Test: Fishman Loudbox Mini, Gitarrenverstärker für Singer / Songwriter

20. August 2019

Fishman Loudbox Mini - kleines Kraftwerk für den Akustiker!

Fishman Loudbox Mini Verstärker

Singer und Songwriter haben es oft nicht leicht – verstecken hinter dem Bandgefüge und Wänden aus Gain und Verzerrung ist da nicht drinnen. Stimmt zwar: Mit einer akustischen Gitarre kann man schon eine Menge Lärm veranstalten und bei vielen Anlässen ist eine Verstärkung oftmals gar nicht nötig. Wenn es dann aber doch mal auf eine größere Bühne geht und man umgeben von Mitmusikern ist, dann muss man sich zwangsweise nach einer adäquaten Lösung umsehen. Ein guter Gitarrenverstärker, eigens für Singer und Songwriter beispielsweise wäre ein solche Lösung. Mancher verlässt sich auf die installierte PA und dessen Tonmenschen bzw. auf dessen Fähigkeiten, einen vernünftigen Monitormix zu erzeugen, der andere wiederum möchte die Sache lieber selber im Griff haben und setzt daher auf einen separaten Verstärker. So riesig, wie die Auswahl im Bereich der Gitarrenverstärker für E-Gitarre, ist es bei den Amps für Akustikgitarre nicht – einer der Platzhirsche auf dem Markt ist die US-Firma Fishman, die mit der Loudbox Mini einen extrem kompakten Akustikgitarrenverstärker im Programm führt, der jetzt bei uns zum Test bereitsteht.

Fishman Loudbox Mini Gitarrenverstärker

Fishman Loudbox Mini für Singer / Songwriter – Facts & Features

Dem Wort „Mini“ in der Produktbezeichnung sollte man nicht allzu viel Beachtung schenken. Sicherlich ist die Loudbox Mini mit ihrer Größe von 305 x 348 x 246 mm keine Schrankwand, das Gewicht von fast 10 kg allerdings ist eher „Maxi“ für einen solch kleinen Gitarrenverstärker ausgefallen. Woran mag das wohl liegen? Die Antwort darauf gibt es gleich nach dem Auspacken des Combos aus seinem Karton: Die Kiste ist einfach beeindruckend robust gebaut! Ein Verstärkerchassis aus dickem Stahlblech, umgeben von massiven Holzteilen und mit einem integrierten Netzteil schaffen sofort Vertrauen und Respekt zugleich. Man muss sich also keine Sorgen machen, das Teil mal irgendwie umzureißen, denn eher geht wohl das Kabel in die Brüche.

Sollte es wirklich mal zu einem Umfaller kommen, dann sollten die Regler auf der Vorderseite des Bedienpanels keinen Schaden davon tragen, denn die beiden Außenseiten ragen ein gutes Stück weit hervor und dürften von daher genügend Schutz bieten. Der massive Tragegriff auf der Oberseite hat mit dem Gewicht kein Problem und ist zudem so groß geraten, dass auch Leute mit „Schlosserpranken“ hier sicher zugreifen können.

Das Gehäuse ist deutlich sichtbar angewinkelt konstruiert, um den zwei verbauten Lautsprechern eine bessere Abstrahlung zu ermöglichen – das nach hinten Kippen kann man sich also sparen. Hinter der robusten Frontbespannung sitzt ein 6,5″ Lautsprecher, der von einem 1″ Hochtöner unterstützt wird. Befeuert werden die beiden Speaker über eine 60 Watt starke Endstufe. Das sollte vermutlich ausreichen, um sich auch bei größeren Sessions Eindruck zu verschaffen. Und es wird natürlich Hitze erzeugt, die aber über dicke Kühlschlitze sicher ihren weg nach draußen finden.

