Außergewöhnlicher Synthesizer und Effekt
Das Gamechanger Audio Motor Pedal ist effektiv eine monophone Version des Gamechanger Audio Motor Synth in Pedalform und ein Distortion-Effekt zum Ersetzen des Originalsignals. Der Klang wird hier durch Rotation, Vibration und elektrische Felder eines Elektromotors erzeugt. Das Motor Pedal ist aber nicht nur für Gitarristen interessant, sondern auch für Synthesizer-Enthusiasten und als Effektgerät für Klänge jeglicher Art. Was kann das Gamechanger Audio Motor Pedal?
- Charakterstarker Sound: Fünf Motor-basierte Engines liefern brachiale, schmutzige Klänge zwischen Synth, Noise und Drone.
- Starkes Pitch-Tracking: Die Tonhöhenerkennung arbeitet präzise, sowohl über Audio als auch MIDI, mit cleverem FLOOR-IT-Modus.
- Effekt und Synthesizer: Ob Vocoder, Re-Synthese oder Zweitoszillator – das Pedal ist vielseitig einsetzbar.
- Plus/Minus: Toller Klang und Verarbeitung, aber Release-Regler im VOLUME-Modus ohne Funktion und Probleme bei polyphonem MIDI.
Inhaltsverzeichnis
- Gamechanger Audio Motor Pedal
- Gamechanger Audio Motor Pedal
- Motor Pedal Grundlagen
- Ersatzteil MMB1
- Pitch-Tracking
- Lautstärken und Audiointerface
- MOD-Regler
- Die Klangerzeugung des Motor Pedal
- Gib Gas, ich will Spaß!
- Pitch Tracking und MIDI
- Motor Pedal als Synthesizer
- Motor Pedal als Effekt
- Motor Pedal als Vocoder
Gamechanger Audio Motor Pedal
Einleitung
Als das Motor Pedal im April 2025 vorgestellt wurde, setzten Gamechanger Audio wirklich alles daran, so uninformativ wie nur möglich zu sein und die generelle Resonanz im Netz war dann auch nicht besonders überbordend. Dennoch haben wohl trotzdem noch genug Musiker das wahre Potenzial gesehen und die preisreduzierte Preorder-Phase zu einem Erfolg gemacht. Auch ich war so begeistert wie schon lange nicht mehr von einer Hardware und ich darf schon mal vorwegnehmen: Daran hat sich auch nach Erhalt des Motor Pedal nichts geändert und zumindest meine Erwartungen erfüllt.
Motor Pedal Grundlagen
Das Motor Pedal wird in einem einfachen Karton ohne Netzteil geliefert – wie üblich bei Gamechanger Audio. In dem Päckchen befinden sich die Bedienungsanleitung, Aufkleber und zwei Gummipads zum Ankleben. Das Pedal ist absolut hochwertig gebaut, inklusive verschraubter Potis und 6,3-mm-Klinkenbuchsen (mono) sowie planem Gehäusestand (was leider zu oft keine Selbstverständlichkeit mehr ist). Gebaut für die Ewigkeit – und es fühlt sich mit gut 1 kg Gewicht auch so an.
Da kein Netzteil mitgeliefert wird, können herkömmliche Pedalnetzteile (Center Negativ) zwischen 9 und 12 V mit mindestens 500 mA verwendet werden. Die Ampere-Leistung des Netzteils hat direkten Einfluss auf die maximale Rotationsgeschwindigkeit des Motors und damit auf die höchste spielbare Note. Hier wurde ein 9 V/2 A Netzteil verwendet.
Ersatzteil MMB1
Nicht für die Ewigkeit ist allerdings der verbaute Elektromotor, der mit Kohleschleifkontakten ein geplanter Verschleißteilartikel ist. Doch keine Bange – der Motor ist als Ersatzteil nachbestellbar und von allen selbst austauschbar, die einen Schraubenzieher richtig herum halten können. Eine ausführlich animierte Anleitung gibt es dafür im Netz (Link im Handbuch). Dort finden sich auch das Diagnosewerkzeug für den Motor und eventuelle Firmware-Updates. Es wird also ein Internetanschluss benötigt sowie ein Browser, der Web MIDI unterstützt – etwa Google Chrome oder Microsoft Edge. Mozilla Firefox sollte inzwischen ebenfalls funktionieren, mit Apple Safari hatte ich kein Glück.
Dann einfach per USB-C-Kabel das Pedal mit dem Computer verbinden und los geht’s – und ja, der USB-C-Port am Motor Pedal ist ein vollwertiger USB-MIDI-Port!
