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Test: FGN Boundary Iliad RHS, E-Gitarre

12. Oktober 2021

Upgrade für die Boundary Iliad

FGN Boundary Iliad RHS

FGN Boundary Iliad RHS

Knapp zwei Jahre ist es her, dass ich zum ersten Mal eine FGN Boundary Iliad zum Testen in meinen Händen hielt. Das Fazit damals: eine hervorragende E-Gitarre im T-Style mit nur wenigen Schwächen und das zu einem sehr fairen Preis. Nun hat der japanische Hersteller sein Lineup überarbeitet und auch der Boundary Iliad ein paar Upgrades gegönnt. Unter den Neuerungen befinden neben ein paar kosmetischen Dingen, wie etwa ein Schwung frischer Farben und ein Re-Design der Kopfplatte auch technische Änderungen, zum Beispiel in Form eines Compound-Radius des Griffbretts für eine noch angenehmere Bespielbarkeit. Frisch eingetroffen für einen Test ist bei uns nun die FGN Boundary Iliad RHS in einem kräftigen saphirblauen Metalliclack, die wir uns zugleich vornehmen werden.

FGN Boundary Iliad RHS – Facts & Features

Neben dem bei uns zum Test vorliegenden metallicblauen Modell existiert noch ein weiteres in einem rötlichen Finish, FGN bezeichnet diese Farbe als „Burgundy Mist“, rein technisch betrachtet sind beide Instrumente aber vollkommen identisch ausgefallen und auch beim Preis gibt es keinen Unterschied. Die Basis für den Korpus im klassischen T-Style bildet Lindenholz, dessen Rückseite ein Shaping im oberen Bereich („Bierbauchfräsung“) sowie eine klitzekleine Abflachung am Übergang zum Halsfuß aufweist. Auch an genügend Spielraum für die Greifhand wurde durch ein weit ausgesägtes Cutaway gedacht, was nach wie vor eine optimale Erreichbarkeit der oberen Lagen gewährleistet.

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Aus wie vielen Teilen der Korpus hergestellt wurde, lässt sich auch beim genauesten Betrachten nicht feststellen, dermaßen dick und sorgfältig wurde der Polyesterlack bis in die kleinsten Ecken und Kanten aufgebracht. Beim Betrachten der Rückseite fällt natürlich auch auf, dass die neue Boundary Iliad RHS erneut über eine Saitenführung durch den Korpus verfügt, demnach dürfte auch hier ein schöner, kräftiger Grundklang ganz wie bei der Vorgängerin zu erwarten sein. Das folgende Bild zeigt die Rückseite mit den sechs verchromten Hülsen zum Einfädeln der Saiten.

FGN Tonabnehmer mit Coil-Splitting

Bedeckt wird die Decke zu gut einem Drittel von einem dreischichtigen Pickguard, in das nicht nur die Bedienelemente eingesetzt wurden, sondern auch der Humbucker in der Halsposition. Wie auch sein Kollege Singlecoil am Steg stammen beide Pickups aus der hauseigenen Fertigung von FGN, hier ist also alles so weit beim Alten geblieben. Das betrifft ebenso die Schaltung, die mit einem Dreiwegeschalter ausgestattet ist und bei der das Tone-Poti als Push/Pull-Variante den Humbucker in den Singlecoil-Modus versetzt. Ein Kritikpunkt in meiner Beurteilung des Vorgängermodells betraf damals ja den Singlecoil am Steg: Nicht nur dass sein Klang übermäßig scharf und fast schon schrill war, er zeigte sich auch mehr als deutlich schwach auf der Brust in Sachen Lautstärke gegenüber dem Neck-Humbucker. Klar, das liegt ja mehr oder minder in der Natur der Sache, der Unterschied war aber doch schon enorm und erforderte ein beherztes Eingreifen in die Lautstärke des Signals. Man ahnt es schon – in diesem Punkt hat sich leider nichts getan, dieses Problem besteht nach wie vor, was bei identischer Elektronik zum Vorgänger ja eigentlich klar sein sollte.

FGN Boundary Iliad RHS Korpus

Die drei Bedienelemente Volume-Regler, Tone- und Dreiwegeschalter sitzen im Gegensatz zum berühmten Vorbild vom großen „F“ nicht wie sonst üblich auf einer verchromten Blende, sondern wurden mit genügend Abstand zueinander auf dem Pickguard montiert. Während die beiden Regler mit ihren griffigen Metallknöpfen ein solides Bild abgeben, wirkt der Dreiwegeschalter eher fragil und wackelt schon jetzt im Neuzustand beachtlich in seinem Sitz. In jedem Fall aber sind alle drei „Schnittstellen“ mit der rechten Hand mindestens so gut zu erreichen wie auf jeder normalen Tele auch.

