Test: Formula-Sound PM-80R, Retro DJ-Mixer

Der Modular-Mixer in der Praxis

In der Regel läuft es so: anschließen und testen. In diesem Fall lief es ein wenig anders. Anschließen ja, testen nein. Der Grund? Das Setting der Input-Kanäle und damit steigt man auch direkt komplett ein.

Der Grund wiederum? Nun, vielleicht schon vermisst: Es gibt keinen Wahlschalter für den Input. Keine Wahlmöglichkeit zwischen Line und Phono. Der Grund dafür ist einfach, es gibt keinen Wahlschalter.

Formula-Sound RM-80R – Jumpstyle

Das Umstellen der Inputs erfolgt durch das Verändern von Jumpern im Gerät, bedeutet, man muss das jeweilige Modul herausnehmen. Dazu löst man die Schraube oben, ebenso die Schraube unten und nimmt das Modul vorsichtig heraus.
Nun kann man im Inneren einige Jumper umstecken und ein Modul z. B. von Line auf RIAA, also Phono-Input, umstellen.
Gute Nachrichten: Auf der Platine des Moduls ist klar erkennbar, was gemacht werden muss. Also, zumindest für mich. Für den nicht besonders Technikaffinen ist das vielleicht eher völlig unverständlich.
Es gibt aber neben dem englischen auch ein deutsches Benutzerhandbuch, in dem die Platine mit den Orten der Jumper genau abgebildet ist, ebenso ein Konfigurations-Sheet für exakte Einstellungen. Einen genauen Blick auf die Platine zu werfen, löst aber auch einige Probleme und auch wenn das ein ziemlicher Einstieg ist, ist er doch notwendig, bevor man den Mixer wirklich nutzen kann. Erst schrauben, dann spielen.

Umstellen  kann man hier ebenso, ob der Aux-Send des Kanals Pre- oder Post-Fader verlaufen soll. Auch hier hilft das Umstecken eines Jumpers.

Nun, ein wenig meckern kann man, dass die fehlende Möglichkeit zum Umstellen des Inputs von außen den Mixer weniger flexibel macht.  An der 4-Kanal-Version würde das im Zweifel eine starre Ausrichtung auf 2x Phono und 2x Line-Zuspieler, also vermutlich Media-Player wie zwei Pioneer CDJ bedeuten. Das dürfte im Normalfall ausreichen, benötigt ein DJ aber drei Geräte einer Sorte, ist der reibungslose Wechsel zwischen den DJs nicht mehr möglich. Aufschrauben und umjumpern dürfte wohl im Clubleben niemand vorhaben.

Etwas luxuriöser ist es in diesem Fall natürlich mit der 8-Kanal Version, dem Formula-Sound PM-80R. Hier kann man sich wohlwollend vier Kanäle für Phono und vier Kanäle für Line-Zuspieler wählen. Line auch symmetrisch, wenn gewünscht.

Ein Modul ist eine Platine, bestückt mit Potis, Schaltern, Fadern und auch alles Inputs. Auf dieser Platine finden sich diverse Jumper, alle gut beschriftet. Oben links zum Beispiel sitzen zwei Jumper zum An- oder Abschalten des Mikrofons. Mittig sitzen Jumper zum An- oder Abschalten des EQs wie auch zur Einstellung des Aux-Sends – Pre- oder Post-Fader. Rechts sitzen zwei Jumper zur Einstellung des Signal-Flows. Hier kann das jeweilige Modul entweder auf die Master-Summe geroutet werden oder auf den Mic-Buss. Es gibt einen Jumper für den Mic-Insert (On/Off), einen für Phantomspeisung sowie zwei weitere für die Auswahl der Inputs der XLR-Eingänge, XLR-Line oder Mic. Last but not least gibt es vier Jumper für die Auswahl der Inputs. Phono- oder Line-Pegel, Line symmetrisch oder unsymmetrisch. 7-8 Position also, die man vor dem Start checken sollte, pro Modul. Oder aber man probiert es erst einmal aus und korrigiert dann nur, was offensichtlich ungewollt läuft.