Gamechanger Audio gibt recht genaue Daten für die Lebensdauer des Motors an: 300 Stunden unter kontinuierlicher Höchstrotationsgeschwindigkeit, 900 bis 1500 Stunden unter „Normalbedingungen“, was über zwei Jahre verteilt etwa zwei Stunden pro Tag entspricht. Das Motor Pedal zeigt auch selbstständig an, wenn es Zeit wird, sich um Ersatz zu kümmern, hält einen aber nicht davon ab, das Pedal weiter zu benutzen. Es sollte also ein wenig darauf geachtet werden, das Pedal nicht unnötig im „Leerlauf“ rotieren zu lassen – aber dafür gibt es ja den einfach zu erreichenden Fußschalter.
Diese Folgekosten mögen für manche vielleicht das KO-Kriterium schlechthin sein und mit 329,- Euro plus Mehrwertsteuer und Versand aus Lettland liegt das Motor Pedal preislich eher im Durchschnitt der üblichen Preisgestaltung für Eurorack-Module. Ich hoffe jedoch demonstrieren zu können, dass die Einzigartigkeit des Pedals diesen Preis rechtfertigt. Die einzige Alternative, um an diesen Sound zu kommen, ist sonst nur der Gamechanger Audio Motor Synth MKII für 1.652,- Euro.
Pitch-Tracking
Getrennte Effekt- und Tracking-Kanäle
Das Motor Pedal verfügt über einen Haupt- und einen Tracking-Eingang sowie die jeweils dazugehörigen Ausgänge – alle in Mono.
Beide Eingänge bieten Pitch-Tracking, also die (monophone) Tonhöhenanalyse des Audiosignals. Werden jedoch beide Eingänge beschickt, hat der Track-In Vorrang vor dem Haupteingang. Das bedeutet: Man kann ein Signal in den Effekt schicken und mit dem Track-In die Tonhöhe des Signals unabhängig davon steuern. So gibt der Hauptausgang das Misch- bzw. Effektsignal aus und der Track-Out schleift das unveränderte Originalsignal durch. Gitarristen, die einen Amp mit FX-Loop benutzen, werden das besonders zu schätzen wissen. Aber auch alle anderen können das durchgeschleifte Originalsignal so in eine zweite Effektkette schicken und zum Beispiel parallel laufen lassen.
Lautstärken und Audiointerface
Für den Anschluss an ein Audiointerface muss man prüfen, welche Eingangsempfindlichkeit dafür am besten passt. Das Pedal verträgt bis zu 4 Vpp am Eingang und gibt auch bis zu 4 Vpp aus.
Line-Level (-10 dBu) entspricht ca. 0,894 bis 1 Vpp, und Studio-Level (+4 dBu) liegt bei etwa 3,472 Vpp. Man muss sich also keine großen Sorgen machen, das Pedal zu übersteuern – wohl aber das nachfolgende Gerät, besonders wenn es sich um weitere Effektpedale handelt.
Da das Eingangssignal am Haupteingang vollständig durch das Motorsignal ersetzt wird, lassen sich mit den Reglern CLEAN und MOTOR die Lautstärken beider Signale am Hauptausgang unabhängig voneinander mischen.
CLEAN bietet jedoch mehr als nur Lautstärkeanpassung. Mit dem CLEAN-Regler lässt sich das Originalsignal nach links bis zur Stummschaltung reduzieren. Nach rechts hingegen ist eine bis zu zweifache Verstärkung möglich. Das heißt: Mit der Eingangsempfindlichkeit „Instrument“ am Interface klippt das Pedalsignal bei 100 % Rechtsanschlag. Bei „Line“-Einstellung ist der Eingangspegel moderat. Der CLEAN-Regler sollte also über die Mittelstellung hinaus nur sehr vorsichtig bedient werden.
Der MOTOR-Regler bietet ausschließlich eine Lautstärkereduktion und wird daher nie so laut wie das CLEAN-Signal.
An meinem Metric Halo liegt der Pegel – bei unsymmetrischer Verbindung und „Instrument“-Eingangsempfindlichkeit – bei CLEAN in Mittelstellung bei -6 dBFS, ganz ohne Gain. Das ist schon ziemlich heiß. Ist der CLEAN-Regler auf null und nur das MOTOR-Effektsignal zu hören, liegt der Pegel bei ca. -12 dBFS ohne Gain. Also besser im „Line“-Level arbeiten und den Vorverstärker etwas aufdrehen.
