FM für Dummies
Mit dem GForce Halogen FM Software-Synthesizer bringen die umtriebigen Briten nun zum ersten Mal einen FM-Synth und damit keine Rekreation eines analogen Klassikers heraus. Allerdings soll der GForce Halogen FM auf einem obskuren japanischen FM-Synth aufbauen und dessen Fähigkeiten erweitern (mehr wurde mir nicht verraten). Viel wichtiger aber ist das Konzept des FM-Synths von GForce. Dieser soll nämlich die etwas schwer zugängliche FM-Synthese vereinfachen, ohne dabei Kompromisse in Klang und Vielfalt machen zu müssen.
Kurz & knapp
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- Spark Core: Mit wenigen Klicks neue Klänge erzeugen – ideal für Einsteiger und kreative Experimente.
- Intuitives Design: Der Software-Synthesizer vereinfacht FM-Synthese ohne klangliche Einbußen.
- Preset-Vielfalt: Über 260 Werksklänge und flexible Makroregler sorgen für schnellen Zugang.
- Stärken & Schwächen: Klare Bedienung, aber eingeschränkte Modulationsziele.
- Autorenvotum: Ein leistungsstarker FM-Synth für alle, die FM endlich spielerisch entdecken wollen.
Inhaltsverzeichnis
GForce Halogen FM Software Synthesizer
Installation
Für die Installation ist zunächst ein Konto auf www.gforcesoftware.com einzurichten. Nach dem Kauf werden euch der Download und ein einfacher alphanumerischer Lizenzschlüssel freigeschaltet. Der Einführungspreis bis Ende Juli 2025 liegt bei 33 Pfund Sterling zzgl. MwSt. bzw. 66 Pfund Sterling zzgl. MwSt., wenn der reguläre Preis gilt.
GForce Halogen FM ist lauffähig ab macOS 10.15 und Windows 10 und lässt sich in den Varianten AudioUnit, AAX, VST, VST3 und als Standalone-Application installieren. Nach der Installation wird beim ersten Start der Lizenzschlüssel abgefragt, den ihr einfach in das entsprechende Feld kopieren könnt. Für diese Aktivierung benötigt ihr noch nicht einmal eine Netzwerkanbindung zum Internet. GForce bietet damit immer noch eine der einfachsten und stressfreisten Methoden, Software zu installieren und freizuschalten.
Preset-Verwaltung
Wie inzwischen bei allen GForce-Produkten werdet ihr beim GForce Halogen FM mit einer vollständigen Preset-Verwaltung verwöhnt. Diese bietet euch Schlagworte, Notizen, Favoriten, eine Suche und sofortiges Vorhören des selektierten Presets. Auch ein Init-Patch kann über eine eigene Schaltfläche sofort aufgerufen werden. Das Einzige, was hier noch zu vermissen wäre, ist eine Crossbreed-Funktion, mit der verschiedene Presets ineinander gemorpht werden könnten.
Es werden über 260 Presets mitgeliefert, die sehr gut zeigen, was mit dem GForce Halogen FM möglich ist – von klassischen FM-Sounds bis hin zu experimentellen Klängen.
Alle Parameter des GForce Halogen FM können auch über MIDI-CC gesteuert werden. Diese Zuweisungen werden über den Einstellungsdialog vorgenommen. Hier können auch die Schriftgröße der Preset-Verwaltung verstellt und das Online-Handbuch aufgerufen werden.
Das GUI ist frei skalierbar und generell gefällt mir die moderne und nüchterne Aufmachung des Synths sehr gut.
Aufbau des GForce Halogen FM
Widmen wir uns zunächst dem Aufbau des GForce Halogen FM. Wir haben es hier mit einem recht einfach aufgebauten 4-OP-Synth zu tun, dessen Kerne OPR1 und OPR2 nahezu identisch aufgebaut sind. Sie unterscheiden sich allerdings minimal in ihrem Verhalten, sodass selbst bei identischen Einstellungen der Kerne sie ein bisschen unterschiedlich klingen. Der Synth hat einen Mono- und einen Poly-Mode und kann maximal acht Stimmen gleichzeitig wiedergeben.
Jeder Kern besteht aus einer 2OP-Anordnung mit Rückkopplung, die entweder parallel oder seriell angeordnet werden kann.
Um für eine größere Bandbreite an Klängen zu sorgen, wird die Anordnung aber nicht starr umgeschaltet, wie z. B. bei einem DX7. Über den XMOD-Regler kann ein gradueller Übergang zwischen paralleler und serieller Verschaltung der beiden Kerne OPR1 und OPR2 erreicht werden.
