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Test: Fulltone Queen Bee Fuzz, Verzerrerpedal

7. November 2021

Summ, brizzl, frrzzz ...

Fuzzboxes erfreuen sich, nach ihrem kurzzeitigen Verschwinden in den Achtzigern, seit einigen Jahren wieder steigender Beliebtheit und lösen bei Fans vintage-orientierter Gitarrensounds oftmals direkt Speichelfluss und G.A.S. aus. Doch was macht diese Dinger, die den Sound ja nun alles andere als schön hinterlassen, so beliebt? Harmonische Verzerrung jedenfalls geht anders. Das Fulltone Queen Bee Fuzz geht ins Rennen und will mir den zerstörerischen Effekt schmackhaft machen. Zu diesem Zweck hat bei Fulltone jemand die Kreativität spielen lassen und sogenannte „NOS“-Transistoren verbaut. NOS steht für New Old Stock und beschreibt im Wesentlichen, dass jemand im Keller alte Bauteile gefunden hat und die nun zum Zwecke der Geldvermehrung in neue Kistchen einbaut. Wenn sie dann noch interessant klingende Namen tragen, dann kann dieses Ansinnen durchaus aufgehen. In diesem Fall heißen die Probanden „New Old Stock Military ‚Flying Saucer‘ Germanium-Transistoren“ und werden in ein Pedal mit dem lautmalerischen Namen Queen Bee eingebaut. Doch bevor wir das Bienchen zum Summen überreden, schauen wir uns die Verarbeitung und die Architektur in Ruhe an.

Fulltone Queen Bee Fuzz full

In bester Gesellschaft: Das Fulltone Queen Bee Fuzz

Fulltone Queen Bee Fuzz – Facts & Features

Ein goldenes Pedal glänzt mich erwartungsvoll an, als ich den schlichten Karton öffne. Garniert wird das Fulltone Queen Bee Fuzz mit einer Betriebsanleitung und dem obligatorischen Aufkleber für den Gitarrenkoffer. Schwer ist das kleine Bienchen auf jeden Fall schon mal, rund 510 g schwerer wird das Board, wenn man sich für dieses Pedal entscheidet. Der erste Eindruck weckt die Lust nach Verwendung positiver Adjektive wie „wertig“, „stabil“ und „hübsch“. Das leicht pultförmige Gehäuse aus Metall lässt sich mittels zweier seitlich angebrachter Rändelschrauben leicht öffnen und lässt den Blick auf die saubere Verarbeitung und den Zugriff auf die Batterie zu, die im Übrigen bombenfest in ihrem Gehäuse sitzt. Die drei kleinen Germanium-Ufos, die dem Gerät den charakteristischen Sound verleihen, sind gut zu erkennen. Mit 74 x 121 x 61 mm (B x T x H) benötigt das Pedal nicht übermäßig viel Platz auf dem Board, die Anschlüsse sind freundlicherweise alle an der Frontseite zu finden. Wer gern kopfüber an seinem Board schraubt, wird die auf dem Kopf stehende Beschriftung der Buchsen zu schätzen wissen. Ein kleiner, sympathischer Gimmick mit Praxiswert. Die Stromversorgung kann, sofern man nicht die Batterie verwenden will, selbstverständlich per Netzteil erfolgen, allerdings benötigt das Fulltone Queen Bee Fuzz ein 9 V Netzteil mit dem positiven Pol innen. Warum da auf diese eher ungewöhnliche Polung bestanden wird, erschließt sich mir nicht sofort, der Hersteller weist aber explizit darauf hin, dass die beliebten „Daisy Chains“, also die Versorgung mehrerer Pedale mit Hilfe eines speziellen Kabels, zur Beschädigung des Pedals führen können. Dem wird damit natürlich entgegengewirkt.

