Test: Gemini SDJ-4000 Standalone DJ-System

29. Oktober 2020

Ein Gerät, zerstört von der eigenen Software

Gemini SDJ-4000

Gemini SDJ-4000

Wir schreiben das Jahr 2017; Gemini stellt auf der NAMM-Show das Gemini SDJ-4000 Standalone DJ-System vor. Das war, wohlgemerkt, zwei Jahre vor der Ankündigung des Denon DJ Prime 4, aber auch zwei Jahre nach dem Pioneer DJ XDJ-RX, inzwischen als XDJ-RX2 verfügbar.

Also waren schon 2017 Standalone DJ-Systeme wie Prime 4 und Prime 2 oder Pioneer DJ XDJ-XZ am Start!

Inzwischen schreiben wir das Jahr 2020. Drei Jahre nach Ankündigung des Produkts ist das standalone DJ-System von Gemini auf den Markt gekommen. Und, Spoiler: Vielleicht ist das dann doch noch zu früh gewesen.

Spannend ist zum jetzigen Zeitpunkt, also Ende August 2020, dass es, soweit ich das erkennen kann, weltweit noch kein wirkliches Review zu dem Gerät gibt. Die Videos sind alle „First Looks“ von verschiedenen NAMM Shows, Digital DJ Tipps, DJ TechTools, DJWorx und Co. Mit Ausnahme  der Kollegen bei Bonedo (Testergebnis 2 von 5 Sterne) habe ich noch keinen wirklichen Test zu dem Gerät gefunden.

Gemini SDJ-4000 – ein erster Blick

Das Gemini SDJ-4000 ist ein 4-Kanal Standalone DJ-System, ein Dual Desk Media-Player, das aber auch als MIDI-Controller genutzt werden kann.

Die Maße des Gerätes betragen 66 x 43 x 10 cm;  der Player wiegt rund 5 Kilogramm. Damit ist das Gemini SDJ-4000 ohne Frage ein Gerät, welches selbst im Case noch als mobile Einheit genutzt werden kann, ohne dass man vier Hände zum Transport braucht.

Gemini SDJ-4000

Gemini SDJ-4000

Auf der 66 cm breiten Frontplatte gibt es drei Sektionen: links und rechts die Control-Decks, mittig der Mixer samt dem 7-Zoll Display als Herzstück für die Übersicht über die Tracks.

Ausgelegt ist der DJ-Controller und Player als standalone-Unit zum Abspielen von Tracks von USB-Medien, ausgestattet mit der Gemini-eigenen Software V-Case. V-Case steht kostenlos zum Download für Windows und macOS zur Verfügung und ist ein Pendant zu der Software Rekordbox von Pioneer DJ oder der Engine Prime von Denon DJ; zugegeben jedoch, deutlich rudimentärer. Dazu später mehr.

Die Rückseite bietet zwei Mic-In, Klinke und XLR-Klinke-Kombo sowie Cinch-Inputs für die vier Kanalzüge mit Line auf Kanal 1 und 2 und Line/Phono auf Kanal 2 und 3. Raus geht es per Cinch für den Master und Booth, und für das Master-Signal auch noch symmetrisch per XLR. Zusätzlich gibt es eine USB-Buchse für MIDI zur Steuerung einer DJ-Software (Stand aktuell ist allerdings, dass es noch keine Zertifizierung der klassischen DJ-Software-Anbieter gibt), und eine Link-Buchse, mithilfe derer der Player von Gemini wie ein MDJ-900 ins Netzwerk eingebunden werden kann, so wie man es ursprünglich vom Pioneer DJ her kennt.

Die Mixersektion des standalone DJ-Systems

Der Mixer des SDJ-4000 bietet vier Kanäle; zwei davon sind per USB und auch durch die auf dem Gerät vorhandene Software V-Case bespielbar. Die beiden anderen Kanäle können durch externe Zuspieler bespielt werden. Es ist also eine 2-Deck und 2-Kanal standalone-Unit mit der Möglichkeit, mittels zweier externer Zuspieler auch vier Decks zu spielen.

