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Test: Focal Solo6, Nahfeldmonitor

Exzellenter Nahfeldmonitor

28. November 2022
focal solo6 test

Focal Solo6, Nahfeldmonitor

Es gibt Firmen, die sich Jahr für Jahr einen stetig wachsenden Bekanntheitsgrad erarbeiten, bis sie fast unbemerkt sich mit in die ersten Reihen in Sachen Beliebtheit bewegen. Die französische Firma Focal ist eine jener Firmen, die sich durch konsequent gute Produkte und den ständigen Drang nach Verbesserung mittlerweile einen recht großen Bekanntheitsgrad im professionellen und semi-professionellen Segment der Studiomonitore erarbeitet hat. Ein sehr beliebtes Produkt war die Focal Solo6 Serie, die nunmehr ein Update erfahren hat und mit einigen sehr interessanten Features auf sich aufmerksam macht.

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Focal Solo6 Test

Focal Solo6, Front

Das Konzept der Focal Solo6

Man möge mir den Fokus nachsehen, aber ich halte es für erwähnenswert, dass die Firma Focal nicht nur ihren Firmensitz in Frankreich hat, sondern ihre Produkte dort auch fertigen lässt. Die aktuelle politische Lage und die immensen Lieferkettenprobleme im Osten führen einem einmal mehr vor Augen, wie wichtig es meines Erachtens ist, in seiner Kaufentscheidung ggf. ein Zeichen zu setzen und wenn möglich auf lokale oder zumindest auf europäische Produkte zu setzen und dort entsprechende Arbeitsplätze zu sichern.

Beim Studiomonitor Focal Solo6 handelt es sich um einen 2-Wege-Nahfeldmonitor, der mit einem 6,5″ TMD-Tieftöner (Tuned Mass Damper) und einem 1,5″ Beryllium-Hochtöner ausgestattet ist. Bei der von Focal patentierten Tuned Mass Damper (TMD) Technologie handelt es sich um ein System, das die Verzerrung im Frequenzbereich von 1 kHz bis 3 kHz laut Hersteller um 50 % reduziert. Die Tieftönermembran ist äußerst steif, was für einen schnellen Attack und gute Phasenlage spricht, zudem ist der Lautsprecher sehr weich aufgehängt, um die nötigen Bässe dem vergleichsweise kleinen Tieftöner zu entlocken. Um den Lautsprecher in seinem Wirkungsgrad noch zu unterstützen, verfügt der Focal Solo6 Monitor über eine schlitzförmige Bassreflexöffnung auf der Vorderseite des Gehäuses.

Focal Solo6 Test

Focal Solo6, Aufsicht

Interessant gestaltet sich auch die Verwendung von Beryllium im Hochtonbereich. Das stahlgraue Leichtmetall ist sehr hart und spröde, hat einen höheren Elastizitätsmodul als Stahl und wird meist als Legierungszusatz verwendet. Im Vergleich mit den anderen leichten Alkali- und Erdalkalimetallen (Lithium, Natrium, Kalium, Magnesium und Calcium) ist es außergewöhnlich giftig und gesundheitsschädlich, was dazu führt, dass Focal ein Eextra Warnheft dem Produkt beilegt. Die Beschreibungen „kann beim einatmen Krebs erzeugen“, „Lebensgefahr beim Einatmen“, „Giftig beim Verschlucken“ und „Verursacht schwere Augenreizung“ legen nahe, dass man bei einer Beschädigung des Hochtöners umgehend die gesamte Box luftdicht verpackt und an den Fachhändler zurücksendet. Solche Warnhinweise sind mir in meiner Karriere im Pro Audio Bereich auch noch nicht untergekommen. Um den Hochtöner auf jeden Fall vor äußeren Einwirkungen zu schützen, wurde vor dem Hochtöner ein filigranes, aber sehr verwindungssteifes Stahlgitter angebracht, bei dessen Beschädigung es ebenfalls sofort die gesamte Box luftdicht zu verpacken gilt.

Mit den Abmessungen von 334 x 24,6 x 29,5 mm (H x B x T) und einem Gewicht von 13 kg bringt der Focal Solo6 für seine Größe ganz ordentlich was auf die Waage, lässt sich aber noch vergleichsweise leicht transportieren und im Studio platzieren. Die Verstärkerleistung beläuft sich auf 80 W RMS für den Tieftöner und 50 W RMS für den Hochtöner. Laut Hersteller besitzt das System einen Frequenzgang (-3 dB) von 45 – 40.000 Hz im 2-Wege-Modus. Im 2-Wege-Modus, was soll denn diese Aussage? Nun, der Focal Solo6 verfügt über eine sehr sinnvolle Schaltmöglichkeit, wenn es um das Abhören über unterschiedliche Monitore geht.

