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Test: GFI System ORCA DELAY Delay-Pedal

28. September 2021

Killersound von Killerwal

Das GFI System Orca Delay-Pedal, das mich unlängst zum Test erreichte, ist ein neuer, jedoch nicht ganz unbekannter Mitbewerber auf dem stark umkämpften Markt der Delay-Pedale. Die Firma hat mit dem Specular Tempus schon länger ein heißes und vor allem sehr beliebtes Eisen im Feuer, allerdings ist die Marktfähigkeit von Pedalen, die Delay und Reverb vereinen, wohl eher eingeschränkt. Nicht jeder, der die Delay-Fähigkeiten des Specular Tempus schätzt, benötigt auch den integrierten Hall, sei es, weil man schon ein wirklich gutes Reverb-Pedal besitzt oder weil man gänzlich auf Hall verzichten möchte. Wohl auch auf Wunsch der User hat GFI System nun beschlossen, die beiden Einheiten des Specular Tempus auch einzeln anzubieten. Das Skylar Reverb wurde vom Kollegen Stephan Güte bereits ausführlich getestet und für großartig befunden, mir gebührt die Ehre des zweiten Kartons und des darin befindlichen GFI System Orca Delays. Here we go…

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GFI System Orca Delay – Facts & Features

Rund 350 g wiegt das dunkelgrüne Kistchen aus stabilem Metall. Die Anschlüsse befinden sich alle netterweise im Sinne platzsparender Board-Konstruktionen an der Stirnseite des 72 x 120 x 55 mm großen Gehäuses. Alle, bis auf die Netzbuchse, was ich eher schade finde, denn irgendwie gehen die gewonnen Vorteile der frontseitigen Verkabelung damit direkt wieder verloren. Dafür sind die Buchsen allesamt als Stereobuchsen ausgelegt, was dem Pedal schon mal Flexibilität verleiht. Bei Bedarf werden also einfach statt der gewohnten TS-Kabel (Mono) TRS-Kabel (Stereo) verwendet und der Verwendung in einem komplexeren Setup und/oder in Verbindung mit einem Keyboard steht nichts im Wege. Die dritte Buchse an der Stirnseite dient dem Anschluss eines Expression-Pedals oder eines Tap-Tempo-Schalters. Auf der Oberfläche umrahmen vier Potis mit Doppelfunktion ein kleines zweizeiliges Display, das mit seinen 2x 8 Zeichen erstaunlich viele Informationen preisgeben kann. Übersichtlicher geht natürlich immer, mit ein bisschen Einarbeitungszeit reicht die zur Verfügung stehende Information aber locker aus. Drei Regler tragen die für ein Delay typischen Bezeichnungen „Time“, „Level“ und „Repeats“, der dritte Regler ist als Endlos-Poti ausgelegt und schaltet immer im Kreis durch vier unterschiedliche Modes des GFI System Orca Delay. Die vier Modes nennen sich

  • Digital
  • Tape
  • Diffuse
  • Ambient

Die maximale Verzögerung beträgt 999 Millisekunden, die blaue LED oben zwischen den beiden Potis blinkt im eingestellten Tempo des Delays. Zwei Sounds können im Gerät als Presets abgespeichert und über den rechten der beiden Taster aufgerufen werden, wenn dieser länger als eine Sekunde gedrückt wird. Die zugehörige Kontrollleuchte ändert dann ihre Farbe je nach Preset von grün nach orange. Ansonsten fungiert dieser als Tap-Tempo-Taster. Der linke der beiden schaltet das Gerät in den Bypass-Modus. Bleibt der Schalter länger gedrückt, aktiviert sich das „Ramping“, eine Funktion, die einen beliebigen Parameter langsam in der Intensität anschwellen lässt.

GFI System Orca Delay Specular Tempus

Die Mutter des Orcas: Das Specular Tempus von GFI System

Die Doppelfunktion der Potis (mit Ausnahme des „Mode“-Knopfes) dient dazu, die jeweilige Funktion auf das optionale Expression-Pedal oder die Ramping-Funktion zu mappen. Jede der Funktionen kann individuell auf das Pedal bzw. den Schalter gelegt werden. Das Mode-Poti hat jetzt eine Sonderstellung, durch Drücken des Potis kommt man in das Options-Menü, das Zugriff auf die Subdivisions des Delays ermöglicht. Zusätzlich zu den Push-Funktionen gestatten die Knöpfe noch Zugriff auf weitere Parameter, wenn man sie drückt und dabei dreht. Der „Repeats“-Knopf zum Beispiel regelt jetzt noch das Decay des Effektes, der „Modes“-Knopf kümmert sich um die Intensität des Ping-Pong-Effekts im Stereo-Modus oder im Ambient-Modus um die Verstimmung des Ambience-Delays. Ganz schön viel, was die kleine Kiste so bietet, aber man arbeitet sich wirklich schnell ein und bekommt innerhalb kürzester Zeit sehr gute und vor allem songdienliche Ergebnisse. Wenn ich bis jetzt was am Gerät zu meckern habe, dann sind lediglich die unbeschrifteten Buchsen an der Frontseite. Lediglich zwei mikroskopisch kleine Pfeilspitzen auf der Oberseite des Gerätes lassen eine Zuordnung erahnen. Informationen über das zu verwendende Netzteil bekommt man nur aus der Anleitung. Gummifüße sind keine im Lieferumfang, ein Batteriebetrieb ist nicht vorgesehen. Doch nun genug der Facts, wir wenden uns dem Klang des Orca Delays zu.