Gemini SDJ-4000

Der Mixer

Der Mixer als Herzstück der Signalverarbeitung bietet einen Gain, einen 3-Band EQ, Cue-Button, Zuweisungs-Schalter zum Crossfader, sowie einen Line-Fader.
Jedem Kanalzug zuweisbar sind die sogenannten Fast FX, für die es in jedem Kanalzug einen bipolaren Regler gibt; in der Mitte zwischen den Kanälen liegen vier Tasten zur Auswahl der Effekte,  deren vier an der Zahl sind: Filter, Chop, Noise und Flanger.

Neben den üblichen Reglern für die ausgehenden Signale wie Phones-, Booth- und Master-Level neben dem Metering (12 LEDs) gibt es auch eine Master FX-Sektion mit 11 Effekten. Delay, Slice, RB Slice, Tape Delay, Flanger, Phaser, Filter, HP Filter, LP Filter, BP Filter und Filter LFO. Diese Effekte können sowohl auf die vier Kanäle als auch auf den Master-Out und die beiden Mic-Ins zugewiesen werden. Dazu gibt es einen Parameter-Regler für verschiedene Parameter und einen Dry-/Wet-Regler, ebenso einen On-/Off-Schalter.

An dieser Stelle sei aber auch schon einmal festgestellt, dass der Gemini SDJ-4000 bei zu hohen Pegeln zwar laut Metering (rote LEDs) nicht ins Clipping  kommt, der Sound jedoch hörbar matschig wird.

Unnatürlich viel Ausgangspegel hat übrigens das Kopfhörer-Signal. Dieses wird extrem schnell sehr laut, und ich traue mich nicht mal im Ansatz, es überhaupt auch nur in die Richtung halber Pegel zu bewegen. Entsprechend unsensibel nur kann man die Lautstärke in einen Bereich einstellen, der angemessen ist.

Die Control-Decks des standalone DJ-Systems

Die Control Decks des Gemini SDJ-4000 sind recht solide ausgestattet. Das große, mittig plazierte  Jog-Wheel mit gummiertem Außenring kann im Vinyl- oder im CD-Mode gespielt werden.

Gemini SDJ-4000

Das Jog-Wheel des Gemini SDJ-4000

Es gibt einen langen Pitchfader, Reverse- und Slip-Funktion, ein Rubber-Pad unter dem Jog-Wheel und acht gummierte Performance-Pads pro Deck mit 8 Modi: Hot Cues, Loop, Slicer, Roll, Keyplay, Loop Slicer, Sample Bank und Sampler; die letzten vier liegen auf der Shift-Ebene. Die Pads sind weiß mit schwarzem Aufdruck und werden durch farbige LEDs hinterleuchtet.

Gemini SDJ-4000

Die Performance-Pads des Gemini SDJ-4000

Rechtsseitig befinden sich zudem einige Funktionstasten:                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         Keylock, Master und Sync, BPM Mode und Quantize.

Eine recht solide Menge an Funktionen zum Spielen, aber auch für Performance und für die Einstellungen. Die Tasten sind allesamt aus Kunststoff, von unten per LED blau beleuchtet.

V-Case – die Software zur Vorbereitung

Im Prinzip funktioniert V-Case wie auch die beiden genannten Softwares, Rekordbox und Engine Prime: man kann Tracks laden und analysieren, und das funktioniert recht zuverlässig bez. Tempo, Tonart und Grid, zumindest bei relativ einfachen Tracks elektronischer Musik. Sollte dort mal etwas nicht stimmen, kann man das natürlich entsprechend korrigieren. Zudem kann man verschiedene Einstellungen erstellen und auch auf USB-Speichermedien speichern für die Hardware.

