Test: Framus D-Series Diablo Supreme, E-Gitarre

21. April 2019

Framus D-Series goes Supreme!

Framus D-Series Diablo Supreme

Framus D-Series Diablo Supreme

Seit ziemlich genau einem Jahr gibt es sie, die in Fernost hergestellten Instrumente von Framus. Mit der neu eingeführten D-Serie sind die Gitarren aus Marktneukirchen deutlich erschwinglicher geworden und man sieht sich nun im Kampf um das mittlere Preissegment gegenüber der Konkurrenz gut gewappnet. Dass da wirklich etwas dran ist, davon konnte ich schon bei einem Review einer weiteren E-Gitarre aus der neuen Serie überzeugen: Den Einstand gab damals die Framus D-Serie in Form der Diablo Prog X, die im Test durchaus zu gefallen wusste. Im Gegensatz zu dieser eher „Metal-orientierten“ Gitarre ist unser heutiger Testkandidat, die Framus D-Series Diablo Supreme, eher etwas für den gestandenen Rocker, wie der nachfolgende Artikel zeigen wird.

Framus D-Series Diablo Supreme – Facts & Features

Bereits die Grundkonstruktion deutet darauf hin, dass es hier eher satt und sustainreich anstatt drahtig und knackig zur Sache geht. Für Korpus und Hals wurde nämlich Mahagoni verwendet, dazu wurde der Hals noch eingeleimt und der Body erhielt ein Riegelahornfurnier als Topping, das im Fall unseres Testinstruments in der Farbe „Bleached Ocean Blue Burst“ erstrahlt. Erhältlich ist die D-Series Diablo Supreme zudem noch in einem roten sowie in einem schwarzen Finish, die Preise variieren dabei nicht, knapp unter 900,- Euro soll sie im Shop kosten. Und das ist ziemlich genau die Hälfte von dem, was Framus für die in Markneukirchen hergestellten Teufelchen gern hätte. Im Preis inbegriffen ist auch ein robuster Gigbag, in dem sich als Zubehör ein paar Security-Locks befinden, die dafür passenden Gegenstücke sind bereits am Korpus angebracht.

Nahezu unspürbar beim Bespielen ist der Übergang zwischen Korpus und Hals ausgefallen und dank der weit ausgesägten und auf der Decke zusätzlich gefrästen Bereiche des Cutaways sind alle der 22 Bünde problemlos erreichbar. Die Bunddrähte selbst sind im Großen und Ganzen gut verarbeitet, ein paar kleinere Unebenheiten zeigen sich dennoch, wenn man den Hals der Gitarre im „Kimme-Korn-Stil“ vom Halsfuß aus betrachtet. Aber einer vernünftigen Saitenlage tut das keinen Abbruch und mit einer solchen wurde unser Testinstrument erfreulicherweise auch ausgeliefert.

Die angenehme Bespielbarkeit des Halses wird nicht von einer klebrigen Lackschicht gebremst, hier scheint man bei Framus einen guten Mix aus dem Schutz des Holzes und einer klebefreien Bespielbarkeit gefunden zu haben. Selbst mit feuchter Greifhand spürt man hier, wenn überhaupt, nur minimalen Widerstand beim Flitzen vom ersten hinauf bis zum letzten Bund. Mich als Spieler von unbehandelten bzw. geölten und gewachsten Hälsen stört dieses Ankleben regelmäßig, Spieler von Klampfen im Les-Paul-Style werden davon vielleicht noch nicht einmal Kenntnis nehmen. Das Halsprofil ist ein guter Kompromiss zwischen einem traditionellen eher „fleischigen“ Typ und einer modernen, flachen Variante für anspruchsvolle Spieltechniken. Daran hält sich auch der Radius des Griffbretts von 12 Zoll.