Auratone! Wer kennt sie nicht, die 1-Weg „Quäker“ aus den Siebzigern und Achtzigern, die in keinem High-End-Studio fehlen durften, einfach weil sie so grauselig klangen. Sie simulierten den Klang des berüchtigten Küchenradios seiner Zeit oder aber die Auto-„HiFi“-Anlagen der ersten Generation und ermöglichten dem Tontechniker die Vorstellung, wie der erstellte Mix unter ungünstigsten Umständen klingen wird. Wenngleich besagtes Küchenradio schon lange seine Präsenz gegenüber aktuellen Boomboxen verloren hat, die in der Summe deutlich besser klingen als ihre Vorgänger seiner Zeit und es mittlerweile HiFi-Systeme im Auto gibt, von denen Stereoanlagen Besitzer seiner Zeit nur träumen konnten, ist es immer hilfreich, das Gehör in regelmäßigen Abständen mit einer „minderwertigen“ Wiedergabe zu „rekalibrieren“.

Um nicht extra ein weiteres Monitorpaar für eben diesen Zweck anschaffen zu müssen, verfügt der Focal Solo6 Monitor über einen schaltbaren Focus Modus, der den Hochtöner deaktiviert und dem Tieftöner einen Frequenzgang von 110 – 10.000 Hz im 1-Weg-Modus zuweist. Eine sehr sinnvolle Einrichtung, die glatt ein Paar „Quäker“-Monitore einspart. Ansonsten hat der Focal Solo6 einen maximalen SPL (50-10 kHz, Freifeld @ 1 m) von 110 dB.

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Focal Solo6 Test

Focal Solo6, Profil

Optik des Studiomonitors

Einmal mehr legt Focal bei den Solo6 Boxen einen großen Fokus auf die Optik der Boxen. Das aus MDF gefertigte Gehäuse wurde mit Seitenteilen aus „Red Burr Ash“ furniert, die mit ihrer dunkelroten Optik einen sehr edlen Eindruck hinterlassen. Um zusätzliche Kammfiltereffekte zu vermeiden, wurde das Frontpanel an den Kanten stark entgratet und läuft zur hinteren Seite spitz zu. Die gesamte Verarbeitung ist tadellos und versprüht ein wenig den Flair des „Feinen“.

Focal Solo6 Test

Focal Solo6, Rückseite

Die Rückseite und Anschlüsse des Focal Solo6

Sämtliche Anschlüsse und Regelmöglichkeiten befinden sich auf der Rückseite des Focal Solo6. Focal setzt konsequent auf den Pro-Ansatz und verwendet daher nur XLR-Buchsen als Eingänge mit einer regelbaren Eingangsempfindlichkeit von -10 dBV oder +4 dBU. Links neben der Eingangsbuchse befindet sich ein On/Off-Schieberegler für die Auto-Standby-Funktion. Zwei TRS-Buchsen mit den Bezeichnungen Focus In/Focus Out ermöglichen einen Daisy-Chain-Betrieb oder aber den Anschluss eines Fußschalters für den Focus Betrieb. Eine LED auf der Vorderseite des Gehäuses informiert über den Betriebszustand.

In Sachen Klangregelung bietet der Focal Solo6 insgesamt vier Regelmöglichkeiten, bestehend aus einem Hipass-Filter, das wahlweise bei 45 Hz, 60 Hz oder 90 Hz einsetzt, einem Low-Shelving-Filter, das je +/- bis zu 3 dB ab 250 Hz abwärts regelt, einem Low-Mid-Bandpass-Filter, das Desktop-Reflektionen bei 160 Hz mit +/- bis zu 3 dB regelt und einem High-Shelving-Filter, das +/- bis zu 3 dB ab 4,5 kHz einsetzt. Alle Regler sind vertieft eingebaut, daher gegen versehentliches Verstellen geschützt und müssen mit einem Schlitzschraubendreher betätigt werden.

Abschließend haben wir noch den On/Off-Schalter, eine Kaltgerätebuchse und einen hinter durchsichtigem Kunststoff platzierten Spannungswahlschalter, der den Betrieb sowohl in Europa als auch in Übersee ermöglicht.

Focal Solo6 Test

Focal Solo6 im Studio

Die Focal Solo6 in der Tonstudiopraxis

Schon bei den ersten Tönen erkennt man, dass die Focal Solo6 klanglich hervorragend ausbalanciert sind. Selbst ohne klanglichen Abgleich ist das gelieferte Klangbild sehr rund, ausgeglichen und in sich stimmig. Der Tieftöner bringt einen erstaunlichen Tiefbass, den ich später mit noch einmal für den „wooferlosen“ Betrieb um ca. 1,5 dB geboostet habe. Die Bässe kommen trotz der weichen Aufhängung sehr straff und gut definiert herüber und schaffen es im Gegenzug aufgrund der weichen Aufhängung deutlich tiefer im Frequenzbereich als vergleichbare Konkurrenten.