Auffälligstes Merkmal ist sicher die Darstellung der Schwingungsformen der Kerne in einer kreisähnlichen Präsentation. OPR1 des GForce Halogen FM wird stets in Mintgrün, OPR2 in Magenta dargestellt. Dabei ist das mehr als eitler Kopfschmuck – das Verhältnis und der ungefähre Charakter des Klangs können hier auch ohne Ton gut eingeschätzt werden. Das ist vor allem in komplexen Patches hilfreich, bei denen nicht immer klar ist, welcher Kern nun was macht.
Über den unscheinbaren Schalter neben dem Schriftzug HALOGEN FM sind der LFO und das Reverb zu erreichen, das den einzigen Effekt darstellt. Zusätzlich werden auch noch die Parameter GLIDE, PITCH ENV und TUNE sichtbar. Seltsamerweise gilt TUNE immer für beide Kerne, sodass diese hier nicht gegeneinander verstimmt werden können.
Im unteren Bereich finden wir schließlich die Hüllkurven MOD und AMP für jeden Kern, wobei AMP zwar stets auf die Lautstärke des Kerns wirkt, jedoch auch für andere Ziele als Modulator zur Verfügung steht. Jede Hüllkurve hat die Möglichkeit eines Key-Follows, der in beide Richtungen eingestellt werden kann, dieser wirkt dann mehr oder weniger stark. Eine Besonderheit ist die Einstellung RPT. Hier findet sich eine einfache Möglichkeit, die Hüllkurve zyklisch zu machen. Das Besondere ist, dass es Zwischenstufen gibt, wobei die Wiederholung langsam ausklingt – eine einfache, aber gewinnbringende Idee für das Sounddesign.
Ganz unten befinden sich die Makroregler, mit denen ganz schnell der Gesamtcharakter eines Presets angepasst werden kann.
Aufbau eines Kerns
Jeder Kern besteht aus einer 2OP-Anordnung und hat zusätzlich zu den Standardeinstellungen wie RATIO und FREQ (mit der der Grundton des Kerns anhand der Naturtonreihe transponiert werden kann) eine Ringmodulator-Option. Der Modulator kann dabei entweder der Tonhöhe folgen oder auf eine Frequenz festgelegt werden, was für Gong- oder Glockenklänge hilfreich ist.
Mit TIMBRE legt ihr die eigentliche FM-Modulation innerhalb eines Kerns fest. Habt ihr zu viel Aliasing bei heftigeren Modulationen (was auch durchaus gewinnbringend eingesetzt werden kann), betätigt ihr diesen Schalter, um dieses zu zähmen.
DISTORT fügt der Sinusgrundschwingung des Carriers mehr und lautere Obertöne hinzu, während BRIGHT ebenfalls Obertöne addiert, jedoch stärker mit dem TIMBRE-Parameter verzahnt ist. Sowohl DISTORT als auch BRIGHT haben dabei einen Punkt (>75 % bzw. >50 %), an dem das Signal rückgekoppelt wird und so geräuschhafte Anteile entstehen.
Modulation im GForce Halogen FM
Im GForce Halogen FM gibt es keine freien Modulationszuweisungen. Alle Modulationen werden über die kleinen Regler unterhalb des Zielparameters eingestellt. Hier wird dann auch die MOD- oder die AMP-Hüllkurve zugewiesen. Der LFO kann nur auf den Parameter TIMBRE sowie auf Panorama oder Lautstärke geroutet werden. Zudem sind alle Modulationen unipolar.
Das scheint auf den ersten Blick etwas dürftig zu sein – im Konzept des einfach zu bedienenden FM-Synths ist diese Entscheidung aber verständlich. Und die Presets sprechen eine deutliche Sprache in Sachen Klangvielfalt.
Spark Core – FM für Dummies?
Das Versprechen und eigentliche Verkaufsargument des GForce Halogen FM ist die einfache Gestaltung neuer Klänge über den Spark Core. Auf dem GUI sind Abbildungen kleiner Sternchen zu sehen. Dahinter verbirgt sich eine Smart-Random-Funktion, die in bestimmten sinnvollen Grenzen alle Parameter eines ganzen Presets, eines Kerns oder lediglich der Makroparameter verändert.
Die Erstellung eines eigenen Klangs steht damit im Vordergrund und geht wie folgt vor sich: Ihr erzeugt über den Preset-Spark ein komplett neues Preset, das für euch auch gleich mit einem hübschen Fantasienamen aus einem Markov-Chain-Namensgenerator versehen wird. Gefällt euch der Grundklang eines Kerns nicht, so habt ihr die Option, nur einen der beiden Kerne neu zu generieren, da auch sie einen Spark-Button besitzen.
Dann macht ihr euch an die Makroregler, mit denen recht starke Veränderungen am Gesamtklang möglich sind. Dabei werden nur wenige Parameter angepasst. Möchtet ihr drastischere Veränderungen, können über die Spark-Optionen der einzelnen Regler ganze Gruppen neu gewürfelt werden.