Natürlich kann man auch Playlisten erstellen und diese dann, so sollte es funktionieren, auf USB-Medien exportieren, die man dann am SDJ-4000 einstecken und anschließend die vor-analysierten Daten abrufen kann.

Im Gegensatz zu Denon DJ Engine Prime oder Pioneer DJ Rekordbox ist das hier alles eher rudimentärer ausgestattet, aber Gemini kann nun einmal auch einfach nicht mit den Großen mithalten.

Leider stellt man das auch recht schnell fest. Der Test startet mit Version 1.6.15. Während bei der Analyse, der Playlisten-Erstellung usw. alles funktioniert, scheitert es dann beim Export der Playlisten, zumindest halbwegs. Als Nutzer würde man ja erwarten, dass unter Devices mit einem USB-Symbol davor USB-Speichermedien angezeigt werden, sofern welche eingesteckt sind. Fehlanzeige. In Kurzform: Egal wie, es funktioniert nicht. Diverse Formate, frisch formatiert oder nicht – keine Chance; keine Anzeige der USB-Quelle! Einfach nichts. Zumindest nicht am Mac. Am Windows-Rechner konnten zwei Autoren-Kollegen die Funktion bestätigen; am Mac jedoch konnten drei weitere Autoren die Funktion nicht abrufen.

Scheitert damit der Export? Nein, aber man muss einen Umweg gehen. Man kann über die Menü-Leiste oder per Rechtsklick auf die Playlist einen Export auf ein USB-Medium veranlassen. Das klappt dann auch, kann aber eigentlich nicht die Lösung sein. Leider wurde das auch trotz mehrerer  Software-Updates nicht korrigiert.

Sprung zur Version V-Case 1.6.21. Diese Version ist noch nicht erhältlich, wurde uns jedoch vom Hersteller aufgrund der vorhandenen Probleme zur Verfügung gestellt. Lange Rede kurzer Sinn: ich bin nicht in die Tiefe gegangen, denn das Grundproblem mit der Erkennung der Sticks im Browser blieb bestehen. Ob die neue Version nun 3 Sekunden schneller exportiert oder sonst was anderes besser erledigt, habe ich nicht getestet, da ich weiter den Test des Gerätes selbst fortführen wollte.

Also, Status heute: Die neue V-Case Version ist noch nicht erhältlich, und selbst wenn sie kommt, sie löst das Problem nach wie vor nicht! Was beim Windows-PC offenbar funktioniert, läuft beim Mac nicht, und das ist einfach nicht gut und auch nicht das, was die Software ursprünglich verspricht.

Wenn die Praxis zum Problemfall wird…

Leider gehen die Probleme in der Praxis direkt weiter. Start mit Firmware-Version 1.4 – die der Hersteller uns trotz einiger Problemen zur Verfügung gestellt hat. Eine Version also, die es noch nicht auf den im Handel befindlichen Geräten gibt und die auch noch nicht zum Download bereitsteht.

Was waren die Probleme vorher? Ein kleiner Überblick der Probleme mit dem Gerät auf Basis der ersten Firmware:

  • Songs, die man einfach so auf den Stick zieht, erkennt das Gerät leider gar nicht.
  • Das Gerät erkennt USB-Sticks teilweise erst nach dem vierten oder fünften Versuch. Mal später, selten früher. Port 1 ist unzuverlässiger als Port 2.
  • Scrollt man durch einen Track, während ein zweiter läuft, scheint das Gerät von der Rechenleistung so ausgelastet zu sein, dass die Wellenformen zu stocken beginnen. Selbiges passiert beim Laden längerer Tracks, was sogar zu kompletten Sound-Aussetzern führen kann, auch, wenn man externe Zuspieler nutzt. Im worst case hängt sich das gesamte Gerät auf.
  • Die Sync-Funktion ist quasi wirkungslos. Das Tempo wird zwar angepasst, aber egal, ob via Beat- oder Phase-Sync, eine Synchronisierung findet nicht statt. Passt man die Tracks manuell an, laufen diese immerhin sauber weiter.
  • Gesetzte Loops sind trotz vorheriger Analyse nicht immer tight; es kommt zu Knacksern beim Loop-Ende / zum Sprung zurück an den Loop-Beginn.
    Ähnliches passiert bei der Nutzung von Rolls via Performance-Pads. Der Sprung ist oftmals unsauber und es gibt einen kurzen Ruckler.
  • Die Nutzung der Effekte funktioniert insoweit, mit Ausnahme des Delays. Schaltet man dies ein, setzt der Ton auf allen Ausgangskanälen aus. Erst das Abschalten des Effekts macht dieses wieder rückgängig.
  • Das Recording auf einen USB-Stick funktioniert absolut nicht.

