Großer Sound aus dem Digi-Tal
Der Fender Tone Master 59 Bassman ist die moderne Ausfertigung des legendären Combos, der auf digitale Emulation und große Sounds setzt.
Kurz & knapp
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- Leichtgewicht: Der Amp ist, im Gegensatz zum Pendant mit Röhren, einfach zu transportieren.
- Guter Sound: Bietet warme, Vintage-ähnliche Clean- und Overdrive-Sounds.
- Moderne Features: USB, IR-Boxensimulationen und Effekte sind gut integriert.
- Verarbeitung: Hochwertig verarbeitet mit solidem Design und ansprechender Optik.
- Preis-Leistung: Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis für einen vielseitigen Modeling-Amp.
Inhaltsverzeichnis
Die ersten 5 Minuten
Man staunt nicht schlecht, wenn der Versanddienstleister einem das riesengroße Paket vor die Füße knallt. Aber okay, bei einem Combo Amp mit 4× 10″ Bestückung sollte einen die Ausmaße eigentlich nicht wundern. Hat man den Karton oben geöffnet, holt man sich instinktiv erst mal ein Getränk und ein Handtuch, um sich nach dem Rausheben des Verstärkers der Schweiß von der Stirn zu wischen und den Wasserhaushalt wieder auf Normalniveau zu bringen. Man staunt aber nicht schlecht, sobald man das erste Mal am Griff zieht. Denn der Fender Tone Master 59 Bassman ist ein echtes Leichtgewicht und flutscht nahezu problemlos aus der Verpackung. Der erste Pluspunkt!
Lieferumfang & der erste Eindruck
Der erste Blick auf das neu erworbene Baby zaubert einem definitiv ein Grinsen ins Gesicht! Tweed Amps haben mit ihrem ikonischen Look auf mich immer eine gewisse Aura. Diese liegt dem DSP gesteuerten Neuling auf jeden Fall auch inne! Die Farben strahlen, die Verarbeitung wirkt sehr solide. Alle Regler und Switches haben eine sehr angenehme Haptik, die alten Röhrenamps von Fender in nichts nachstehen. So möchte man das bei einem Amp der mittleren Preisklasse gerne sehen! Dem Amp liegt ein Handbuch sowie eine Verstärkerhülle bei, im Inneren des Boxenchassis befindet sich ein Footswitch. Einzig dass die Abdeckung ohne Fender Logo daher kommt, verwundert mich etwas.
Line Check
Zum ersten Eindruck gehört natürlich auch ein erstes, völlig unvoreingenommenes Anspielen. Also das (nicht abnehmbare) Stromkabel in die Steckdose, Klinkenkabel rein und erst mal den Volume aufdrehen. Und dann, yeah! Ohne Vorkenntnisse, was den Fender Tone Master 59 Bassman angeht, würde ich sagen: Hier geht direkt die Sonne auf und das Studio ist schön erfüllt von warmen Sounds. Hat das Ding wirklich keine Röhren? Ich behaupte mal, der Testlauf wird eine runde Sache.
Fender Tone Master 59 Bassman – die Specs
Interessant finde ich, dass man dem Amp auf den ersten Blick überhaupt nicht ansieht, dass es kein Vintage-orientierter Röhren-Amp ist. Man braucht schon ein geschultes Auge, um zu erkennen, dass wir es hier mit einem modernen und digitalen Gitarrenverstärker aus Fenders Tone Master Serie zu tun haben, sieht man mal vom Typenschild in der rechten unteren Ecke ab. Das dürfte Vintage-Fans vermutlich ein wenig beruhigen.
Frontseite
Die Frontseite ist bei Tweed Amps ja eher die Oberseite. Und die beherbergt alles, und auch nur das, was man bei einem klassischen Röhrenverstärker erwarten würde. Von rechts nach links hätten wir da die Eingangsbuchsen für die beiden Kanäle (Normal & Bright), gefolgt von den jeweiligen Volume-Reglern. Darauf folgt eine 3-Band-Klangregelung und abgerundet werden die Klangregler durch ein Presence-Poti. Für Fender typisch gibt es natürlich noch einen Reverb-Regler. Danach folgen nur noch die Jewel-Leuchte sowie Mute- und On/Off-Schalter.
Rückseite
Auf der Rückseite befinden sich nun alle Eigenschaften, die verraten, dass wir es mit einem Modeling-Amp zu tun haben. Es geht jedoch erst mal ziemlich analog los, mit einem Effekt-Loop und der Footswitch-Buchse. Daneben finden wir eine USB-C-Buchse, die für Firmware-Updates gedacht ist. Auf der linken Seite des Chassis wartet dann ein Line-Out mit dazugehörigem Level-Regler auf. Hierfür können drei Boxen-IRs ausgewählt werden. Nebendran befindet sich noch der Vintage/Tight-Switch sowie ein Output-Regler, der einem die Leistung von den vollen 45 W in sechs Stufen auf bis zu 0,5 W reduzieren lässt.