- TIMBRE Spark betrifft alle Einstellungen eines Kerns außer den Hüllkurven.
- EG1 und EG2 verstellen ausschließlich die Hüllkurve des angegebenen Kerns.
- Der MOD Spark verändert sowohl die Hüllkurven als auch den LFO und dessen Modulationsanteil.
- FX Spark erzeugt dann neue Einstellungen für das Reverb.
Das hört sich beinahe zu einfach an, um gut zu funktionieren – in der Tat ist es GForce aber gelungen, eine echt ergiebige Soundengine zu kreieren, die ihr so sehr einfach erkunden könnt. Natürlich ist Kenntnis der FM-Grundlagen immer von Vorteil, aber hier lassen sich wirklich tolle Presets mit einem spielerischen Ansatz erreichen. Dieses Konzept des GForce Halogen FM geht voll auf und ist für mich tatsächlich das Hauptverkaufsargument.
Klang
Vom typischen Lately-Bass über Lead-Synths und Gongs bis hin zu interessanten Flächen, die so nur mit FM erzeugt werden können, beherrscht der GForce Halogen FM jede Spielart der Frequenzmodulation. Paradoxerweise ist dabei seine Einfachheit auch seine Stärke. Denn nur so ist die intuitive Bedienung über die Spark-Funktion möglich und beherrschbar.
In den extremeren Einstellungen kann der GForce Halogen FM auch ordentlich Alarm machen und ist so auch für Experimentelles sowie Effektklänge oder Noise-Skulpturen einsetzbar.
Der Klang ist dabei sehr gut, aber aufgrund der Gegebenheiten nicht so breit aufgestellt wie bei einem FM-Spezialisten. Dass als FX nur ein Reverb an Bord ist, hat mich überhaupt nicht gestört.
Videos
Hier noch zwei interessante Videos zum Halogen FM Software Synthesizer:
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Alternativen
Obwohl FM schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat, kommen jährlich neue FM-Synthesizer auf den Markt. Einfache Handhabung steht gerade bei den Software-Synthesizern im Vordergrund. GForce Halogen FM ist deshalb keinesfalls alternativlos.
Waves Flow Motion FM Synth
Gleich vier Operatoren bietet der Waves Flow Motion FM Synth. Auch hier ist alles auf einfache Bedienbarkeit ausgelegt und das GUI lädt zum Klangschrauben ein. Der Synthesizer kostet nicht viel und ist direkt als Download hier erhältlich:
Sugar Bytes Aparillo
FM Synthese intuitiv und mit unerhörten Sounds gibt es auch beim Sugar Bytes Aparillo Software Synthesizer.
Bleass Omega
Wenn es etwas klassischer sein darf, dann ist dieser 4-Operatoren-FM-Synthesizer hier genau der richtige für dich. Insbesondere diejenigen, die schon Erfahrung mit FM-Synthese gesammelt haben, finden hier den idealen Synth für kreative Sound-Spielereien.












































Puh… wo der Vorteil zu anderen Anbietern der Synthese ist erschliesst sich mir nicht recht…
Irgendwelche Ideen dazu?
@CDRowell Auf anderen Portalen wird beschrieben wie einfach z.B. die Sounderstellung ist. Finde es selbst heraus….:Es gibt eine 7 Tage Testversion
@AntonAmazona mmmh. Danke für die Eingebung.
Meine Frage kommt auf, da nach 500 VSTs mit 4 Versionen eines FM-Synthesizers nun eine Abkürzung ansteht.
Gibt es einen User, der hier kurz Infos zum Handling gibt?
Dankend im Voraus!
@CDRowell Den Soundbeispielen zu urteilen klingt er besser und ist flexibler in der Handhabung als das Steinzeitplugin FM8.
@Filterpad worauf bezieht sich das „besser Klingen“? Der selbe Patch durch Analyse zweier Kandidaten? Die Aussage kann ich schwerlich einordnen.
Ich danke Dir für Deine Reaktion.😬👍
@CDRowell Keine Ahnung und ist so ein Gefühl 😬
@Filterpad Das Gefühl finde ich immer Wertvoll und hilfreich! Beim Musikmachen, Entscheidungen treffen, Kommunizieren…
Auch die noch so gefühllos wirkenden Menschen greifen ja bekanntlich auf Emotionen zurück, wenn sie wichtige Entscheidungen treffen, wie ich höre.🤝
@CDRowell Für mich war FM Synthese immer mit maximaler Frustration verbunden und habe deshalb immer einen bogen um sie gemacht. Halogen FM ist mit seinen random Funktionen (Spark Core), detaillierte Kontrolle ist auch möglich, tatsächlich eine Abkürzung für mich. Darin liegt auch die eigentliche Stärke für mich. Erst mit den random Funktionen experimentieren, um im Anschluss dem Klang im Detail den letzten schliff zu geben. Ich komme sehr schnell zu eigenwilligen Ergebnissen die richtig Spaß machen. Das Arbeiten damit in einer Session lädt gerade zu zum jammen ein.