Die Anzahl der zu diesem Zeitpunkt bereits gefundenen Mängel macht das Gerät leider schlicht und ergreifend nicht in dem Maße nutzbar , wie es versprochen wurde. Nicht einmal im Ansatz. Und ich gehe davon aus, dass ich bis dato noch nicht einmal alle Mängel aufgedeckt hatte.

Von Seiten des Herstellers folgt also ein Firmware-Update auf Version 1.4., welches allerdings noch nicht allgemein veröffentlich ist. Freude, Installation, Hoffnung. Vergebens.

Der Export der vorbereiteten Tracks aus V-Case kann über den genannten Umweg vollzogen werden, die Probleme tauchen aber direkt nach dem Einstecken des Sticks auf.

Zunächst erkennt das Gerät noch die Sticks, zwar mit Problemen, aber dennoch irgendwann. Der Großteil der genannten Probleme jedoch bleibt weiter bestehen. Die Sync-Funktion wurde überarbeitet; wirklich gut klingt es nicht, aber es ist zumindest erkennbar, dass es tight sein soll / möchte. Bei einem stumpfen 4/4-Takt wie dem der Test-Tracks müsste jedoch einfach mehr gehen, das ist wirklich keine große Aufgabe für einen Algorithmus.

Gemini SDJ-4000

So würde es aussehen, wenn der Track läuft

Leider gibt es neue Bugs. Der Track wird beim Drücken der Cue-Taste nicht gestartet. Man muss Play drücken, Stop, zurückgehen, Cue-Punkt setzen und dann erst geht es los. Und das trotz Auto-Cue. Zudem, drückt man Sync, wird der Track regelmäßig gestoppt.

Weiter: Das Gerät erkennt USB-Sticks oft nicht. Nicht immer, aber zu Anfang musste man den Stick gute 3-5 mal herausziehen und erneut einstecken, um diesen angezeigt zu bekommen. Interessant: Primär tritt dieses an Slot 1 auf, Slot 2 ist da deutlich zuverlässiger.

Also los, Tracks laden via Slot 2, wo der frisch formatierte (FAT) 32 GB Stick auch erkannt wird.

Die Menüführung ist unsinnig: Man kann zwei Ordner auswählen, SDJ-4000 und V-Case. Der erste Ordner ist leer, im zweiten befinden sich alle Tracks. Auf Playlisten kann man aber nur über den Knopf Playlist zugreifen, nicht über Browse. Wofür denn ist Browse dann überhaupt vorhanden? Gut, per „Info“ können Infos eingeblendet werden in Playlisten.

Gemini SDJ-4000

Playlisten und Player im Überblick

Also, ab in die Playlisten, Track laden und … Absturz. Durchgehend nacheinander stürzt das Gerät ab und startet neu, wenn man versucht, irgendeinen Track in ein Deck zu laden.

Bei einem der Durchgänge startete das Gerät einfach gar nicht neu, sondern blieb in einer Endlos-Schleife des Neustartens hängen.

