Test: Fender Santa Ana Overdrive Verzerrerpedal

3. April 2018

Cremiger Sound aus L.A. (mit VIDEO)

 

Fender Santa Ana Overdrive title

Auf der vergangenen NAMM hatte Fender ja eine Reihe neuer Effektpedale vorgestellt, von denen wir bereits zwei in einem Review vorgestellt haben. Damals ging es um Modulationen, also Hall und Echo, um genauer zu sein. Unser heutiger Testkandidat aus dem neuen Effektsextett kümmert sich hingegen um die verzerrte Seite der Gitarre und ist zugleich mit knapp 180,- Euro auch mit Abstand das teuerste Gerät der neuen Pedalserie. Der Grund dafür dürfte seine teilweise analoge Schaltung sein, die nun mal einen etwas höheren technischen Aufwand erfordert, als es bei den reinen DSP-Effekten in aller Regel der Fall ist. Der Fender Santa Ana Overdrive soll den cremigen Sound der Fender-Amps in jeden Verstärker zaubern, wie gut ihm das gelingt, werden wir im folgenden Test versuchen zu klären.

Fender Santa Ana Overdrive side

Fender Sanata Ana Overdrive – Facts & Features

Wer sich ein wenig mit Effekten und Overdrive-Pedalen im Speziellen beschäftigt, dem wird unweigerlich die verblüffende Ähnlichkeit des Fender Santa Ana Overdrive mit dem ebenfalls schon von uns getesteten Strymon Sunset Dual Overdrive auffallen. Zufall oder Absicht? Egal, denn das rot eloxierte Alugehäuse sieht trotzdem verdammt schick aus und besitzt zudem ein Batteriefach: Im Vergleich zum Strymon kann man den Santa Ana Overdrive also auch mit einer 9-Volt-Batterie betreiben. Das Batteriefach befindet sich unterhalb der beiden Metallschalter im Gehäuse verborgen und besteht aus einem Klappmechanismus, der nicht nur einen Batteriewechsel in Sekundenschnelle ermöglicht, sondern sogar von Fender zum Patent angemeldet wurde.

Die Klangbearbeitung des Fender Santa Ana Overdrive erfolgt mittels einer J-FET-Stufe, also einer transistorisierten Schaltung, die mit einer hochtransformierten Spannung betrieben wird. Das soll einen sehr großen und weiten Headroom bieten und im Zusammenspiel mit dem Volume-Poti der Gitarre eine ebenso breite Dynamik ermöglichen. Doch bevor wir uns mit dem Sound der roten Kiste beschäftigen, gilt unser Blick zunächst den Bedienelementen und den Anschlussmöglichkeiten.

Fender Sanata Ana Overdrive strymon comparison

— Absicht oder Zufall? —

Santa Ana Overdrive – Regler, Schalter und Buchsen

Fangen wir bei unserer Erkundungstour zunächst an der Stirnseite an. Dort gibt es drei kleine Schalter zu entdecken, mit denen man das Pedal zwischen True- und Buffered-Bypass umschalten kann, die Auswirkungen des Boosters auf den Sound vorab auswählt sowie die LED-Beleuchtung der Potis aktiviert. Das mit der Beleuchtung der Potis ist ganz praktisch, zumal die zentral angeordnete Betriebs-LED auch hier ein ganz schönes Flutlicht losschickt. Aufpassen sollte man allerdings, wenn man den Fender Santa Ana Overdrive tatsächlich mit einer Batterie betreiben möchte, denn diese Funktion kann doch ganz schön am Saft zehren. Neben dem Bypass-Schalter auf der Oberseite sitzt ein weiterer Metallschalter auf der rechten Seite des Gehäuses, der eine Boost-Funktion zufügt. Ob der Booster nun die Zerrung erhöht oder einfach nur die Lautstärke des Signals – das entscheidet eben der FS-Select-Schalter hier an der Stirnseite.

Abschließend gibt es noch eine Buchse für den Anschluss des 9-Volt-Netzteils, das sich allerdings nicht im Lieferumfang befindet. Eine Batterie übrigens auch nicht. Für die Ein- und die Ausgangsbuchse schien wohl kein Platz mehr, somit sind die beiden leider an die Gehäuseseiten gewandert. Das kann bei dem einen oder anderen leider für Unruhe auf dem Pedalboard sorgen, hätte man sich doch bloß dabei auch am Strymon Sunset orientiert …

Fender Santa Ana Overdrive front

— Stirnseite des Santa Ana Overdrive —

Auf der Oberseite wartet eine Vierband-Klangregelung, bestehend aus Bässen, Mitten, Höhen und Präsenzen auf die Eingabe des Benutzers, ein Level-Poti bestimmt die Lautstärke, ein Drive-Poti sinngemäß die Stärke der Zerrung. Zwei Grundsounds (Voice A/B) bietet das Pedal, ausgewählt wird das mittels eines knackig einrastenden,  zweistufigen Minischalters, der gut geschützt inmitten der Potis seinen Platz gefunden hat.