Fishman Loudbox Mini side

Fishman Loudbox Mini – angewinkeltes Gehäuse zum besseren Abstrahlverhalten

Fishman Loudbox Mini für Singer / Songwriter – Kanäle für Gitarre & Vocals

Der Fishman Loudbox Mini Gitarrenverstärker bietet zwei unabhängig voneinander arbeitende Kanäle, wobei Kanal 1 dem Anschließen einer Akustikgitarre dient, während der zweite Kanal für Gesang eingesetzt werden kann. Entsprechend sind die Eingangsbuchsen der Kanäle ausgeführt: Der Instrument-Channel besitzt einen Klinkeneingang, der für den Gesang eine XLR-Buchse. Möglich wäre aber auch, jede andere Klangquelle mit einem unsymmetrischen Ausgang als XRL-Signal hier einzuspeisen.

Der Gitarrenkanal 1 ist ungleich luxuriöser ausgestattet, als der für den Gesang. Hier finden wir einen 3-Band-EQ mit Bässen, Mitten und Höhen, einen Gain-Regler zur Anpassung des Eingangspegels des angeschlossenen Instruments, einen Phase-Schalter sowie die beiden Effekte Chorus und Hall, wobei der Chorus zwei Presets („Mild“ und „Thick“) bietet.

Kanal Nummer 2 hingegen setzt auf einen abgespeckten EQ mit nur zwei Bändern für Bässe und Höhen und auch auf den Chorus muss man hier verzichten, der Hall ist aber auch hier wieder mit dabei. Beide Kanäle werden über einen gemeinsamen Mastervolume-Regler gezähmt, der sich ganz rechts außen auf dem Bedienpanel befindet.

Die Regler hinterlassen einen hervorragenden Eindruck. Sie laufen nicht zu weich auf ihren Achsen (um ein versehentliches Verstellen zu verhindern) und sind fest mit dem Chassis verschraubt. Zudem besitzen beide EQs eine Mittenrasterung in ihren 12-Uhr-Positionen, was bei einer Fummelei im Dunkeln dann und wann schon ganz hilfreich sein kann.

Bluetooth an Bord!

Die Loudbox Mini ist nicht nur die kleinste Loudbox aus dem Programm von Fishman, sie ist auch die einzige, die eine Bluetooth-Funktionalität besitzt. Wer jetzt allerdings denkt, man könne mit dem Handy nun ganz bequem die Einstellungen des Verstärkers steuern oder Presets nachladen und dergleichen, der liegt nicht so ganz richtig. Sinn und Zweck dieses Features ist es, externe Klangquellen auf dem aktuellen Stand der Technik (und damit kabellos) in den Loudbox Mini Gitarrenverstärker zu bekommen. Ein „Pairing“-Schalter inklusive Kontroll-LED zur Verbindung mit dem Bluetooth-Gerät befindet sich ebenfalls hier auf der Vorderseite des Bedienpanels. Im Test klappte die Verbindung mit iOS problemlos, nach wenigen Sekunden war die Loudbox Mini unter dem Namen „LBX“ im Menü anwählbar und einsatzbereit. Also auch hier ein definitiver Kaufgrund für Singer und Songwriter, die auf der Suche nach dem perfekten Gitarrenverstärker sind.

Wer es dennoch lieber auf die klassische Art mit einem Kabel versuchen möchte, der kann ebenso die Aux-In-Buchsen auf der Rückseite des Panels verwenden. Zwei Stück gibt es dort, einmal im XLR- und einmal im Miniklinkenformat – und beide können sogar simultan betrieben werden. Egal, welchen Eingang man auch nutzt, die Klangqualität der kleinen Kiste ist außerordentlich gut, auch wenn man nur mit einem Monosignal auskommen muss. Das geht bei dem angepeilten Einsatzgebiet der Loudbox Mini meiner Meinung nach aber völlig in Ordnung. Für Hi-Fi-Anwendungen empfehlen sich andere Geräte.

Fishman Loudbox Mini Gitarrenverstärker Bluetooth

Den Abschluss auf der Rückseite bildet neben dem Netzschalter eine weitere XLR-Buchse, mit der das Signal beider Kanäle (nach dem EQ) abgenommen und einem Mixer/Interface zugeführt werden kann.

Fishman Loudbox Mini – In der Praxis!