Mir vergeht, ehrlich gesagt, langsam die Lust, mich mit dem Gerät noch weiter zu beschäftigen. Ich meine, das Gerät wird ja verkauft. Es ist ja nicht so, als wäre das hier eine Sample-Unit vor Verkaufsstart. Genau dieses Gerät wäre, wäre es nicht zu uns zum Testen gekommen, an einen Kunden verkauft worden.

Was tun? Hersteller kontaktieren, neue Bugs aufzeigen, um Rückmeldung bitten. Tatsächlich, die Fehler wären wohl nachvollziehbar; man würde an einer neuen Firmware arbeiten und wolle sicherstellen, dass diese die Probleme nun endlich lösen würde.

Einige Wochen und einige Nachfragen später habe ich diese dann auch erhalten, Firmware 1.4.13. Das Update war nicht ganz so einfach, denn es musste über den USB-Slot 1 passieren, und wie wir ja derweil wissen, werden Sticks von diesem eher selten erkannt. Also, nach einigen Versuchen und Rücksetzung auf Werkseinstellungen hatte ich Glück und konnte das Update durchführen.

Dazu nutzte ich einen frisch formatierten USB Stick eines Markenherstellers, Fat 32, ohne weitere Dateien drauf. Das Update läuft durch, das Gerät startet neu…der Stick bleibt stecken…und das Gerät gerät direkt in eine Schleife vergeblicher Hochfahrversuche. Ich bekomme schön langsam schlechte Laune. Stick herausziehen hilft nicht, das Gerät dreht sich im Kreise; es muss abgeschaltet werden. Strom aus, Strom an, erneutes Hochfahren…und für einen Sekundenbruchteil sieht man auf dem Bildschirm die normale Anzeige, ehe sich das Gerät erneut abschaltet und versucht, neu zu starten. In dieser Schleife bleibt das Gerät hängen, und auch nach mehrmaligem Ein- und Ausschalten tritt keine Besserung ein. Ich gebe auf.

Fast. Ein letztes Mal den Hersteller kontaktiert. Das Feedback ist, es könnte an einem defekten USB-Kabel liegt; ob ich dies wechseln könnte? Ja, klar. Es wurde versprochen, mir dieses Kabel zuzusenden. Passiert ist über Wochen allerdings nichts; die letzte Nachfrage bezüglich des Kabels blieb unbeantwortet.

Der Abbruch, das Gerät zerstört sich selbst

Aufgeben, nur selten eine Option; an dieser Stelle und zu diesem Zeitpunkt aber die logische Konsequenz. Die Updates der Firmware, sowie auch der V-Case Software, bringen keine deutlichen Verbesserungen der einfach erkennbaren Fehler. Während die Sync-Funktion mit dem ersten Firmware-Update zwar besser läuft, kommen andere Bugs dazu. Mit dem zweiten Firmware-Update beginnen die Probleme, endlos auszuufern und lassen eigentlich keine Nutzung des Gerätes in irgend einer Form mehr zu.

Grundfrage: Kann es sein, dass wir eine fehlerhafte Unit hatten? Unwahrscheinlich insoweit, als die Software V-Case vollkommen unabhängig vom Gerät auch auf dem Rechner Probleme bereitet, und das vier von sechs Autoren. Auch unwahrscheinlich deswegen, weil sich mit unterschiedlichen Firmware-Versionen unterschiedliche Probleme ergaben und gänzlich unwahrscheinlich, weil der deutsche Vertrieb, der bemüht war, im Rahmen des Möglichen Support zu bieten, entsprechende Fehler auch an einem zweiten Gerät feststellen konnte. Auch die Kollegen von Bonedo haben an einem dritten Gerät ähnliche massive Fehler festgestellt.

