Komplexes Eurorack-Modul
Forge-TME VHIKK X ist aktuell eines der am schwierigsten erhältlichen und in User-Kreisen am heißesten gehandelten Eurorack-Modulen. Ich konnte ein Modul ergattern. Ich wollte wissen, ob der Hype berechtigt ist.
Was ist es? Forge-TME VHIKK X ist ein digitales Eurorack-Modul, das komplexe Oszillatorstrukturen, integrierte Effekte und experimentelle Klanggestaltung in einer Stereo-Stimme vereint.
- Klangkonzept: Neun Algorithmen liefern variable Drones, Texturen, Wavetablesounds und komplexe Oszillatorstrukturen.
- Bedienung: Trotz großer Tiefe bleibt die Steuerung direkt, intuitiv und praxisnah spielbar.
- Besonderheit: Oszillator, Effektsektion, Audioeingang und Modulation verschmelzen zu einem eigenständigen Gesamtkonzept.
- Praxis: Ideal für düstere, experimentelle und bewegte Sounds, aber auch kontrollierbar für sanftere Klänge.
- Fazit: Kreatives Spezialmodul mit starkem Eigencharakter, hoher Klangqualität und viel Inspirationspotenzial.
Inhaltsverzeichnis
Forge-TME VHIKK X Sound Source und Processor
Einleitung
Forge-TME VHIKK X lässt uns gewaltige Drones und Atmosphären hören. Die Idee des Moduls ist auch ein spielerischer Umgang mit komplexen Parametern. Diese zu verändern soll, wie ich im Handbuch sinngemäß las, ohne zu große „kognitive Belastung“ möglich sein. Ein solches Konzept steht auch stellvertretend für eine neue Modulgattung, die sich immer weiter verbessernde digitale Möglichkeiten nutzt und mit Direktzugriffsbedürfnissen der Artists kombiniert. Damit spricht man sowohl die jüngste Generation Eurorack-User als auch Anfänger und alteingesessene Nerds an, die mal wieder Lust auf etwas Neues haben.
Forge-TME scheint eine Einzelperson zu sein und VHIKK X folgt auf das etwas klarer strukturierte, aber auch einfacher gestaltete VHIKK-Vorgängermodul. Die neue X-Version bietet deutlich mehr Möglichkeiten. Die Firmen-Website thematisiert weitere neue Algorithmen über die bisherigen neun hinaus. Was genau Versprechen und was aktuell verfügbar ist, lässt sich dabei nicht immer leicht unterscheiden.
Nach der Erstveröffentlichung 2024 erschienen zahlreiche Videos bekannter YouTuber, die das Modul mehr als überschwänglich lobten und es z. B. als ersten oder einzigen Oszillator empfehlen, weil es extrem variabel ist. Auch da waren neue Algorithmen schon ein Thema. Danach ist Forge-TME VHIKK X allerdings nur sehr schwer verfügbar gewesen, was den Hype vergrößerte. Weitere neue Algorithmen gab es bislang noch nicht. Nun sind auf der Herstellerseite aber sowohl neue Produktions-Batches als auch Algorithmen im Kontext der Superbooth 26 frisch angekündigt.
Basics
Wir haben es mit einem digitalen Modul zu tun, das viele Funktionen beherrscht. Die Regler von Forge-TME VHIKK X sind von der Beschriftung her nicht auf Anhieb zu durchschauen. Doch die Bedienung und Justierbarkeit fühlen sich insgesamt erst einmal kompakt an und der Sound überzeugt schnell.
Übersicht
Die Funktionsweise des Moduls ändert sich je nach gewähltem Algorithmus (siehe unten). Zudem kann Audio in die Stereoeingänge eingespeist werden. Dabei wird mit 24 Bit/96 kHz gearbeitet. Das weitere interne Processing soll laut Handbuch komplett in „full stereo“ erfolgen. Der Ausgang steht ebenfalls in Stereo zur Verfügung. Es gibt elf CV-Eingänge für Modulationen, fünf davon haben Attenuverter zur Dosierung. Die 16 Potis haben drei verschiedene Größen, die fünf kleinsten sind die Attenuverter.
Von den fünf größten Reglern haben die mittigen inneren beiden keine Markierung und sind Endlos-Encoder. Für diese gibt es zwei Betriebsmodi: Basis/Time und Seed/Scan, die mit dem Mode-Button umschaltbar sind. Zudem können beide auch noch zur Einstellung von Input- und Output-Volume genutzt werden.
