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Test: Fender Squier Bullet Strat HT, E-Gitarre

30. August 2017

Eine echte Strat zum Taschengeldpreis?

Für einen Großteil von uns stellt der Kauf einer Fender Stratocaster aus US-Fertigung vermutlich keinen allzu großen finanziellen Aufwand dar. Sicherlich ist auch so etwas nicht mal eben aus der Portokasse zu zahlen – Qualität hat nun mal ihren Preis, das wussten schon unsere Großeltern. Für viele andere, weniger zahlungskräftige Interessenten der wohl berühmtesten Gitarre aller Zeiten bleibt der Besitz einer US-Strat allerdings oft ein Wunschtraum. Alternativen von unzähligen Herstellern gibt es zuhauf auf dem Markt, nicht ohne Grund gilt die Strat als die am häufigsten kopierte Gitarre.

Doch auch Fender selbst besitzt ja mit seiner Tochterfirma Squier schon sehr lange eine erfolgreiche Marke und lässt unter diesem Label nahezu das gesamte Programm in Fernost kostengünstig nachbauen. Darunter natürlich etliche Strats, von denen wir uns mal die neue Fender Squier Bullet Strat HT für einen Test haben kommen lassen.

Facts & Features

Mit unserer Fender Squier Bullet Strat HT befinden wir uns ganz unten in der Preisskala. Nur 128,- Euro kostet die Gitarre im Shop und dafür gibt sie bereits beim ersten Kontakt ein unerwartet solides und optisch ansprechendes Bild ab.  Der Korpus aus Linde wurde sauber gefräst und mit einer metallicweißen Polyurethan-Lackschicht überzogen, die bis in die kleinste Ecke sauber und gleichmäßig aufgetragen wurde. Der Hersteller nennt dieses Finish „Arctic White“, was die Sache ganz gut trifft.

Die Lackierung ist so sauber und deckend, dass keine Rückschlüsse darüber gezogen werden können, wie viel Teile Linde wohl für den Korpus verwendet wurden. Es muss sich jedoch um ein sehr leichtes Teil handeln, denn die Bullet-Strat überrascht mit einem sehr niedrigen Gewicht. Das liegt natürlich auch daran, dass man auf ein Vibratosystem verzichtet und stattdessen eine feste Brücke eingebaut hat. Doch dazu (Hardware) später mehr.

Der Hals der Fender Squier Bullet Strat HT

Der Hals besteht selbstverständlich aus Ahorn und wurde sauber in seine Öffnung im Korpus eingeschraubt. Dort passt keine Briefmarke mehr dazwischen, die Spaltmaße geben überhaupt keinen Anlass zur Kritik. Aufgeleimt wurde ein Rosewood-Griffbrett mit 21 Jumbobünden, die allesamt sauber eingesetzt und abgerichtet wurden. Lediglich an den Kanten spürt man die eine oder andere Unebenheit, doch das geht bei einer Gitarre dieser Preisklasse aber absolut in Ordnung. Zumal dieser kleine Makel in der Praxis ohnehin keine Rolle spielt. Überhaupt nicht „billig“ wirkt zudem die Maserung des Holzes, man kann hier zwar nicht von handselektierter Qualität reden, Ahorn aus dem Baumarkt sieht aber ganz anders aus.

Das Halsprofil ist eher flach als besonders stark ausgeprägt ausgefallen, was vor allem Anfänger den Einstieg erleichtern sollte. In die Karten von Einsteigern dürfte auch die Sattelbreite spielen, denn mit schlanken 42 mm hält man sich hier offensichtlich angenehm zurück. Und na klar, der klassische „Skunk Stripe“ verschließt auch hier auf der Halsrückseite die Öffnung für den Halseinstellstab („Truss Rod“). Mit 648 mm erwartet uns auch bei der Länge der Mensur der Bullet Strat HT keine Überraschung. Erwartungsgemäß ist auch die Rückseite des Halses nur matt lackiert, sodass man hier mit einem griffigen Spielgefühl der Greifhand rechnen kann.

