Test: Gibson Grace Potter Flying V

Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten, aber die Kopfplatte gehört nun mal zu einer Gitarre dazu. In unserem Fall ist sie schwarz lackiert und trägt eine überdimensional große Abdeckplatte mit einem goldenen Gibson-Schriftzug, unter diesem cremefarbenen Kunststoffdeckel befindet sich auch der Zugang zum Hals-Einstellstab. Die sechs Vintage-Mechaniken stammen von Kluson und besitzen Flügel aus Perlmutt. Sie laufen butterweich auf ihren Achsen und hielten das Instrument während der gesamten Testdauer problemlos in Stimmung. Dem gegenüber sitzt auf der Decke die bewährte und Gibson-typische Steg/Tailpiece-Konstruktion mit der Tune-o-Matic-Bridge und dem Stop Bar zur Aufnahme der Saiten, welche ab Werk die Stärke 010-046 besitzen. Sie verlaufen über eine Mensur von 628 mm und werden von einem Kunststoffsattel mit einer Breite von 43 mm aufgenommen. Zusammen mit dem Thin V-Profil des Halses und der satinlackierten Halsrückseite bieten sich also beste Voraussetzungen für ein bequemes und komfortables Spielen, nicht nur für Frauenhände. Denn da eine Flying V ja konstruktionsbedingt keine Cutaways besitzt, dürfen sich auch Musiker mit „Schlosserpranken“ über das problemlose Erreichen auch der höchsten Lagen des Griffbretts freuen.

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Elektrik

Unter den hübsch verchromten Blechkappen der Pickups verbergen sich zwei mit Alnico V Magneten bestückte PAF-Humbucker aus eigener Fertigung. In der Stegposition sorgt ein Burstbucker Pro Lead für den nötigen Dampf, am Hals sitzt derselbe Typ, allerdings als Burstbucker Pro Rhythm bezeichnet. Geschaltet werden die Tonabnehmer über einen Dreiweg Toggle-Switch und je ein Volume-Regler sowie ein gemeinsames Tone-Poti sorgen für die gewünschten Einstellungen. Die bernsteinfarbenen Potiknöpfe passen zwar wunderbar zur gelungenen Optik der Grace Potter Signature Flying V, allerdings laufen sie etwas schwerfällig auf ihren Achsen. Mag sein, dass sich das im Laufe der Zeit und bei intensiver Nutzung von selbst erledigt. Und wenn wir schon gerade beim Meckern sind: Auch der Dreiwegeschalter besitzt schon im Neuzustand ein deutliches Spiel und dürfte wohl bei häufigerem Gebrauch vermutlich als erstes mit einem Defekt ausfallen. Aber das sind Dinge, die man für kleines Geld austauschen kann und die man auch verzeiht, wenn man sich in ein Instrument verliebt hat – und es unbedingt sein Eigen nennen möchte.

Von daher: Kompliment, Mrs. Potter, Geschmack scheinen Sie zu besitzen! Und Gibson das nötige Know-how für die Fertigung, denn an der Gitarre gibt es hinsichtlich der Verarbeitung auch bei genauerer Betrachtung nicht viel zu meckern. Die kritischen Arbeiten, wie etwa die Verleimung des Hals-Korpus-Übergangs oder das Einsetzen und Abrichten der Bundstäbchen, wurden sehr sauber ausgeführt. Lediglich die Qualität der Potis und des Toggle-Switch bieten Anlass zur Kritik. Aber das sind, wie bereits erwähnt, Dinge, die sich mit relativ wenig Kosten- und Zeitaufwand beheben lassen. Kommen wir also nun zum klanglichen Aspekt.

-- Gelungenes Outfit --

— Gelungenes Outfit —

Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Warum klingen hier fast alle Gitarrensounds ausserhalb von clean so dermaßen muffig und dumpf? Was hat das mit praktikablen Sounds zu tun??
    Das ist mir jetzt schon häufig bei den Tests aufgefallen…da ist die Aussagekraft leider gleich null!

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