MOD-Regler
Der MOD-Regler nimmt hier eine Sonderstellung ein. Er ist bifunktional: Auf der linken Seite wird der spezifische Modulationsparameter der aktiven Sound-Engine eingestellt.
Auf der rechten Seite hingegen wird die Intensität gesteuert, mit der das Motorsignal vom Eingangssignal am Haupteingang amplitudenmoduliert (ringmoduliert) wird.
Die Klangerzeugung des Motor Pedal
Das Motor Pedal bietet fünf verschiedene Soundgeneratoren, die zwar deutlich unterscheidbare Sounds liefern, deren Grundcharakter jedoch immer auf der schmutzig-brachialen Seite liegt – es klingt eben stets nach verzerrter E-Gitarre. Deshalb finde ich persönlich das Pedal als Gitarreneffekt eher unsinnig, es sei denn, man möchte live eine parallele Zweitstimme für noch fetteren Sound erzeugen. Der eigentliche Reiz liegt – in meinen Augen – aber darin, Sounds mit völlig anderem Charakter zu „ersetzen“ bzw. ihnen eine Zweitstimme beizufügen.
Bei den folgenden Klangbeispielen drehe ich für jede Oktave den MOD-Regler nach links und rechts; die MIDI-Sequenz animiert dabei auch die Notenlautstärke. Die Vocoder-Beispiele folgen im entsprechenden Abschnitt.
Motor
Das ist der rohe Klang des Ankers im Elektromotor. Mit dem MOD-Regler (linksseitig) wird die Layering-Intensität des Motorsignals eingestellt.
Diese Schwingungen sind – wie man auf den Bildern sehen kann – komplex und von den klassischen Grundschwingungsformen sehr weit entfernt.
Das Verhältnis von Motorumdrehungen pro Sekunde zu Hertz beträgt 1:3. Das bedeutet, der tonale Umfang des Motors liegt zwischen 400 und 26.000 Rotationen pro Minute – also zwischen 20 Hz und 1.300 Hz bei 9 V / 500 mA – und bis zu 42.000 Rotationen pro Minute bzw. 2.400 Hz bei 9 V / 1 A.
MxD – Motor x Digital
Hier wird das Motorsignal mit internen digitalen Schwingungsformen (Wavetables) „multipliziert“. Mit dem MOD-Regler (linksseitig) werden die digitalen Schwingungsformen ausgewählt.
M-Wave (Motor-Wave)
Das Motorsignal steuert hier die Tonhöhe des multitimbralen digitalen Oszillators. Der Witz dieses Modus: Alle Schwankungen und sonstigen Glitches des Motors werden auf die saubere digitale Schwingungsform übertragen, was der Lebendigkeit des Klanges zugutekommt. Die Modulationstiefe des Signalmultiplizierers (Motorsignal × digitaler Oszillator) wird mit dem MOD-Regler (linksseitig) eingestellt.
Coil
Das ist der abgedrehteste Modus des Pedals – obwohl hier der Motor stillsteht. Statt Gleichstrom wird Wechselstrom in die Spulen geschickt und die wechselnden Magnetfelder lassen den Rotor vibrieren. Dieses Phänomen ist auch bekannt als „Spulenheulen“ und plagt jedes elektrische Gerät mit interner AC/DC-Spannungswandlung – etwa Netzteile, Desktop-Computer, Grafikkarten oder Mäuse mit zu hoher Polling-Rate am USB-Anschluss. Was dort ein absolut unerwünschtes Vorkommnis ist, wird hier musikalisch genutzt.
Das entstehende elektromagnetische Feld wird vom Induktor aufgefangen und als Effektsignal bereitgestellt. Mit dem MOD-Regler (linksseitig) wird das AC-Spulensignal per Pulsbreitenmodulation gesteuert. Der Übergang vom Vibrato zur Frequenzmodulation ist allerdings sehr schmal und liegt etwa in den ersten 20 % des Reglerwegs.
Vocoder
Wenn man schon ein Modulatorsignal (Motorsignal) und ein Carrier-Signal (Track-In) zur Verfügung hat, kann man sich den Spaß auch gönnen: Dem Track-In-Signal wird hier also das Motorsignal aufgeprägt. Der MOD-Regler kontrolliert die Intensität per Hüllkurvenverfolgung und der RELEASE-Regler bestimmt die Verfolgungsgeschwindigkeit.
