Test: Framus Dragon Head

13. Januar 2009

Framus Dragon Head

Ja, es ist gar nicht mehr so leicht den Überblick zu behalten. Wer hätte gedacht, dass Vollröhrenheads sich nicht nur überleben, sondern Anfang des Jahrtausends eine immens reichhaltige Auswahl an Spitzenprodukten den Musiker vor die Qual der Wahl stellt.

Als ich meine professionelle Laufbahn begann, konnte man gerade mal zwischen vier amtlichen Herstellern wählen, und die bezahlbar gewordene Transistortechnik prophezeite in allen Magazinen den Untergang der ach so steinzeitlichen Röhren-Boliden. Es wurde geschraubt, gelötet, kombiniert und eruiert, was das Zeug hält, aber obwohl man sich wirklich alle Mühe gab, die anachronistische Technik der Vakuumröhren und ihr damit einhergehendes Klangverhalten zu überbieten, können selbst die besten Vertretern der Halbleiter-Ebene sich auch heute noch maximal damit schmücken, dem Röhrenklang „nahe zu kommen“, mehr nicht!

Ein Vertreter aus der deutschen Bundesliga der Alltube-Heads ist der Framus Dragon Head, der mir zum Test vorliegt. Interessanterweise war dies auch der erste Framus-Verstärker, der mir 1999 erstmals bei einer befreundeten Band während einer meiner Deutschland-Tourneen auffiel. „Framus, bauen die jetzt auch Verstärker…?“ Und wie!

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Konstruktion

Beim Dragon Head handelt es sich um einen Head, der wie nahezu alle Protagonisten dieses Genres in der typischen „Brikett“-Form vorliegt. Mit den Abmessungen 72,5 x 28,5  x 26,5 cm (B x H x T) passt er auf jedes handelsübliche 4×12“ Cabinet, wobei sein Erscheinungsbild durch die größere Tiefe etwas „mächtiger“ daher kommt als zum Beispiel die nach wie vor sehr schlanken Marshall Tops. Seine 18,3 kg Gewicht gehen schon etwas in die Arme, lassen sich aber noch gut handeln.

Optisch versucht der Dragon eine Brücke zwischen Vintage und Moderne zu schlagen. Während das Framus Logo auf braunem Bespannstoff, kombiniert mit den insgesamt 22 Chickenhead Reglern, durchaus auch vor 40 Jahren einen Combo hätte schmücken können, wirken das verspiegelte Panel und nicht zuletzt der Produktname eher wie aus einer historisch anderen Epoche. Das Aufeinandertreffen der diametral epochalen Markenzeichen hat seinen Reiz, letztendlich entscheidet jedoch wie immer der persönliche Geschmack bezüglich der Optik.

Verarbeitungstechnisch bewegt sich der Dragon Head auf höchstem Niveau, weder innerlich noch äußerlich konnte ich irgendwelche Unsauberkeiten erkennen. Äußerlich wird die Holzkonstruktion des Topteils von einem strapazierfähigen Kunstlederbezug gegen Feuchtigkeit (dennoch steht auf Bier-Absetzen auf einem Topteil mindestens 2 Jahre Einzelhaft bei Wasser und Brot!) und geringe mechanische Einwirkungen geschützt. Acht Eckenschoner und ein kräftiger Tragegriff tun ihr Übriges.

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Der Amp ruht auf 4 kräftigen Füßen aus Kunststoff, die allerdings meines Erachtens etwas zu hart in ihrer chemischen Mischung geraten sind. Zum einen rutscht der Head dadurch ein wenig auf sehr glatten Flächen und „klebt“ durch sein Gewicht weniger, und zum anderen werden die Vibrationen, die die empfindlichen Leistungsröhren während des Betriebes auf einem vibrierenden 4×12 Cabinet erleiden müssen, nur leicht gedämpft. Andererseits würde eine zu weiche Mischung die Füße mit der Zeit ausbeulen und reißen lassen, ein Problem, das ich bei einem anderen meiner Verstärker beobachten musste.

Röhrentechnisch kommen bei dem Dragon insgesamt 5 ECC83 (3x selektiert für die verschiedenen Zerrstufen, 2x Standard für Phasenumkehrstufe und Effektweg Buffer) in der Vorstufe und ein selektiertes EL34 Quartett in der Endstufe zum Einsatz, die für eine Ausgangsleistung von 100 Watt sorgen.

Der Dragon ist dreikanalig aufgebaut, wobei man die klassische Aufteilung Clean, Crunch und Lead vorfindet. Die drei Kanäle verfügen allesamt über jeweils 6 individuelle Regler, die neben der klassischen Dreiband-Klangregelung Treble, Middle und Bass den Gain-, Presence- und Volume-Bereich regeln.

Im Masterbereich befinden sich neben einem „Deep“ Regler, der den Sound insgesamt im unteren Mitten- bis oberen Bassbereich andickt, der Mischregler für den parallelen FX-Loop und zwei unabhängige Mastervolume Regler, um zum Beispiel während einer Solo Passage oder einer hervorzuhebenden kurzen Phrase bei unverändertem Klang nur kurz das Volume anheben zu können.

Die drei Kanäle des Dragon nebst der beide Mastervolume Regler sind per Fußschalter, aber auch per MIDI-Interface (128 Speicherplätze) schaltbar, daher verfügt der Head über einen MIDI In, respektive MIDI Thru zwecks Durchschleifen des Schaltsignals.

Rückseitig befinden sich die Anschlüsse für die MIDI-Steuerung, zwei Lautsprecherausgänge (4, 8, 16 Ohm), ein Line-Out, der FX-Loop und die Anschlüsse für die MIDI-Steuerung, respektive die Fußschalter-Anschlüsse.

Klangbeispiele
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