Test: Flux Evo Channel, Channel-Strip Plug-in

Kompressor

Kompressor

Kompressor

Auch der Kompressor ist sehr übersichtlich geworden. Das trifft sowohl für die Anzahl der Parameter als auch für die graphische Darstellung zu. Threshold, Ratio, Attack und Release und einen Schalter zur praktischen automatischen Anpassung der Release-Zeit, DBX-Style. Dazu noch einen Gain/Make-Up-Regler für die Aufholverstärkung und einen immer gerne gesehenen Wet-Regler für den Effektanteil am Signal.

Es gibt neun fixe Modi, die die bisher nicht zugänglichen Parameter des Kompressors für den Einsatzzweck wie Gesang oder Drums anpassen. Zieht man in Betracht, dass die Quelle der Pure- bzw. Solera Kompressor von Flux ist, könnten das recht viele Parameteranpassungen sein. Nur kurz am Rande: Solera ist die Zusammenfassung der Pure-Serie (ohne den Pure Limiter) von Flux in einem Plug-in. Alchemist ist Solera in der vierfachen Ausführung als Multibandkompressor.

Touch

Touch

Touch

Zuletzt gibt es das Touch-Panel. Auch hier gibt es mehrere vorgegebene Modi: Transient Booster, Transient Killer, Sustain Booster, Sustain Killer (De-Verb), DeEsser 1, DeEsser 2 und Expander sorgen für reichliche und praxisnahe Auswahl.

Die Filterfrequenz lässt sich dabei komfortabel über einen Ziehregler einstellen. Die linke Frequenzanzeige definiert die untere Begrenzung der Signalbearbeitung, die reche Anzeige die obere und die mittlere Anzeige ist nicht nur einfach die Mittenfrequenz, sondern auch der Haltegriff zum Durchfahren des Spektrums, ohne die Bandbreite des Filters zu verändern. Der Range-Parameter arbeitet je nach eingestelltem Modi in Millisekunden oder Dezibel. Der ebenfalls sehr gern gesehene Listen-Taster lässt nur das eingestellte Frequenzband durch. Fehlersuche leicht gemacht. Es wäre schön gewesen, wenn es diesen Solo-Taster auch für die EQ-Bänder gegeben hätte.

Links und rechts werden die Strips von den Pegelanzeigen für Eingang und Ausgang geziert, die eine kombinierte RMS- und Peak-Anzeige bieten. Dazu kommt der Drive-Parameter, der eine angenehme harmonische Sättigung des Audiomaterials erzeugt. Der Effekt kann zwar sehr deutlich sein, übertreibt es aber auch bei Maximaleinstellung nicht.

Ein Auto-Gain-Feature, das automatisch immer die Ausgangslautstärke der Eingangslautstärke angleicht, gibt es nicht und wird es laut Yves Jaget aus konzeptionellen Gründe auch nicht geben.

Eine kleine Besonderheit bei allen Flux Plug-ins ist die Handhabung von A/B-Presets. Dabei können für die A- und B-Slots jeweils eigene Presets geladen und dann per Schieberegler stufenlos zwischen ihnen umgeblendet werden und das Ganze auch noch automatisiert.

Doch auch die Möglichkeit die Reihenfolge der Effekte in der Signalkette beliebig anordnen zu können, ist nicht hoch genug zu loben.

Varaible Effektkette

Variable Effektkette

Klang und Anwendung des Flux Evo Channel

Der Flux Evo Channel gehört mit zu den transparentesten Channelstrips auf dem Markt, hat aber dennoch einen „analogen“ Grundton. Modern analog wie etwa bei Elysia. Beim Kompressor muss man schon verhältnismäßig arg drücken, bis man ihn unangenehm arbeiten hört. Der EQ arbeitet wie erwartet tadellos. Cutten und boosten wie auch chirurgische Eingriffe sind mit ihm sorgenfrei möglich. Der De-Esser hat seine Grenzen und es gibt Besseres, allerdings kostet ein Ersatz meist mehr der Evo Channel selbst. Oder man greift lieber zu einem dynamischen EQ. Die Aufnahme wird Evo Channel aber deswegen nicht ruinieren. Die Latenz richtet sich nach den Einstellungen des Audiopuffers in der DAW. Wer mit 32 Samples Puffer tracken will, kann dem als noch bedenkenlos nachgeben.

