Test: FGN J-Standard JMY-AS Mythic, E-Gitarre

7. Juni 2020

Kühl, elegant, zerstörerisch - die FGN Mystic in Vollendung

In der Vergangenheit hat unsere Redaktion immer wieder mit Freuden FGN-Gitarren getestet. Die Gründe liegen auf der Hand: Die japanische Schmiede produziert fantastische Sechs- und Siebensaiter. Wir hatten unter anderem die Paula Expert Flame, die Telecaster Boundary Iliad, die Stratocaster Boundary Odyssey angesehen – und kamen nie dazu, weniger als das Prädikat „Sehr gut“ zu versehen.

Um jede Gitarrenklasse aus dem Hause FGN abzubilden, haben wir uns nun auch die brandneue J-Standard Mythic 7  liefern lassen. Mein Verhältnis zu siebensaitigen Gitarren ist gespalten – privat nutzte ich sie in einer kurzlebigen Combo. Die Eingewöhnungsphase beläuft sich auf ein paar Stunden – doch schon früh überkommt mich das Gefühl, es hier mit einer besonderen Gitarre zu tun zu haben.

FGN J-Standard Mythic 7 E-Gitarre – Facts & Features

Die meisten siebensaitigen Gitarren bestehen aus Esche – die Gründe sind vielschichtig, aber einer dürfte zweifelsohne der sein, dass bestimmten Sorten der Esche ein eingebauter „Mid-Scoop“ innewohnt – ein wenig übertrieben ausgedrückt. Esche betont Bässe, betont die Höhen und nimmt die Mitten ordentlich zurück. Für eine siebensaitige Gitarre, die sich vor allem in den härteren Gefilden bewegt, also eine gute Klangeigenschaft. Der makellos und geschmackvoll verarbeitete Korpus mit der Open-Pore-Lackierung passt von der Ästhetik her perfekt zum Klangbild. Das weiße geschlossene Binding rund um den Korpus herum untergräbt den geschraubten Hals. Eine Lücke oder einen Abstand zwischen Hals und Korpus gibt es nicht – der Hals ist perfekt in der Esche eingelassen und gewährleistet entsprechend eine nahtlose Übertragung des Schwingungsverhaltens. Die Mensur beläuft sich auf die üblichen Maße von 648 mm, während der Sattel 43 Millimeter breit ist.

Seit meiner Erfahrung mit der Schecter Sun Valley habe ich mich zur Zeit ein bisschen in Griffbretter aus Ahorn verguckt – gefreut hätte es, mal eine siebensaitige Gitarre in die Hand zu kriegen, bei der nicht nur der Hals aus Ahorn ist, sondern auch das Griffbrett. Das ist hier erneut nicht der Fall, dafür erstreckt sich das reguläre Ebenholz über 24 Jumbo-Bünde. Der zweiteilige Hals besteht aus gleichen Teilen Walnuss und Ahorn mit einem Griffbrettradius, der sich auf 350 mm beläuft. Was die FGN J-Standard Mythic 7 von anderen Siebensaiter abhebt, ist das von FGN patentierte Bogen-Bundiersystem. Die Bünde des leicht trapezförmigen Griffbretts sind so aufgezogen und gebogen, dass jede Saite in einem perfekten 90° Grad Winkel über den Bund läuft – was eine perfekte Intonation ohne Verzerrung gewährleisten soll. Der Effekt ist sehr gering, bisweilen subtil, zeugt aber vom Perfektionismus, mit dem FGN seit jeher ihre Gitarren herstellen.

FGN J-Standard Mythic 7 E-Gitarre – Hardware

Kommen wir zur Hardware – und da überrascht mich zunächst vor allem die Stabilität der Stimmmechaniken. Die GOTOH Magnum Lock Mechaniken leisten hier außergewöhnliches: Während ich bei Gitarren wie der Schecter zuletzt ordentlich mit Stimmproblemen und Sattel-Mechaniken zu kämpfen hatte, ging man selbstredend nicht so weit, bei der FGN J-Standard Mythic 7 E-Gitarre ein Tremolo und eine Flying Bridge einzubauen. Nach zwei Stunden ausführlichen Spielens wächst der Verdacht, dass ich es hier mit der stimmstabilsten siebensaitigen Gitarre zu tun habe, die ich seit Langem gespielt habe. Die STD-7 Brücke des String-Through-Bodys tut ihr Übriges – das Schwingungsverhalten ist ungemein sauber, die Belastbarkeit der Saiten über alle Zweifel erhaben und begünstigend für den Sustain.

Über die Fishman Fluence Pickups ist zuletzt ein echter Hype erstanden – die ultimative Alternative zu den aktiven EMG-Tonabnehmern, die neuen „Erben“ des Nonplusultra, wenn es um High-Gain-Output geht. Meine bisherigen Erfahrungen mit Fishman Fluence Pickups waren bislang ausnahmslos gut – sie sind bisweilen noch ein Stück weit steriler als viele EMG-Tonabnehmer; für siebensaitige Kampf-Äxte also eine Wahl, die nahe liegt. Schecter setzt inzwischen auch flächendeckend auf die Sustain-freudigen Tonabnehmer. Die Fishman® Fluence Modern Alnico/Ceramic Pickups sind also bei der FGN Standard Mythic 7 sowohl in der Neck- als auch in der Bridge-Position anzutreffen. Was den Charakter und den Klang der Pickups angeht, werden wir im Praxisteil ausführlich hinschauen. Darüber hinaus besitzt die Mythic 7 einen Volume- und einen Tone-Regler für beide Tonabnehmer. Der Tone-Regler ist mit der Push-Pull-Funktion versehen – nicht für einen Coil-Switch, sondern für einen Wechsel des Voicings. Die FGN Standard Mystic 7 besitzt also zwei klar und deutlich abgegrenzte Charaktere unter einer Haube. Ein Dreiwegeschalter sorgt für die reguläre Schaltbarkeit der Tonabnehmer.