Der Bereich oben links mit den Parametern Warp, Span, Morph und Fuse wird als Generator-Sektion bezeichnet. Hier wird der Klang erzeugt. Was dabei genau passiert, hängt vom ausgewählten Algorithmus ab. Dabei können auch mehrere Oszillatoren mit unterschiedlichen Tunings zum Einsatz kommen, die gemeinsam von einem Tuning-Regler bzw. CV-Eingang verstimmt werden, sodass man nicht im klassischen Sinne von Polyphonie, sondern eher von einer einzelnen komplexen Stimme sprechen kann, die aus mehreren Oszillatoren besteht.
Der Processor-Bereich rechts mit den Parametern Mix, Feed, Form und Cell entspricht der Effektsektion. Die beiden Effekte heißen „Dungeon metallic delay/reverb“ und „Reflecta diffuse delay structure“, was man nur in der Algorithmus-Beschreibung des Herstellers erfährt. Der Effekt wird automatisch mit dem Algorithmus ausgewählt.
Der mittige Field-Knob ist eigentlich ein Multimode-DJ-Filter mit typischer Funktion (links LP, rechts HP). Einen zusätzlichen Resonanzregler gibt es nicht. Jedoch kann der Fuse-Parameter in manchen Algorithmen die Resonanz anheben. Field bzw. das Filter wirkt vor dem Processor bzw. Effekt. Das lässt sich im Test gut hören, indem man den Parameter zu- oder aufdreht und dann dem Effektausklang lauscht, der natürlich mit hochgedrehtem Mix- und Feedback-Regler lauter ausfällt.
Zusätzlich gibt es bei Forge-TME VHIKK X einen VCA-Eingang, der im Routing bei allen bisherigen Algorithmen zwischen Filter und Processor platziert ist. Steckt hier nichts drin, hört man einen Dauerton. Wird ein Modulator eingesteckt, passiert sofort etwas. Ein Hüllkurvengenerator, der nicht ausgelöst wurde und dessen Ausgang eingesteckt wird, kann für sofortige Stille sorgen. In den VCA-CV-In lassen sich z. B. Gates oder Hüllkurvensignale stecken, ohne dass die Intensität skalierbar ist.
Um alle Algorithmen auszuprobieren und das Modul kennenzulernen, empfiehlt es sich, die meisten Regler in eine neutrale Mittelstellung zu bringen – mit Ausnahme des Mix-Reglers.
Generator
Die Generator-Regler bewirken in den verschiedenen Algorithmen typischerweise Folgendes: Warp leitet Crossmodulation ein, Span verstimmt die Oszillatoren gegeneinander, Morph verändert das Timbre bzw. scannt durch verschiedene Timbres, Fuse ist ein weiterer Regler zur Veränderung des Timbres, dessen Wirkung variiert und vom Algorithmus abhängig ist. So kann er z. B. gegen den Uhrzeigersinn einen Chorus aktivieren und im Uhrzeigersinn die Filterresonanz verstärken.
Processor
Der Mix-Regler ist selbsterklärend, Form bestimmt die Processor-Struktur. Cell entspricht typischerweise einem Frequency-Shifting-Amount. Feedback sorgt nicht nur für selbiges, sondern hier wird auch die Position des Frequency-Shifters im Signalfluss bestimmt, indem der Regler nach links oder rechts gedreht wird (mittig = neutral). Bei hochgedrehtem Feedback kann man mit Form und Cell extreme Veränderungen bewirken. Details hört man bei beiden Effektvarianten am besten bei lang eingestellten Time-Werten.
Algorithmen
Auch wenn die aktuelle Forge-TME-Seite bereits von vier Bänken mit je neun = 36 Algorithmen gegenüber neun Algorithmen der ersten Firmware spricht und irgendwie suggeriert, dass diese bereits da sind, ist dies zum Testzeitpunkt (noch) nicht der Fall bzw. sind diese noch nicht verfügbar. Wobei ich mit den neun genug zu tun hatte. Im Test leuchtete noch keines der drei Lämpchen zwischen den beiden Algorithmus-Schaltern. Zu lesen ist, dass es zur Superbooth 26 neue Algorithmen geben soll. Eigene Wavetables zu laden, erlaubt Forge-TME VHIKK X jedoch nicht.
Ohne Zweifel ist man mit den neun Algorithmen bereits klanglich sehr variabel.
Die Algorithmen bei hochgestelltem linken Schalter beziffere ich als 1 bis 3, in mittlerer Stellung als 4 bis 6 und in unterer Stellung als 7 bis 9 (je nach Stellung des rechten Schalters).
Algorithmus 1 ist ein dualer Osc, 2 ein dynamischer Waveshaping-Osc und 3 ein Cluster-Osc aus vielen Sinustönen.