Zurück zum Praxisteil

Angenommen man hat alles eingestellt, wie man es gern hätte, wird es Zeit, sich endlich einmal den Mixer anzuschauen. Wie schon erwähnt, ist er sehr übersichtlich und ohne negativen Aspekt sehr einfach gehalten. Den Gain mit roter Kappe erkennt man sofort. Neben diesem gibt es auf der Rückseite noch eine kleine, versenkte Schraube, um den Gain anzupassen. Dies ermöglicht eine Einstellung vor der Einstellung. Zum Beispiel um zu verhindern, dass bei einem festen Setup Menschen mit dem Gain bereits das Eingangssignal übersteuern. Oder man kann sich selbst mehr Headroom schaffen, falls man häufiger auch mal pegelschwache Platten spielt.

Für die Klangregelung gibt es einen 3-Band-EQ. Die Frequenzpunkte liegen bei 100 Hz, 1 kHz und 10 kHz bei einer möglichen Anhebung und Absenkung von jeweils 10 dB. Die Höhen haben die Charakteristik eines Shelving-Filters/Kuhschwanzfilters. Mitten und tiefe Frequenzen haben die Charakteristik eines Bell-Filters/Glockenfilters. Dabei ist der Mitten-EQ flacher, der Low-EQ spitzer, hat eine höhere Güte. So soll verhindert werden, dass die Subfrequenzen mit angehoben werden. Alle EQs haben eine Mittenrasterung.

Die EQs des Formula-Sound PM-80R klingen sehr neutral, sehr ehrlich. Eine Anhebung von 10 dB ist sehr solide, die Absenkung von 10 dB mag einigen zu wenig sein. Mir zumindest ist sie zu wenig. Es gibt jedoch die Möglichkeit, ab Werk auch hier einen höheren Wert einstellen zu lassen. Orientiert, so wie im klassischen Fall und hier am Mixer, ist das Setting des EQ am ersten PM-80.

Im Kanalzug selbst befindet sich zwischen den Potis für den EQ eine kleine Öffnung in der Oberfläche, Zugang zu einem versenkten Schalter, über den sich der Aux-Send einschalten lässt. Dieser lässt sich nur mit einem spitzen Gegenstand drücken, einem dünner Schraubenzieher zum Beispiel. Bei eingeschaltetem Aux-Send leuchtet eine rote LED gut sichtbar. Aux-Level lässt sich jedoch nicht pro Kanalzug bestimmen, dies geschieht gesammelt über den Aux-Master. Über diesen Weg lassen sich externe Effekte „ansteuern“. Der Rückweg führt im besten Fall über einen der Kanäle, denn einen richtigen Return-Weg gib es nicht. Bei 8 Kanälen kann man jedoch sicherlich einen der Kanäle für einen Return-Weg nutzen.

Formula Sound FM-80R

Aux on!

Auch befindet sich in jedem Kanalzug ein Balance-Regler. Kaum erwähnt werden muss, dass dieser funktioniert, den Einsatzzweck kann jeder selbst wählen.

In der rechtsseitigen Sektion ist es ebenso sehr übersichtlich. Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist der Fader für den Master-Ausgang. Das hat ein wenig „richtiges Mischpult-Stil“, auch wenn man ansonsten einen Drehregler irgendwo in der Ecke gewohnt ist. Klar, benutzt man diesen schließlich auch kaum, was sich auch mit einem Fader nicht ändert.

Formula Sound FM-80R

Master-Fader statt Master-Dreher

Am Master-Ausgang liegt ein symmetrisches Signal an, maximaler Ausgangspegel +22 dBu. Der Frequenzverlauf des Gerätes ist, sofern EQ flat, bei 20 Hz bis 20 kHz (+/-0,5 dB). Die Verzerrung liegt bei unter 0,01 %, typischerweise laut Hersteller bei unter 0,005 %. Der Signal-Geräuschspannungsabstand beträgt (Line-In) mehr als 98 dB.