Hals mit Compound Radius und C.F.S. Bundierung

Die neue Generation der Boundary Iliad verfügt nun über einen im Radius variierendes Palisandergriffbrett, beginnend mit 10″ am Sattel und endend an Bund Nummer 22 mit 14″, das soll für eine noch geschmeidigere Bespielbarkeit sorgen. Die Bundierung wurde auch hier wieder wie bei allen Instrumenten von FGN nach dem patentierten C.F.S. bearbeitet. Hier noch mal eine kurze Info für alle die, die mit dem Begriff „C.F.S.“ bislang nichts anfangen konnten: Bei der Circle Fretting Technologie laufen alle Saiten exakt im gleichen Winkel über die bearbeiteten Bünde, was genaueste Intonation und außerdem ein längeres Sustain und einen klareren Ton ermöglicht. Aufgrund des trapezförmigen Griffbretts bei konventionell bundierten Hälsen läuft keine der Saiten im rechten Winkel über die Bünde. Je näher eine Saite am Griffbrettrand ist, desto weiter ist sie vom rechten Winkel entfernt. Wenn die Saite dann auf den Bund gepresst wird, verursacht dieser Winkel einen geometrisch unscharfen Auflagepunkt, der die Saitenschwingung negativ beeinflusst. Das Resultat ist eine leicht verzerrte Intonation. Beim Circle Fretting System werden statt gerader minimal gebogene Bundstäbe im Griffbrett montiert, daher passiert jede Saite jeden Bund in exakt rechtem Winkel. Die Kontaktpunkte jeder Saite in jeder Position sind präzise definiert und erlauben es den Saiten, mit einem Minimum an Verzerrung zu schwingen.

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Auch hier wieder die Frage, ob man das spürt – den variierenden Griffbrettradius und die besonders verarbeiteten Bünde. Mir persönlich fällt das kaum oder nur sehr gering auf, vielleicht ist das aber trotzdem mit einer der Gründe, wieso unsere FGN Boundary Iliad RHS so sauber intoniert, butterweiche Bendings ermöglicht und eine mehr als passable Saitenlage bietet. Und nein, die Bünde sind auch auf den zweiten Blick nicht wirklich als krumm zu erkennen. Eher von kosmetischer Natur ist das Re-Design der Kopfplatte, an der sechs Vintage-Mechaniken von Gotoh verbaut wurden. Sie sind jetzt nicht unbedingt aus dem obersten Regal, verrichten ihren Job aber doch ganz ordentlich.

FGN Boundary Iliad RHS Headstock Gotoh

Der neu gestaltete Headstock mit den Gotoh Vintage-Mechaniken

Wie klingt die FGN Boundary Iliad RHS?

Ich habe die Eigenschaften ihrer Vorgängerin noch deutlich in Ohr und muss sagen, dass auch die FGN Boundary Iliad RHS als ihre Nachfolgerin kein Stück schlechter gelungen ist. Ihr akustischer Klang ist nach wie vor sehr kraftvoll und resonant, was sicher zum Großteil erneut auf die Saitenführung durch den Korpus zurückzuführen ist. Gleiches gilt für die Bespielbarkeit, die nach wie vor gut ist, aber für mich jetzt keinen spürbar drastischen Unterschied zur älteren Boundary Iliad ausmacht. Beides sind angenehm zu bespielende Bretter und das unabhängig davon, auf welchem Teil des Halses man sich nun gerade befinden mag.

Die beiden Tonabnehmer wissen eine Menge mit dem guten Grundklang der Linde-Ahorn-Kombination anzufangen und portieren diesen Klang würdig zum Verstärker. Auffällig bzw. nervig ist eben nur der immense Lautstärkeunterschied zwischen den beiden Kandidaten an Hals und Steg, ich erwähnte es ja weiter oben bereits. Dennoch setzt sich der Singlecoil mit seinem spitzen und fast schon schrillen Klang gut in Szene und liefert dann ein kräftiges Höhenbild, wenn er zusammen mit dem basslastigen und warm klingenden Humbucker am Hals parallel betrieben wird. Dazu kommt ja noch die Möglichkeit, den Humbucker mit dem Tone Push/Pull-Poti dazu zu bringen, eine seiner beiden Spulen zu deaktivieren. So entstehen eine Menge interessanter und nuancenreicher Sounds, die ohne nennenswerte Nebengeräusche abgegeben werden und dabei einen hohen Headroom aufweisen. Und das auch durchaus mal für kräftige Overdrive-Sounds!

Die Sounds der FGN Boundary Iliad RHS

Für die folgenden Klangbeispiele habe ich die FGN Boundary Iliad RHS zusammen mit einem Mesa / Boogie Studio 22+ Combo verwendet. Vor dem Amp stand ein AKG C3000 Mikrofon, aufgenommen wurden die Tracks in Logic Audio.

FGN Boundary Iliad RHS 

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Fazit

Auch nach dem Update mit frischen Farben, Griffbrettradius und neu designter Kopfplatte bleibt die FGN Boundary Iliad eine echte Alternative im Bereich der T-Style-Gitarren. Sie ist perfekt verarbeitet, bietet eine angenehme Bespielbarkeit und wenn es sein muss auch jede Menge „Twang“ in ihrem Klang. Abzüge in der Note gibt es jedoch die gleichen wie bei ihrer Vorgängerin, nämlich der Klang des Singlecoils im Alleinbetrieb und die daraus resultierenden Lautstärkeunterschiede beim Umschalten zwischen den Tonabnehmern.

Plus

  • sehr gute Verarbeitung
  • vielseitige Sounds
  • gute Bespielbarkeit
  • Optik

Minus

  • Klang des Singlecoils
  • hohe Lautstärkeunterschiede zwischen den Tonabnehmern
  • Qualität Dreiwegeschalter

Preis

  • 589,- Euro
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Klangbeispiele
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