Die Algorithmen 4 bis 6 sind Wavetable-basiert und nutzen vier Oscs. Algorithmus 6 nutzt „Reflecta diffuse delay structure“, 4 und 5 hingegen „Dungeon metallic delay/reverb“. In Algo 4 bewirkt z. B. Warp gegen den Uhrzeigersinn auch Bitreduktion, während in Algo 5 gegen den Uhrzeigersinn Phasenmodulation realisiert wird.
Die Algorithmen 7 bis 9 bewirken sogenanntes Cluster-Scanning. Was soll das sein? Zusätzlich zu Wavetable-Scanning werden vier verschiedene Pitches generiert. Man scannt dann nicht nur durch Wavetables, sondern durch unterschiedlich gestimmte Fragmente.
In den Klangbeispielen hört man die Algorithmen einmal mit und einmal ohne Effekte. Dabei habe ich jeweils verschiedene Parameter bewegt.
Praxis
Ich bin kein Schwarz-Weiß-Maler und betrachte in Tests verschiedene Seiten: pro und contra. Die leicht gemachte Bedienung ohne zu viel Zwang zum Nachdenken ist erfreulich. Gleichzeitig möchte ich das, was passiert, erläutern und entmystifizieren, ohne damit die Wertschätzung fürs große Ganze schmälern zu wollen.
Besonders gut finde ich die Regelbarkeit. Man kann mit Forge-TME VHIKK X einfach gut Nuancen einstellen, weil die Potis und Endlos-Encoder fein reagieren. So kann man die Tonhöhe hier langsam immer weiter herunterdrehen, um in extrem niedrige Frequenzbereiche zu kommen oder nur noch ab und zu ein Tönchen zu hören (höre Beispiel unten).
In der Praxis verschmelzen gefühlt die Wirkungen von Generator und Processor. Vielleicht weil beide von gleicher Hand und mit gleichem Geist entwickelt wurden, sodass Intensität und Charakter von Veränderungen sich ähneln und in der Kombination miteinander gut verschmelzen und interessante Resultate ergeben. Diese bewegen sich klanglich oft in Extrembereichen, können aber auch gezähmt werden. Der VHIKK-X-Sound insgesamt hat meist digitalen Charakter. Vielleicht durch die gut dosierbare Feedback-Option kann es manchmal aber auch recht organisch klingen.
Insgesamt überzeugt mich die Klangästhetik, ohne dass sie sich genau in ein bekanntes Schema einordnen lässt oder ich sie extrem breit gefächert finde. Es gibt durchaus eine gewisse Ästhetik, die das Modul innehat. Via Fuse-Chorus, aber auch via Span-Detuning lassen sich Sounds mit leichtem Detuning angenehm voluminös gestalten. Man kann nicht viel falsch machen und sehr schnell etwas Gutes herausbekommen. Jedenfalls solange man düstere, komplexe Sounds mag.
Während beim Forge-TME VHIKK X einerseits schnell Spaß an Neuem entsteht, fehlen manchmal auch detaillierte Möglichkeiten analoger Oszillator-Pendants. Beim Verstimmen via Span in Algorithmus 1 kann ich die beiden Oszillatoren nur mit einem Poti statt mit zweien gegeneinander verstimmen, eine Stimme bleibt dabei konstant. Zudem suchte ich vergeblich nach einem Volume-Knopf, um das Lautstärkeverhältnis beider Oscs zueinander zu verändern. Im Verlauf ließ ich mich darauf mehr ein, gab Kontrolle ab und hörte einfach hin.
Das Verstimmen via Span, gepaart mit tonalen Feedbacks der Processor-Sektion, ergibt im Idealfall besonders interessante, mehrstimmige Klangwolken, die sich dann in gleich mehreren verschieden klingenden Nuancen detailliert verändern lassen, zu hören auch gegen Ende des folgenden ersten und des zweiten Klangbeispiels aus Algorithmus 8.
Die konzeptionelle Idee, die Mittelstellung der Regler für neutrale Einstellungen zu nutzen, ist clever. Denn so kann man, ähnlich wie beim DJ-Filter, beim Drehen nach links und rechts jeweils ganz andere Veränderungen auslösen.
Ein- und Ausgangslautstärke sind sehr gut einstellbar. Forge-TME VHIKK X kann sowohl Eurorack- als auch Line-Pegel verarbeiten. Auch hier ist die Einstellung der Lautstärken über den Endlosregler angenehm.
Dass bei den wichtigen Haupt-Encodern der Modus (Basis/Time vs. Seed/Scan) umgeschaltet werden muss, bedeutet auch, dass sich nicht alle wichtigen Parameter gleichzeitig anfassen lassen. Allerdings sind Basis und Time auch dann via CV (und in reduziertem Umfang auch direkt mit Attenuverter) steuerbar, wenn die Encoder im Seed/Scan-Modus sind. Auch für Scan gibt es einen CV-Eingang – ohne Attenuverter. Nur der Seed-Parameter ist nicht via CV-Modulation erreichbar.
