Test: Flaxwood Guitars, Haari 3-ST Special und Äijä EMG-H/EMG-T, E-Gitarren

1. Juni 2010

Flaxwood Guitars

Technologische und vor allem ökologische Innovation tragen gerne ein skandinavisches Siegel. 

Im Falle der finnischen Gitarrenbauer-Firma FLAXWOOD können wir beide Eigenschaften nur bestätigen. Einen ausführlichen Bericht von Kai Lünemann, der die außergewöhnliche Produktion und Materialeigenschaften der Flexwood Gitarren unter die Lupe genommen hat, finden Sie übrigens HIER.

Im Speziellen stellt Kai nun in diesem Test nun zwei der Top-Modelle vor.

Viel Spaß, Eure AMAZONA.de Gitarren-Redaktion.

-- Die Flaxwood Haari --

— Die Flaxwood Haari —

Basis

Bundieren, Lackieren, Einbau der Elektronik etc. wird bei jeder Gitarre von Hand erledigt. Dabei wird nur qualitativ hochwertiges Material verwendet oder extra entwickelt wie z.B. das Tune-X Tuning System, welches an allen Stellen des Griffbretts eine tadellose Intonation und akkuratestes Stimmen ermöglichen soll. Der Hals wird im 3-D Glued Neck Joint-Prinzip verleimt und führt ein Stück weiter zum Ziel, die Gitarren gegen Feuchtigkeit unanfällig zu machen. Je nach Modell werden Seymour Duncan-,  EMG– oder DiMarzio-Pickups, sowie das LP-Tremolo von Schaller und Artikel von Gotoh (Bridge/Tuner) verwendet.

Damit hat man sicherlich hervorragende Partner an der Hand und kann von anstandsloser Funktionalität und gutem Sound ausgehen.
Erwähnenswert ist vor allem auch die Blend-Funktion einiger Modelle, die ein stufenloses Hinzufügen der einzelnen Pickup-Signale ermöglicht und somit in Sachen Sound-Vielfalt grenzenlose Variationen bietet.

-- Äijä --

— Äijä —

Derzeit werden von Flexwood acht verschiedene Modelle angeboten, über die auf der Homepage des Herstellers alle notwendigen Informationen und sogar Klangbeispiele zu finden sind.
Zwei davon liegen Amazona.de gerade vor und sollen an dieser Stelle ausführlicher betrachtet werden.

Da wäre zum einen die Haari 3-ST Special, die über ein bezauberndes Finish verfügt und allein optisch schon einiges her macht.

-- Haari Koffer --

— Haari Koffer —

Ein erstes „in die Hand Nehmen“ und Anspielen ruft ein gewisses Stutzen hervor, denn durch den Hohlkörper und das verwendete neuartige Material klingt sie rein akustisch eben anfangs so gar nicht nach Gitarre, sondern eher nach Plastik und Karton, was dazu führt, dass man zu Beginn den ganzen Korpus abklopft wie ein Urwaldforscher auf der Suche nach Termitenhöhlen in morschen Ästen. Gerade die Rückseite mit der Resonanzplatte und den Öffnungen weckt da das Entdecker-Gen.

-- Flaxwood Resonanzplatte --

— Flaxwood Resonanzplatte —

Nach ausführlicherem Testen und einiger Zeit in den Fingern entpuppt sie sich aber als wahres Sustain-Wunder und vermittelt dann gerade durch den außergewöhnlichen akustischen Sound das – später dann bestätigte – Gefühl, dass diese Gitarre eine ganz Menge (mehr) hergibt.
Mit ihren knapp über drei Kilogramm und der äußerst angenehmen Balancierung liegt sie sehr gut in der Hand, und der ebenfalls aus Flaxwood gepresste Hals gibt seine fantastische Bespielbarkeit preis. Es ist schlicht gesagt ein riesen Spaß, hier übers Griffbrett zu flitzen und loszufunken. Die Elektronik arbeitet ebenfalls tadellos, und der Sound ist ausgewogen und flexibel variierbar durch die sehr gut regelbaren Potis und ihrer gewöhnungsbedürftigen, aber von Vorteilen geprägten, Kombinationsmöglichkeiten.