Focal Solo6

Focal Solo6

Kundenbewertung:
(2)

Auch der Mittenbereich wird gut aufgefangen, zumal das berüchtigte Mittenloch vieler 2-Wege-Systeme hier nicht zum Tragen kommt. Typische Mittenvertreter wie Gitarre und Gesang werden akustisch gut abgebildet, so dass man zu keiner Zeit die Orientierung über Klang und Dynamik des so wichtigen Mittenbereichs verliert. Ein besonderes Augenmerk gilt hingegen dem Hochtonbereich, dessen Beryllium-Treiber in der Tat einen ganz eigenen Klang offeriert. Der Hochtonbereich ist sehr fein aufgelöst, ist in der Tat auch im obersten Bereich sehr offen und ermöglicht eine sehr gute räumliche Auflösung. Dem einen oder anderen mag diese Auflösung einen Tick zu „fein“ sein, mir persönlich gefiel der Grundklang sehr gut, so dass ich keinerlei Abgleich im Hochtonbereich vornehmen musste. Auch der LMF EQ musste nicht bemüht werden, da die Boxen im Ständerbetrieb hinter einer niedrigen Arbeitsplatte ihren Dienst verrichteten.

Focal Solo6 Test

Focal Solo6 Rückseite im Einsatz

Für den Rock- und Heavy-Bereich bin ich tatsächlich geneigt, die Focal Solo6 ohne Woofer laufen zu lassen, für den Dance- und Elektrobereich würde ich wahrscheinlich aufgrund der höheren Anforderungen im Tiefbassbereich auf einen zusätzlichen Woofer zurückgreifen. Auch hier würde ich einen Woofer aus der Focal Sub Serie nehmen, da die Tieftöner Ausrichtung in Sachen Membranbeschaffenheit und Einspannung des Lautsprechers ähnlich ausgelegt ist und sich klanglich deutlich leichter integrieren lässt, als Vertreter anderer Hersteller.

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Fazit

Mit dem Focal Solo6 führt der französische Hersteller einen hervorragenden Nahfeldmonitor in seinem Portfolio, der mit zahlreichen Detaillösungen und einem sehr guten Grundklang punktet. Klanglich bietet der Monitor einen sehr ausgewogenen Grundklang, der sich in nahezu allen Musikrichtungen zu Hause fühlt und schwachbrüstige oder unausgewogene Mixe gnadenlos offenlegt.

Wer einen bereits in der Basiseinstellung sehr gut klingenden Nahfeldmonitor sucht, der das Budget nicht übermäßig belastet, sollte sich den Focal Solo6 unbedingt einmal anhören.

Plus

  • Klang
  • Verarbeitung
  • Optik
  • Focus Modus

Preis

  • 1.329,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    Filterpad AHU

    Die Frage die man sich stellt. Ist der „giftige Hochtöner“ ernst zu nehmen oder eine Art (übertriebene) Vorsichtsmaßnahme und Absicherung der Firma Focal? Aber diese Tatsache in dem Test zu erwähnen, halte ich dennoch für sinnvoll. Ob ich mir diese aber nach dem Test zulegen würde, wenn man z.B. ein Baby im Haus hätte, sei mal dahingestellt. Das diese aber in Frankreich hergestellt werden ist definitiv ein erwähnenswerter Pluspunkt. Kurze Wege sind richtig und wichtig!

  2. Profilbild
    GEM-D

    Gottseidank darf ich mich Besitzer der BE6 nennen und bin seit dem totaler Focal Fän! Bei diesen hier muss ich sagen gefällt mir das Design der neuen Hochtöner leider nicht so sehr. Aber klanglich sind die Lautsprecher definitiv hervorragend! Ich vermute mal, daß diese hier nicht weit entfernt von den BE6 sind… Die Höhen kann man ja am Lautsprecher runterregeln und ich denke so kommt man gut
    auf seinen persönlichen Soundgeschmack.

  3. Profilbild
    dAS hEIKO AHU

    „…die Strahle nicht kreuzen. Das war ein wichtiger Hinweis, Egon“
    Nein, mal Scherz beiseite. Ich denke hier hat man im Sinne des Kunden und über das übliche Maß hinaus auf alle Eventualitäten hingewiesen. Zumal es ja auch sicher kein Phänomen ist, dass sich Hochtöner ständig in Einzelteile zerlegen.
    Der Korb, der auch nicht jedem gefällt tut sein übriges. Dem Wesenszweck der Monitore schadet es offensichtlich nicht.

  4. Profilbild
    SoundForger2000

    Leider habe ich die Focal-Monitore noch nicht selbst gehört, glaube aber in Anbetracht dessen was Focal im HiFi-Bereich seit vielen Jahren leistet sofort, daß diese hervorragend klingen.
    Im HiFi-Universum ist Focal ja nun ganz ganz vorne dabei und wer mal die großen Modelle gehört hat, weiß auch sogleich warum.
    Deren Spitzenprodukt, die Grande Utopia EM EVO, läßt 99% aller Monitore hinter sich. Dies freilich zum Preis eines Bentley.
    Werde mir die Focal Monitore wohl wirklich mal anhören müssen.
    Ich begrüße explizit, daß der Franzose auch seine Monitore optisch ansprechend gestaltet, bin nämlich nicht der Meinung, daß die Optik im Profibereich gänzlich zu vernachlässigen ist, wovon viele 19″-Geräte ja auch zeugen.

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