@elblaut Danke für die umfassende Einsäumung Deiner weniger erfolgreichen Kooperation mit anderen Boliden.
Jetzt komme ich doch nicht ganz um ein Experiment mit diesem Plugin herum.🥴👍
@elblaut Also wenn die einfachere Bedienung/Klangerstellung die hauptsãchliche Stärke sein sollte, klingt das in meinen Ohren ein wenig nach: „Es wurden zwar alle Klänge schon erzeugt, aber noch nicht von jedem.“
Andererseits ist ja bekanntlich der Weg das Ziel…. 🙂
@gs06 Den Ursprung des Zitates kenn ich zwar nicht, jedoch bin ich offen für diese Zeilen. Das hindert mich jedoch nicht daran, weiterhin zu forschen und gezielt ein Klangkonstrukt mit einer eigenen Kreation zu erweitern…
„Wer aufhört zu hören, hört nicht, was noch nicht gehört wurde.“
Dann mal ran an den Speck.😂
@CDRowell Das ist frei nach Karl Valentin’s „Es wurde zwar alles schon gesagt aber noch nicht von jedem“. 🙂
Damit wollte ich übrigens nicht die eigene Suche nach Klängen in Frage stellen, sondern eher ausdrücken, dass mir eine einfachere Klangerstellung als hauptsächliches Kaufargument etwas schwach erscheint. Es gibt schließlich schon so viele unterschiedliche FM-Klänge zur freien Verfügung, und in den letzten Jahren sind ja mit Algoritm und OpSix auch schon Soft- und Hardware-Synths erschienen, die ebenfalls stark auf eine zugänglichere FM-Synthese setzen.
@gs06 Danke für die Klärung. Haben wir ihn jetzt? Den menschlichen, freien Geist, der mehr Wert ist als jeder Gehaltscheck. 😬👍
Folgendes muss ich mit Bedauern feststellen:
Mein Zitat ist gar keins. Da hab ich nur meine Gedanken auf einen vielleicht thematisch passenden Gegenpol fokussiert… 🫣
Der Link zur Produktseite funktioniert bei mir nicht: 404. Ist es bei euch genauso, dann bitte damit ersetzen.
https://www.gforcesoftware.com/products/halogen-fm/
@Tai Du hast recht! Der LINK geht ins virtuelle NIRVANA… Sozusagen keine Amplitude zu verzeichnen…😩
@CDRowell Ist korrigiert.
@Markus Galla Dank!😎
Den Waves Flow Motion gibt es inzwischen gratis in einem Bundle bei Waves, erfreulicherweise sogar ohne Bindung an den Waves Update Plan.
Halogen FM =
– vorteilhaftes programmieren von Sounds (wirklich angenehm)
– Sysex Import vom DX7 (natürlich) nicht möglich
– unveränderbare Modulationsziele
– 4 Operatoren (zu wenig für mich…)
Der Halogen FM ist für den Preis zur schnellen Kreation FM-Artiger Sounds gut.
Mir geht es nicht genug in die tiefe (ich kenne den DX7 in Hardware von damals😩)
Da benötige ich mehr TIEFE, um Klänge meine Note aufzudrücken. Danke für Eure Unterstützung. Weiter bleibe ich bei FM8 (Da wäre ein GUI Update dringend), DEXED, VOLCA FM, FMHeaven, DX7V und und und…
@CDRowell t.goldschmitz hat in der Besprechung zu Recht auch auf Aparillo verwiesen. Der hat 2 Operatoren und das ist momentan das meist von mir verwendete FM PlugIn. Also an der Zahl der Operatoren hängt‘s nicht.
@Tai Aparillo ist richtig gut. Es gibt so einige FM-Plug-ins mit wenigen Operatoren, die sehr, sehr geile Sounds machen, die man mit einem DX7 so nie hinbekommen hätte.
@Tai Da hab ich mich wohl zu weit aus dem Fenster gelehnt oder?
Fors Pivot dürfte wohl aktuell die größte Konkurrenz sein, weil man sich da auch super Sounds zusammenwürfeln kann. In der 2 OP Version sogar kostenlos, ist die große Version mit 3 Operatoren und Modmatrix für 29€ zu haben:
https://fors.fm/pivot