Test: Fredenstein Bento 8, Bento 8 Pro, 500er API Rack-Rahmen, Lunchbox

10. Juli 2020

Analoger Strom für alle!

Fredenstein Bento 8 test

Fredenstein Bento 8, Bento 8 Pro, 500er API Rack-Rahmen, Lunchbox

Die Firma Fredenstein hat auf der diesjährigen NAMM-Show in Anaheim zwei neue Racks für Module im API 500 Format präsentiert. Das Fredenstein Bento 8 sowie das Bento 8 Pro bieten einige Neuerungen, die einen genaueren Blick wert sind. Sie besitzen den Beinamen “Pure Analog” – wobei man sich hier als Anwender nicht verwirren lassen sollte. Der Name hat nichts mit dem Audiopfad an sich zu tun, das “analog” bezieht sich rein auf die interne Stromversorgung der 500er Racks. Was es damit auf sich hat und wie es sich von den bisherigen Racks unterscheidet, wollen wir uns in diesem Test genauer ansehen.

Über Fredenstein

Die Firma von Fred Schuckert dürfte mittlerweile vielen von euch ein Begriff sein. Als relativ junger Player hat Fredenstein in den vergangenen neun Jahre ein sehr umfangreiches Produkt-Portfolio aufgebaut und spricht den ambitionierten Einsteiger wie auch anspruchsvollen Profi an. Dabei geht Fredenstein immer neue Wege und arbeitet kreativ an Verbesserungen, anstatt sich auf schnöden Kopien legendärer Schaltungen auszuruhen. So wurde beispielsweise eine digital gesteuerte, aber auf Röhren basierte Version des berühmt-berüchtigten Fairchild Kompressors vorgestellt. Bei AMAZONA.de hatten wir in der Vergangenheit bereits einige Produkte im Test. Unter anderem natürlich auch für die API 500er Plattform, für die Fredenstein sehr viele Module herstellt: Fredenstein Artistic Leveler, Fredenstein Magic Pre, Fredenstein Bento 6D mit Modulen und vieles mehr.

Fredenstein Bento 8 Pro

Gefertigt werden die Geräte in Taiwan und die Verarbeitungsqualität aller Fredenstein Produkte, die ich bisher zum Test vorliegen hatte, war durchwegs auf sehr hohem Niveau. Selbst der nur 194,- Euro teure V.A.S Preamp hebt sich deutlich von vielen anderen Vorverstärkern mit dem Label “Made In China” ab. Mittlerweile ist die Fredenstein auf 25 Mitarbeiter angewachsen, wobei sich neben Fred Schuckert fünf weitere Köpfe um die Entwicklung neuer Produkte kümmern.

Power für die 500er Racks und Lunchboxen

Stromversorgung ist in der Audiolandschaft ein vielfach unterschätzte Metier, dem generell zu wenig Aufmerksamkeit zukommt. Auch ich selbst wurde erst in der Diskussion mit wirklichen Kennern, wie dem Großmembranspezialisten Andreas Grosser oder Günter Pauler von Stockfisch Records, für dieses Thema hellhörig. Die Auswirkungen des Netzteils auf ein Röhrenmikrofon etwa wird laut Andreas Grosser von vielen Leuten unterschätzt. Günter Pauler, der klanglich keinerlei Kompromisse eingeht und nur beste Mikros und Preamps verwendet, gab mir eines Tages den Tipp: “Wenn du einmal nach wirklich effektiven Verbesserungen im Studio suchst, ist das Thema Stromaufbereitung der Schlüssel.”

Fredenstein Bento 8 Pro

Und gerade beim API 500er Format hakt es oft beim Thema Stromversorgung. Für dieses Rack-Format gibt es fast wöchentlich neue Preamps, EQs, Effektgeräte und vieles mehr. In der Praxis scheinen es aber nicht alle Hersteller mit den Spezifikationen sehr genau zu nehmen, was hin und wieder zu Komplikationen oder Inkompatibilitäten führen kann. Erschwert wird das Ganze dadurch, dass es bezüglich Netzteil keine genauen Spezifikationen gibt und jeder Rack-Hersteller mehr oder weniger “sein eigenes Ding machen” kann. Um die 16 Volt Limitierung zu umgehen, hat sich in den letzten Jahren sogar ein großangelegtes 51x Group-DIY Projekt gebildet, dessen Racks durch die Verwendung von längeren Slots sogar 24 Volt anbieten.

