Quantum LT 4 – solides Audiointerface im Test
Nachdem Fender bereits im Jahr 2021 Presonus übernommen hatte, blieb es lange Zeit still. Anfang 2026 wurde aus der DAW Presonus Studio One dann Fender Studio Pro und auch bei den Audiointerfaces von Presonus gab es Änderungen. Während die Modelle der HD-Serie einfach nur umbenannt wurden, bringt Fender mit der LT-Reihe (LT 2, LT 4, LT 16) auch drei ganz neue Produkte auf den Markt – was man als weiteres Zeichen werten darf, dass Fender sich auch außerhalb des Gitarrenmarktes breiter aufstellen möchte. Im Test schaue ich mir die mittlere Ausgabe des Trios, das Fender Quantum LT 4, einmal näher an.
Was ist es? Fender Quantum LT 4, USB-Audiointerface mit vier Eingängen und Fokus auf einfache, latenzarme Aufnahme
- Klang: Gute, rauscharmen MAX-HD-Preamps mit hoher Gain-Reserve, auch für leise Mikrofone geeignet.
- Ausstattung: 4 Eingänge, 2 Ausgänge, Loopback-Funktion, aber keine Extras wie MIDI, Effekte oder Display.
- Bedienung: Solide Verarbeitung und intuitive Handhabung, jedoch ungewöhnliche Eingangsanordnung.
- Schwächen: Fehlende Gain-Regler für Hi-Z-Eingänge und nur globale Phantomspeisung.
- Preis-Leistung: Günstiges, schnörkelloses Interface für Basisanwendungen mit kleinen Einschränkungen.
Inhaltsverzeichnis
Technische Daten und Features
Das Fender Quantum LT 4 ist ein USB 2.0 Audiointerface mit USB-C-Anschluss und einer maximalen Wandlung von 24 Bit / 192 kHz. Es besitzt vier Eingänge (zwei davon mit MAX-HD-Preamps mit jeweils 75 dB Gain, die auch in der Quantum HD-Serie eingesetzt werden) und zwei Ausgänge. In der Control-App wird es sogar als 6 In / 4 Out-Interface aufgeführt, da dort die Loopback-Kanäle mitgezählt werden.
Funktionen wie Vorverstärkung und Phantomspeisung können direkt aus Fender Studio Pro oder über die Universal Control App gesteuert werden. Die Dynamic Range gibt der Hersteller mit 115 dB Line-Eingänge, Digital Audio) bzw. mit 113 dB (Kopfhörerausgänge) an, die Total Harmonic Distortion mit 0,001 %. Meine eigenen Messwerte unterscheiden sich da nur geringfügig – alles gut also.
Beim Audio-Codec setzt Fender auf den bewährten AKM AK 6421EF, der auch in anderen, meist älteren Interfaces wie Focusrite Scarlett (1. und 2. Generation), Focusrite Saffire PRO 24, Roland Octa-Capture oder der Presonus AudioBox 1818VSL verbaut wurden. Inzwischen werden zwar meist die neueren AKM-Modelle der AK44xx oder AK45xx-Serie oder Codecs von ESS Sabre und Cirrus Logic eingesetzt (die bis zu 120 – 130 dB Dynamikumfang bringen), doch haben die älteren AK6421EF-Codecs einen weniger scharfen, mehr seidig-analogen Klang als die modernen Chips. Ob das hier zu hören ist, teste ich später mal. Die Stromversorgung erfolgt über die USB-C-Verbindung zum Computer.
Die Latenz des LT-ASIO-Treibers habe ich mit dem zuverlässigen RTL Utility von Oblique Audio überprüft, das vor fünf Jahren endlich die Betaphase verlassen hatte und seitdem mit zahlreichen Neuerungen als kostenlose Vollversion erhältlich ist. Wobei RTL nichts mit dem Medienkonzern zu tun hat, sondern für „Round Trip Latency“ steht.
Je nach Einstellung reicht die Latency beim Fender Quantum LT 4 von 3,7 ms (bei einem Buffer von 64 Samples und einer Samplerate von 192 kHz) über 7,5 ms (256 Samples, 96 kHz) bis zu 13,5 ms (256 Samples, 44,1 kHz). Das ist insgesamt recht ordentlich, aber auch nicht so überragend, wie es Fender in seinem LT-Produkt-Video und auf der Produktseite darstellt („… nahezu latenzfrei Treiber“). Weitere Werte seht ihr in der Tabelle.
