Erstklassiges Interface mit tollen Preamps
Der renommierte britische Hersteller hat unter dem Label Focusrite Pro seine hochwertigen Thunderbolt-Audiointerfaces neu aufgestellt. Mittlerweile abgekündigt wurden das Red 4Pre, das ich schon vor einiger Zeit getestet hatte, und das Red 8Pre. Neu hinzu gekommen sind das Red 8Line und das Red 16Line. Auch der Remote-Controller RedNet R1 ist nun für den schnelleren Workflow erhältlich. Für den Test haben wir uns das Red 8Line kommen lassen.
Was bietet das Focusrite Red 8Line?
Optisch macht das 1 HE Interface ordentlich was her. Die dicke Aluminium-Front im typischen Rot ist mittig mit drei Displays bestückt. Zur Steuerung sitzen links und rechts jeweils ein Encoder und vier Taster. Zwei Instrumenteneingänge befinden sich sinnvollerweise auf der Vorderseite, ebenso wie die beiden Kopfhörerausgänge. Ganz rechts befindet sich der Netzschalter.
Alle andern Ein- und Ausgänge befinden sich auf der Rückseite. Diese sind sehr umfangreich vorhanden, entsprechend gedrängt geht es hier zu.
Analog sind acht Kanäle angelegt: Für Kanal 1 und 2 besteht die Auswahlmöglichkeit der beiden Mikrofoneingänge, der frontseitigen Instrumenteneingang oder Line-Signale. Kanäle 3-8 sind immer für Line-Signale vorgesehen. Die Line-Inputs sind, ebenso wie die acht analogen Line-Ausgänge, über eine D-SUB-Buchse realisiert. Die beiden Monitorausgänge bieten hingegen symmetrische Klinkenbuchsen.
Digital bietet das Interface S/PDIF-In/Out, je zwei ADAT-Anschlüsse und zwei Mal Dante als Ethernet-Buchsen. Das ergibt immerhin stattliche 50 digitale Kanäle in beiden Richtungen.
Damit noch nicht genug: Mit zwei Mini-DigiLink-Steckern ist das Red 8Line auch für die nahtlose Anbindung an ein Pro Tools System gerüstet. Hierfür werden auch die beiden Loop-Sync-BNC-Buchsen benötigt, die neben ihren Kollegen zur Wordclock-Einbindung sitzen.
Neu hinzugekommen sind die beiden Thunderbolt 3 Buchsen, die die TB 2 Anschlüsse der älteren Red 4/8Pre Interfaces ablösen.
Gehäuse und Bedienung des Interfaces
Wie nicht anders zu erwarten ist das Stahlblechgehäuse sehr stabil gefertigt. Die Tiefe des 1 HE Gerätes beträgt ca. 31 cm. Die aus einem Aluminiumblock gefräste rot eloxierte Frontplatte ist an ihrer dicksten Stelle 10 mm stark. Das Gewicht ist mit knapp unter 5 kg ganz ordentlich.
Seitlich links sind Lüftungsschlitze vorhanden, rechts sitzen zwei kleine Lüfter, die zwar permanent, aber fast unhörbar laufen.
Die drei Farb-Displays sind folgenden Funktionen zugeteilt: Links sitzt das Input-Display, das die ersten beiden analogen Eingänge anzeigt. Bedient werden diese mit den zwei ganz links sitzenden Buttons sowie dem Input-Encoder.
Die nächsten Buttons sind dem mittleren Display zugeordnet, das Level-Meter-Display. Hier werden In- oder Outputs in 8er Blöcken angezeigt, die Umschaltung Analog zu Digital und In- zu Outputs erfolgt über die Taster. Welcher digitale Block ausgewählt wird, dafür ist der Meter-Button auf der rechten Seite zuständig. Die Anzeige erfolgt ebenfalls ganz rechts.
Die restlichen drei Buttons sind den Ausgängen Monitor, Headphone 1 und Headphone 2 zugeordnet. Auch diese Infos lassen sich im rechten Display darstellen. Ebenso gelangt man hier auch ins Menü zu den globalen Einstellungen.
Taster und Encoder sind von guter Qualität und es lässt sich angenehm damit arbeiten. Die Displays sind gut ablesbar. Somit ist das Interface recht gut bedienbar. Noch komfortabler geht es natürlich mit der zugehörigen Software, die für die Ansprache des Interfaces notwendig ist.
Was bietet die Focusrite Software?
Die Software wurde von Grund auf neu gestaltet, bei meinem Test des Red 4Pre wurde noch die Focusrite Control benutzt. Diese lieferte zwar recht gute und übersichtliche Ergebnisse, war aber bei den Möglichkeiten der großen Red Interfaces ein wenig überfordert. Wir werden sehen, ob die neue RedNet Control 2 das besser macht.