Das Marketing der Rack-Hersteller hat sich in den letzten Jahren nur auf einen Wert spezialisiert: Wie viel mA stehen pro Kanal zur Verfügung. Doch das ist bei Weitem nicht alles und viele andere Fragen sind relevant: Wie verhält sich das Netzteil bei Spannungsspitzen? Welche Filterung bzw. Regulation wurde implementiert? Wie sieht es mit der Erdung oder dem Störabstand aus?
Ich persönlich bin erst vor Kurzem auf das 500er Format umgestiegen und habe in der Zeit bereits einige Racks miteinander verglichen. Ein Fredenstein Bento 6S hat mich mit Modulen von API, Rupert Neve Designs und IGS noch nicht im Stich gelassen und seine Aufgabe mit Bravour gemeistert. Aus Interesse habe ich kürzlich ein extrem günstiges Rack eines anderen Herstellers getestet, das mit drei eingebauten Modulen noch einwandfrei funktionierte, bei Vollbestückung mit sechs API 512c (die sehr wenig Strom ziehen) begann das Netzteil aber hörbar zu oszillieren und erzeugte einen störenden, hochfrequenten Ton. (Laut Nachfrage bei Fredenstein war diese augenscheinliche 1:1 Kopie des Bento 6S auch nicht autorisiert, doch da es “Made in China” ist, ist es sehr schwer dagegen vorzugehen.)

Fredenstein Bento 8 Pro

Der große Ringkerntrafo ist an der rechten Gehäusewand befestigt.

Das „Pure Analog“ der Fredenstein Bento 8

Strom ist sozusagen das Lebenselixier einer jeden Audiokette, die Stromversorgung bestimmt auch beim 500er Rack, wie gut die einzelnen Module klingen. In sehr vielen 500er Racks kommen Schaltnetzteile zum Einsatz, da diese billig zu produzieren sind und Platz sparen. Lineare “analoge” Netzteile verwenden einen Ringkerntrafo, der aufgrund der Größe meist in ein externes Netzteil ausgelagert wird. Vereinfacht gesagt führt die Stromerzeugung mit Trafo zu einem ruhigerem Strom für die Module, was sich in weniger hochfrequente Störungen oder unschönen Artefakten äußern soll. Leider ist diese Technologie weitaus teurer, denn ein guter Ringkerntrafo kostet einfach Geld.

Fredenstein Bento 8 Pro

Die Pro Version des Bento 8 erlaubt das Monitoring von bis zu zwei beliebigen Modulen

Die Racks im Detail

Beide Bentos kommen sehr gut verpackt bei mir im Studio an. Der Lieferumfang ist überschaubar, denn neben dem Gerät und einer gedruckten englischsprachigen Anleitung befindet sich nur noch ein Kaltgerätestecker im Paket. Mehr braucht es aber nicht, um die Racks direkt in Betrieb zu nehmen. Die Verarbeitung ist erstklassig und es gibt nichts, was ich bemängeln könnte. Stecker, Schalter, XLR-Buchsen wirken robust und solide, die Lackierungen, Kanten und Bohrungen der Rack-Löcher wurden perfekt ausgeführt.

Die Vorderseite des Bento 8 reduziert sich auf das Wesentliche. Neben den Einschüben gibt es 3 LEDs, die über die Stromversorgung Auskunft geben. Das Bento 8 Pro bietet hier mehr Optionen. Es wurden zwei VU-Meter verbaut, mit deren Hilfe man den Pegel einzelner Module im Blick haben kann, bevor das Signal an Wandler oder sonstiges Outboard weitergeleitet wird. Ein 6,3 mm Kopfhörerausgang mit vergoldetem Stecker ermöglicht es zudem, das Signal von einem oder zwei Modulen abzuhören.
Die Rückseite ist bei beiden Bentos identisch. Alle Audioanschlüsse im Ein- und Ausgang sind im XLR-Format ausgeführt. Durch internes Routing lassen sich zwei aufeinanderfolgende Module miteinander verbinden, auch zwei Mono-Kompressoren können zu einem Stereokompressor kombiniert werden. Ein einfaches Betätigen der Kippschalter verringert so den Kabelaufwand.

Fredenstein Bento 8 Pro

Kabelaufwand wird beim Bento 8 durch interne Routing-Optionen minimiert

Was ich persönlich etwas unvorteilhaft finde, ist der Netzschalter auf der Rückseite. Bei der mobilen Bento Lunchbox kann ich das noch nachvollziehen, beim Bento 8 kann es aber nach dem Einbau im Rack schwer sein, diesen Schalter zu erreichen. Hier wäre ein On/Off-Schalter auf der Vorderseite viel praxistauglicher.
Das Gewicht der Racks liegt bei 6 kg. In Vollbestückung ergibt sich also eine recht schwere Flunder. Die Abmessungen des 3 HE Gehäuses betragen 480 x 140 x 190 mm. Das massive Netzteil liefert jeweils 2 A für Steckplatz 1-4 sowie für Steckplatz 5-8, da beide Schaltkreise sind. Daraus ergibt sich ein enormer Nennwert von 500 mA pro Slot. Zudem sind zwei getrennte Spannungsstabilisierungen für die Slots 1-4 und 5-8 eingebaut, um zu verhindern, dass Module sich gegenseitig stören.