Die Familie Quantum
Die drei neuen Quantum-LT-Modelle unterscheiden sich in der Zahl der Ein- und Ausgänge und natürlich im Preis. Das Quantum LT 2 hat zwei Ein- und zwei Ausgänge und kostet 149,- Euro, das Quantum LT 16 (549,- Euro) entsprechend 16 Ein- und acht Ausgänge. Dem 16er liegt auch ein Netzteil bei, da die Zahl der Anschlüsse nicht mehr Bus Powered erfolgen kann.
Lieferumfang und Verpackung
Mit im kompakten blauen Karton befinden sich – neben dem Interface selbst, das sicher in Eierkartonhaltern ruht – ein USB-Kabel (1,5, USB-C auf USB-C) und die üblichen Sicherheitsanweisungen, die mich in gleich 26 Sprachen davon abhalten, das Quantum unter Wasser oder über einem offenen Feuer zu nutzen.
Ein weiterer Zettel fordert mich unmissverständlich auf, ein kostenloses Fender-Konto anzulegen, das Quantum LT 4 zu registrieren und mir die (ebenfalls kostenlose) Fender Universal Control App herunterzuladen – aka „PreSonus Universal Control“. Denn nur dann könne ich Firmware-Updates herunterladen „und die Funktionen dieses Produkts vollständig nutzen.“
Sowohl die App als auch das Handbuch gibt es aber auch ohne Registrierung. Wenn ich mein Interface registriere, bekomme ich – jedenfalls zum Zeitpunkt dieses Tests – ein halbes Jahr Fender Studio Pro und das Angebot einer preisreduzierten Mitgliedschaft für Fender Studio Pro+ sowie ein Amp&Fx Pack in der Fender Studio App im Wert von 50,- US-Dollar.
Das Versprechen auf der Quantum LT 4 – Produktseite einer unbefristeten Fender Pro Lizenz („Du bekommst automatisch eine unbefristete Lizenz für Fender Studio Pro, die professionelle DAW mit exklusiven spielfertigen Mustang und Rumble Plug-ins“) bezieht sich allein auf das Modell Fender Quantum LT 16.
Ausstattung und Verarbeitung
Das Fender Quantum LT 4 fühlt sich trotz seiner kompakten Baugröße recht massiv und schwer an. 820 g sind bei 178 x 88 x 44 mm auch schon mal eine Ansage. „Schuld“ daran ist das Gehäuse aus schwarzem, sehr soliden Metallblech. Nur die Front und die Rückseite bestehen aus Kunststoff, wobei Fender aus Gründen der besseren Störungsunterdrückung hinter die rückseitige Kunststoffblende noch eine Metallplatte eingesetzt hat. Wenn das mal vom Tisch fallen sollte, leidet eher das Parkett als das Interface. Sämtliche Regler (allesamt geriffelt und gut bedienbar) sitzen zudem „bombenfest“, da wackelt gar nichts, die Taster haben einen deutlichen Druckpunkt.
Womit wir bei den Bedienelementen und den Anschlüssen sind. Auf der Vorderseite sind zwei Line-Eingänge für „guitar, bass etc.“ untergebracht – als Hi-Z-Eingang aber dann doch eher für die Saiteninstrumente und weniger für „etc.“. Etwas verwunderlich, dass die ohne Gain-Regler auskommen müssen. Das mag mit den meisten Gitarren funktionieren, aber nicht bei Gitarren mit geringer Ausgangsleistung, wie der Praxistest später zeigt. So ganz verstehen kann ich das Weglassen der Regler daher nicht, auch wenn Fender das als Feature verkauft („Just Plug & Play!“) – Platz genug gäbe es ja noch über den Buchsen.
Auf der Rückseite gibt es die Eingänge 3+4 in Form von XLR/Klinke-Kombo-Buchsen. Werden die mit einem Instrument bestückt, werden die Mikrofon-Preamps automatisch auf Bypass geschaltet. Anders als die Eingänge 1+2 besitzen diese Eingänge Gain-Regler, die vernünftigerweise auf der Frontplatte platziert wurden. Beide Regler haben eine kleine Clipping-LED, während es für die +48V-Zuschaltung nur einen Taster gibt – getrenntes Aufpowern ist also nicht möglich.
Die Clipping-Anzeigen haben keine Vorwarnstufe: „Grün“ beginnt bei -40 dBfs, „Rot“ bei -0,1 dBfs. Da kann man also nur reagieren, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Die Nummerierung der Eingänge ist ebenfalls etwas ungewöhnlich, ist doch normalerweise die 1 (bzw. die 1+2) den Mikrofone vorbehalten, und so in anderer Audio-Software (oder in Windows) als Standardeingang eintragen. Das muss man dann jeweils von Hand ändern.