Flux Evo Channel mag zwar auf den bisherigen Produkten von Flux basieren, doch ist Evo Channel keineswegs nur ein Amalgamat aus diesen. Die Algorithmen wurden angepasst und überarbeitet und zwar so weit, dass selbst für Besitzer der bisherigen Flux Plug-ins Evo Channel etwas Neues ist. Verwandt? Ja, definitiv. Redundant? Nein.

Was es an Kritik gibt, ist schnell abgehandelt. Wie alle Flux Plug-ins leidet auch Evo Channel an einer viel zu kleinen Bedienoberfläche und an dem, besonders für eine derart professionell orientierte Firma, erstaunlich schlecht geschriebenen PDF-Handbuch. Es beschreibt die Funktionen nur grundlegend und ohne weitere Hintergründe oder Zusammenhänge. Das scheint besonders in Anbetracht der Zielgruppe von Evo Channel, die erwähnten „normalen, computergestützten Musiker“, doch etwas verwirrend. Ich kenne nicht viele Handbücher, die schlechter geschrieben sind. Die von Xils-Labs oder für die Korg Volcas vielleicht. Wobei ich sagen muss, das Handbuch von Evo Channel ist schon eine Steigerung zu denen von Epure, Solera oder Alchemist. Wer schon mal mit einem Kompressor- oder EQ-Plug-in gearbeitet hat, sollte sich dennoch schnell zurecht finden, was aber immer noch keine Entschuldigung für die Qualität des Handbuchs ist.

Zukunft

Doch ist und bleibt Flux Evo Channel eines der interessanteren Plug-ins in diesem Jahr. Zumal Yves Jaget eine interessante Roadmap für das Plug-in dargelegt hat. Neben einer Zoom-Funktion für die Oberfläche soll es für den Kompressor- und Touch-Strip auch einen „Nerd-Modus“ geben, in dem alle Parameter dieser Segmente offengelegt werden. Das könnte wirklich interessant werden.

Außerdem sollen die einzelnen Segmente von Evo Channel als separate Plug-ins veröffentlicht werden. Die erste Auskopplung ist schon auf dem Markt. Das Evo In-Plug-in beinhaltet den Phasen-Regulator inklusive der Phasen-Gruppenverwaltung und die Drive-Sättigung. Allerdings nicht als kostenlose Dreingabe zu Evo Channel, sondern für 59,- Euro extra. Für Besitzer von Flux Evo Channel gibt es während der Einführungsphase einen Preisnachlass auf Evo In von 40 %.

Flux Evo In

Flux Evo In

Fazit

Flux Evo Channel ist ein äußerst transparentes, aber dennoch nicht farblos klingendes Plug-in, das zudem noch sehr einfach zu bedienen ist. „Modern analog“ möchte man vielleicht sagen, doch auf jeden Fall sehr musikalisch. Wer nicht ewig diversen SSL, API oder sonst welchen Emulationen hinterher rennen, sondern mal was Unverbrauchtes will und auch auf eine mehr Bildschirm- und Maus-gerechte Bedienung Wert legt, sollte sich Evo Channel unbedingt mal ansehen.

Vom Flux Center sollte man sich dabei nicht abschrecken lassen. Das ist – zusammen mit den Flux Plug-ins – genauso schnell runter vom Rechner wie es draufgekommen ist. Keine Kontoanmeldung etc. ist notwendig.

 Alles in allem bietet Flux Evo Channel jede Menge Qualität fürs Geld und verdient sich damit seine drei Sterne redlich.

Plus

  • transparenter und aber nicht langweiliger Klang
  • Oberflächen-Design

Minus

  • zu klein designte Oberfläche
  • schlecht geschriebenes Handbuch

Preis

  • Ladenpreis: 119,- Euro
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