Strippenloses Patchen
Der GForce Map Software-Synthesizer ist der neueste Spross des umtriebigen britischen Software-Herstellers. Auch dieses Mal handelt es sich nicht um eine Replik eines analogen Klassikers. Stattdessen verspricht GForce Map mit einer ungewöhnlichen Ausstattung und vor allem einer mächtigen Modulationsmatrix, Experimentelles und Ungehörtes zu liefern.
- Modularität & Kontrolle: Starke Modulationsmatrix mit X/Y-Pads und flexibler Signalführung, aber etwas unübersichtlich.
- Klangoptionen: Vielfältiger, neutraler Grundklang – ideal für experimentelle Texturen, weniger für klassische Synth-Sounds.
- Effekte & Filter: Drei kreative Effekte plus vielseitige Filtereinheit mit parametrischem EQ und Multimode-Filter.
- Bedienung & Einstieg: Einfach installierbar, intuitiver Zugang zur komplexen Synthese – mit etwas Einarbeitung lohnend.
Inhaltsverzeichnis
GForce Map Software Synthesizer
Installation von GForce Map
Wie üblich findet ihr nach dem Kauf euren Freischaltcode auf der GForce Software-Website, auf der ihr euch vorher anmelden müsst. Beim ersten Start wird dieser abgefragt und ihr braucht dafür auch nicht online zu sein.
Lauffähig ist GForce Map ab macOS 10.14 (obwohl macOS 10.15 angegeben ist) und Windows 7. Die Plug-in-Formate umfassen AAX, AU, VST2/3 – und auch eine Standalone-Version gibt es. Der Support alter Betriebssysteme ist also vorbildlich. Auch Apple Silicon wird nativ unterstützt.
GForce hat für meine Begriffe immer noch die Nase vorn, was Nutzerfreundlichkeit in Sachen Installation und OS-Support angeht. Keine lästigen Paketinstallierer, die mir die SSD mit 100 Plug-ins zumüllen, die ich gar nicht gekauft habe.
Die Anleitung liegt in Online-Form vor und bietet deren Inhalt auch als PDF-Download an.
Preset-Verwaltung und MIDI-Zuweisung
Auch diese präsentiert sich wieder in Bestform und bietet Kategorien, Schlagwörter und Favoriten sowie Suchfunktion und eine Vorhörfunktion. In der Preset-Verwaltung können übrigens auch den einzelnen Patches MIDI-Program-Change-Befehle zugewiesen werden.
Die Zuweisung von MIDI-CC ist wieder denkbar einfach gelöst und beherrscht eine Lernfunktion. Diese Zuweisungen können auch in Dateien gespeichert werden.
Oberfläche von GForce Map
Damit sind wir auch schon bei der Bedienoberfläche von GForce Map, die in einem modernen Stil gehalten und frei skalierbar ist. In den Optionen findet sich auch eine Light-Variante, bei der die Syntheseparameter mit einem hellen Grau (es wurde der Versuchung widerstanden, hier Weiß einzusetzen) hinterlegt werden.
GForce Map bietet noch andere Ansichten – je nachdem, ob die Effekte angezeigt werden sollen oder auch die vollständige Modulationsmatrix.
Effekte
Zäumen wir das Pferd mal von hinten auf: Es gibt drei festgelegte Effekte, die jeweils zwei Funktionsweisen kennen. Das wären Colour (hier merkt man die britische Herkunft), Time und Space. Time ist ein Delay mit Pingpong- und Multitap-Funktion (hier „Loop“ genannt), Space ist ein granularer Halleffekt. Colour bietet Möglichkeiten, den Sound anzuschmutzen – ein Thema, das uns noch beschäftigen wird.
Colour ist dabei in zwei identische Teile aufgeteilt, deren Parameter von einer Frequenzweiche getrennt werden – so können für Low- und Top-End verschiedene Einstellungen gewählt werden. Natürlich kann die Crossover-Frequenz eingestellt werden. Der Parameter „Dust“ fügt wortwörtlich Staub auf einer virtuellen Vinylplatte hinzu, „Crisp“ ist eine Kombination aus Bitcrusher und Sample-Rate-Reducer und „Press“ implementiert eine einfache Kompressor-Funktion.