Framus D-Series Diablo Supreme backside

Geschmeidiger Hals-Korpus-Übergang an der Diablo Supreme

Abgesehen von der „Bierbauchfräsung“ gibt es auf der Rückseite hingegen nichts weiter zu entdecken. Doch halt, stopp: Nicht zu vergessen sei das Elektronikfach, das mit einem Schnellverschluss ausgestattet ist. Es ist also kein Schraubendreher nötig, sollte man mal hier ran müssen – zwei Clips fixieren den Deckel in seiner Position. Schöner wäre es noch gewesen, man hätte den Deckel bzw. das Fach versenkt eingesetzt, so bleibt immer ein wenig Widerstand am Hosenbund spürbar.

Framus D-Series Diablo Supreme – Hardware & Elektrik

Etwas eigensinnig wirkt die Platzierung der Brücke und des Tailpiece schon, beides ist ziemlich weit hinten angebracht, folglich konnten auch die beiden Tonabnehmer in einem sehr großen Abstand zueinander in die Decke eingesetzt werden. Das verspricht eigentlich gute Voraussetzungen für einen flexiblen Sound, was sich jedoch in der Praxis leider nicht bestätigt. Dazu kommen wir aber später noch, zunächst sei noch erwähnt, dass die beiden Humbucker von Seymour Duncan stammen. Es handelt sich sogar um die US-Varianten, also nichts „Duncan Designed“ oder Ähnliches. Am Steg sitzt das Modell SH-4b, sein Gegenüber in Halsposition trägt den Namen SH-1n und beide werden über einen Dreiwegeschalter sowie ein Volume- und ein Tone-Poti gesteuert. Schade, dass auch hier mal wieder die Chance nicht genutzt wurde, den beiden Pickups eine Singlecoil-Option zu gönnen, so aber bleibt es bei den drei Möglichkeiten Hals-Pickup, beide Pickups oder der Humbucker am Steg.

Ein gutes Bild geben jedoch der Schalter und Potis hinsichtlich ihrer Qualität ab, hier sollte man über lange Zeit ganz sicher keine Probleme bekommen: Der Schalter rastet knackig und unüberhörbar in seinen drei Positionen ein und die zwei Regler laufen weich und frei von Spiel auf ihren Achsen. Darüber hinaus sorgen griffige Metallknöpfe stets für einen schnellen und sicheren Zugriff.

Framus D-Series Diablo Supreme Seymour Duncan

Framus D-Series Diablo Supreme – Tonabnehmer von Seymour Duncan

Keine Probleme bereiteten während der Testdauer die sechs Mechaniken an der pechschwarz lackierten Kopfplatte. Zusammen mit der Steg/Tailpiece-Konstruktion steht man hier in Sachen Stimmstabilität auf der ganz sicheren Seite, obwohl es sich hier um ganz normale Mechaniken handelt, die ohne Klemmmechanismus arbeiten. Es sind Tuner aus eigener Fertigung von Framus und sie funktionieren so, wie sie sollen – das Stimmen wird dank wenig Spiel in den Achsen nicht zur Geduldprobe und auch das dauerhafte Halten der Stimmung gelingt prima!

Framus D-Series Diablo Supreme Kopfplatte

Framus D-Series Diablo Supreme Kopfplatte

Framus D-Series Diablo Supreme – in der Praxis!

Wie aufgrund der Konstruktion von Mahagonikorpus und eingeleimtem Mahagonihals zu erwarten war, zeigt sich die Diablo Supreme bereits in unverstärktem Zustand sehr kräftig und druckvoll in der Bassentfaltung, zugleich aber ein wenig träge, wenn es um den Attack und damit die „Spritzigkeit“ insgesamt geht. Insofern unterscheidet sich die Diablo Supreme E-Gitarre deutlich von der von mir getesteten Prog X aus der Framus D-Serie, die mit ihrer Superstrat-Bauform eindeutig das Heavy-Lager bedient. Hier werden sich viel mehr die Leute aus dem Lager des Classic-Rocks angesprochen fühlen und Fans von Sounds der Paula & Co werden sicher an dem Gebotenen ihren Gefallen finden.