Die Aufteilung der Einstellungs- und Routing-Funktionen auf fünf statt wie bisher zwei Seiten scheint schon mal für einen deutlich angenehmeren Workflow zu sprechen.
Focusrite möchte, dass der Käufer das neue Interface registriert. Das muss nicht zwingend sein, die Control 2 ist auch so von der Website herunterzuladen. Dann verzichtet man aber auf das Software-Paket aus dem eigenen Haus, das den Red 2 EQ und den Red 3 Compressor mit liefert.
Ganz neu ist der hervorragende bx_console Focusrite SC Channel-Strip mit dabei, der von Brainworks entwickelt wurde.
Auch das bisher mitgelieferte, exklusiv für Focusrite kreierte Time and Tone Bundle von Softube ist weiter erhältlich. Hier wird der Drawmer S73 Master-Processor, das TSAR-1R Reverb, Tube-Delay und der Saturation-Knob geliefert. Die Einzelpreise dafür liegen regulär bei 267,- Euro, der SC Channel-Strip wird von Brainworks für 349,- US-Dollar verkauft. Es wird hier also durchaus ein ordentlicher Mehrwert geboten, sehr schön.
Doch damit nicht genug, als angemeldeter Nutzer erhält man in unregelmäßigen Abständen die Möglichkeit, Produkte von befreundeten Software-Firmen gratis herunterzuladen, meist mit der Option eines verbilligten Einkaufs der restlichen Palette.
Die technischen Daten
Die Mikrofoneingänge liefern eine Verstärkung von 63 dB und haben ein maximales Input-Level von +19 dBu. Die Impedanz liegt bei 6,2 kOhm und reduziert sich im Air Mode auf 2,2 kOhm. Der Frequenzgang beginnt bei 20 Hz und endet erst bei 35 kHz.
Die Instrument-Inputs können ebenfalls um 63 dB verstärkt werden. Hier liegt die Impedanz bei 2,3 mOhm, auch hier kann der Air Mode geschaltet werden.
Die analogen Line-Ein- und Ausgänge lassen sich auf +18 oder +24 dBu betreiben, jeweils einzeln schaltbar.
Das Red8Line kann bis zu 24 Bit und 192 kHz arbeiten. Dann reduzieren sich natürlich die Kanäle der digitalen Schnittstellen. Für die Dante Verbindung trifft das erst ab 176,4 kHz zu, die 96 kHz werden noch mit den vollen 32 Kanälen übertragen.
Bei meiner Standard-Einstellung mit 44,1 kHz und 64 Samples Puffer erreiche ich mit 4,4 ms Roundtrip und 2,1 ms am Ausgang ganz hervorragende Werte. Üblich sind bei Interfaces, die keine eigenen Treiber mitbringen, gerade im Roundtrip deutlich höhere Latenzen.
Einrichtung und Bedienung
Das Interface benötigt die zugehörige Software, um lauffähig zu sein. Die gibt es wie gesagt online. Für den erforderlichen Treiber muss eine Sicherheitsfreigabe erfolgen, das wird aber für die verschiedenen Betriebssysteme sehr gut beschrieben.
Damit es gleich losgehen kann, hat Focusrite ein passendes, ca. 2 m langes TB3-Kabel beigelegt. Dafür ein Kompliment, denn das gehört in der Regel nicht zum Lieferumfang von Thunderbolt-Audiointerfaces.
Das Interface verfügt über zwei TB-Anschlüsse, das ist prima. So kann ich am iMac eine Buchse freischaufeln und den dort hängenden Monitor am Red8 wieder anstöpseln.
Grundsätzlich lässt sich das Interface ganz gut am Gerät selbst bedienen. Die drei Displays zeigen die wichtigsten Zustände übersichtlich an. Natürlich lassen sich so nicht alle Pegel der vielfältigen Ein- und Ausgänge darstellen, es können aber je für analog und digital Achterblöcke in den direkten Zugriff gelegt werden. Also sind die beiden Haupteingänge, die wichtigsten Pegel wie auch die Monitor- und Kopfhörerausgänge im schnellen Zugriff.
Komfortabler gestaltet sich die Sache natürlich mit der neuen RedNet Control2. Hier sind auf der I/O-Control- and Metering-Page alle Pegel im Überblick. Auch die möglichen Einstellungen für Ein- und Ausgänge werden hier vorgenommen.
Auf der Monitor-Page ist zu konfigurieren, welche analogen Ausgänge vom rechten Dial gesteuert werden. Auf den nächsten beiden Seiten wird das Input- und Output-Routing erledigt. Hier lassen sich benachbarte Kanäle auch mono oder stereo schalten. Zum Schluss ist auch noch eine Custom-Page vorhanden. Hier lassen sich acht beliebige Mixes schnell erreichbar ablegen, sehr übersichtlich.