Alle Effekte haben eigene Presets und können zur späteren Verwendung abgespeichert werden, wo sie dann im stetig wachsenden Drop-down-Menü zur Verfügung stehen. Im Gegensatz zu den Patches gibt es hier keine vollständige Verwaltung, lediglich das Drop-down-Menü. Außerdem sind diese nach der Installation mit einigen Factory-Einstellungen gefüllt. Um beim Wechsel eines Presets das Verstellen der Effekte zu verhindern, gibt es eine „Lock“-Funktion, die auch beim Arpeggiator angewendet werden kann.
Der Arpeggiator gehört zwar nicht zu den Audioeffekten, befindet sich aber in deren Gesellschaft. Hier gibt es zunächst keine Überraschungen: Als Laufmodus stehen Up, Down, Up/Down, Played und Random zur Verfügung, die nur über die Pfeiltasten ausgewählt werden können. Ein kleines Manko, wie ich finde, ist das Fehlen eines Drop-down-Menüs, mit dem sich die gewünschte Laufrichtung schneller anwählen ließe.
Bei der geringen Anzahl an Parametern ist es auch zu verzeihen, dass es für den Arpeggiator von GForce Map keine Presets gibt. Dafür gibt es jedoch einen „Generative Arp“-Modus. Hier werden Notenabfolgen nach einem Zufallsprinzip ausgegeben, deren Häufigkeit mit einem X/Y-Regler und einem Evolve-Parameter eingestellt werden kann. So kommt auch hier Chaos in die Ordnung – toll wäre es gewesen, könnte der Arpeggiator auf einzelne Parameter und nicht nur den Grundton geroutet werden.
Hier möchte ich auch noch schnell die Stimmenverteilung einbringen: GForce Map ist maximal achtstimmig polyphon, kennt aber auch einen achtfachen Unisono-Modus. Kombiniert mit dem Detuning der Stimmen und dem Pan-Spread entstehen hier richtig dichte Einnotenflächen oder Rave-Bretter.
Synthese des GForce Map
GForce Map besitzt drei Oszillatoren, von denen der MOD OSC wahlweise zur AM-, FM- oder Schwingungsformmodulation der beiden anderen Oszillatoren A und B genutzt oder einfach als dritter Oszillator hinzugenommen werden kann. Oszillator A und Oszillator B können beide zum MOD-Oszillator synchronisiert werden. Wenn ihr hier unterschiedliche Hüllkurven zur Pitch-Modulation nutzt, klingt das schnell interessant.
Jeder der Oszillatoren hat dabei verschiedene Grundschwingungsformen, die etwas von den klassischen Basisschwingungsformen abweichen – wie gut an den Darstellungen zu sehen ist. Der Waveshape-Parameter erlaubt das stufenlose Verbiegen der gewählten Schwingungsform.
Den Oszillatoren A/B stehen folgende Formen zur Verfügung:
- Saw Pulse
- Sine Fold
- Triangle
- PWM (Puls/Rechteck)
- Sine Saw
- Saw Shaper
- Pulsaw
Der Suboszillator bietet etwas andere Schwingungsformen an – sechs an der Zahl – und auch diese können über einen Waveshape-Parameter weiter verändert werden. Flankiert wird das Ganze von einem Rauschgenerator, der nicht nur White-, Pink- und Blue-Noise anbietet, sondern auch ausgefallenere Zufallsquellen wie Tape- und Vinylrauschen. Besonders hervorzuheben ist hier „Droplets“ – dabei handelt es sich um anhaltendes Tropfen einer Flüssigkeit in einen Behälter, flankiert von Aufnahmerauschen. Das kann mit viel Hall und Delay interessante Texturen ergeben.
Auch „Wind“ und „Waves“ sind Fieldrecordings und frischen das Geräuschangebot deutlich auf.
Erste Modulationen mit dem Oszillator X/Y-Pad
Bevor wir zum Herzstück des GForce Map kommen – der Modulationsmatrix –, bietet sich hier schon, genau wie später im Doppelfiltermodul, die Möglichkeit, mehrere Parameter über ein X/Y-Pad zu steuern. Die Zuweisung erfolgt per Drag-and-Drop und die Anteile für die einzelnen Parameter werden über einen Rechtsklick eingestellt, signalisiert durch einen farbigen Ring. Später kann diese Multizuweisung der X- oder Y-Achse über eine andere Modulationsquelle gesteuert werden.