Ebenfalls auf der Frontplatte befinden sich der Kopfhörereingang (große Klinke) samt Volume-Regler und der etwas größere, von einem blauen LED-Kranz eingefasste Regler für die Main-Ausgänge, die auf der Rückseite untergebracht sind (ebenfalls große Klinke).
Mit dem Direct Monitor Button schließlich lässt sich das low-latency-monitoring zuschalten. Was fehlt, ist ein Power-Schalter. Da hilft nur die Trennung vom PC, wenn man das Quantum ganz abschalten möchte.
Extras wie Autogain (wie z.B. in der HD-Serie), Clippingschutz oder Klanganpassungen, wie sie zum Beispiel die Focusrite Scarlett 2i2 4th Gen mit „Air“ besitzt, gibt es hier nicht.
Installation und Inbetriebnahme
Bei der Installation der Fender Universal Control-Software muss man aufpassen: Klickt man da zu schnell überall auf „ok“, werden so ziemlich sämtliche Interface- und Controller-Treiber installiert, die unter der Fender-Flagge segeln. Die einem dann das System vollstopfen und einzeln wieder entfernt werden müssen. Ist ja schön, dass die Software – wie der Name schon sagt – „Universal“ mit fast allen Fender-Gerätschaften funktioniert, aber dass nun auch alle Treiber vorausgewählt sind und die Klick-Boxen dann von Hand wieder deaktiviert werden müssen, ist schon etwas nervig.
Beim ersten Start meldete Universal Control dann, dass kein Fender-Gerät vorhanden sei, obwohl das bereits problemlos lief. Also alles noch mal runtergeschmissen und neu installiert, dann hat es funktioniert. Warum auch immer. Das Interface selbst ist dagegen sofort am Start und wird in meinem Windows-PC ausgangsseitig mit „Main L/R (2 – Quantum LT 4) und „Virtual L/R (2 – Quantum LT 4) geführt, während auf der Eingangsseite „Inst 1/2 (2 – Quantum LT 4)“, „Mic/Line 3/4 (2 – Quantum LT 4)“ und „Loopback L/R (2 – Quantum LT 4)” aufgeführt sind. Wie eben angesprochen, sind hier also nicht die Mikrofoneingänge, sondern die Hi-Z-Instrumenteneingänge als Standard eingetragen. Wer sich also wundert, warum die Kollegen auf Teamspeak ihn/sie nicht hören, findet hier den Grund.
Die Fender Universal Control App
Die Universal Control ist ein Gerätetreiber-Manager, um Fender- und Presonus-Produkte zentral zu verwalten. Über die App lassen sich die üblichen Grundeinstellungen vornehmen, wie Puffergröße, Samplerate oder auch Firmware-Updates. Es kann aber auch ein Mixer aufgerufen, der auf das gerade aktive Produkt zugeschnitten ist. Im Fall des Fender Quantum LT 4 werden hier die Eingangs- und Ausgangskanäle angezeigt, wobei jeder Kanalzug mit Fader, Pegelanzeige, Mute/Solo-Button, Panning und Send-Gain bei den Loopbacks inklusive Faderflip ausgerüstet ist.
Eine Matrix zur Verknüpfung von Kanälen gibt es aber nicht. Auch werden Regler-Bewegungen an der Hardware nicht auf die Control-App übertragen. Was mir auffiel: Koppele ich zwei Mono-Kanäle zu einem Stereokanal, wird das Panning automatisch ganz richtig auf rechts bzw. links gestellt, um die optimale Stereobreite zu erzielen. Entferne ich die Kopplung aber wieder und kehre zu den beiden Mono-Kanälen zurück, bleiben die Stereopositionen bestehen und müssen von Hand wieder auf die Mitte geschoben werden. Insgesamt aber ist die App eine praktische Sache, da man so mehr Übersicht über das Klanggeschehen hat und auch die Lautstärke für das Monitoring der einzelnen Kanäle im Direct-Modus einstellen kann.
Das Fender Quantum LT 4 in der Praxis
Das Fender Quantum LT 4 lässt sich gut und angenehm bedienen. Die fest sitzenden Drehregler sind schön griffig und haben ausreichend Abstand voneinander, die Taster mit dem klaren Druckpunkt ändern bei Betätigung die LED-Farbe, so dass man da immer alles gut im Blick hat. Hilfreich ist auch die beleuchtete Kennlinie des Main-Volumereglers. Die mitgelieferten kleinen Klebegummifüßchen halten das Interface aber kaum von einer Rutschpartie ab.
