Test: FX Teleport 1.01


…oder doch lieber VST System Link?

Wenn es um die reine Erweiterung der CPU-Leistung geht, hat FX Teleport gegenüber Steinbergs VST System Link recht eindeutig die Nase vorn. Denn der Umgang mit dem Programm ist wesentlich einfacher und erfordert so gut wie keinen zusätzlichen Aufwand. Besonders gefallen hat mir, dass man mit nur einer Projektdatei arbeitet und sich im Betrieb eigentlich gar nicht weiter um die zusätzlichen Rechner kümmern muss.

Auch die Kosten-Seite sieht bei FX Teleport in vielen Fällen besser aus, denn außer den inzwischen recht günstigen Netzwerkkarten und -kabeln ist die Lizenzgebühr nur für die ersten drei Slaves gestaffelt, ab dem vierten gibt es nach oben hin keine Begrenzung mehr – ob man 4 oder 40 Server betreibt spielt also keine Rolle. Für VST System Link hingegen braucht es jeweils ASIO2-fähige Audio-Karten, was für mehrkanalige Verbindungen schnell ins Geld geht. Und man ist von vorne herein auf die Anwendungen beschränkt, die System Link auch unterstützen, was sich derzeit auf Nuendo, Cubase SX, V-STACK und eine Beta-Version von Cubase VST 5.1 beschränkt.
Den günstigsten Einstieg mit €49,90 bietet hier V-STACK, das allerdings einige nicht unerhebliche Einschränkungen mit sich bringt, so lassen sich damit z.B. keine separaten Send-Effekte auslagern. Zusätzlich arbeitet man zwangsläufig immer mit mehreren Projektdateien, was ich mitunter als dermaßen unübersichtlich und lästig empfand, dass ich letztlich lieber angefangen habe zu bouncen statt auszulagern.

Ganz klar im Vorteil ist VST System Link hingegen, wenn es um die Synchronisation mehrerer Sequenzer geht (z.B. von zwei Notebooks auf der Bühne) – das ist mit FX Teleport schlicht nicht möglich, da hier ein anderes Konzept zu Grunde liegt. Auch die Problematik, dass die Latenzen in direktem Zusammenhang mit dem Durchsatz des Netzwerkes stehen, stellt sich bei System Link gar nicht erst, denn eine digitale Audioverbindung bietet eine zu jedem Zeitpunkt garantierte Bandbreite und die Latenz ist eine feste und zuverlässige Größe.

Zusätzlich punkten kann VST System Link, weil es sowohl für Windows als auch für Mac OS verfügbar ist und man beide Plattformen auch gleichzeitig einsetzen kann. Wie die Umsetzung von FX Teleport auf Apple-Rechnern aussehen wird, lässt sich dagegen noch nicht sagen – so oder so wird es aber wohl ein Ding der Unmöglichkeit sein, ein für X86-CPUs programmiertes PlugIn auf einen G4 oder G5 zu teleportieren (und vice versa).

Die Zuverlässigkeit beider Lösungen liegt etwa gleichauf, Gutes wie Schlechtes gibt es auf beiden Seiten. Allerdings fand ich es weniger enervierend, wenn bei FX Teleport durch die Netzwerklast Drop-outs auftraten als wenn bei VST System Link die Verbindung kurzzeitig zusammenbrach und die Wiedergabe des zweiten Rechners dann komplett stoppte (was um so häufiger passierte, je näher die Rechner an der Lastgrenze waren).

Fazit
Tatsächlich ermöglicht es FX Teleport, mit nur einigen wenigen Schritten zusätzliche Rechner zur Lastverteilung einzubinden. Die Umsetzung des Konzepts kann dabei auf ganzer Linie überzeugen, das Programm lässt sich sehr „smooth“ bedienen und ist äußerst handlich im Umgang. Die prinzip-bedingten Nachteile muss man in Kauf nehmen, dieser Malus geht aber gleichermaßen an Steinbergs System Link.
Lassen sich die Latenz-Engpässe noch durch grobschlächtige Überdimensionierung der Netzwerk-Verbindung(en) etwas mindern, bedarf die Stabilität noch eindeutig der Nachbesserung. Der Autor weis aber bereits um das Problem und arbeitet derzeit an einer aktualisierten Version, die auch einige kleinere Features nachbessert bzw. ergänzt.

Im direkten Vergleich zu VST System Link muss man vorab abwägen, auf welchen Aspekt man das persönliche Augenmerk legt. System Link bietet eindeutig einen leichteren Umgang mit der Latenz-Problematik und echte Cross-Plattform Unterstützung. FX Teleport hingegen ist wesentlich flexibler und letztlich in den meisten Fällen wohl auch kostengünstiger erweiterbar.
Für beide Lösungen ergeben sich attraktive Zukunftsperspektiven, sei es durch die zunehmende Verbreitung von mLAN als Audio-Schnittstelle für System Link oder für FX Teleport durch den kürzlich verabschiedeten 10 GBit Standard bei Netzwerken. Es ist und bleibt also spannend.

Da mir für meine persönliche Arbeitsweise das Konzept hinter FX Teleport wesentlich besser gefallen hat und ich mit der Latenz-Problematik ohne größere Nachteile zurecht kam, ist die Entscheidung bei mir recht klar pro FX Teleport gefallen. Selten hat mich ein Programm dieser Preisklasse auf einen Schlag so überzeugt und begeistert. Einzig das bisweilen etwas instabile Verhalten trübte den Spaß etwas, aber die Beseitigung dieser Probleme ist ja bereits auf den Weg gebracht.

PLUS
++++ Sehr gute Umsetzung des Konzepts
+++ Sehr flexibel einsetzbar
++ Unkomplizierte Bedienung

MINUS
— Keine Mac OS Unterstützung
— Stabilität verbesserungswürdig
– Nur in Englisch verfügbar

Preise
1 Host + 1 Server €79
1 Host + 2 Servers €129
1 Host + 3 Servers €169
1 Host + 4 Servers und mehr €199

Bezogen werden kann das Programm derzeit ausschließlich über die Hersteller-Website, ein deutscher Vertrieb wird aber vermutlich mit einer der nächsten Versionen aufgebaut.

Hersteller
http://www.fxteleport.com

Links
Support-Forum mit direktem Kontakt zum Entwickler: http://www.fxteleport.com/forum/

 

Forum
  1. Avatar
    Peter Jansen

    Tolle Beschreibung-Informativ und Kompetent.Guter Mann

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