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Test: Fender Traditional 60s Tele RW VWT, E-Gitarre

27. Juni 2021

Traditioneller Twang ohne Kompromisse

Fender Traditional 60s Tele RW VWT

Fender Traditional 60s Tele RW VWT

Kaum zu glauben, aber die gute alte Tele wird 70! Kaum einer hätte ahnen können, dass dieses schlichte Brett einmal solch eine Popularität erlangen sollte. Eine erschwingliche elektrische Gitarre ohne großen Schnickschnack sollte sie werden, gemäß dieser Vorgabe entwickelte Leo Fender die Telecaster als erste elektrische Gitarre aus dem Hause Fender im Jahr 1950. Seit dieser Zeit hat sie sich mit ihrem typischen „Twang-Sound“ einen hervorragenden Ruf erarbeitet und galt zudem lange als das am besten zu bespielende Instrument mit sechs Saiten. Dem entsprechend oft wurde sie verkauft und ist daher auf unzähligen Aufnahmen, egal ob nun Rock, Pop, Blues oder Country bis heute zu hören.

Auch wenn sie stets etwas im Schatten ihrer berühmten Schwester, der Stratocaster stand und bis heute steht, hat sich die Tele dennoch als ein absolutes Zugpferd für Fender etabliert und so tut die Firma gut daran, sie auch weiter in vielen Variationen zu produzieren und weiter zu entwickeln. Und das tut sie auch, nämlich in Versionen aus Fernost, aus Mexiko, aus dem Stammwerk in Corona/USA und aus dem Land der aufgehenden Sonne. Von dort, genauer gesagt aus Japan, stammt unsere Fender Traditional 60s Tele RW VWT, der wir nun im folgenden Review mal auf den Zahn fühlen werden.

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Fender Traditional 60s Tele – Facts & Features

Sie war ein schlichtes Brett, sie ist ein schlichtes Brett und sie wird es wohl auch immer bleiben. Abgesehen von ein paar Sondermodellen bzw. Kreationen aus dem Custom-Shop von Fender ist ein wesentliches Merkmal der Telecaster ihr schlichter Korpus, der ohne Wölbungen oder sonstige Fräsungen auskommt. Kein ergonomischer Hals-Korpus-Übergang, keine „Bierbauchfräsung“ wie bei ihrer Schwester, der Stratocaster oder etwa besondere Shapings rund um das Cutaway – all das brauchte die Tele noch nie und ist trotzdem in Sachen Handling nach wie vor ganz vorne mit dabei. Puristisch geht es auch bei der Lackierung unseres Testinstruments zu: Ein schlichtes Vintage-White bedeckt den Korpus, der aus Linde gefertigt wurde und ein dreischichtiges weißes Pickguard trägt. Die Lackierung bietet keinen Anlass zur Kritik, hier wurde selbst an den kritischen Stellen, wie etwa rund um den Bereich der Halstasche, absolut sauber gearbeitet.

Ahornhals mit Palisandergriffbrett

Eingeschraubt wurde ein Hals aus Ahorn mit einem aufgeleimten Palisandergriffbrett und einfachen, weißen Dots zwischen den 21 sauber verarbeiteten Bünden. Das U-Halsprofil lässt sich angenehm bespielen und das, obwohl die Halsrückseite mit einer Hochglanzlackschicht überzogen wurde. Doch ich kann Entwarnung geben, denn diese Lackierung führt nicht zum gefürchteten Ankleben der Greifhand, hier hat Fender einen guten Kompromiss zwischen dem Schutz des Holzes und Praxistauglichkeit gefunden. Eher störend ist da die Positionierung für den Zugang zum Halseinstellstab (Truss Rod), denn die Schraube befindet sich am Halsfuß und ist somit nur nach Demontage des Halses zu erreichen. Das bedeutet zwangsläufig deutlich mehr Arbeit beim dann und wann notwendigen Einstellen des Halswinkels. Aber so war das nun mal bei einem Großteil der Instrumente von Fender zu Beginn der 60er-Jahre und diese Ära repräsentiert ja die Fender Traditional 60s Tele RW VWT. Damals sollte das die Produktionskosten senken, nervig bleibt es aber bis heute und auf dieses Original-Feature hätte man meiner Meinung nach durchaus verzichten können. Zum Glück ist aber unser Testinstrument an dieser Stelle perfekt eingestellt, was sich durch eine angenehm flache Saitenlage ohne nennenswerte Schnarrer oder anderer unerwünschter Artefakte zeigt. Hoffentlich bleibt das möglichst lange so.