Filter
Dieses besteht aus zwei Abteilungen, die sowohl parallel als auch seriell verschaltet werden können. Filter A ist ein vollparametrischer 5-Band-EQ, bei dem jede Einstellung (Frequenz, Gain und Q) moduliert werden kann. Was sich auf den ersten Blick nicht besonders spektakulär anhört, bietet ein enormes Klangpotenzial – damit gelingen mühelos phaserähnliche Effekte.
Filter B des GForce Map ist ein 2- oder 4-Pol-Multimode-Filter, dessen Konfigurationen stufenlos zwischen LP, Notch, HP, BP und erneut LP übergehen. Der zweimal vorhandene LP sorgt für schöne Ergebnisse, wenn der gesamte Modulationsspielraum ausgenutzt wird. Auch dieses Filter verfügt über ein frei belegbares X/Y-Pad, das als Makrofunktion dient und später moduliert werden kann.
Über den Gain-Parameter besteht Zugriff auf einen leichten Sättigungseffekt, der vor oder nach dem Filter eingesetzt werden kann. Zu guter Letzt gibt es noch die Einstellung MOD OSC FM, mit der der MOD-Oszillator die Filterfrequenz modulieren kann.
Das Filter ist durch seine etwas ungewöhnliche Konfiguration sehr gut für Sounddesign geeignet, wobei ich den Klang eher als neutral einstufen würde – kreischende Obertöne werdet ihr hier nicht herausholen.
Modulatoren
Es stehen drei identische, loopbare ADSR-Hüllkurven sowie frei formbare LFOs zur Verfügung, um dem Klang Lebendigkeit zu verleihen. Während die Hüllkurven auf Presets verzichten müssen, gibt es wieder einen Satz an Factory-LFOs, der durch eigene Kreationen erweitert werden kann.
Durch Retrigger-Optionen können die LFOs im Prinzip auch als Multistage-Hüllkurven genutzt werden. Die Hüllkurven selbst können im Sync-Modus auf das DAW-Tempo eingestellt und geloopt werden.
Etwas Besonderes – und wiederum auf Chaos getrimmt – ist der Noise-LFO. Hier könnt ihr stufige oder unregelmäßige LFO-Verläufe kreieren. Im Prinzip handelt es sich um einen Bitcrusher/Sample-Rate-Reducer, der auf ein Noise-Signal angewendet wird. Mit „Slew Rate“ könnt ihr die Stufigkeit nach Bedarf glätten.
Modulationsmatrix
Gleich vorweg: Beim GForce Map handelt es sich nicht um eine vollständige Modulationsmatrix, bei der z. B. Audioausgänge als Modulatoren genutzt werden könnten. Diese Optionen finden sich jeweils im entsprechenden Modul und ihr könnt ausschließlich deren Modulationsanteil bestimmen. Ansonsten steht beinahe allen Parametern eine Modulationsreihe zur Verfügung, die automatisch im Matrix-Bereich erscheint, sobald ihr einen Parameter verändert.
Im normalen Modus stehen immer alle Hüllkurven und LFOs sowie der Noise-LFO als Modulatoren bereit. Hinzu kommen Keyscaling sowie die Echtzeit-Parameter Mod-Wheel, Velocity und Aftertouch. Aktiviert ihr den MPE-Modus über das Optionsmenü, treten an die Stelle von Velocity und Aftertouch die MPE-Parameter Strike, Timbre, Press und Lift.
Auch die FX-Einstellungen können moduliert werden, was durch die Überlagerung mit der Matrix etwas unübersichtlich ist. Anfangs wirken diese Matrixleisten etwas chaotisch, aber man gewöhnt sich schnell daran, wo die jeweiligen Parameter liegen. Wollt ihr beispielsweise ein einfaches Vibrato über Aftertouch steuern, müsst ihr das über den Depth-Parameter des jeweiligen LFOs bzw. der Hüllkurven (ENVs) machen.
Um den Überblick darüber zu behalten, wie genau moduliert wird, gibt es stets eine Ansicht des CV-Verlaufs der Modulationsquellen. Das hilft jedoch nur bedingt, wenn ihr mehr als etwa acht Parameter zur Modulation nutzt. In den Modulationsreihen und der laufenden Grafik wird nämlich immer nur der eingestellte Anteil angezeigt – nicht wie stark die sich daraus ergebende Modulation tatsächlich ist.