— Vertraute Formen auch auf der Rückseite —

Pickups und Elektrik der Fender Squier Bullet Strat HT

Bei so einer günstigen Gitarre schaut man natürlich ganz genau hin, um etwaige Mängel zu erkennen. Sind sie nur von optischer Natur und somit ohne negativen Einfluss auf die Funktion der Gitarre, sollte man das nicht unbedingt überbewerten. Nicht vergessen, wir haben es hier mit einer vollwertigen elektrischen Gitarre eines namhaften Herstellers zu tun, die zum Preis eines Wochenendeinkaufs über die Ladentheke geht! Die Rede ist konkret vom Pickguard, dessen Ränder nicht sauber bzw. gleichmäßig ausgesägt wurden. Das tut der Funktion aber keinen Abbruch, wie üblich sitzen die drei Singlecoils sauber mit ihren Magneten exakt unter den Saiten positioniert. Klar, dass es sich bei den Tonabnehmern um Fernostprodukte der unteren Preiskategorie handeln muss, um einen derart günstigen Preis zu erzielen.

Ein überraschend gutes Bild hinterlassen jedoch die drei Potis, die sich frei von Spiel auf ihren Achsen drehen und dabei einen idealen Widerstand bieten. Ganz traditionell befindet sich natürlich auch das Volumepoti mal wieder viel zu nah am Steg und wartet somit förmlich darauf, beim nächstbesten Lick die Ausgangslautstärke abzusenken. Gleiches gilt für den Fünfwegeschalter, auch da hat man selbst in deutlich höheren Preisklassen schon Schlechteres gesehen.

— Alles, wie immer: drei Singlecoils, Volume, zweimal Tone und ein Fünfwegeschalter —

Die Hardware der Fender Squier Bullet Strat HT

Die zwei Buchstaben „HT“ in der Produktbezeichnung verraten es: Unsere Bullet Strat HT besitzt kein Vibratosystem, sondern eine feste Brücke, im (englischen) Fachjargon als „Hard Tail“ bezeichnet. Der Gitarre tut diese feste Brücke aus mehreren Gründen gut, vor allem aber aus Gründen der Stimmstabilität des Instruments. Denn wie wir ja alle wissen, sind selbst die Vintage-Vibratosysteme von wesentlich teureren Strats in aller Regel nur mit Vorsicht zu genießen bzw. zu gebrauchen. Das Problem wäre hier also sicher noch ein größeres, da ja auch bei der Qualität der Hardware auf Sparkurs gesetzt werden musste.

— Hardtail Bridge statt Dauerstimmen —

Dieser Sparkurs wird dann doch extrem deutlich bei den Mechaniken, bei denen es sich nicht etwa um vollgekapselte, sondern um offenliegende Typen mit verchromter Blechummantelung handelt. So etwas kennt man auch von günstigen Westerngitarren, ein geschmeidiges Stimmen sollte man hier besser nicht erwarten. Man stelle sich nur vor, die Fender Squier Bullet Strat HT besäße das klassische Vintage-Vibratosystem mit sechs Schrauben im Korpus verankert und auf der gegenüberliegenden Seite würden diese Mechaniken die Saiten über einen Plastiksattel aufnehmen … ein dauerndes Nachstimmen schon bei geringster Nutzung des Vibratohebels wäre die Folge, ganz sicher!

— Die Mechaniken verheißen nichts Gutes … —

Zwischenzeugnis

Eine Strat ist eine Strat ist eine Strat? Irgendwie schon – und das auch im Falle der Fender Squier Bullet Strat HT. Bis auf die minderwertigen Mechaniken und das unsauber ausgesägte Griffbrett bietet die billigste aller Fender Strats keine wirklichen Angriffspunkte für Kritik. Sicherlich kann man in Lack, Holz und Chrom bei diesem Preis keine Premiumqualität erwarten, aber „Look & Feel“ stimmen in jedem Fall! Dann mal ran an den Verstärker mit der Kleinen!