Die beiden großen Metallschalter sind zwar mechanische Typen, das Knacken beim Drauftreten hält sich aber zum Glück in Grenzen. Bei diesem Preis hätte man sich doch schon ein paar elektrische Ausführungen gewünscht. Ähnliches gilt im Übrigen auch für die Potis. Die sind nämlich auf der Platine im Innern montiert und nicht etwa fest mit dem Gehäuse verschraubt, zum Glück aber so weit von den Schaltern entfernt, dass ein versehentliches Treffen von einem der sechs Regler schon verdammt unglücklich wäre. Trotzdem wackeln sie etwas auf ihren Achsen und laufen auch nicht besonders „rund“, zumindest nicht so rund, wie man es in dieser Preisklasse (von Konkurrenzprodukten) gewohnt ist. Bei unserem Testgerät hakte es zudem etwas mit dem Presence-Regler, der sich deutlich schwergängiger als die übrigen Kollegen bedienen ließ.

Fender Santa Ana Overdrive battery slot

— Schneller kann ein Batteriewechsel kaum vonstattengehen —

Na ja, dafür leuchten die Regler aber im Dunkeln. Und das ist auch dringend nötig, wenn man in dunkler Umgebung Korrekturen am Sound vornehmen möchte: Die zentral angeordnete Betriebs-LED in ihrem strahlend roten Jewel-Case sieht zwar sehr schick und typisch nach Fender aus, ist aber zugleich auch so scheußlich hell, dass ohne die beleuchteten Potis hier annähernd der Blindflug herrschen würde. Und wenn es gar nichts bringt, dann hilft immer noch ein Streifen Tape drauf. Bleiben noch die zwei LEDs für „Level Boost“ und „Drive Boost“ zu erwähnen, die sinnvollerweise in unmittelbarer Nähe der korrespondierenden Regler angebracht wurden.

Fender Santa Ana Overdrive – ein Zwischenzeugnis

So weit zu der Ausstattung und den Möglichkeiten, die uns das Fender Santa Ana Overdrive bieten soll. Für ein einfaches Zerrerpedal ist das schon eine ganze Menge: Vierband-Klangregelung, zwei schaltbare Voicings, per Fuß schaltbare Drive- bzw. Booster-Funktionen und ein wenig Luxus in Form von beleuchteten Potis. Dem gegenüber stehen aber auch die für diese Preisklasse ungewöhnlich minderwertig wirkenden Potis und die drei Plastikschalter an der Stirnseite, die man besser ein Mal zu wenig als zu viel benutzen möchte. Und damit rüber zum Soundcheck!

Fender Santa Ana Overdrive – in der Praxis

Fender Santa Ana Overdrive left side

Wer den Sound eines „heißen“ Fender-Amps schätzt, der wird mit dem Fender Santa Ana Overdrive  ganz schnell warm werden. Das Pedal bildet im Voicing-A-Modus den typischen Klang eines Bassman, Twin oder Princeton nach, die übel in die Zerrung getrieben werden. Voicing B versucht sich mehr am Klang der Amps von der britischen Insel, so beschreibt es zumindest Fender in der mitgelieferten, ausschließlich englischsprachigen Bedienungsanleitung. Meiner Meinung nach ist das weniger gut gelungen, was aber nicht heißt, dass Voicing B unbrauchbar wäre, es kommt halt immer auch oder besser gesagt hauptsächlich auf den angeschlossenen Verstärker an. Die Voraussetzungen für einen guten Sound könnten aber mit der üppigen Klangregelung und dem tatsächlich enorm großen Headroom des Pedals kaum besser sein.

Kaum besser könnten auch die Rauschwerte sein, bis zu dreiviertel des Regelwegs des Drive-Potis ist so gut wie kein Rauschen wahrzunehmen. Erst dann treten erste Nebengeräusche auf, die sich aber bis zum Vollanschlag des Potis nicht nennenswert erhöhen.

Anstelle der MP3-Files haben wir diesmal wieder ein Video am Start, in dem man vier der vielfältigen Settings des Santa Ana hören und die gewählten Einstellungen sehen kann. Für den Sound wurde das Pedal vor einen alten Acoustic Röhrencombo geschaltet, der wiederum von einem AKG C3000 Mikro abgenommen und in Logic Audio aufgezeichnet wurde. Als Gitarre diente meine Music Man Silhouette Special, die ich mit unterschiedlichen Pickup-Konfigurationen gefahren habe. Wir wünschen viel Spaß beim Betrachten des Clips und beim Anhören der Sounds!

Fazit

Sicherlich kommt es auf den verwendeten Verstärker an, ob das Fender Santa Ana Overdrive schließlich den gewünschten Sound eines Fender Amps produzieren kann. Der Grundcharakter des Pedals ist aber doch schon deutlich von amerikanischer Färbung geprägt, da kann auch das „British Voicing“ nichts dran ändern. Es klingt in beiden Voicings eher cremig als rüde – aber das will man ja eigentlich auch haben, wenn man sich ein Produkt aus dem Hause Fender zulegt – oder?

Plus

  • cremiger Fender-Sound
  • Boost-Funktionen
  • sehr rauscharm
  • praktische LED-Beleuchtung der Potis

Minus

  • Betriebs-LED viel zu hell

Preis

  • Ladenpreis: 179,- Euro
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    Ich dachte schon der kostet das doppelte, aber das ist ja schon wieder moderat. Vor allem mit der Original Fender Batterie 9v klingt er nochmals besser….. Spass beiseite, das Ding ist nicht der einzige Distortion auf der Welt um nicht zu behaupten er sei unter hundertschaften ein gutes Gerät. Klanglich fein, jedoch jeder hat seinen eigenen Geschmack. Bei der heutigen Auswahl bleibt der Gang ins music store ein Muß zum persönlichen Vergleichen und das über 2 bis drei Tage hinweg. Dannach ist man aber für Jahre bedient! Es lohnt sich also!

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