Kostenlose DAW für Smartphone, Tablet und PC
Kostenlose DAWs gibt’s zahlreich. Aber das Fender Studio arbeitet plattformübergreifend und ist für den mobilen Gebrauch und die Nutzung durch Gitarristen und Bassisten optimiert. Geht’s jetzt GarageBand und Co. an den Kragen? Und klingen die integrierten Amps am(p)tlich genug? Hier kommt die Antwort.
- Umsonst & vielseitig: Voll funktionsfähige DAW auf Mobilgeräten, Tablets und Desktop ohne Kosten.
- Gitarren- & Bass-Fokus: Amp-Sims und Effekte klingen solide und decken viele Stilrichtungen ab.
- Schneller Workflow: Intuitive Bedienung, Sofortaufnahme und Spurpreset-System für Ideen im Handumdrehen.
- Jamtracks: 25 editierbare Multitracks mit Timestretching und Transponierung – perfekt zum Üben.
- Fehlende Features: Keine dedizierte Drum- oder Keyboardspur, Einzelspur-Export nur umständlich möglich.
Inhaltsverzeichnis
Fender Studio – Installation und erste Schritte
Wer sich die Fender Studio App aufs Smartphone zieht, wird überrascht sein, wie schnell diese geladen und installiert ist. Das scheint also ein recht schlankes Stück Software zu sein, das die Entwickler da kreiert haben. Ich gebe hier meine Erfahrung mit der Installation auf einem iPhone 16 und einem iMac Pro wieder. Ich muss davon ausgehen, dass sich andere Betriebssysteme genauso verhalten und Installation und Performance ähnlich oder genauso ablaufen.
Über die minimalen Systemvoraussetzungen gibt die Website leider keine Informationen preis, mein etwas betagteres 2013er MacBook Air ist allerdings zu alt. Fender Studio lässt sich aber laut Hersteller „nahtlos per iOS, Android, Windows, macOS und Linux auf Smartphones, Chromebooks, PCs, Macs und anderen Endgeräten einbinden.“ Wer die volle Auswahl an integrierten Amps und Effekten nutzen will, muss sich bei Fender registrieren, das geht schnell und hat keine Nebenwirkungen.
Zur sinnvollen Nutzung ist natürlich ein Audiointerface vonnöten, auch wenn die App das interne Mikro des Smartphones nutzt, wenn kein Interface verfügbar ist. Klar, dass Fender auf der Homepage direkt Werbung für sein kleines Link I/O macht, das ja auch schnuckelig klein und leistungsfähig ist und alles bietet, was wir für den Anschluss von Gitarre oder Bass und Kopfhörern benötigen. Grundsätzlich eignet sich hier jedes Interface, das mit einem Smartphone oder Tablet kompatibel ist, wie zum Beispiel das Blackstar Polar Go oder das iRig Stream Solo von IK Multimedia.
Facts, Features und Workflow
Beim Öffnen der App begrüßen den User vier Kacheln, mit deren Hilfe man entweder ein bestehendes Projekt, ein neues Projekt, eine Jamsession oder eine Sofortaufnahme öffnen kann.
Sofortaufnahme
Die Sofortaufnahme beginnt auch tatsächlich umgehend, hier muss nicht mal mehr der Recording-Button gedrückt werden. Das eignet sich prima für schnelles Festhalten von Ideen. Aufgrund der schnellen Arbeitsweise der App kann ich mir auch vorstellen, diese Funktion etwa für spontane Interviews bzw. Fieldrecordings zu nutzen. Ist kein Audiointerface angeschlossen, funktioniert die Aufnahme selbstverständlich auch mit dem integrierten Mikrofon.
Jamsession
Die Funktion „Jam“ ermöglicht es, aus derzeit 25 Jamtracks unterschiedlichster Stilistiken auszuwählen. Diese Tracks bestehen aus Einzelspuren und können innerhalb der DAW nach Belieben transponiert und/oder geschnitten, einzelne Spuren in der Lautstärke verändert oder komplett stummgeschaltet werden. Auch das Tempo kann nach Belieben angepasst werden. Eine einblendbare Arranger-Spur gibt Auskunft über den jeweiligen Part des Songs, einzelne Parts wiederum können innerhalb des Songs auch verschoben oder gelöscht werden.