— Und hier die Kopfplatte von vorne —

Sound und Praxis mit der Fender Squier Bullet Strat HT

Handling & akustischer Grundsound

Verblüffend, was Fender in diesem Preissegment für eine Qualität bieten kann. Die Fender Squier Bullet Strat HT spielt sich wie eine waschechte Strat, daran gibt es keine Zweifel. Der konturierte Korpus schmiegt sich wie gewohnt komfortabel am Körper an, der Hals liegt griffig in der Hand, nur der Grundsound wirkt etwas träge in der Ansprache. Dafür aber überrascht das unerwartet schöne Sustain, auch hier scheint sich ein weiterer Vorteil der festen Brücke zu zeigen.

Die Krönung wäre natürlich eine String-Through-Saitenführung der Hardtail Bridge gewesen, um der Konstruktion noch mehr Ton zu entlocken. So kann dieses System eine einigermaßen zufriedenstellende Stimmstabilität bieten, was bei einem klassischen Vintage-Vibrato, vor allem in dieser Preisklasse, vermutlich nicht möglich wäre. Vergessen darf man in diesem System natürlich nicht die Mechaniken, die eher hakelig als geschmeidig auf ihren Achsen laufen und ein präzises Stimmen zu einem wahren Geduldsspiel machen können. Hier wäre als Erstes Handlungsbedarf, möchte man die Gitarre sinnvoll aufrüsten.

Die Fender Squier Bullet Strat HT am Verstärker

Der elektrische Sound klingt schon auch irgendwie nach Stratocaster, die Pickups können dem etwas müden Grundsound aber auch nicht wirklich auf die Sprünge helfen. Es fehlt vor allem an Höhen, was sich besonders beim unverzerrten Spielen zeigt. Im Overdrive-Betrieb hingegen wirkt sich das gedämpfte Höhenbild fast schon positiv auf den Sound aus, das gefürchtete „Glasschneiden“ der Singlecoils hält sich erfreulicherweise in Grenzen. Grenzen kennen sollte man aber bei der Wahl der Verzerrung, denn allzu viel quittieren auch diese drei Einspuler mit fiesen Nebengeräuschen.

Hören wir rein in den Sound der Fender Squier Bullet Strat HT! Für die folgenden Klangbeispiele wurde ein Orange Micro Dark als Verstärker verwendet, der an eine H&K GL112-Box mit einem 12″ Celestion Vintage 30 Speaker angeschlossen wurde. Ein AKG C3000 Mikrofon sorgte für die Abnahme des Signals.

In Klangbeispiel 1 hören wir die  Squier Bullet Strat mit dem Cleansound auf dem Frontpickup. Auch das Playback vom Looper wurde mit dem Singlecoil am Hals eingespielt.

Nun ein Cleansound mit der Kombination Front- und Mitte-Singlecoil.

Jetzt die Kombination mittlerer und Steg-Singlecoil.

Weiter geht es mit den verzerrten bzw. angezerrten Sounds der Bullet Strat. In Klangbeispiel hören wir den Front-Pickup mit einer angezerrten Sololinie. Da muss man sich schon ganz schön strecken, um dem Ton ein Fünkchen Dynamik zu entlocken. Denn ohne ist’s immer ganz schön zäh.

Abschließend der Sound des Steg-Pickups mit Overdrive. Das wiederum ist ganz ordentlich und fast schon ungewöhnlich für einen reinen Singlecoil.

Fazit

Trotz des etwas schlappen Sounds und der minderwertigen Mechaniken, ich drücke mich hier noch sanft aus, kann man der Fender Squier Bullet Strat HT ein positives Fazit ausstellen. Denn alles in allem ist es doch eine Strat – sie sieht so aus, sie fühlt sich so an und sie klingt auch fast so wie die große, amerikanische Schwester. Das Nichtvorhandensein eines Vibratos erweist sich in der Praxis eher als Vorteil für den Klang und die Stimmstabilität der Gitarre. Der bequem bespielbare Hals tut das Übrige dafür, die Fender Squier Bullet Strat HT uneingeschränkt für Anfänger empfehlen zu können. Klasse Arbeit, Fender!