Die Klangmodi lassen sich per MIDI-Program-Change 1–5 umschalten.
Gib Gas, ich will Spaß!
Das Motor Pedal ist ein performatives Pedal – und es hat nicht nur fünf Modi, sondern belohnt auch den beherzten Einsatz des Fußes! Neben dem „normalen“ Gaspedalverhalten gibt es nämlich den „FLOOR IT“-Modus: Ist das Pedal bis zum Anschlag heruntergedrückt und wendet man nochmals Kraft an, wird eine Zweitfunktion aktiviert.
Die Pedalmodi im Einzelnen
ACCELERATE ist ein Pitch-Shifter um eine Oktave nach oben. Im FLOOR-IT-Modus geht der Pitch-Shift sogar eine weitere Oktave nach oben.
Drone Pedal Up-Mode:
BRAKE bietet das Gleiche, nur abwärts – um bis zu zwei Oktaven nach unten.
Drone Pedal Down:
CLUTCH schaltet zeitweise das Pitch-Tracking aus bzw. hält die aktuelle Tonhöhe, bis das Pedal wieder losgelassen wird. Mit Aktivierung von FLOOR-IT wird die aktuelle Tonhöhe fixiert und erst bei erneutem Nachtreten wieder freigegeben.
DRIFT ist ein Vibratoeffekt, der im FLOOR-IT-Modus noch eine Portion mehr Chaos in den Klang induziert. Alles in allem wirkt DRIFT aber recht moderat.
MXD Drone Pedal Vibrato:
VOLUME kontrolliert dynamisch die Lautstärke des Motorsignals. Der FLOOR-IT-Modus gibt dem Signal noch einmal einen Lautstärke-Boost. Wie bei einem Gaspedal üblich: Je mehr man tritt, desto lauter wird es.
Die Pedalmodi lassen sich per MIDI-Program-Change 11–15 wechseln, allerdings gibt es nur einen MIDI-Pedalwert (MIDI-CC 15), den sich alle Modi teilen.
Pitch Tracking und MIDI
Original Synthesizer-Sequenz aus dem Korg Polysix (Plug-in) MIDI/Audio:
Das Pitch-Tracking von Gamechanger Audio gehört wohl zum Besten, was der Markt zu bieten hat. Schon beim Gamechanger Audio Bigsby klang das Pitchbending extrem natürlich und das Motor Pedal liefert hier ebenso ab.
Aber Wunder vollbringen kann es trotzdem nicht. Will heißen: Je einfacher und trockener das zu trackende Signal ist – z. B. ein Oszillator ohne weitere Effekte – desto besser, keine Frage. Modulationen und Verzerrung sind dabei unproblematisch. Delay und Hall dagegen schon – was naheliegend ist, da hier Noten wiederholt werden. Das zeigt aber gleichzeitig, wie gut das Tracking arbeitet, wenn es auch kleinste Notenfragmente aus dem Signal herausfischt – etwa beim gefühlvollen Gitarrenspiel.
Was leider nicht getrackt wird, ist die Lautstärke – weder bei der Audioanalyse noch über MIDI-Anschlagsstärke. Die Lautstärke des Motorsignals lässt sich nur mit dem „Gaspedal“ im VOLUME-Modus performativ steuern bzw. über den universellen PEDAL-Parameter MIDI-CC 15. Auch der FLOOR-IT-Modus (CC16) ist per MIDI steuerbar. Das ist etwas umständlich zu programmieren, wenn man das Pedal als expressiven Synthesizer aus der DAW heraus spielen möchte. Falls die DAW entsprechende MIDI-Filter bietet, ist es möglich, die gespielten MIDI-Velocity-Daten vom Keyboard auf MIDI-CC 15 umzuleiten. In den Beispielen habe ich mit Plogue Bidule ein entsprechendes Filter erstellt.
Das Motor Pedal gibt im Übrigen auch die MIDI-Werte aller Regler auf der linken Seite – RELEASE (CC9), VIBRation / GLIDE (CC10), Oktavenlage (CC8), MODulation (Mod-Wheel / CC11), Sound-Modus (CC12) – über USB-MIDI aus. Auf der rechten Seite ist nur der Regler für den Pedalmodus (CC13) MIDI-fiziert. MIDI-DIN gibt es nur als Eingang, was die Möglichkeiten hier auf das Steuern des Motor Pedals begrenzt.
