigen die Sounds sehr schnell, was der Fender Player II Mod J Bass kann und was nicht. Der Ton ist, im Vergleich zum Original aus den 60er und 70er deutlich straffer und direkter. Das mag mit der HiMass-Bridge zusammenhängen, insgesamt schwingt die Saite einfach weniger aus und klingt so definierter und tighter. Das bringt so wiederum mehr Obertöne mit dafür fehlt aber der typische Vintage-Muff. Die schnelle Ansprache sorgt auch für eine sehr direkte Entwicklung des Tons, die Transienten sind somit wenig stark ausgeprägt.
Klanglich könnte man sagen es fehlt etwas der „Plopp“ am Anfang des Tones. Somit liegt der Fender Player II Mod J Bass klanglich irgendwo zwischen Tradition und Moderne – ein hochgezüchteter Edelbass oder der berühmte „Jazzbass auf Steroide“ klingt nochmal anders.
Die Unterschiede zwischen den einzelnen Pickups fallen, im Vergleich zu anderen Jazzbässen, auch etwas weniger stark aus. Das mag daran liegen, dass es sich hier um Split-Coils und nicht um Single-Coils handelt, die gesamte Auslegung ist einfach etwas zahmer. Bei offener Tonblende sind die verschiedenen Positionen noch deutlicher zu hören, im geschlossenen Modus fallen sie wenig ins Gewicht. Klar klingt ein Bridge-PU immer etwas dünner als sein Bruder in der Nähe des Halses, jedoch gleichen sich beim Fender Player II Mod J Bass diese gut an. Beide zusammen bringen die typischen Mittenauslöschung mit sich und verstärken den definierten Charakter des Sounds. Hier klingt der Bass dann auch recht modern ohne Mojo im Ton.
Um die Unterschiede zwischen den Sounds und den Einfluss auf die Elektronik zu verdeutlichen, habe ich drei Riffs aufgenommen und diese einmal passiv und aktiv aufgenommen. Der 3-Band-EQ greift deutlich und effektiv in den Sound ein, nimmt dem Bass aber nicht seinen Charakter. Auch sind die Lautstärken so zueinander abgestimmt, dass man keinen besonderen Pegelanstieg hat. Das eröffnet vor allem live tolle Möglichkeit wie das spontane Umschalten zwischen zwei Songs für einen neuen Sound.
Die aktive Elektronik von Fender ermöglicht gute Anpassungen der Sounds und bringt eine Vielzahl an Möglichkeiten ins Spiel. Die neutrale Auslegung macht natürlich Sinn – etwas mehr Eigenständigkeit hätte in meinen Augen aber auch nicht geschadet. Insgesamt macht der Fender Player II Mod J Bass jedoch einen sehr soliden und guten Eindruck. Er klingt, wie ein Jazz Bass eben klingt und liegt klanglich wohl irgendwo zwischen traditionellen Sounds und einer modernen Ausrichtung. Das macht ihn sehr flexibel einsetzbar – und somit zu einem echten Allrounder!

