Fender Traditional 60s Tele RW VWT Truss Rod

Das Einstellen des Halswinkels zeigt sich nicht ganz einfach …

Die Hardware der Fender Traditional 60s Tele RW VWT

Eine weitere mögliche Problemstelle begegnet uns bei der Hardware in Form der Saitenreiter, die im klassischen „Aschenbecher“ zusammen mit dem Steg-Singlecoil untergebracht sind. Ich mag ja gar nicht bestreiten, dass es Fachleute gibt, die mit nur drei vorhandenen Reitern eine saubere Oktavreinheit eingestellt bekommen. Aber auch hier gilt, wie schon beim unglücklich positionierten zum Truss Rod: Das ist nicht mal eben auf die Schnelle gemacht und erfordert schon eine gewisse Erfahrung. Doch auch an dieser Stelle kann vorerst Entwarnung gegeben werden, denn zumindest unser Testinstrument wurde mit einer absolut sauberen Oktavreinheit ausgeliefert. Hoffen wir mal, dass dies die Regel bei sämtlichen ausgelieferten Instrumenten dieser Serie der Fall ist. Gern gesehen ist jedoch die Saitenführung durch den Korpus – sorgt das doch in aller Regel für einen deutlichen Schub in Sachen Resonanzen und Sustain.

Vintage-Style-Tuner

An der Kopfplatte sitzen sechs Vintage-Style-Mechaniken mit kleinen Knöpfen, die zum authentischen Bild unserer Tele passen. Deren Funktion reißt jetzt nicht gerade vom Hocker, dann und wann ist mal etwas Spiel auf der einen oder anderen Achse zu bemerken, was das Stimmen etwas in die Länge ziehen könnte. Insgesamt aber – und vor allem in Anbetracht der Preisklasse in der wir uns befinden- kann man die Tuner aber als recht solide bezeichnen.

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Zwei mal Singlecoils bitte!

Absolut authentisch zeigt sich die Fender Traditional 60s Tele RW VWT bei der Bestückung mit Tonabnehmern. Zwei „Vintage Style Tele Singlecoils“ wurden am Hals und am Steg eingesetzt, geschaltet und geregelt über einen Dreiwegeschalter sowie Potis für Lautstärke und Ton. Die Bedienelemente sitzen wie gewohnt auf der verchromten „Radioblende“ und während die beiden Regler mit ihren griffigen Metallknöpfen ein gutes Bild abgeben, wirkt der Schalter schon jetzt im Neuzustand eher fragil und kann daher nicht besonders überzeugen. Wie gewohnt gestaltet sich auch bei dieser Tele das Schalten zum Teil etwas fummelig, da der Schalter bei der Auswahl des Steg-Singlecoils nahezu bündig auf das Volume-Poti trifft. Ist man aber gewohnt bzw. Tele-Fans haben sich damit schon längst arrangiert.

Die Fender Traditional 60s Tele RW VWT im Praxis-Check

Nicht nur von den Zutaten und ihrem Erscheinungsbild betrachtet ist die Fender Traditional 60s Tele RW VWT eine typische Vertreterin ihrer Gattung. Der allseits beliebte und berühmte „Twang“ ist auch mit ihr mühelos zu erreichen und ermöglicht dem Instrument so die gewohnt hohe Durchsetzungskraft im Bandgefüge. Die Bespielbarkeit ist „out of the box“ bereits sehr gut – die Saitenlage angenehm flach, das U-Halsprofil liegt sehr angenehm in der Hand und auch das niedrige Gewicht der Linde-Ahorn-Konstruktion trägt zu einer rundum gelungenen Performance bei.

Neben den gewohnt kraftvollen und höhenreichen Clean-Sounds kann sich die Traditional 60s Tele aber auch im Overdrive-Bereich einige Lorbeeren verdienen. Dank der überraschend frei von Nebengeräuschen agierenden Pickups lassen sich mit ihr mühelos auch crunchige Riffs oder warme und singende Lead-Lines produzieren, die keineswegs harsch oder übermäßig schrill klingen. Sicher, eine Waffe für Metaller ist dieses Instrument sicher nicht, dafür wurde sie aber auch nicht gemacht. Aber für Rocksounds, Blues oder Alternative-Rock bietet sie ausreichend Potenzial und glänzt dort mit einer sauberen Transparenz und einem Ton, dem man einen gewissen Charakter nicht absprechen kann.