Kann es, wie vermutet, an einem Kabel liegen? Nein, das macht leider einfach keinen Sinn. Zum einen aus dem oben genannten Grund, zum anderen, weil die Fehler software-seitig auftauchen und so vielfältig sind; viele sind erst mit dem Firmware-Updates dazugekommen. Dass hier ein Kabel der Grund für diese Fehler sein soll, kann ausgeschlossen werden. Es mag am Ende zu einem Fehler beim Starten führen, aber da dies vorher einwandfrei funktionierte und dieser Fehler erst nach einem Update auftrat, muss ich auch hier sagen, ich halte es für unwahrscheinlich, dass ein Kabel das Grundproblem bei diesem Gerät sein soll. Es ist ganz eindeutig die mangelhafte Software, die auch leider durch die Updates nicht verbessert werden konnte.

Fazit

Die Idee des Gemini SDJ-4000 ist soweit eigentlich gut. Ein all-in-one standalone DJ-System als Konkurrenz zum Denon DJ Prime 2 aber mehr eigentlich Prime 4 (ca. 1430,- € und ca. 1700,- €), oder dem Pioneer XDJ-RX2 (ca. 1680,- €).

Leider scheitert dieses gesamte Produkt komplett an der Software im Hintergrund. Das beginnt bei der V-Case Software, die trotz neuer Version noch immer grundlegende Funktionen auf dem Mac nur über Umwege möglich macht. Und es geht weiter bei einer Vielzahl von Bugs der Betriebssoftware des Gerätes, die eine normale Nutzung schlicht unmöglich machen.

Der Preis von 1000,- € für das Gerät mit einer Software im Hintergrund, die nicht im Ansatz an Denon DJ Engine Prime oder noch weniger an Pioneer DJs Rekordbox Software heranreichen kann und auch die Qualität des Geräts und des Displays ist ehrlich gesagt klar übermotiviert.

Zum aktuellen Zeitpunkt,  mit dem Status der Software und der Menge an Fehlern, kann einem der Preis jedoch egal sein, denn von einem Kauf kann nur abgeraten werden.

Plus

  • gute Idee eines preisgünstigeren standalone DJ-Systems

Minus

  • Vorbereitungs-Software V-Case noch mit elementaren Mängeln
  • Betriebssoftware des SDJ-4000 mit elementaren und starken Bugs, die je nach Firmware eine Nutzung unmöglich machen
  • hörbare Verzerrungen bevor das Gerät ins Clipping kommt (visuell)
  • zu viel Ausgangspegel am Kopfhörer-Out – leises Signal nur schwierig einstellbar
  • Display überzeugt nicht

Preis

  • 999,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Henrik Fisch  AHU

    Ich komme ja nun so gar nicht aus der DJ-Ecke und deswegen interessieren mich Tests von Geräten für diese Fraktion normalerweise nicht. Aber die Überschrift hat mich neugierig gemacht.

    Boa, ich orakele mal, dass Gemini MASSIVE Probleme mit irgend einer Firmware eines eingekauften Produktes hat – zum Beispiel des Haupt-Prozessors, oder die Platine mit eben jenem – und jener Hersteller nicht reagiert (selber ganz oft erlebt). Die Firmware wurde nämlich gerade mal so weit entwickelt, dass der Prozessor-Hersteller sein Produkt an andere Hersteller verkaufen kann und nicht wegen Falschversprechen in den Werbeaussagen verklagt werden kann. Eine neue Firmware entwickeln geht nicht, weil man die nämlich komplett neu programmieren müsste, und das würde sämtliche Gewinne auffressen. Also stellt man sich stur.

    Oder irgend ein Manager von Gemini hat hier tatsächlich Mist gebaut und ein Produkt auf die armen Käufer losgelassen, obwohl nachweislich jede Menge Bugs drin sind (»Mir doch egal, ich habe sowieso keine Ahnung von dem Produkt, ich will nur gut dastehen und fett Kohle machen«).

    Ich orakele mal, dass die Firma Gemini durch dieses Produkt einen erheblichen Image-Verlust erleiden wird. Das kann den Tod einer ganzen Firma bedeuten, wenn sich das herum spricht.