Das wird logischerweise nur am Amp richtig hörbar, hier liefern die beiden Duncans mit ihrem druckvollen, wenn auch nicht immer ganz differenziertem Klangbild, die entsprechende Kulisse für warme Crunchsounds und dicke Leadlines, die sich ganz sicher im Bandgefüge durchsetzen werden und darüber hinaus mit nur sehr wenig Nebengeräuschen auskommen. Wer es jedoch gerne mit viel Höhen, brillant und „crisp“ mag, der wird von diesem Klang jedoch eher enttäuscht sein, trotzdem kann man dem Sound insgesamt einen gewissen Charakter nicht absprechen. Als kleiner Trost für die fehlenden Singelcoil-Sounds kann die Tatsache dienen, dass die Dynamik und der Frequenzgang des Signals auch bei Herunterregeln des Volume-Potis der Gitarre nicht zusammenbrechen. Somit lassen sich bei der Interaktion mit einem guten Amp zumindest noch weitere Nuancen im Sound hervorbringen.

Framus D-Series Diablo Supreme – Die Klangbeispiele

Für die folgenden Klangbeispiele habe ich wie immer mein Referenz-Set-up Orange Micro Dark mit 1×12″ Celestion V30 Box und davor platziertem  AKG C3000 Mikro benutzt. Die Tracks wurden in Logic Audio aufgezeichnet, Effekte wurden wie immer keine benutzt, lediglich die Pegelspitzen wurden angeglichen.

Fangen wir im ersten Beispiel mit den Cleansounds an – keine echte Domäne im Soundangebot der Diablo Supreme und für Funk oder generell Stile, in denen ein frisches und „knackiges“ Klangbild erwartet wird, eher nicht zu empfehlen. Für Balladen-Picking oder Akkordteppiche mit Vintage-Charme geht das aber in Ordnung. Wir hören alle drei Pickup-Positionen nacheinander geschaltet, beginnend mit dem Hals-Pickup, danach beide Humbucker und schließlich der Duncan am Steg.

Weiter geht’s mit einem Crunchsound des Hals-Pickups. Wuchtig kommt der SH-1n rüber, neigt allerdings auch bei übertriebenem Gain zu einem undifferenzierten Klangbild.

Im dritten Beispiel bleiben wir im Crunch-Bereich – zu hören sind jetzt beide Tonabnehmer, der Schalter befindet sich also in der Mittelposition.

Wir erhöhen die Zerrung und hören in Beispiel 4 den Sound des Duncans am Steg mit einem Riff.  Man ganz gut hören, wie auch hier der Sound nicht ganz differenziert rüberkommt. Also besser vorsichtig mit dem Gain umgehen, auch wenn es ja immer wieder reizt, ich weiß es ja selbst …

Wir halten die hohe Zerrung und hören abschließend einen Sound des Front-Humbuckers. Auch hier gilt erneut – weniger kann oft mehr sein.

Framus D-Series Diablo Supreme Gigabg

Framus D-Series Diablo Supreme – so kommt sie an

Fazit

Wer auf der Suche nach einer echten Gitarre für Rock bzw. Classic-Rock im wahrsten Sinne ist, der sollte sich die Framus D-Series Diablo Supreme mal näher anschauen. Das zweite Instrumente aus der noch recht jungen D-Serie von Framus hinterlässt nach unserem Test einen guten Eindruck, die Qualität der Verarbeitung geht trotz chinesischer Fertigung absolut in Ordnung und man darf gespannt sein, wie sich die Instrumente in der Mittelklasse neben den Platzhirschen wie Ibanez, LTD & Co etablieren werden!

Plus

  • gute Verarbeitung
  • warmer und druckvoller Sound
  • gute Bespielbarkeit
  • Gigbag im Lieferumfang

Minus

  • Klang neigt zum Matschen
  • schwächelndes Höhenbild

Preis

  • Ladenpreis: 899,- Euro
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