Es gibt auch einen exklusiven MIDI-NOTEN-Modus, bei dem das Tracking des Audiosignals deaktiviert wird und nur noch MIDI-Noten verarbeitet werden. Das kann besonders beim Einsatz des Vocoders sehr hilfreich sein. Dieser Modus ist jedoch ausschließlich über MIDI-CC 17 aktivierbar.
Motor Pedal als Synthesizer
Wie zuvor beschrieben, wird die Signallautstärke beim Motor Pedal nicht getrackt – auch nicht über MIDI. Eine Möglichkeit, das Pedal per Keyboard live dynamisch zu spielen, besteht darin, den VOLUME-Modus des Gaspedals auszuwählen und die Lautstärke mit dem Fuß einzuspielen. Klar, das ist aber nicht jedermanns Sache – vor allem nicht, wenn man kein Gitarrist oder Pianist ist.
Für die Programmierung in der DAW bietet sich die Umwandlung der MIDI-Velocity in MIDI-CC 15 (Gaspedalwert) an. Damit lässt sich das Ganze auch in der DAW sequenzieren und automatisieren. Live auf der Bühne hat man ohne Laptop allerdings ein Problem.
Im VOLUME-Modus endet der Klang beim Spielen per MIDI leider sofort mit dem Loslassen der Taste – der RELEASE-Regler funktioniert hier nämlich nicht. Die einzige Möglichkeit, das staccatohafte Spiel zu mildern, ist, MIDI-Noten lückenlos zu setzen. Es ist außerdem dringend zu empfehlen, ausschließlich monophone Melodien ohne überlappende Noten ans Pedal zu senden – insbesondere über MIDI. Bei überlappenden Noten bzw. polyphonen MIDI-Messages kann es passieren, dass der Motor heftig „durchdreht“, als würden die überlagerten Notenwerte addiert (Vermutung). Hält man sich daran, hat das Pedal sonst keine Probleme mit der Pitch- oder MIDI-Erkennung und auch schnelle Notenläufe bewältigt es problemlos.
Das Manko, dass der RELEASE-Regler im VOLUME-Modus nicht reagiert, ist aus Gitarrensicht nachvollziehbar, da dort die Notenlänge ohnehin mit dem Fuß gesteuert wird. Für alle anderen ist das jedoch suboptimal. Ich hoffe, das lässt sich per Firmware-Update beheben. Mit allem anderen kann ich leben – aber das wäre eine massive Quality-of-Life-Verbesserung für alle, auch für Gitarristen. Auf eine Antwort von Gamechanger Audio diesbezüglich warte ich noch. Da der Support von Gamechanger Audio sonst sehr schnell reagiert, nehme ich an, dass das „Problem“ ernst genommen wird.
Der RELEASE-Regler bestimmt ansonsten die fixe Abklingzeit – von 200 ms bis „Drone“. Die Release-Zeit setzt mit dem Ende des MIDI-Noten- oder Audioereignisses ein, wie bei allen Synthesizern. Das gilt für alle Modi – außer für VOLUME. Bei rauschigen Audiosignalen sollte gegebenenfalls ein Noise-Gate-Pedal vorgeschaltet werden.
MOTOR MIDI-Note Release und Glide:
Zusätzlich kann mit dem VIBR(ation)/GLIDE-Regler – mit Ausschlag nach links – ein Vibrato zwischen 2 und 16 Hz erzeugt und nach rechts die Gleitzeit des Portamentos eingestellt werden.
Als alleiniger monophoner Synthesizer ist das Motor Pedal also durchaus zu gebrauchen – und auch als Zweit- oder Suboszillator in einem größeren System lässt es sich gut integrieren.
Bei diesen Demos habe ich den Original-Synthsound aus der DAW im Hintergrund belassen, um die Akkuratheit des Pitch-Trackings zu demonstrieren.
MOTOR Audio-Tracking Null Okt Up Okt down:
MOTOR Audio-Tracking_001:
MOTOR Audio-Tracking_002:
MOTOR Audio-Tracking_003:
MWAVE Audio-Tracking
Motor Pedal als Effekt
Die unzweifelhafte Domäne des Pedals ist ganz klar Re-Synthese und Distortion. Doch anders als bei den üblichen DRY/WET-Einstellungen von Effekten enthält das MOTOR-Signal – außer der Tonhöhe – keinerlei Charakteristika des Originalsignals. CLEAN- und MOTOR-Signal laufen somit parallel und können unabhängig voneinander geregelt werden – ähnlich wie bei Konsolen, die einen separaten Send-Bus für Effekte bieten.