Auf einen Blick
- 4× 10″ Jensen P-10R Alnico Lautsprecher
- „Normal“- und „Bright“-Kanäle mit je zwei Eingängen
- Regler für Convolution-Reverb (Faltungshall) oben
- Rückseitiger „Vintage/Tight“-Schalter erzeugt knackigere Bassansprache
- Post-Endstufen-Effekt-Loop für zeitbasierte Effekte
- Rückseitiger Output-Wahlschalter mit fünf Attenuator-Stufen
- Symmetrischer XLR-Line-Ausgang für Impulsantwort (IR) Boxensimulation
- USB-Anschluss zum Aktualisieren der Firmware
- Leichtes, resonanzstarkes Gehäuse aus Kiefer
- Jewel-Leuchte zeigt Betriebsmodus an (Normal, Warm-up und Mute)
- Universal-Stromversorgung 100 V bis 240 V
- Inklusive Abdeckung und Fußschalter
Der Praxistest
Widmen wir uns nun etwas tiefgreifender der Praxistauglichkeit und den Soundqualitäten des Fender Tone Master 59 Bassman. Dass man den Amp mit einer Hand die Treppe runter in den Club tragen kann, haben wir ja schon mit Freude festgestellt. Somit kommt man beim Aufbauen und Mikrofonieren genauso wenig ins Schwitzen. Für den Test klemme ich ein SM57 vor einen der 10″ Jensen Speaker – und zwar so, dass das Mikro genau die Mitte zwischen Speaker-Rand und Kalotte sieht.
Bei einem Tweed Amp ist natürlich völlig klar, welche Gitarre zum Einsatz kommt: eine Tele. In diesem Fall eine T-Style-Gitarre der Firma Haar. Aufgenommen wird über ein RME Fireface 802 in Ableton Live 12. Übrigens: Ich verwende immer den Input 1. Input 2 hat eine Pegelabsenkung von 6dB und ist somit eventuell für heißere Pickups die richtige Wahl.
Clean Check
Bei einem Fender Amp ist natürlich eines wichtig: der cleane Sound! Dafür starten wir mit einem moderaten Lautstärke-Level und setzen die Volume-Regler auf Stufe 3. Der Rest bleibt in der 12-Uhr-Position. Wir sind auf den vollen 45 W Leistung, und im Vintage-Setting. Was mir über alle drei Pickup-Positionen entgegenkommt, ist ein warmer, ausgewogener Clean-Sound, der typisch für die Tweed-Modelle in den Mitten gut präsent ist und die Tele schön voll klingen lässt. Der Bright-Kanal verleiht dem Sound eine angenehme Spritzigkeit, die für die Durchsetzungsfähigkeit im Mix oder für dunkel klingende Gitarren Gold wert sein kann. Schön!
Dreht man den Volume-Regler zwischen 4 und 5. bekommt man einen schönen gesättigten Clean-Sound, der gerade so nicht anfängt zu zerren. Hier befinden wir uns aber schon in Lautstärkegefilden, dass ich den Amp auf 12 W drossele. Der Convolution-Reverb-Algorithmus hat einen sehr brauchbaren Sound und verhält sich über den gesamten Regelweg stimmig. Insgesamt sollte der Amp mit seinen gut klingenden Clean-Sounds eine sehr ordentliche Pedal-Basis sein, die mit dem FX-Loop nochmal flexibler ist.
Drive Check
Das Schöne am Fender Tone Master 59 Bassman ist, dass man die Endstufe drosseln kann. So ist es uns möglich, den Non-Master-Volume-Amp so aufzudrehen, dass die Vorstufe zerrt, der allgemeine Lautstärkepegel jedoch im Rahmen bleibt. Für die Overdrive-Sounds schalten wir deshalb auf 5 W und geben am Volume-Regler etwas mehr Gas. Die folgenden Sounds checken wir außerdem auch mit dem Tight-Setting, das die Bässe etwas straffer daher kommen lässt als beim originalen ’59er Bassman Schaltkreis.
Bei Stufe 5 am Volume-Regler bekommen wir einen satten, aber noch dynamischen Breakup-Sound. Den EQ muss man hier anpassen und die Bässe zurückdrehen, sonst matscht der Amp in Tweed-typischer Manier. Die Tight-Schaltung liefert hier eine wirklich schöne weitere Facette, um den Amp strammer und definierter klingen zu lassen.
Dreht man den Volume-Regler noch weiter auf, kommt man ins High-Gain-Land (zumindest für Tweed Verhältnisse). Hier bleiben wir mit der Tele im Normal-Channel – Bright wäre vermutlich für Humbucker-Gitarren interessant. Der Zerrsound lässt die Steine nur so rollen. Übrigens kann man auch beim Fender Tone Master 59 Bassman die Kanäle jumpen – wie bei den alten Vorbildern. Hierfür steckt man ein Patch-Kabel in den zweiten Input des einen Kanals und „jumped“ in einen Eingang des anderen Kanals. Somit werden beide aktiv. Im Klangbeispiel stehen sowohl Normal- und Bright-Volume mäßig auf 7,5 und liefern in diesem Setting einen wunderbar satten Vintage-Lead-Sound, der nicht zu dumpf ist.
Zu guter Letzt checken wir noch, wie sich der Line-Out mit Boxensimulation verhält und schalten einmal durch die drei Settings durch. Das Schöne bei diesem Amp ist, man kann den Verstärker auf Mute schalten, der Line Out bleibt hier jedoch aktiv. Somit steht dem Recording in der Nacht absolut nichts mehr im Wege. Die drei IRs sind erst mal nicht weiter erläutert, fühlen sich für einen Vintage-orientierten Tweed Amp jedoch absolut stimmig an und bieten eine solide Bandbreite für verschiedene Soundvorstellungen. Zu hören bekommt ihr beide Male den Halstonabnehmer.
Insgesamt stimmt beim Fender Tone Master 59 Bassman ziemlich viel! Wenn es denn einen kleinen Wermutstropfen gibt, dann dass die Einstellung am Rear-Panel von vorn etwas schwer zugänglich ist. Mit umgehängter Gitarre sollte man hier also etwas aufmerksam sein.



