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Fulltone Queen Bee Fuzz innen

Das aufgeräumte Innere des Fulltone Queen Bee Fuzz

Die Oberfläche des Pedals ist mit dem Adjektiv „übersichtlich“ bestens umschrieben, vorne mittig thront der stabile, mit dem Gehäuse erdbebensicher verschraubte On/Off-Schalter, die drei Regler „Level“, „Buzz“ und „Treble“ teilen sich den oberen Teil des pulsförmigen Gehäuses mit der Status-LED und einem Minischalter, der einen zweistufigen Low-Cut verwaltet. Der Fußschalter hat einen angenehmen Schaltwiderstand und kann auch mit dem Daumen schmerzfrei betätigt werden, während er gleichzeitig genug Gegendruck bietet, um auch durch dickes Schuhwerk deutlich spürbar seine Arbeit zu verrichten. Die drei Potis sind zum Glück recht schwergängig, auch hier finde ich die Balance zwischen „schnell mal was nachregeln“ und „oops“ perfekt austariert. Der Minischalter ist ebenfalls keiner von der leichtgängigen Sorte. Der Rest der Oberfläche des Pedals gehört einer Bienenkönigin auf schwarzem Grund und macht das Pedal optisch edel und den Buzz-Regler sinnvoll. Die rote Status-LED dürfte auch bei Sonnenschein und Open-Air gut zu erkennen sein. Also was die Verarbeitung und die Bedienbarkeit angeht, haben wir definitiv ein Oberklasse-Pedal vor uns. So lassen wir denn die Biene von der Leine und hören uns im Bienenstock mal ausführlich um.

So klingt das Fulltone Queen Bee Fuzz

Zunächst hört ihr den cleanen Referenzsound, zum Einsatz kommt meine Gibson 50s Tribute mit P90 Pickups. Im zweiten Beispiel hört ihr das Fulltone Queen Bee Fuzz mit allen Reglern auf 12 Uhr und dem Bass-Cut Schalter auf „Max“. Das dritte Beispiel führt alle drei Stellungen des Bass-Cut-Schalters vor. Der Wirkungsgrad scheint minimal, jedoch ist das in der Praxis ja oft das Fünkchen zu viel im Bass, das den Sound zwischen Matsch und Durchsetzungskraft pendeln lässt. Well done bis dahin, das Pedal klingt, wie ich es von einem guten Fuzz erwarte. Röhrender Schönklang geht anders, aber den wollen wir ja auch gar nicht. Der Anteil des „bzzzzz“ im Sound ist wohldosiert und in meine Ohren sehr angenehm und gut steuerbar. Während der Klangbeispiele wechsle ich übrigens jeweils vom Steg- zum Hals-Pickup.

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Um die Dynamik des Sounds zu demonstrieren, drehe ich den Buzz-Regler etwas zurück und spiele etwas mit der Anschlagdynamik der rechten Hand. Und siehe da, das Pedal reagiert, ganz im Gegenteil zu meiner Erwartung, schön auf die Spieldynamik.

Jetzt wollen wir aber mal die Welt der höheren Reglerstellungen erkunden. „Kamikaze“ meint: Alle Regler nach Nordost, Schiffbruch voraus, rette sich wer kann. Ein Noisegate wird jetzt langsam zur Pflicht, die P90 Pickups sind aber natürlich auch recht empfindlich. Der Sound beginnt, sich in klassischer Fuzz-Manier zu verschlucken und zu pumpen, dass es eine wahre Freude ist. Noch schöner tritt dieser Effekt hervor, wenn man den Tone-Regler wieder Richtung null bewegt. Herrlich cränk, aber immer praxistauglich. Das letzte Beispiel demonstriert dann noch mal eine Mittelstellung der Regler vor einer aufgerissenen Gain-Stufe des Amps.

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Fazit

Fuzz-Fun vom Feinsten. So die einfache, aber gültige Zusammenfassung des Praxistest des Fulltone Queen Bee Fuzz. Herrlich kaputte, aber immer praxisorientierte Sounds, die das goldene Kistchen da zu produzieren im Stande ist. Angesichts des Preises von 295,- Euro muss man aber echt Fan sein, wenn man sich dieses Bienchen aufs Board binden möchte. Den Preis ist es aber, angesichts hochwertigster Verarbeitung, absolut wert. Die Nebengeräusche sind, vor allem bei höheren Settings, natürlich schon mal störend, mit einem sterilen Studio-Distortionsound hat das nichts zu tun. Dieses Pedal will auf die Bühne und mit einem aufgerissenen Amp um die Wette rauschen.

Plus

  • Verarbeitung
  • Sound
  • Optik

Minus

  • Nebengeräusche bei hohen Fuzz-Einstellungen

Preis

  • 295,- Euro
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