Besonders stolz ist Fender auf seine Max-HD-Preamps, die mit 75 dB Gain mit jedem Mikrofon – sogar mit älteren Bändchenmikrofonen – klar kommen sollten. Ein solches habe ich nicht hier, also muss eines meiner Rode-Mikrofone (hier ist es das Broadcaster) ausreichen. Dann hören wir mal rein, wie das klingt. Dazu lese ich wieder mal einige Sätze aus einer unserer News ein.
Ja, klingt gut. Rauscharm und klar. Den etwas seidigen Touch im Klang bilde ich mir aber vermutlich nur ein. Oder es liegt an meiner leichten Erkältung.
Und dann haben wir ja noch die Line-Eingänge auf der Frontseite. Genauer: „Zwei für Gitarre, Bässe und andere Instrumente optimierte Eingänge.“ Bei meiner altersschwachen E-Gitarre (die ich eigentlich nur noch habe, um eben solche Eingänge zu testen) kam ich aufgrund der fehlenden Gainregler auf einen Pegel von etwas unter -20 dB. Und dass, obwohl ich an der Gitarre schon alle Regler auf Anschlag hatte. Ohne Nachbearbeitung klingt das so:
Erst mit ausreichend Pegelnachschub zeigt sich die Qualität auch dieser beiden Eingänge.
Wie gesagt: Das Weglassen der Regler ist eine seltsame Designentscheidung. Um es mal galant zu formulieren.
Das Fender Quantum LT 4 im Standalone-Modus
Das Fender Quantum LT 4 kann auch im Standalone-Modus ohne PC betrieben werden. Für Aufnahmen ist das Quantum LT 4 aber nicht geeignet, da es ja keine Speichermöglichkeit hat, etwa in Form einer SD-Karte. Und auch das Mixen im Proberaum ohne Rechner hat angesichts der reglerlosen Hi-Z-Eingänge an Grenzen. Da muss man sich dann mit Änderungen am Eingangssignal, also an der Gitarre, behelfen. Sofern das was bringt. (s.o.)
Alternativen zum Fender Quantum LT 4
Als Alternative zum Fender Quantum LT 4 bietet zum Beispiel das Focusrite Scarlett 4i4 (4th Gen) an, mit den Wandlern der Rednet-Serie (120 db), vier Ausgängen, MIDI I/O plus Sonderfunktionen wie Clip Safe, Auto Gain oder Air. Dafür ist es mit aktuell 257,- Euro auch etwas teurer.
Ebenfalls vier voneinander unabhängige Eingänge haben das Universal Audio Volt 476 (mit integriertem 76 Compressor, MIDI und vier Ausgängen, 333,- Euro) oder das MOTU M4 (mit LCD-Display, MIDI und einzeln schaltbare Phantomspeisung, 299,- Euro).
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Die Air-Funktion bei den Focusrite-Interfaces ist meiner Meinung nach eher unnütz. Ich habe sie nach kurzer Zeit wieder ausgeschaltet. Sie soll dem Gesang oder anderen Signalen eine leichte Sättigung beziehungsweise einen Charakter verleihen. Solche Funktionen gibt es jedoch in einer DAW ohnehin zuhauf. Wozu also diese zusätzliche Funktion bereits beim Eingang? Eine Ausnahme ist natürlich der Live-Betrieb. Da den Focusrite meiner Ansicht nach etwas Leistung an den Eingängen fehlt, empfinde ich die Anschlüsse als etwas zu leise. Das finde ich ziemlich nervig! Ich nutze hochohmige Kopfhörer, habe damit aber keine wirklichen Probleme. Ich muss zwar recht weit aufdrehen, war jedoch noch nie am Anschlag. Sollte Fender bei den Ein- und Ausgängen tatsächlich etwas mehr Leistung bieten, wäre das für mich ein klarer Pluspunkt. Hier gibt es bei den „Roten“ insgesamt noch etwas Luft nach oben. Bis auf meine Monitore habe ich bereits alles recht weit aufgedreht. Die Regler der Focusrite-Eingänge besitzen diesen typischen Gummiüberzug. Bei mir wird dieser bisher zwar noch nicht schmierig, aber wie das bei solchen Anti-Rutsch-Beschichtungen oft der Fall ist, fühlt er sich dennoch immer ein wenig unangenehm an und sammelt gerne Staub. Hier gefällt mir die reine Kunststofflösung von Fender tatsächlich besser. Ein direkter Vergleich beider Interfaces wäre daher sehr interessant. Lohnt sich ein Wechsel?