Überhaupt ist die Handhabung der Modulationsmatrix etwas unübersichtlich und man verliert schnell den Überblick darüber, was genau vor sich geht – wird mein Filter gerade von der Hüllkurve oder vom LFO angesteuert? Wo hatte ich noch den Modulator für die Delay-Zeit?
Die Zielbezeichnung steht zwar immer deutlich vor der Modulationsreihe, aber bei Dutzenden Modulationen hilft auch das nur begrenzt. Positiv ist jedoch, dass bei Anwahl eines Parameters automatisch die entsprechende Modulationsreihe hervorgehoben wird.
Klang des GForce Map
Wie nicht anders zu erwarten, ist die offensichtliche Antwort darauf: „vielfältig“. Denn obwohl nicht alles und jedes moduliert oder kreuzmoduliert werden kann, bieten die Modulationsziele genug Auswahl, um spannende Klänge zu erzeugen.
Sicher, der GForce Map kann auch den üblichen Moog-Bass oder Synth-Lead – dafür würde ich ihn aber nicht einsetzen wollen. Das Einladende an diesem Software-Synthesizer ist die zwar einfache, aber dadurch auch gut beherrschbare Modulationsmatrix. Die Möglichkeit der Audiomodulation von Oszillatoren und Filter erzeugt schnell interessante Ergebnisse – wenn ihr wisst, was ihr tut.
Der GForce Map ist definitiv ein Synth, den ihr erst kennenlernen müsst, um alles aus ihm herauszuholen. Die über 300 Patches liefern dafür einen guten Beleg – auch wenn es hier gerne noch experimenteller hätte zugehen dürfen. Der Grundklang ist nicht besonders brillant, lässt sich jedoch jederzeit mit dem parametrischen Filter A in den Höhen betonen.















































„Das Potenzial erschließt sich eher, wenn man von Null anfängt und die einzelnen Optionen behutsam auslotet.“
Ist das nicht immer so?
Vinylrauschen und anderes Zeugs als Noise-Generator habe ich auch anderswo gesehen, fällt mir nicht mehr ein wo, war zu originell.
Außerdem vermisse ich noch eine Klospülung, vielleicht kommt die mit dem nächsten G-Force Synthesizer.
Wie sang Samy Deluxe? Weck mich auf! 😎
@Kazimoto „Vinylrauschen und anderes Zeugs als Noise-Generator habe ich auch anderswo gesehen, fällt mir nicht mehr ein wo, war zu originell.“
Das sollte jeder Synth können, der auch Samples laden kann bzw Samples als Noisequelle nutzt. Also zB Serum2, Pigments, PhasePlant und und und. Geiger ist auch immer cool als Noise-Generator in Serum 2.
@ollo Den Vital hast du vergessen und wo ich den gerade aufhabe habe ich mir direkt den SMP/Noise-Oszillator-Slot angehört. Da ist auch einiges ab Werk (der Föhn gefällt mir) drin und ich könnte jetzt schnell mit Handy die Klospülung aufnehmen und in den Ordner packen. Verschiedene Abspielparameter, fixed, chromatisch, Wiedergabe bidirekt oder immer ab dem letzten Abspielpunkt, total innovativ! Der ist umsonst, falls den einer nicht auf der Platte hat. Linux, Win und sogar MacOS werden unterstützt. 😂
@Kazimoto Ja, Vital ist auch klasse und dazu sogar noch kostenlos. Einer der besten Freeware Synthesizer die es gibt.
Hatte mal bisschen mit der Demo rumgespielt. Die FM klingt in weiten Bereichen richtig gut und kernig während ich mit den Filtern so gar nicht warm wurde. Insgesamt wirkt der Sound auch oft gepresst und dynamisch etwas flach. So als ob auch die Envelopes nicht so richtig zupacken wollten.
Insgesamt nicht Fisch und nicht Fleisch.
Scheint sich mit dem hauseigenen Halogen FM gut zu ergänzen. Gottseidank wieder mal was sehr eigenständiges …