GFI System Orca Delay Front

Die Front gibt keinerlei Informationen preis, in welche der Buchsen welches Kabel gesteckt werden muss.

 

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So klingt das GFI System Orca Delay

Um euch den Sound des Delay-Pedals näher zu bringen, ein paar Worte zum Setup vorweg. Ich schleife das Delay in den Stereo-Loop meines Kemper Stage ein und platziere diesen hinter dem Amp. Das Signal wird also im Gerät zum Stereosignal. Für den Send benötige ich ein herkömmliches Mono-Patchkabel, der Return verlangt nach einem Stereo auf 2x Mono-Adapterkabel. Das ist kein Hexenwerk und sollte in jeder mäßig gut sortierten Kabelkiste herumfliegen. Zunächst hört ihr vier cleane Sounds mit den Werkseinstellungen des Pedals. Ich schalte also einfach die vier oben aufgezählten Modes durch. Die Bezeichnung der Klangbeispiele gibt jeweils Auskunft über den verwendeten Mode.

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Modes hört man sehr gut heraus, auffällig ist die kristallklare Wiedergabe der Delays, da hört man schon ganz große Pedalkunst. Besonders das Tape-Echo hat es mir angetan, wundervoll, wie die Wiederholungen da verschmieren. Ich höre ein Echorec und gehe dem Sound etwas auf den Grund. Heraus kommt, was kommen muss …

OK, mal schauen, ob das Digital-Delay auch so Freude aufkommen lässt. Ein paar kurze Wiederholungen und wir sind im Rockabilly-Heaven.

Beim Ambient-Delay kann die Tonhöhe der Wiederholungen in Halbtonschritten eingestellt werden. 5 Halbtöne später kommt Folgendes dabei heraus:

Das Diffuse-Delay schafft spacige Klangwelten in kristallklarer Qualität.

Die Ramping-Funktion ersetzt quasi das externe Expression-Pedal. Um die Funktion zu verdeutlichen, habe ich einem modulierten Delay sowohl den Time- als auch den Repeats-Regler zugeordnet. Hält man den Ramp-Button gedrückt, wechselt der Sound langsam von der Heel- zur Toe-Position. Das ist extrem praktisch, wenn man ein kleines Board ohne zusätzliches Expression-Pedal mit einem flexiblen Delay bestücken möchte.

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Fazit

Unglaublich flexibel ist es, das GFI System Orca Delay. Die Auflösung der Delays ist klar wie ein lupenreiner Diamant, mit wenigen Potis und einem kleinen, aber informativen Display bekommt man schnell und unkompliziert wundervolle Sounds auf die Ohren. Wer kann, sollte dieses Pedal unbedingt in Stereo verkabeln, der Sound wirkt dadurch unglaublich plastisch und tief. Bis auf die seitliche Netzbuchse und die nicht ganz optimale Beschriftung der Klinkenbuchsen habe ich absolut nichts zu meckern. Unbedingt anhören!

Plus

  • Sound
  • Vielseitigkeit
  • Bedienung
  • 2 Sounds als Presets speicherbar
  • Verarbeitung

Minus

  • Beschriftung
  • seitliche Netzbuchse

Preis

  • 229,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    mfk

    Mit der großen Version bin ich sehr zufrieden.
    Die kostet 170€ mehr, ist also ~30€ pro Effekt günstiger und hat midi.

    • Profilbild
      rio AHU

      Die Große ist halt auch ne große Rarität. Ich vermute, dass diese beide Varianten den „Großen“ insgesamt ablösen sollen und damit ist dann leider für MIDI-Enthusiastin Sense. Ich möchte aber die beiden Varianten nicht schlecht reden, denn das sind sie vom Sound auch nicht und unter der Haube laufen sicher die selben Algorithmen.

  2. Profilbild
    roseblood11

    Wenn es wenigstens zwei Presets gäbe, zwischen denen man ohne Verzögerung wechseln kann, hätte das Teil einen gewissen Nutzen für mich.

    Letztlich verstehe ich diese Geräte nicht: Klanglich sehr hochwertig und vielseitig, und man kann recht detailliert an Sounds schrauben. Die dann aber nicht als Presets sichern. Unsinnig.

    Bei dieser Größe würde ich heute erwarten, dass man insgesamt mindestens ca 16 Presets speichern kann. Alle abrufbar per USB-Midi und externem Fußschalter.

    Am Gerät könnte man es so lösen:

    Fußschalter 1 ist für Bypass und Tap Tempo zuständig, wie früher bei Line6 (Echo Park…), so kann man tappen und taktgenau durch etwas kräftigeren Tritt das Delay aktivieren.
    Diese wesentliche Einsicht fehlt bei vielen Delays, die Fußschalter mit mehreren Funktionen haben: Tap Tempo und Bypass gehören auf denselben Taster, und beide Funktionen müssen taktgenau, ohne Verzögerung erreichbar sein. Bei Line6 hatte der Schalter zwei Stufen, das ginge heute auch einfacher. Vorstellung: Drummer zählt ein, ich tappe viermal mit und mit dem 5. Tap aktiviere ich das Delay. Wird er im Song schneller, kann ich ohne Ablenkung korrigieren.

    Fußschalter zwei steppt durch eine wählbare Zahl von Presets. Entscheidet man sich für nur zwei, kann man taktgenau zwischen beiden hin- und herwechseln. Denkbar wären auch zB mehrere Bänke à zwei Preset: Kurzer Tritt wechselt zwischen Preset 1A und 1B, längerer Tritt schaltet eine Bank hoch…

    Im Orca ließe sich das fast ohne Mehrkosten realisieren, das meiste betrifft nur die Software.

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