Ein komplexer, mehrfacher Hüllkurvengenerator wie XAOC Zadar oder andere mehrfache Modulationsquellen wie Ochd, Multimod, Behringer Steps oder Pamela’s Workout eignen sich besonders gut als „Gefährten“ für VHIKK X im Eurorack.
Nach der Auswahl eines neuen Algorithmus ändert sich oft auch die Tonhöhe. Das wurde im ModWiggler-Forum kritisiert, sodass eine „Global Saving“-Option neu eingeführt wurde, für die man Firmware 00003 aufspielen muss. Dann kann man den Mode-Button beim Einschalten lange drücken, um das Tuning Algorithmus-übergreifend konstant zu halten (klappte beim Testgerät auch ohne Update).
Kritisiert wird vereinzelt auch bei manchen Exemplaren das Tuning-Verhalten. Diesbezüglich wurde ebenfalls nachträglich eine Kalibrierungsroutine eingeführt. Hier hatte ich keine Probleme. Ich habe das Forge-TME VHIKK-X-Modul allerdings meist ohnehin eher für Drones als für CV-gesteuerte Leads benutzt. Ein Umschalten des Algorithmus bedeutete für mich ohnehin das Eintauchen in eine neue Klangästhetik, da erwarte ich auch nicht unbedingt Tonhöhenkonstanz – dachte ich mir zuerst. Doch wenn z. B. Basis/Pitch extrem niedrig eingestellt ist, ist es schon sinnvoll, wenn das beim Umschalten der Algorithmen auch weiter so bleibt.
Das gilt umso mehr, wenn ich versuche, Forge-TME VHIKK X als Effekt zu nutzen. Oft möchte ich dann gar nichts mehr vom Oszillatorbereich hören. Das klappt auch, indem die Tonhöhe ganz nach unten gedreht wird, wie im nächsten Beispiel, wo ich wiederum zwischen Algorithmen umschalte. Dabei wird nebenbei klar, dass sich die Effektbeschreibung nicht nur auf Delay und Hall reduzieren lässt, sondern oft noch mehr passiert, z. B. extreme Verzerrung im zweiten Algorithmus (zu hören bei ca. 00:36).
Dokumentationen zum Forge-TME VHIKK X Modul und zu Algorithmen sind zwar letztlich zufriedenstellend, aber nicht besonders gut strukturiert und nur als Web-Inhalte vorhanden, die ich mir als PDF-Dateien gespeichert habe. Irreführend fand ich Inhalte über umschaltbare Bänke, die es noch nicht gibt.
Konkurrenz und Alternativen zu Forge-TME VHIKK X
Ferry Island Modular Four Seas ist ein modernes Wavetable-Oszillator-Modul, das Tonhöhen auf ähnliche Weise spreaden/verändern und durch Wavetables sweepen kann. Die Bedienregler wirken weniger wertig und einladend als beim Forge-TME VHIKK X. Man hat keine unterschiedlichen Algorithmen und Effekte. Dafür kann man eigene Wavetables importieren, verschiedene Modulationsmodi wählen und die Töne von vier Voices an vier Audioausgängen separat ausgeben.
Schlappi Engineering Three Body bietet ebenfalls komplexeste Verknüpfungen von drei digitalen Oszillatoren für extrem krasse und bislang ungehörte Ergebnisse, aber ebenfalls ohne Effekt und auf Basis von linearer und exponentieller Frequenzmodulation sowie Phasenmodulation.
Neuzeit Instruments Warp ist ein weiteres modernes digitales, aber polyphones Modul mit Wavetable-Synthese und weiteren Fähigkeiten, das ich noch nicht testen konnte, wohl aber der Kollege Jens Hecht.
Industrial Music Electronics Piston Honda ist eine weitere interessante Alternative mit Wavetable-Synthese.
Video
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

































Der steht definitiv auf meiner Liste und kommt direkt neben dem Oneiroi ins Rack. Bezüglich der schon länger angekündigten weiteren Algorithmen: Ich würde das Modul einfach für das kaufen was es jetzt ist. Wenn die dann tatsächlich mal kommen kann man sich um so mehr freuen.
Danke für den Test!
Interessant, das bei Dir dieselben Inteferenzen zu hören sind (pfeifen und rauschen). Ich dachte schon es läge an meinen Kabeln oder dem Netzteil …