Plus

  • gute Verarbeitung
  • gutes Sustain dank fester Brücke
  • relativ stimmstabil
  • Bespielbarkeit
  • faires Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • Sound insgesamt etwas träge
  • minderwertige Mechaniken

Preis

  • Ladenpreis: 128,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    „… und lässt unter diesem Label nahezu das gesamte Programm in Fernost kostengünstig nachbauen“

    und in Mexiko

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    Radeon  

    Wusste gar nicht, dass Sound „träge“ sein kann … ist der dann langsamer unterwegs? Oder schläfrig? :-D

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    swissdoc  RED

    Der Kauf einer Fender Stratocaster aus US-Fertigung ist bei mir so eine Idee. Zu den ganzen Casio, Vantage und Aria bzw. Hagström oder Eko Vintage Teilen muss ja irgendwann noch eine „richtige“ Gitarre her. Nur welche der 7 Millionen Modelle ist das, was man sich so gemeinhin als Fender Stratocaster aus US-Fertigung vorstellt. Hast Du einen konkreten Hinweis? Nochso gerne…

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      Stephan Güte  RED

      Für mich ganz klar die aktuelle Elite-Strat. Noiseless Singlecoils mit S1-Schaltung, Zweipunkt-Vibrato mit gestecktem Hebel, Locking-Mechaniken, Compound Radius Neck, pi pa po … Und dazu die geile Metallicblaue Burstlackierung … Sabber!

      http://bit.ly/2xO3Ykq

      Wirklich die beste Strat, die es bisher gab IMHO. Besser ist nur noch die MM Silhouette ;)

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      AMAZONA Archiv

      Also, die mexikanischen haben einen zum Teil auch guten Ruf:

      die nennen sich STANDARD Stratocaster, DELUXE und so weiter…

      Version mit HSS Bestückung bei Thomann so ab 629 Euro

      Willste US-Strats haben, dann steht da AM PRO (American Professional) davor … sind dann aber auch gleich etwa doppelt so teuer.

      In der Regel steht bei Thomann z.B. auch dabei, ob die aus mexikanischer Produktion sind, soweit ich das hier jetzt sehen kann…

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        Stephan Güte  RED

        Die mexikanischen Fender, Charvel, Jackson (also alles, was von Fender Musical Instruments Corporation stammt) haben in den letzten Jahren deutlich an Qualität dazugewonnen. Einziges Manko ist und bleibt die minderwertige Hardware im Vergleich zu den US-Modellen. Also Schalter, Mechaniken, Bundierung … ansonsten habe ich da auch schon sehr feine Sachen gespielt.

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        swissdoc  RED

        Die hiessen vor kurzem noch Fender American Standard Stratocaster, oder? Muss man ja nicht verstehen. Danke jedenfalls.

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      AMAZONA Archiv

      Du gehst in einen möglichst großen Musikalien Händler dort stehen dann ca. 300 US Strats, und dann rechne mit mehreren Besuchen, du dudelst alle durch an verschiedenen Amps und deinen Favoriten oder 2 oder 3 nimmst du für ein paar Tage mit nach Hause und schließt sie an deinen Amp an, du battelst auch 2-3 x in deiner Band und die nicht 100% perfekte Gitarre muss wieder zurück in den Laden.

      Eine wird gewinnen und nie mehr wieder brauchst du etwas anderes. Scheiss auf die Kohle, es ist vollbracht! Jetzt bist du perfekt bestückt.

  4. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Meine Squier by Fender Bullet Strat ist ca. 8 Jahre alt. Für den Einstieg im Bereich E-Gitarre war sie für mich damals nicht verkehrt. Doch muss ich gestehen, dass mir ihr Klang nicht immer so gefallen hat. Ich spiele sie zwar heute noch und bin trotzdem mit ihr zufrieden.

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    peterclark

    Hallo, ich hab mal ne Frage. Meine 1998 beim Kölner Musikhausriesen gekaufte Squier Strat hat kein „Bullet“ im Namen. Was bedeutet es?

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      Stephan Güte  RED

      Das „Bullet“ bezieht sich auf das Ende des Halseinstellstabes an der Kopfplatte, das sieht bei der Testgitarre eben aus, wie eine Gewehrkugel. Deine hat das vermutlich nicht, oder?

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