Praxis
Nach Einschalten des Verstärkers flutet eine LED-Kette im Inneren des Heads den verspiegelten Innenraum mit einem roten Licht. Hübsch. Ebenso wie die verchromten Potiknöpfe, die optisch viel hermachen. Allerdings opfern die Knöpfe mit ihrem erhabenen Erscheinungsbild einen Großteil ihrer optischen Funktionalität. Nach ca. 3 Metern ist leider nicht mehr zu erkennen, auf welchem Wert die Potis stehen. Funktion folgt Form.
Was direkt bei den ersten Tönen auf dem cleanen Kanal auffällt ist der äußerst neutrale Grundklang des Verstärkers. Trotz der EL34-Bestückung bleibt der nasale Mittenanteil, der sich gerne bei diesen Leistungsröhren nach vorne spielt, sehr ausgewogen und dezent. Der Kanal erweist sich als sehr clipping-resistent, selbst bei voll aufgerissenem Gain-Regler dringen nur sehr dezente Crunchs nach außen.
Mit der Aktivierung des Bright-Switches geht neben einer Höhenanhebung auch eine parallele Mittenabsenkung einher, die auch Humbucker-bestückte Gitarren „einspuliger“ klingen lässt (man verzeihe mir diesen an sich indiskutablen Vergleich). Recht gefällig, nahezu unauffällig, verrichtet der Kanal seinen Dienst, jedoch ohne einen übermäßigen Weichmacher auf den Klang zu legen.
Kanal 2 macht in Sachen Eingangsempfindlichkeit dort weiter, wo Kanal 1 sein Säckle gepackt hat. Schon bei geringen Gain-Einstellungen sind deutliche Anzerrungen zu vernehmen, die sich stufenlos bis zu einem kräftigen Lead steigern lassen. Auch hier fällt der neutrale Klang des Heads ins Ohr. Zwar erkennt man zweifelsohne den charakteristischen „EL34 Mitten-Knödel“, der aber bei weitem nicht so federführend daher kommt wie zum Beispiel bei den britischen Protagonisten-Heads von Marshall und VOX.
Wer jetzt aber glaubt, eine deutsche Gegenoffensive zur amerikanischen Weichzeichner-Fraktion vor zu finden, sieht sich getäuscht. In einer Art Mittelweg hält sich der Cobra Head genau zwischen der knochen-harten Brit-Ecke auf der einen und der zuweilen wattig-amerikanischen Soft-Clipping Abteilung auf.
Dieser Eindruck verstärkt sich im dritten Kanal, wo trotz zusätzlicher Zerre der Amp mitten im High-Gain dennoch nie Gefahr läuft, im Halbwellencut-Schlabber nebst undefinierbarem Grund-Matsches zu ersticken.
Die Notch-Schalter erweisen sich als sehr effektiv und geben dem Amp zusätzlich ein sehr hohes Maß an Flexibilität. Die Kanäle 2 und 3 bekommen bei aktiviertem Boost einen mächtigen Mittenschub, der den Amp deutlich druckvoller und voluminöser erklingen lässt. Dieser Effekt lässt sich mit dem Deep-Regler nochmals verstärken, so dass auch Downtunings der Kategorie „Große Sekunde plus“ sehr mächtig aus den Lautsprechern drücken.
Fazit
Der Framus Cobra Head ist ein Topteil, das sich klanglich zwischen alle Stühle setzt und genau deshalb eine Lücke ausfüllt, die in dieser Form wenig bis gar nicht besetzt ist. Mit einer ungewöhnlich neutralen Grundausrichtung zuzüglich der hocheffektiven Notch- und Deep-Switcher/Schalter gelingt es dem Amp, alle Sounds zu reproduzieren, die man in einer Rock- und Metal-affinen Band benötigt.
Eine gelungene Fusion zwischen Flexibilität und Praxistauglichkeit, plus eines kräftigen Touches Exotenbonus, well done!
Die Soundfiles wurden über ein Marshall 4×12″ Cabinet mit 65 Watt Speaker eingespielt, mikrofoniert wurde über ein SM 57. Als Gitarre kam eine Gibson Flying V aus Koa zum Einsatz.
Plus
+ Sound
+ Optik
+ Made In Germany
Preis
UVP: 2.239 Euro
































Mit der Eingangsbemerkung bzgl. deutscher Ampbauer stimme ich nicht überein. Ausser Hughes