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Test: Genelec 8010, Studiomonitore

Mit welcher Musik wurde getestet?

Neben meinen eigenen Mischungen und aktuellen Studioarbeiten meiner Kunden habe ich auch wieder mein Standardsortiment verwendet, welches bei jedem Lautsprechertest zum Einsatz kommt. Zudem noch einige andere Scheiben, die mich seit Jahren begleiten und sich in meinem Gehörgang eingeprägt haben.

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Sigi Schwab & Percussion Academia: LIVE
Diese Aufnahme ist exzellent zur Beurteilung von dynamischen Feinheiten geeignet, da erstens Spitzenmusiker an bestem Instrumentarium aufspielen und zweitens der Scheibe (entgegen dem derzeitigen Blödsinn der Totkomprimierung) auch eine wohltuende Portion Dynamik gelassen wurde.

Status Quo: BLUE FOR YOU
Knackiger Blues-Rock zum Lautstärketest und wie es so mit dem Druck einer Box aussieht. Besonders der „Mystery Song“ eignet sich dazu besonders gut, da er sich langsam aufbaut, zudem sollte der starke Choruseffekt auf der Gitarre am Anfang des Songs auch bei monophoner Wiedergabe einer Box noch angenehm klingen.

Yello: FLAG
Wundervoll gemischtes Meisterwerk mit edlem Synthsound und vielen musikalischen und tontechnischen Gimmicks. Gibt Aufschluss darüber, wie „edel“ diese Mischung wiedergegeben werden kann.

Dolcenera: UN MONDO PERFETTO
Eine emotionelle Frauenstimme vom Allerfeinsten mit einer erstklassigen Band im Hintergrund. Dolceneras Stimme erscheint vor guten Studiomonitoren wie plastisch davorstehend. Hier zeigt sich, wie „in sich stimmig“ und räumlich ein Lautsprecher arbeitet.

Heißer Tipp zum Testen der Basspräzision: MY BABY DOES ME von Queen.
Auf dem Album “The Miracle” befindet sich dieser Titel, mit welchem jeder Lautsprecher auf seine Basstauglichkeit überprüft werden kann. Gleich zu Beginn des Songs groovt ein herrlich runder Bass ins Geschehen, der zuerst recht harmlos wirkt, aber eine ungeheure Energie beinhaltet. Je besser ein Lautsprecher konstruiert ist, umso lauter schafft er diesen Bass ohne Verzerrung.

Wie klingen die Genelec 8010?

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Grundsätzlich zuerst einmal nach einer typischen Genelec: Präzise, nüchtern, sachlich. Nur eine wirklich gute Mischung lässt auf den winzigen Seziermessern die Sonne aufgehen. Alles andere klingt dann irgendwie nicht wirklich schön und genau das macht die Zwerge zu einer amtlichen Abhöre wie ihre großen Schwestern.

Akustische Gitarren springen einem regelrecht entgegen, man meint, die Saiten direkt vor der Nase zu haben und Gesangsstimmen tönen komplett ohne Vorhang und ohne Beschönigung. Überhaupt ist die Plastizität eine der großen Stärken der „Kleinen“.

Der tiefere und tiefe Bassbereich kann nicht überzeugen, dazu ist die Box viel zu winzig. Den „Kick“ einer Bassdrum kann sie allerdings gut wiedergeben und auch einen Basslauf kann man durchaus noch wahrnehmen. Der oben erwähnte extrem energiehaltige Basslauf der Queen-Nummer kam sogar verhältnismäßig sauber rüber, das ist schon eine Leistung für solche Zwerge. Insgesamt klingen die 8010 also trotz dieser Einschränkung im Bassbereich nicht dünn, sondern eher wie ein Bonsai-Bodybuilder, dem das T-Shirt platzt.

Die Transparenz ist sehr gut und auch die Tiefenstaffelung erscheint gut vor den Ohren, die Mitten sind präsent und nerven nur bei einer misslungenen Mischung. Der sogenannte „Sweet Spot“ ist sehr gutmütig und man muss nicht wie festgenagelt an einer Hörposition verharren. Dennoch auch hier mein eindringlicher Rat: Erst die richtige Aufstellung macht den Lautsprecher komplett.

Die mögliche Höchstlautstärke ist durchaus beachtlich, allerdings schaltet die Box irgendwann und ohne Übergang den Limiter zu und dann klingt es nicht mehr gut. Dieses Regelverhalten finde ich aber praxisgerecht, denn die Box macht nur Sinn, wenn sie unverzerrt arbeiten kann. Allerdings hätte es mir gefallen, wenn die frontseitige LED die Farbe wechselt, sobald sich der Limiter zuschaltet. Dieses Feature bieten die größeren Modelle der 8000er Serie und hätte auch der Kleinsten gut zu Gesicht gestanden. Auf jeden Fall hat der integrierte Class D-Verstärker (genaugenommen sind es zwei) genug Reserven, um auch sehr dynamisches Material gut transportieren zu können.