Die Klangbeispiele

Für die Klangbeispiele habe ich unsere Fender Traditional 60s Tele RW VWT zusammen mit einem Mesa/Boogie Studio 22+ von der Leine gelassen. Vor dem Amp wurde ein AKG C3000 Mikrofon platziert, ehe das Signal in Logic Audio ohne weitere Effekte aufgezeichnet wurde.

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Fazit

Die Fender Traditional 60s Tele RW VWT führt die „Tradition im Namen des Twang“ weiter fort und überzeugt im Test in Sachen Verarbeitung, Bespielbarkeit und Klang. Abzüge gibt es lediglich für die unglückliche Positionierung des Halseinstellstabs sowie für den fragilen Dreiwegeschalter. Ansonsten aber erhält man eine echte Tele, auch wenn sie in diesem Fall nicht aus den USA, sondern aus Japan stammt.

Plus

  • typischer Tele-Sound
  • gute Bespielbarkeit
  • gute Verarbeitung

Minus

  • Position des Zugangs zum Truss-Rod
  • fragiler Dreiwege-Toggle

Preis

  • 1.199,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    S_Hennig  

    Also, zuerst: vielen Dank für den informativen Test und vor allem für die tollen Klangbeispiele, die der Gitarre wirklich gerecht werden.
    Aber ich kann die positive Gesamtbewertung nicht ganz nachvollziehen, vor allem, wenn man sich den Preis vor Augen hält. Ich will jetzt gar nicht runter rattern, was man für Gitarren aus Asien bekommt, aber z.B. Godin liefert vergleichbares für 450€ weniger, made in Canada. G&L fertigt in den USA, wenn das jemandem wichtig sein sollte, etc…
    Ich persönlich wäre z.B. nicht bereit, für über 1000€ problematische Tuner zu akzeptieren.
    Ich habe einfach das Gefühl, dass wir hier zu viel Geld für einen Schriftzug auf dem Headstock bezahlen sollen.

  2. Profilbild
    Sven Blau  

    Wieso ist die Position der Truss Rod ein negativer Punkt?

    Man zieht die Saiten ganz normal auf und stimmt. Stellt man dann fest, dass der Hals sich krümmt, lockert man halt die Saiten etwas, löst die Halstaschenschrauben etwas, kippt den Hals an und kommt wunderbar an die Trussrod. Dauert jetzt vielleicht 5 Minuten länger als bei anderen Gitarren, aber ernsthaft… wie oft verstellt man denn bitte den Halseinstellstab?

    • Profilbild
      dr noetigenfallz  

      Also ich gebe dem Autor recht. Bei mir ist schon so, dass ich manchmal den Halseinstellstab einstelle und dann am nächsten Tag noch einmal etwas tiefer oder höher mache. Einfach weil ich mich erst mal dran gewöhnen muss. Ich bin kein Gitarrenbauer oder Servicetechniker und da bin ich einfach manchmal etwas unsicher. Warum im 21. Jhdt. nicht die Gitarre so bauen, dass sie servicefreundlich ist?

    • Profilbild
      Stephan Güte  RED

      Nein, ganz so einfach ist das leider nicht … Der Hals muss komplett runter, d.h. alle Schrauben raus, mit ankippen funktioniert das nicht. Und wenn man das 5-6 mal gemacht hat, dann fängt die erste Schraube an, nicht mehr richtig zu fassen. Alles schon erlebt. Und je nachdem, wie mit der Gitarre umgegangen wird (Feuchtigkeit, trockene Luft, Wärme, Kälte …) kann es schon sein, dass man 2-3 mal im Jahr da ran muss.

      • Profilbild
        Sven Blau  

        Also, bei meinen Fenders musste ich bisher nie den Hals komplett abschrauben…

        Tipp:

        https://www.youtube.com/watch?v=WY8oB6CJaFc&ab_channel=Thomann%27sGuitars%26Basses

        Es mag unpraktisch(er) sein als die moderne Variante, aber ich finde das „Loch“ für die Trussrod auf der Kopfplatte ästhetisch nicht schön.

        Ich will jetzt auch keine Diskussion lostreten – es kann ja jeder sehen wie er will. Ich finde aber wenn eine Gitarre nach Vintage Specs gebaut wird, muss man eben auch bei diesem Detail konform bleiben.

        Ein erfahrener Gitarrist kommt auch mit dieser Lösung klar – auch wenn er 3-4 im Jahr „ran muss“.

      • Profilbild
        harrymudd  AHU

        Mir sind noch nie die Schraubenlöcher ausgerissen. Und wie SB schrieb, reicht ein Ankippen des Halses bei Fender aus, um die Schraube zu erreichen.

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