Eine Auswahl aus den 25 mitgelieferten Jamtracks, die umfassend editiert und geschnitten werden können
Importiert man einen Jamtrack, öffnet sich ein Fenster, das es ermöglicht, eine Vorauswahl zu treffen, ob man mit Gesang, Gitarre, Bass oder „etwas anderem“ an der Session teilnehmen möchte. Je nach Auswahl stehen hier ein paar vorgefertigte Soundpresets zur Verfügung, die selbstverständlich auch später angepasst werden können.
Aufnahmen
Für Recordings stehen 8, nach erfolgter Registrierung bis zu 16 Spuren zur Verfügung, die beim Erzeugen – so wie bei den Jamsessions auch und je nachdem, was aufgenommen werden soll – bereits mit bestimmten Voreinstellungen geöffnet werden können. Entscheidet man sich zum Beispiel für die Gitarre und wählt das Preset „Crunchy“, findet man in der Spur die Simulation eines Fender ’65 Twin Reverb und ein vorgeschaltetes Overdrive-Pedal.
Auch in Bezug auf die Auswahl der Amps und Effekte ergibt die Registrierung Sinn, denn das erhöht die Anzahl verfügbarer Amps und Effekte um jeweils sieben virtuelle Geräte. Im Einzelnen stehen hier zur Verfügung (mit * markierte Geräte werden nach erfolgter Registrierung automatisch freigeschaltet):
Amps
- ’65 Twin Reverb
- Reverb 800 v.3
- ’65 Princeton Reverb*
- Bassbreaker 15 High Gain*
- ’59 Bassman*
- Bassbreaker 15 Medium Gain*
- Super-Sonic*
- Redhead*
- Tube Preamp*

Der Guitar Channel Strip in der Detailansicht mit der Möglichkeit, auf Amp- und Effektmodels sowie Compressor und EQ zuzugreifen.
Pedale
- Overdrive
- Sine Chorus
- Mono Delay
- Small Hall Reverb
- Modern Bass OD
- ’65 Spring Reverb*
- VariFuzz*
- Vintage Tremolo*
- Stereo Tape Delay *
- Small Room Reverb*
- Triangle Flanger *
- Simple Comp *
Tools zum Editieren & Mixen
- Kompressor
- EQ
- Expander
- Delay
- De-Tuner
- Transformer
- Vocoder
- Ring Modulator
- Global Transpose
- Metronom
- Timestretching
Mixing und Export
Hat man die Aufnahmen beendet, geht’s ans Mischen. Ein übersichtliches Fenster mit Fadern, Panoramareglern, Mute- und Soloschaltern macht die Bearbeitung leicht, ein Doppeltap auf einen Kanalzug öffnet die Spureinstellungen und den Effektzugriff. Auch hier stehen wieder Presets zur Auswahl, die den Workflow deutlich vereinfachen. Das ist wirklich alles sehr praxisgerecht gestaltet, sodass hier auch Einsteiger in die Materie schnell zu ansprechenden Ergebnissen kommen. Wer sich tiefer einarbeiten möchte, kann sich mit den oben genannten Effekten richtig austoben.
Alles in allem ist die Oberfläche der Fender Studio App selbsterklärend und intuitiv bedienbar. Die 16 zur Verfügung stehenden Spuren reichen, um auch komplexere Ideen festzuhalten. Wer einen Lucky Shot hingelegt hat, kann natürlich sein Projekt auch exportieren, um es in anderen DAWs weiterzubearbeiten. Der Export erfolgt entweder komplett als „DAWproject“ oder als Audiomix. Hier stehen die Formate Wave, FLAC und MP3 zur Verfügung. Auch einzelne Loops können exportiert werden. Was leider nicht möglich ist, ist der Export einzelner Spuren. Hier müsste man sich behelfen, indem man die gewünschte Spur solo schaltet. Aber das sollte ja nun kein Problem sein.