Dennoch muss ich feststellen, dass man mit der 8010 eine Größenordnung erreicht hat (oder soll ich besser „Miniaturisierung“ sagen), welche anfängt, problematisch zu werden. Bei allem Respekt vor der Idee, einen ernstzunehmenden Zwerg zum Mitnehmen herzustellen, kommt der Klang hier deutlich an seine physikalischen Grenzen: Es klingt am Abhörplatz alles ein wenig gepresst, was einfach aus dem winzigen Gehäuse heraus resultiert. Bewegt man sich weg aus der Mitte und geht im Raum umher, verliert sich das, was aber für einen Studiomonitor unwesentlich ist. Meiner Ansicht nach fährt man mit der größeren Schwester 8020 insgesamt besser, da diese doch deutlich unangestrengter klingt. Bei den kleinen 8010 merkt man zu deutlich, dass den muskulösen Verstärkerblöcken von immerhin 2 x 25 Watt das passende Gehäusevolumen fehlt. Wenn es also nicht unbedingt so ganz und gar rigoros winzig sein muss, rate ich doch eher zur größeren Schwester 8020.

Ich kenne viele Genelecs und mag deren Klangcharakter. Die 8010 ist tatsächlich die Erste, bei der ich schwer getan habe, mich mit ihr komplett anzufreunden. Der etwas gepresste Klangcharakter konnte mich einfach nicht in der Gänze überzeugen.

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Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Ich bin nun nicht unbedingt on the road um an verschiedenen Orten zu mastern und somit einen Teil der Mastering-Umgebung mit mir herumzuschleppen.
    Aber aus dem Bauch heraus finde ich die Gerätekategorie „Mobile Masteringboxen“ eher suboptimal.
    Für den Preis bekomme ich ein Paar ordentliche Kopfhörer, die mir sicherlich bessere Dienste leisten können.
    @ Onkel Sigi: Oder wie siehst dud as?

  2. Profilbild
    Markus Galla  RED

    Ich sehe das auch so. Wer tatsächlich mobiles Recording auf mehr als Homerecording-Level betreibt, der wird nicht davor zurückschrecken, eine Abhöre mitzunehmen, die eine Nummer größer ist.

    Mal davon abgesehen kommt es beim Mobil-Recording eher auf Impulstreue an und das Beurteilen des Signals hinsichtlich Verzerrungen. Der Rest ist da komplett egal und da leisten Kopfhörer doch sehr gute Dienste.

    Wo ich mir die Winzlinge hingegen sehr gut vorstellen kann, ist im 5.1//7.1 Studio. Hier möchte man von hinten oder den Seiten gar nicht den vollen Frequenzgang, sondern eben die Präzise Ortung und Auflösung. Mit großen „Wemsern“ wäre man da schlecht beraten. Die Winzlinge auf Stative montiert können da sicher sehr gute Dienste leisten.

  3. Profilbild
    Onkel Sigi  RED

    Hallo Andreaz,

    ich persönlich kann nicht auf einem Kopfhörer mischen und brauche immer meine „Hamsterkäfige“ zum Wohlbefinden. Wobei im Falle der Genelec 8010 der Käfig schon beinahe kleiner als der Hamster ist…..

    Man kann mit ihnen schon gut das Stereopanorama und den wichtigen Mittenbereich beurteilen, besonders dann, wenn man den etwas „eisigen“ und gnadenlosen Klangcharakter der „Tschennies“ allgemein gewohnt ist. Ein wenig Masochist muss man da schon sein…..

    Es grüsst Dich und euch aus seinem SM-Studio (Sound und Musik-Studio) der

    Onkel Sigi

  4. Profilbild
    pytrel  

    „sondern eher wie ein Bonsai-Bodybuilder, dem das T-Shirt platzt.“ ……. einfach geniales bild :-)

  5. Profilbild
    Onkel Sigi  RED

    Griass euch mitanand,

    trotz meiner etwas zwiegespaltenen Meinung nach dem Testlauf habe ich mir kürzlich ein Pärchen 8010 gekauft und meine geschätzten M030 verkauft. Spinnt er jetzt, der Onkel Sigi?

    Das Problem: Ich wollte direkt neben meinem iMac gute Lautsprecher für die Schnitt- und Mischarbeiten, dafür hatten die M030 bei mir aber leider keinen Platz.

    Nach nun ca. 4 Wochen Einsatz muss ich feststellen, dass man mit den 8010 beinahe wie mit einem guten Kopfhörer arbeiten kann: Messerscharfes Panorama, keinerlei Fragen im Mittenbereich, gnadenlose Transparenz, mein damaliger Test bestätigt sich.

    Sie sind extrem gut im Nahbereich von 0,5 bis 1 Meter Hörabstand, darüber werden sie im Klang gnädiger und klingen einfach nach geilem HiFi. Erstaunlich laut auch für solch schnucklige Hamsterchen….

    Da ich nur 15 cm von der Rückwand weg bin, habe ich am Mäuseklavier der 8010 alle Bässe abgesenkt und die Zwergen-Tschennies stehen auf den originalen Genelec-Ständerplatten auf König & Meyer Tischstativen in ca. 20 cm Höhe auf meinem Schneidetisch. Durch die Bassabsenkung hat sich auch der gepresste Klangcharakter weitgehend verloren. Stellt man sie direkt auf den Schreibtisch, gibt es noch einen Extraschalter am Mäuseklavier, der die Frequenzen dazu anpasst. Klappt auch prima.

    Mittlerweile liebe ich die Zwergerl.

    Musikalische Grüße von eurem

    Onkel Sigi

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