Qualität und Haptik

Qualitativ macht der Formula-Sound PM-80R einen sehr guten Eindruck. Alles andere hätte mich bei Formula-Sound auch sehr gewundert. Die Module wirken außen wie innen sehr sauber verarbeitet, an diversen Stellen ist die Handarbeit sichtbar. Nicht negativ gemeint wohlgemerkt. Der Mixer wirkt robust, wobei ich diesen aufgrund der modularen Bauweise und des Innenlebens nicht für den harten Tour-Alltag im Flugzeugrumpf empfehlen würde. Außer man ist fit in kleineren Reparaturen, denn aufgrund der Bauweise würde ich schon vermuten, dass hier und da mal ein Jumper rutscht oder eine Kabelverbindung ein wenig Kontakt verliert.

Nicht so super glücklich bin ich mit den Plastikkappen auf den Potiachsen. Auf Metallstiften sitzend fühlen sich diese einfach an wie dünne Kunststoffkappen, ergo nicht besonders gut. Sie passen optisch aufgrund der Schlichtheit sehr zum Design des Mixers, rein haptisch aber hätte ich hier mehr erwartet.

Fazit

Endlich können DJs den Modular-Hype mitmachen, ohne dass sie selbst durch fehlerhafte Verkabelung nur peinliche Quietsch-Geräusche erzeugen, die nach der geposteten Insta-Story nur für belustigte Kommentare sorgen. Sorry, der Seitenhieb musste sein. Zum Glück ist der Fomula-Sound PM-80R dennoch immer noch so modular, dass man für die vollendete Benutzung ein wenig selbst schrauben muss. Das mag den einen oder anderen abhalten, aber einen Mixer mit einem Preis von rund 1600,- Euro kauft sicherlich auch kein Anfänger, der bei Signalfluss an Wasser denkt.

Der Formula-Sound PM-80R tritt in die Fußstapfen des PM-80R, einem der Klassiker, nun im neuen Gewand. Dabei hat man sich an das Original gehalten und den alten Mixer in die neue Zeit gebracht. Nach wie vor modular und damit variabel in der Anzahl der Module/Kanäle. Prinzipiell minimal in den Bedienfunktionen bietet jedes Modul Input-Möglichkeiten für Phono, Line symmetrisch per XLR, Line unsymmetrisch per Cinch oder Mikrofon samt Insert-Weg. Auch ausgangsseitig bietet der Formula-Sound PM-80R verschiedene Varianten inklusive einem Sub-Out. Oldschool halt, da hat man noch mehr Möglichkeiten direkt ab Mixer geboten.

Preislich liegt die 8-Kanal Variante bei rund 1600,- Euro. Kein besonders hoher Preis für einen Mixer aus dem Hause Formula-Sound und ein fairer Preis für die Qualität, die der Mixer bietet.

Ohne Frage, ein spezielles Gerät. Aber ein sehr gutes.

Plus

  • modularer Aufbau erlaubt auch andere Konfigurationen als 8 Kanäle
  • Inputs Line symmetrisch, Line unsymmetrisch, RIAA und Mic in jedem Kanalzug
  • verschiedene (regelbare) Ausgänge wie Master, Booth, Zone, Sub-Bass, Aux
  • Signalweg variabel (jedoch nur durch Setzen von Jumpern)

Minus

  • kein spontanes Wechseln der Eingangskonfiguration möglich
  • Potikappen müssten hochwertiger sein

Preis

  • Ladenpreis: 1599,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Andrew McLoud

    Fast das perfekte Pult. Hier wären noch Stereo direct outs der Knaller gewesen! So bleibt´s bei einem basic club mixer mit zu vielen Spuren :p

    • Profilbild
      Bolle  RED

      Das gibt es ja leider bei keinem DJ-Pult, wenn ich das gerade richtig im Kopf habe – nur viele Stereo-Sends…oder Aux-Wege..Ungeil wäre das auch nicht…also , ich weiß nicht, ob ich es brauche, aber wenn ich es hätte….würde mir schon was dazu einfallen :D

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