Die Praxis – was richtig gut ist …
Die App ist schnell und die Qualität der Gitarren- und Basssounds ist super. Wer schnell und unkompliziert ein paar Gitarren-, Bass- und Gesangsspuren aufnehmen möchte, kommt hier problemlos zu guten bis sehr guten Ergebnissen. Dass der Schwerpunkt auf Fender-Sounds liegt, dürfte zum einen klar sein, zum anderen kein Problem darstellen. Ein paar Klangbeispiele folgen unten, da ist einiges möglich.
Selbst bei Verwendung des eingebauten Smartphone-Mikros kommt man zum Ziel, wenn man sich auf Gesang und Akustikgitarre beschränkt. Die Jamtrack-Funktion ist grandios und macht richtig Spaß, ich freue mich jetzt schon auf die von Fender angekündigten weiteren Tracks. Timestretching, Transponierung und komplette Editierungsoption der Tracks machen die Fender Studio App zum genialen Übungspartner. Schnell hat man sich aus einem der fertigen Tracks auch einen eigenen, optimierten Track zusammengestellt.
Das integrierte Metronom ist vielseitig und bietet auch schräge Taktarten an, da bleiben kaum Wünsche offen, lediglich das Einfügen anderer Taktarten in ein bestehendes Projekt ist mir nicht gelungen. Das Stimmgerät arbeitet zuverlässig und angenehm ruhig. Die Möglichkeit, jede Spur ohne viel Aufwand mit Compressor, Equalizer, Reverb und Delay zu versehen, macht die Bearbeitung easy, schneiden/trimmen und (cross-) faden ist ein Kinderspiel und der Import externer Dateien geht problemlos vonstatten.
… und was schmerzlich vermisst wird
Was ich wirklich schmerzlich vermisse, ist eine separate Drumspur. Nicht falsch verstehen, das ist Meckern auf hohem Niveau, immerhin ist die App kostenlos und bringt dafür einen enormen Funktionsumfang mit. Aber ein paar rudimentär editierbare Drums wären beim Festhalten von Ideen extrem hilfreich. Das gleiche gilt für eine Keyboard-Spur und einen Chord-Arranger, mit dessen Hilfe man komplette Demosongs produzieren könnte. So ist man auf eine externe Drum-Machine und ein Keyboard angewiesen.
Die Importfunktion ermöglicht es zwar, Drum- und Keyboard-Files aus anderen Apps zu nutzen, aber das erscheint mir recht umständlich. Eine Möglichkeit, Drum-Spuren zu generieren, besteht natürlich darin, aus den bestehenden Jamtracks einen passenden Beat herauszuschneiden, aber auch das gefällt mir nicht wirklich.
Die Gitarren-Sounds in der Fender Studio DAW
Hier hört ihr ein paar Werkspresets, die für die Gitarrenspuren programmiert wurden. Das ist natürlich alles sehr Fender-lastig, aber das verwundert natürlich nicht besonders.
Jamtrack-Demo
Um ein paar der Gitarren-Sounds im Zusammenhang mit einem der Jamtracks zu demonstrieren, habe ich mir einen Track ausgesucht, der aus der Kategorie „Soul“ stammt und „Jump Up“ heißt, habe dort die Leadgitarre stummgeschaltet und ein paar kurze Sequenzen mit unterschiedlichen Sounds improvisiert.








































Danke für die Vorstellung des Produktes.
Die Drumspur ist aus meines Sicht zu verschmerzen. Es wäre jedoch gut, wenn ein Taktgeber, Clicktrack seine Arbeit verrichten könnte.
Happy jamming!😍
@CDRowell was macht man ohne Drums?
Grad als Gitarrist oder Bassist der nicht soviel Zeug hat wie wir synth aficionados. 😎
Studio One für den Quark vernachlässigt. Richtig gute Entscheidung von Fender…