FGN J-Standard JMY-AS Mythic, E-Gitarre – in der Praxis

Was man für diesen üppigen Preis bekommt: Sustain en masse. Das dürfte zum einem dem Esche-Solidbody geschuldet sein, aber auch die Tonabnehmer sind in diesem Falle wichtige Player, die wahrscheinlich in Sachen Sustain das ausgleichen müssen, was der geschraubte Hals abgibt. Unangeschlossen fällt sofort auf: Das Schwingungsverhalten ist tatsächlich beeindruckend, keine Dead-Notes und ein gleichmäßiger Abgang. Wir spielen die FGN Standard Mythic 7 über den Yamaha THR und speisen den Klang in die Two Notes C.A.B. M ein, ehe wir in den XLR-Anschluss der Focusrite Solo reingehen. Gleich vorweg wird deutlich: Den Frequenz- und Voicing-Rahmen, den beide Tonabnehmer in ihren unterschiedlichen Positionen abdecken, ist nicht besonders groß. Was heißt das konkret? Die Klangunterschiede sind zwar nicht marginal, aber erstaunlich gering. In der Neck-Position offenbart sich erwartungsgemäß ein deftigeres Low-End und ein Rhythmus-betonter Klang, die der Bridge sind erwartungsgemäß höhenlastiger. Doch man hat nicht das Gefühl, dass die FGN J-Standard Mythic 7 mit klanglicher Flexibilität brilliert.

Ich muss mich in der Hinsicht gleich mal als bekehrter EMG-Nutzer outen. Viele Jahre spielte ich eine Ibanez mit Output-freudigen EMGs, die nicht gerade durch Dynamik bestachen. Aber das störte mich nicht – für bestimmte Genres ist ein verlässliches, bisweilen auch undynamisches Klangverhalten der Pickups eben durchaus gewünscht. Nach ein paar Jahren habe ich in meiner Schecter Hellraiser das dynamische Pearly Gates Set von Seymour Duncan verbaut und fahre damit äußerst glücklich. Trotzdem werde ich für aktive, „klinischere“ Pickups immer eine Schwäche haben. Und Fakt ist: Die klinische Note der Mythic 7 schlägt meines Erachtens die der EMG-Pickups um Längen. Der Sound der Fishman Fluence unterstreicht mal wieder, dass der Hype berechtigt ist. Der Output besitzt Biss, ist dynamisch, aber unterkühlt – genau das, was man sich von einer siebensaitigen Gitarre der härteren Gangart erhofft. Beim ersten Beispiel nutzen wir das zweite Voicing und bekommen einen etwas wärmeren Sound, der den Mitten ein bisschen mehr Platz einräumt.

Zurück auf dem regulären Voicing, bewegen wir uns in der Bridge Position vor allem in den High-Gain-Gefilden. Hierbei zeigt die Mystic 7, was sie kann, wofür sie quasi gemacht ist: Das bretternde Low-End zaubert ein Lächeln auf mein Gesicht. Die klinische Note lässt Stakkato-Riffing schön zur Geltung kommen und die Fishman Humbucker leisten hier in den tiefen Frequenzen formidabel, lassen diese voluminös und durchsetzungsfähig erklingen. Man könnte der Mystic 7 vorwerfen, in den höheren Lead-Regionen arg leblos zu wirken. Ich persönlich finde, dass für die Genres, in denen die Mystic zum Einsatz käme, der Klangcharakter der Gitarre gut zu Gesicht steht.

Der Eindruck setzt sich beim gleichzeitigen Einsatz der Humbucker bedingt fort. In der mittleren Position des Dreiwegschalters und dem zweiten, „wärmeren“ Voicing zeigen die Fishman Humbucker doch eine unerwartete Flexibilität. Gefällt – vor allem auch weil das Sustain ungemein stark ist, selbst wenn wir vom High-Gain in etwas weichere Crunch-Gefilde gehen. Die Fishmans sind reaktionsfreudiger als viele EMGS. Rauskommt ein steril klingender und trotzdem dynamischer Sound – sehr schön!

Fazit

Starke Nummer – da ist man versucht, seine siebensaitige Ibanez in den Ruhestand zu schicken. Das, was die anderen FGN Gitarren auszeichnet – sehr genaue und funktionale Konzepte in Vollendung – kommt auch bei der Mythic 7 zum Ausdruck. Es ist – in vielerlei Hinsicht – der perfekte Siebensaiter: stimmstabil, monströs und voluminös im Klang, hervorragend bespielbar, ungemein Sustain-freudig und verlässlich. Da mag man die mangelnde klangliche Flexibilität in Kauf nehmen – FGN haben hier mal wieder bewiesen, warum die japanische Schmiede ganz vorne mitspielt.

Plus

  • Sustain ohne Ende
  • voluminöser Sound
  • bretterndes Low-End

Minus

  • klanglich ein wenig unflexibel

Preis

  • 1249,- Euro
Klangbeispiele
Forum
    • Profilbild
      roseblood11  

      Und eigentlich nur aus diesem Grund.

      Bei „Esche nimmt die Mitten zurück“ musste ich lachen.
      Zumal viele der Beispiele ein ziemlich mittiges Gequäke sind, was aber nicht an der Gitarre liegt, sondern an den verwendeten Amps bzw Verzerrern.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.