-- Haari Bridge --

— Haari Bridge —

Ganz so bissig wie eine Strat kommt sie zwar nicht daher, dazu steuert der P90 eben seinen Teil bei, aber trotzdem liefert die extravagante Single-Coil/P90-Kombination eine Menge „Twang“ und in der Schaltung, wenn alle drei Pickups aktiv sind, auch genug Raum für verzerrte Sounds.

Des Gesamtdesign ist (wie immer bei dieser Frage) Geschmackssache, aber man kann dennoch objektiv sagen, dass es sehr edel daher kommt und einen absolut hochwertigen, bestechenden Eindruck macht. Das fängt bei der toll designten Kopfplatte an, geht über schöne Perlmut-Inlays im Hals und die sehr gelungene Lackierung bis zum mitgelieferten Koffer.

-- Flaxwood Headstock --

— Flaxwood Headstock —

-- Flaxwood Neck und inlays --

— Flaxwood Neck und inlays —

Alles in allen ein überdurchschnittlich stimmiger Gesamteindruck. Bei der Haari passt dann auch der Übergang von Hals und Korpus und hat deutlich weniger Unebenheiten als der „kleine“ Bruder.

-- Haari Rückseite --

— Haari Rückseite —

Die Anordnung der Potis ist gewöhnungsbedürftig, aber nachvollziehbar durchdacht, sofern man keine Knöpfe unnötig in der Anschlaggegend haben möchte.

Alles in allem verspricht die Beschreibung des Herstellers selbst nicht zu viel. Eine absolut hochwertieg Allround-Gitarre für „almost any style“.

Forum
  1. Profilbild
    desser1

    Hmm, ob so viel Euphorie angebracht ist stelle ich hier zur Frage. Da wird Holz zerschreddert und mit Flaxfasern in ein Trägermaterial gegossen, wahrscheinlich ein Epoxid- oder Polyesterharz und das soll den Planeten retten? Diese Trägermaterialien sind umweltschutztechnisch alles andere als unproblematisch und der hohe Energieaufwand für die Produktion wird auch nicht erwähnt (Spritzgusstechnik ist Energieintensiv und jedes neue Bodyshape braucht eine neue aufwenig herzustellende Stahlform).
    Wo hier der Vorteil gegenüber einer artenschutzmäßig völlig unproblematischen Gitarre mit Erle- oder Eschenbody und Ahornhals sein soll ist mir nicht ersichtlich. Wenn einem die Umwelt und der Artenschutz am Herzen liegen sollte (tut es mir), dann sollte man besser so eine Gitarre wählen – mit einer Lakierung auf Wasserbasis.

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      AMAZONA Archiv

      … Dass überhaupt ein Hersteller sich Gedanken in Richtung Umweltschutz macht, finde ich alleine schon lobenswert.

      In dem Test steht aber der Umweltschutz überhaupt nicht im Vordergrund (ich bin kein Wissenschaftler und will´s auch nicht werden). Es geht ja hier um Sound, Klangcharakter, Bespielbarkeit etc pp, also um eine innovative, neue GITARREN-Konstruktion bei der zusätzlich noch Wert gelegt wird auf Umweltschutz. Finde ich großartig.

      Das ist immer noch ein Gitarren-Test auf Amazona und nicht auf greenpeace.de. Ich denke, das wird auch eigentlich deutlich und der Schwerpunkt der Euphorie liegt eindeutig im musikalischen Bereich.

  2. Profilbild
    zerebrush

    … bei dem hier anwesenden Materialgemenge halte ich den expliziten Verweis auf den Umweltschutz für einen Marketing-Gag.

    Viel erfreulicher wäre es, wenn man von den Möglichkeiten der Verarbeitung von Kunststoff (letztlich das verbaute Material bei diesen Instrumenten) voll nutzte:
    je nach Mischung der Komponenten dürfte es möglich sein, den Grundsound der Instrumente quasi nach Käuferwunsch einzustellen und dies dann in Serie anzubieten.
    „Vintage von der Stange“ sozusagen.

    Berührungsängste mit Gitarren, die nicht aus „echtem Holz“ gefertigt wurden?

    Da hilft vielleicht ein Blick zu Martin – dort baut man im unteren Preissegment Akustische aus den abenteuerlichsten Materialien, scheinbar mit Erfolg.

    Da aber Gitarreros so ziemlich die konservativsten Menschen sind, die ich kenne – Flaxwood wird ein Nischenprodukt werden (und ausserdem finde ich ovale dots ungeheuer hässlich :)).

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