Ganz rechts im Hauptfenster gelangt man über das Werkzeug-Symbol in die Settings, um die globalen Einstellungen zu treffen. Das läuft alles sehr flüssig und bedeutend leichter als mit der alten Focusrite Control, die auch eher für die kleineren Interfaces gestrickt war. Auch die Verwaltung mehrerer Einheiten ist problemlos machbar, hier ist aber ein genaues Studium des RedNet Control2 Handbuchs angeraten.
Wer es noch komfortabler haben möchte, der darf sich gerne den neuen RedNet R1 Hardware-Controller anschauen, der einen noch intuitiveren Zugang bietet und zudem auch noch einen Talkback-Input bietet.
Einsatz im Studio
Dass Focusrite gutklingende Preamps bauen kann, ist bekannt. Schon in den kleinen Serien, wie den Scarlett- oder Clarett-Interfaces, werden hier gute Ergebnisse erzielt. Also zuerst ein Test mit den Mikrofoneingängen.
Hier legt das Red 8Line schon mal gut vor. Die Preamps bieten einen direkten, durchsetzungskräftigen Sound mit fein aufgelösten Höhen und einem straffen Bassbereich. Die unteren Mitten bringen noch etwas Druck mit hinzu und machen das Signal griffiger. Der LowCut agiert bei 80 Hz mit 12 dB/Oktave recht sanft, hier werden tieffrequente Störgeräusche wirksam unterdrückt, ohne das Nutzsignal zu beschneiden.
Mit der Air-Funktion wird der Klang ab 10 kHz etwas angehoben und bei 20 kHz wieder abgesenkt. Dadurch klingen die Höhen offener und heller, der Druck in den Mitten wird dadurch aber weniger wahrgenommen. Welche Einstellung besser gefällt, hängt vom Mikrofon ab. Bei einem schon recht hell abgestimmten Mikro ist das schnell etwas zu viel des Guten, alte Schätzchen, wie meine AKG C414 B-ULS oder die Neumann KMi84, profitieren da, je nach Anwendung, schon.
Rauschen ist bei den Preamps natürlich überhaupt kein Thema, auch die Gain-Reserven sind mit 63 dB gut bemessen.
Für die Instrumenteneingänge stehen dieselben Möglichkeiten zur Verfügung. Auch hier agiert der LowCut eher gemäßigt, Air fügt Höhen hinzu. Das Gerät bei meiner Piezo bestückten Akustik-Klampfe etwas zu hart, dem Bass verleiht Air aber eine schöne Drahtigkeit.
Insgesamt bieten die beiden Preamps bei Mikrofonen und Instrumenten Ergebnisse, die sich nicht vor externen Vorverstärkern verstecken müssen. Auch für Line-Signale bieten die acht Eingänge ein direktes und durchsichtiges Signal, das eine gute Auflösung zeigt. Hier werden allerdings keine Soundoptionen angeboten.
Das gute Ergebnis können auch die analogen Ausgänge bestätigen, die einen detaillierten Sound über das gesamte Frequenzspektrum bieten. Da die Übertragung erst bei 35 kHz endet, geht dem Interface hier nie die Puste aus. Der Monitor-Out und die getrennt regelbaren Kopfhörerausgänge bieten ein ebenso einwandfreies und lautes Signal. Gewöhnungsbedürftig ist hier nur die Skalierung des Gain-Potis. Bis 12 Uhr passiert relativ wenig, ab da nimmt die Lautstärke aber deutlich zu.
Digital habe ich das Red 8Line mit meinem RME-Wandler verbunden. Hier läuft alles ohne Probleme, die Wordclock kann von beiden Geräten übernommen werden.
Natürlich wäre noch ein Test der Dante Schnittstellen nötig gewesen, bieten sie doch mit je 32 In- und Outputs einen deutlichen Mehrwert. Leider ist mir dies, ebenso wie bei der Pro Tools Anbindung, mangels passender Gerätschaft nicht möglich.
Komplette Bedienung direkt am Gerät möglich, dazu optional ein Hardware-Controller – das ist doch ein gelungenes Design.
Wie warm wird den das interface hier?
Ich hatte mit RedNet leider die erfahrung machen muessen, dass die im Sommer schon auf die 50°C zulaufen wenn man da nicht 1HE platz zwischen allen teilen laesst. Zwar noch nicht so schlimm wie bei Bricastis die dann irgendwann bei 70°C abschalten, aber es hilft zu wissen wie viel extra platz man im rack haben sollte (und ggf Luefter einbauen).
@nativeVS Hatte es nicht im Rack, sondern oben auf gestellt.
Da wird es nicht warm, sicher auch dank der beiden Lüfter. Denke also, geht ohne Leer-HE.
Grüße Armin
Hoppala, möchte Focusrite hier wieder in den rot eloxierten Edelbereich gehen. Das Ding sieht hübsch aus, ist überbordent gut mit IOs Bestückt und scheint durchdacht zu sein. Das ist schon kein Homerecording mehr.