Über MOD, RELEASE, DRIVE und TONE lässt sich das MOTOR-Signal gut in das Klangbild einpassen. Der „Zusatzsound“ erweist sich dabei als durchaus fähig, einem eingespeisten Klang in kleinen Mengen eine feine, grungige LoFi-Textur zu verleihen, die ihn lebendiger und interessanter macht – natürlich zusätzlich zu den ganzen wüsten Motorzerren.
Motor Pedal als Vocoder
Der Vocoder kann – mit etwas Fingerspitzengefühl – eine erstaunlich gute Sprachverständlichkeit erreichen. Die Ergebnisse hängen stark von den Einstellungen von MOD und RELEASE ab, die die harmonischen Anteile bzw. die Intensität und Geschwindigkeit des Hüllkurvenverfolgers steuern.
Vocoder x Female Adlib
Vocoder x Markus – AHHHH!
Über MIDI oder mit einem trockenen Audiosignal als „Richtschnur“ bekommt man natürlich die besten tonalen „Stimmkorrekturen“ hin. Das gilt im Übrigen auch für Autotune und Konsorten – insbesondere, wenn man nicht singen kann, den Ton nicht sauber halten will oder kein sauberes Stimmvibrato hinbekommt.
Vocoder x Markus – Amazona
Das Ergebnis klingt ohne „Leit-Track“ dann meist entsprechend eiernd. Mit Cher mag dieser Sound vielleicht populär geworden sein – aber die kann auch den Ton treffen und halten. So etwas ist auch bei einem Vocoder absolut hörbar. Insgesamt ist der Vocoder des Motor Pedals erwartungsgemäß eher rau, aber dennoch sehr musikalisch – und er kann dem Quellmaterial interessante Texturen entlocken, egal ob es sich dabei um Stimmen, Drums oder sonstige Klänge handelt.
Vocoder x Synthesizer
Vocoder x Drums
Das Drum-Sample hier habe ich heruntergepitcht, um möglichst viele Artefakte in den Vocoder zu füttern.
Weitere Audiodemos
In den vier Motor Songs-Demos habe ich die Engines (Vocoder, Motor, MxD) des Motor Pedals mit anderen Synths spielen lassen – in verschiedenen Funktionen (Lead / Begleitung) –, um zu zeigen, wie sich das Pedal einfügt. Zum Einsatz kamen ausschließlich Plug-ins (Korg MS-20, Polysix, MonoPoly, Xils-Lab StiX und BFD).

















































Der reguläre Preis liegt bei 399€, gamechanger gibt die Preise auf der Website ohne VAT an.
Auf das Motor Pedal schiele ich immer mal wieder, befürchte aber, dass ich es nicht genug nutzen würde, um den Preis zu rechtfertigen. Vermutlich würde ich doch schnell zum Synthie greifen, um derartigen Sounds zu bekommen.
Das light pedal hingegen ist einer meiner Lieblings-Hardware-Effekte, den Recoder hab ich auch vorbestellt, die Demos waren vielversprechend.
Insgesamt freue ich mich über einen so innovativen Hersteller aus Europa und bin gespannt, was noch kommt (und ob Mentha Studios aus Riga sich ähnlich etablieren kann).
Spannendes Teil und preislich völlig im Rahmen. Andere Pedale oder auch Eurorack Module kosten ja genauso viel, wenn nicht noch viel mehr.
Mein Problem ist nur wie bei den Plasma-Geräten vom selben Hersteller, dass mir der Sound einfach nicht zusagt. Ich mag es zwar böse aber irgendwie ist das immer so höhenlastig und klingt digital im negativen Sinne. Jeder Wavetable-Synth macht irgendwie sehr viel geileren Sound für meinen Geschmack. Wahrscheinlich muss man noch ein passendes Filter und Reverb hinter packen, dass es gut klingt.
Grade als Vocoder mit komplett anderen Signalen als nur Gitarre oder Synth-Leads kommt da aber bestimmt spannendes Zeug bei rum.
@ollo Positiv denken: Für den Schnäppchenpreis von nur 300 Euro kriegst Du den lange gesuchten 30-Euro-LoFi-Sound!
@chardt klofi?
im g force Artikel gings in einem Kommentar im einen klospülungssound. 😉
Das klingt alles sehr ähnlich und nix davon klingt gut. 🤷🏻♂️
A x B ist übrigens Ringmodulation. ;)