    • Profilbild
      Bolle  RED

      Sagen wir mal so, es ist ja nun icht das erste Mal, dass es Software-Bugs bei Gemini gab. Ich hatte vor einigen Jahren mal deren Media-Player. Einige Zeit (Jahre) später kommt ein all-in-one-Gerät auf den Markt welches quasi zwei dieser Player mit einem Mixer kombiniert und siehe da: Die Kiste hat exakt den gleichen Bug wieder Media-Player Jahre vorher. Und das war ein Major-Bug (im gesetzten Loop wird immer der erste Beat wiederholt, dann erst der gesamte Loop = es springt also exakt einen Beat auseinander).
      So wie es klingt ist man leider aber auch nicht in der Lage Probleme zu Lösen und hat dieses Gerät defininitiv zu früh auf den Markt gebracht…ob bewusst um noch irgendwas zu verdienen oder aber unbewusst…aber nun ja, ich kann mir bei der Menge der Fehler leider nicht vorstellen, dass man die „übersehen“ hat…

  2. Profilbild
    DJ Ronny  

    Vor Jahren hat Gemini, Cortex Audio gekauft. Ich habe noch aus der Zeit den Cortex HDC 3000. Das kann der aber besser. Gut es war kein Mischpult dran. Aber da kann ich sogar 1TB Festplatte und USB DVD Brenner mit Audio CD oder MP3 funktionierend anschließen. System läuft auf Linux. Die Software zum analysieren und Playlist erstellen ist auch sehr einfach, aber funktioniert.
    Was für ein Rückschritt, schade.

  3. Profilbild
    Django07  

    Ich finde das Fazit viel zu positiv formuliert: Wenn das Produkt nicht funktioniert, dann kann es gar nicht (preis-)günstig sein. Im Deutschen sagt man dann „billig“. Gerne auch in Kombination mit Wörtern wie Schrott usw.
    Die Firmware/Software ist bei einem elektronischen Gerät kein Add-On, sondern ein Kernbestandteil des Produkts, das ganz wesentlichen Einfluss auf die Qualität hat. Geht nicht –> Gerät geht nicht –> Schrott.

    Ohne andere Firmen in den Himmel loben zu wollen: Ein bekannter Hersteller von Audiointerfaces aus dem süddeutschen Raum, nennen wir ihn mal RXX, zeichnet sich seit Jahren durch weit überdurchschnittliche Software aus. Treiber, Firmware, Add-Ons: Deren Kunden wissen wahrscheinlich gar nicht, dass Software Probleme machen kann. Der Ruf von RXX basiert aber eben nicht auf der Hardware, sondern auf dem Zusammenspiel aller Komponenten inklusive sinnvoller Bedienungsanleitung.

    Deshalb meine Bitte an die Autoren: Treiber, Firmware (mit der das Gerät beim Kunden ankommt), Bedienungsanleitungen – das sind wichtige Dinge. Wenn ein Element fehlt oder schlecht ist, kann das Gerät niemals eine positive Kritik erhalten. Nur so ändert sich das. Nicht, wenn das in irgendeiner Form relativiert wird. Siehe die Mode der „Quickstarts“ und englischsprachiger Manuals. Dies ist ein eklatanter Sachmangel –> KEIN positives Fazit!

    • Profilbild
      Bolle  RED

      Hi Django,

      vielen Dank für dein Feedback und deine ausführliche Rückmeldung.
      Ungern hauen wir natürlich ein Produkt flächendeckend in die Pfanne oder bezeichnen es als „Schrott“, da versuchen wir eher sachlich zu bleiben und aufzuzeigen, was der Stand ist. Das eigene Urteil darf natürlich jeder Leser am Ende selbst fällen.

      Hinsichtlich der Software gebe ich dir vollkommen Recht. Es gibt Hersteller, bei denen das nie zu Problemen führt, hier führt es massiv zu Problemen und macht die Hardware schlicht kaputt. Leider, muss man sagen.

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