So positiv sich die Loudbox Mini nach dem ersten genauen Check präsentiert, so zeigt sie sich auch nach dem Umlegen des Netzschalters und den ersten Tönen, die aus dem Speaker befördert werden. Ohne Knacken und Rauschen erwacht die kleine Box zum Leben und überzeugt mit einem ungemein druckvollen und lauten Klang, der sich mit dem in beiden Kanälen sehr effektiv arbeitenden EQ in alle möglichen Richtungen biegen lässt. Donnerwetter, das hätte man so in Anbetracht der doch bescheidenen Maße des Gehäuses nicht unbedingt erwarten können! Die Bassentfaltung sowie der Schalldruck sind wirklich beeindruckend und damit das schillernden Obertonspektrum einer Akustikgitarre nicht verloren geht, sorgt der Hochtöner für die nötige Brillanz bei einem insgesamt sehr ausgewogenen Grundsound der Loudbox Mini.

Perfekt abgestimmt auf das Einsatzgebiet einer Steelstring sind auch die beiden Onboard-Effekte Chorus und Reverb, die, je nach Geschmack des Benutzers, von unaufdringlich bis unüberhörbar klingen können. Hier ist den Entwicklern ein guter Kompromiss zwischen einfacher Bedienung und der Abstimmung der einzelnen Parameter der Effekte gelungen. Schade nur, dass man die Effekte nicht per Fuß schalten kann, dafür aber klingen sie wirklich gut und sorgen in Sekundenschnelle für ein angenehmes und zugleich inspirierendes Ambiente – keine Selbstverständlichkeit und für Singer und Songwriter, die viel reisen, äußerst praktisch, diese wichtigen Gitarreneffekte im Gitarrenverstärker zu haben.

Fishman Loudbox Mini für Singer / Songwriter – Klangbeispiele

Für die Klangbeispiele habe ich ein AKG C3000 Mikrofon verwendet, das ca. 30 cm vor der Loudbox Mini platziert wurde, um den Klang beider Lautsprecher bestmöglich einfangen zu können und um somit einen möglichst repräsentativen Klangeindruck zu erreichen. Als Gitarre zum Einspielen der Tracks wurde eine recht günstige Ibanez Talman verwendet, deren EQ des eingebauten Preamps in Neutralstellung belassen wurde. Weitere Effekte wurden nicht benutzt, in Logic wurden lediglich die Pegel mit einem Kompressor angepasst.

Zunächst ein Beispiel mit einer Picking-Figur. Der EQ befindet sich in 12-Uhr-Position, der Chorus-Effekt im oberen Bereich seiner „Mild“ Sektion.

In Beispiel 2 jetzt ein Schlagmuster-Pattern mit unveränderten Einstellungen.

Nun in ein Picking-Muster mit halb aufgeregeltem Hall, angehobenen Höhen und Bässen. Der Chorus wurde deaktiviert.

In Beispiel 4 wurden die Bässe auf 10 Uhr zurückgenommen, der Hall etwas angehoben und die Höhen wieder abgesenkt.

Fazit

Sicherlich gibt es Verstärker für akustische Gitarre, die umfangreicher ausgestattet sind. Was aber die Fishman Loudbox Mini für knapp über 300,- Euro bietet, dürfte vielen „Akustikern“ absolut ausreichen. Die kleine Kiste ist absolut hochwertig verarbeitet, besitzt zwei vollwertige Kanäle sowie zwei sehr gut klingende Effekte und presst zudem mit ihrer 60 Watt Endstufe einen enorm druckvollen Sound aus den beiden kleinen Lautsprechern. Fishman weiß eben schon lange, wie Akustik geht – und das merkt man auch bei der Loudbox Mini nahezu an jeder Ecke.

Plus

  • Klang/Schalldruck
  • sehr gut verarbeitet
  • Bluetooth-Funktionalität
  • wirkungsvolle Effekte
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • Effekte nicht per Fuß schaltbar

Preis

  • 308,- Euro
Klangbeispiele
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