Fredenstein Bento 8 Pro

Der Ein- und Ausschalter wäre an der Vorderseite leichter zu erreichen

Bento 8 im Einsatz

Um die beiden Bentos zu testen, betreibe ich sie mit den verschiedensten Preamps. Der mechanische Einbau der Module ist kinderleicht und geht dank genau positionierter Bohrlöcher sehr einfach von der Hand. Beide Lunchboxen verhalten sich im Betrieb unauffällig, so wie man sich das als Anwender wünscht. Egal ob mit wenigen Modulen oder vollgepackt, die Stromversorgung war stets gewährleistet und die beiden Bentos im Betrieb mucksmäuschenstill.

Fredenstein Bento 8 Pro

Die Verarbeitung ist perfekt und die Installation der Module ein Kinderspiel

Beim Bento 8 Pro lässt sich mit den beiden 8-fachen Drehreglern jeweils ein Modul für die linke und ein Modul für die rechte Seite auswählen. Will man nur ein Modul abhören, stellt man beide Potis gleich ein. Eine sehr einfache Lösung, die durchaus nützlich ist. Der Kopfhörerausgang selbst bietet hohe Leistungsreserven und könnte sich sogar in manchen Setups als zusätzlicher analoger Stereoausgang anbieten.

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Der Bento 8 Pro in „Vollbestückung“

Der große Ringkerntrafo ist am äußeren Rand des Gehäuses angebracht und die Abschirmung des Streufeldes ist sehr gut gelungen. Wie bei allen anderen API 500 Racks mit internem Netzteil, die ich bisher testen konnte, verhält es sich auch bei den Bentos so, dass Module mit Übertragern ein sehr leichtes Netzbrummen auffangen können, wenn sie im letzten Slot vor dem Netzteil installiert sind. Im normalen Betrieb ist das nicht hörbar – nur unter höchster Vollaussteuerung und hoher Kopfhörerverstärkung. Hier sind aber Gesetze der Physik im Spiel, gegen die kein Hersteller gewappnet ist. Dieses Phänomen tritt auch bei weitaus teureren Geräten auf – Abhilfe würde nur ein externes Netzteil schaffen. In der Praxis kommt es dadurch zu keinerlei Einbußen.

Kleine Geschichte am Rande
Bei einem Preamp konnte ich unter gewissen Umständen in Vollaussteuerung eine Brummschleife ausfindig machen und habe daraufhin Fredenstein kontaktiert. Fred Schuckert hat sich dem Problem sofort persönlich angenommen und in der Firmenzentrale in Taipeh mein Audio-Setup nachgebaut. Dafür hat er sich extra einen der besagten Preamps bestellt und nach Taiwan schicken lassen, was während der Corona Krise extrem beschwerlich war. Ein paar Tage später hatte Fred die Lösung des Problems gefunden: Durch eine fehlerhafte Erdung der XLR-Buchse des Preamps wurde in manchen Fällen eine Brummschleife verursacht. Fred hatte auch gleich einen Lösungsansatz parat, der auch in meinem Berliner Studio funktionierte und das Problem beseitigte. Daraufhin habe ich den Hersteller des Preamps kontaktiert, der seine Module dadurch modifizieren und verbessern konnte. An dieser Stelle: Vielen Dank für deinen Einsatz, Fred!

Fazit

Die neuen Bento 8 machen im Betrieb einen sehr guten Eindruck. Auch die Verarbeitung ist vorbildlich. Ich habe die verschiedensten Modul-Kombinationen getestet und keinerlei Probleme oder Inkompatibilitäten feststellen können. Der “analoge” Strom des linearen Netzteils dürfte für viele Anbieter eine willkommene Alternative zu den vielen Lunchboxen mit Schaltnetzteilen sein, die sich in ihrer Qualität stark unterscheiden. Wie bereits von anderen Bentos gewohnt, kann man sich durch die Möglichkeit des internen Routings eine Menge Kabelsalat sparen. Der Bento 8 Pro ermöglicht zusätzlich, einzelne Module bereits am Anfang des Signalweges abzuhören. Was Fredenstein hier bietet, ist sehr hohe Qualität zu einem sehr günstigen Kurs.

Plus

  • hochwertige Verarbeitung
  • sehr günstiger Preis
  • kraftvolles, lineares Netzteil
  • individuelle Monitoring-Sektion für einzelne Module (Pro)
  • schaltbares Audiorouting auf der Rückseite

Minus

  • Netzschalter auf der Rückseite nach Rackeinbau schwer erreichbar

Preis

  • Bento 8: 343,- Euro
  • Bento 8 Pro: 419,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    SynergyMan  

    Super Artikel Raphael, Danke dafür, dass diesem wichtigen Thema Stromversorgung endlich Rechnung getragen wird. Klasse Produkte für einen fairen Preis. Nur der Hauptschalter hinten … ?

    • Profilbild
      Raphael Tschernuth  RED

      Freut mich dass dir der Test gefällt! :) Ja, Hauptschalter auf der Gehäuserückseite erschließen sich mir auch nicht, kommt aber immer öfter vor. Beim neuen Neumann Preamp ist das leider auch so…

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