Test: Framus Parlor Model FP-14SV VSNT, akustische Gitarre

28. Juli 2020

Kleines Instrument mit großem Klang

Die „FRAenkische MUSikinstrumentenerzeugung“, kurz FRAMUS, wurde 1946 in Bayern gegründet und avancierte innerhalb kurzer Zeit zu einem der weltgrößten und renommiertesten Hersteller von Saiteninstrumenten. Von den Fünfziger- bis in die Siebzigerjahre schien es, als hätte jeder Popstar von Elvis Presley bis David Bowie (unter anderem) eine Framus, legendär sind die 12-saitigen (Hootenanny) Modelle. Im Jahr 1981 folgten dann die Pleite und Schließung des Betriebes – verursacht wohl vor allem durch die neue Konkurrenz aus Fernost. 1995 belebte die Firma Warwick die alte Marke Framus dann neu und stellt seitdem wieder feine Instrumente am alten Standort in Bayern her. Ironie des Schicksals, dass die erschwinglicheren Serien nun aber in Fernost (China) produziert werden.

Ein solches eher günstiges Instrument, die Framus Parlor Model FP-14SV VSNT, teste ich heute. Gitarren der Bauform „Parlor“ hatten ihre populärste Zeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als Salon- und Bluesgitarren. In Deutschland nennt man Modelle dieses Formats auch leicht despektierlich „Wandergitarre“.


Facts & Features

Auf den ersten Blick erscheint die Framus Parlor Model FP-14SV VSNT sehr unscheinbar, sie ist ziemlich klein und matt lackiert. Als ich ein Teenager war, hatte einmal ein gleichaltriger Bekannter versucht, seine Konzertgitarre aufzuwerten, indem er sie mit Stahlsaiten bespannt hat statt Nylonsaiten. Das klang ganz gut, allerdings nur am ersten Tag, denn innerhalb kürzester Zeit knickte die Gitarre am Übergang von Hals und Korpus ein, die Spannkraft der Stahlsaiten war einfach zu viel für die „Spanische“ ohne Stahlstab im Hals. Schade. Warum ich an diese alte Geschichte denken muss? Unter den Oberbegriff „Parlor“ fallen recht unterschiedliche Modelle, aber die Framus Parlor Model FP-14SV VSNT ähnelt optisch sehr stark einer ¾ großen spanischen Konzertgitarre (in dessen Tasche sie auch perfekt passt), sogar der Kopf hat Fenster mit zwei offenen dreifachen Bandmechaniken. „Parlor“ Gitarren sind jedoch per Definition mit Stahlsaiten bespannt, natürlich hat der Hals einen justierbaren Stahlstab.

Wenn man die Details dieses erst einmal „unspektakulären“ Instruments betrachtet, wandelt sich die Wahrnehmung: Die Framus Parlor Model FP-14SV VSNT scheint geradezu liebevoll hergestellt zu werden. Holz, Lackierung, Inlays, Bohrungen – alles ist perfekt verarbeitet und von schlichter Schönheit. Die Decke besteht aus zweiteiliger Sitka Fichte, Zargen und Boden aus laminiertem Mahagony. Das Griffbrett und die Stegplatte sind aus ostindischem Palisander, der Sattel und der kompensierte Steg aus Knochenmaterial. Das Binding des Korpus ist aus Tortoise, die Rosette aus sehr schönem Abalone, so wie die Dots in den Ebenholz Pridgepins. Die Dot-Einlagen des Griffbretts sind aus Pearloid, die 18 Medium-Bundstäbchen aus Neusilber. Die (stimmstabilen) Mechaniken und die beiden Gurtpins sind verchromt. Zu haben ist die Framus Legacy FP 14 Parlor SV VSNT ohne Tasche ab 343,- Euro inklusive Versand.


In der Praxis

Ich bin begeistert! Es macht einfach großen Spaß, die Framus Legacy FP 14 Parlor SV VSNT zu spielen. Saitenlage, Klangfülle, Bund- und Oktavreinheit lassen keine Wünsche offen. Das sowie die Größe (bzw. Kleinheit) des Instruments insgesamt laden dazu ein, stundenlang auf der Couch (oder andernorts) zu sitzen und auf der Framus zu spielen. Das relativ breite Griffbrett (ebenfalls ähnlich wie bei einer „Spanischen“) sorgt dafür, dass man automatisch sauber greift. Ein kleiner, bauartbedingter Wermutstropfen ist, dass man die Framus Legacy FP 14 Parlor SV VSNT bequem nur bis in den zwölften Bund bespielen kann, mit Verrenkungen auch bis in den fünfzehnten, dann ist aber (zumindest mit meinen Händen) Schluss. Die Gitarre hat einen vollen, mittennestonten Klang und ist viel lauter, als man aufgrund des Formats vermuten würde. Vor allem für Folk und Blues ist die Framus Parlor perfekt geeignet. Das Picking und Flatpicking wird dadurch erleichtert, dass die Abstände zwischen den Saiten relativ groß sind. Im akustischen Zusammenspiel mit anderen Gitarren wird es keine Durchsetzungsschwierigkeiten geben, da die Framus Legacy FP 14 Parlor SV VSNT über einen sonoren, definierten und (wie schon erwähnt) lauten Klang verfügt.


Definitiv bekommt man den Eindruck, ein deutlich höherpreisiges Instrument in den Händen zu halten. Bevor ich den Preis und das Herkunftsland überprüft hatte, war ich tatsächlich der Überzeugung, es mit einer Gitarre „Made in Germany“ zu tun zu haben, mit dem entsprechenden Kaufpreis. Soweit ist alles sehr positiv. Falls man allerdings die Framus Legacy FP 14 Parlor SV VSNT bei Bühnenauftritten einsetzen möchte, steht man vor einer Herausforderung: Dieses Modell hat kein Tonabnehmersystem und Mikrofonierung hat im Live-Einsatz die bekannten Nachteile wie beispielsweise hohe Feedback-Gefahr. Für nicht einmal 50,- Euro Aufpreis bekommt man aber das gleiche Modell, ausgestattet mit einem Fishman Pickup. Man sollte sich also vor dem Kauf überlegen, ob man vor allem auf der Couch oder eher auf der Bühne seine feine kleine Framus Parlor nutzen möchte. Für Ersteres wäre sie, wie schon angedeutet, meine erste Wahl!

Fazit

Wenn ich nicht schon alles hätte, was ich an Instrumenten brauche, würde ich mir die Framus Legacy FP 14 Parlor SV VSNT sofort kaufen. Sie klingt sehr gut, liegt bestens in der Hand und ist optisch von schlichter Schönheit. Aufgrund der relativ geringen Gesamtgröße des Instruments ist es auch bestens geeignet als Reisegitarre, dann muss man allerdings eine Tasche dazu beschaffen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis spricht für sich. Schade, dass ich sie zurückschicken muss.

Plus

  • sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • perfekte Verarbeitung
  • sehr guter Klang
  • sehr gute Bespielbarkeit (bis in den 12. Bund)
  • schlichtes, schönes Aussehen

Minus

  • kein Tonabnehmersystem
  • nur bis in den 12. Bund bequem bespielbar

Preis

  • 343,- Euro
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