Test: Gibson Les Paul Traditional T 2017 AB, E-Gitarre

13. Juni 2017

Kühle Blonde - warmer Sound

— Gibson Les Paul Traditional T 2017 AB —

Die Gibson Les Paul Traditional T 2017 AB stellt sich bereit zum Test auf Amazona. Ganz schön in die Jahre gekommen, dennoch kein bisschen müde, ist die alte Dame. Die Variante Gibson Les Paul Traditional ist, kaum zu glauben, ein noch recht neues Modell, wenn man hier generell noch von neu sprechen sollte. Sie situiert sich jedenfalls preislich kurz vor der Les Paul Standard, also in der Regel unter 2000,- Euro.

Neben dem heutigen Testmodell und dem Kürzel „T“ für „Traditional“ gibt es noch eine zweite Variante, die Gibson HP High-Performance, die trotz aller Traditionalität der Technik von heute angepasst ist. Unter anderem mit dem G-Force Tuningsystem, einem Alukoffer und einem Titanium-Nullbundsattel. Preislich muss man hier ca. 500,- Euro mehr auf den Tisch legen. Doch schauen wir uns heute das traditionelle „Traditional“-Modell mal näher an. Ich vermute mal, in Superlativen gesprochen, ist die Tradition hier nicht mehr zu toppen!

Facts & Features

So, Scherz beiseite. Die Gibson Les Paul Traditional T 2017 AB kommt in einem „Antique Burst Finish“ in unser Testlabor. Zusätzlich werden die zwei Lackierungen „Honey Burst “ und „Heritage Cherry Sunburst“ angeboten.

— Die Gibson Les Paul Traditional T 2017 in den drei erhältlichen Lackierungen —

Mit einem Oldschool-geformten Gitarrenkoffer in gewohnter Topqualität erscheint die kühle Blonde, noch zart gebettet in rotem Velours. Mit im Lieferumfang befindet sich eine kurze Bedienungsanleitung, ein Foto vom finalen Check, ein Schlagbrett, ein Datenblatt, ein Gibson Kunstledergurt und, sehr praktisch, ein „Cruz Multitool“. Das Griffbrett ist geschützt mit einem Bogen aus Kunststoff mit der Aufschrift: Only a Gibson is good enough. Dass Gibson bei der Selbsteinschätzung kein Blatt vor den Mund nimmt, ist ihnen bei den immer noch immensen Marktanteilen nicht zu verübeln. Ich wage aber mal zu bezweifeln, dass eine Gibson alternativlos ist, geschweige denn nur eine Gitarre von Gibson gut genug ist. Dafür ist der Markt heute zu facettenreich, dazu gut besetzt mit sehr guten Instrumenten. Dennoch ist es wohl für viele immer noch eine Sache von Prestige, einen der Klassiker zu besitzen.

Das ganze Paket

— Das  Gesamtpaket zur Gibson Les Paul Traditional T 2017 AB —

Der Body der 2017er Paula – diesmal ohne Kammern

Fangen wir heute mal mit dem Korpus an, der wie früher voll von „Prestige“ ist. Solide ist hier das Zauberwort. Also nicht, wie einige Vorgänger- und Geschwistermodelle, gekammert oder mit einem anderen Weight-Relief versehen, hat die Gibson Les Paul Traditional T 2017 AB einen massiven, zweiteiligen Mahagonikorpus und, wie soll es auch anders sein, eine schöne ebenfalls zweiteilige AA-Riegelahorndecke. Die Tiefe des Korpus‘ kommt mir auch etwas dicker vor. Klingt erst mal erschreckend und man hört die Bandscheiben schon um Hilfe rufen. Aber Entwarnung, mit rund 4,2 kg ist das gute Stück noch tragbar.

Bestens verarbeitet

— Bestens verarbeitet —

Aus dem Koffer geschält hinterlässt die Gitarre einen hervorragenden ersten Eindruck. Wie fast zu erwarten, bietet sie neben den üblichen Spezifikationen keine wirklichen Überraschungen. Geboten wird eine echte „Oldschool Les Paul“, perfekt verarbeitet und makellos im klassischen Design. Schon der Geruch des Nitrolacks suggeriert einem unterschwellig, dass man ein gutes Instrument vor sich liegen bzw. in der Hand hat.

Hals und Hardware der Gibson Les Paul Traditional T 2017 AB

Am Ende des einteiligen Mahagonihalses haben wir einen typischen Gibson Headstock mit schwarz lackierter Front und dem Gibson Logo in gewohnter Manier. Auf dem Schild, das den Halsstab verbirgt, steht wie zu erwarten die Bezeichnung „Traditional“. Auf der Rückseite erkennt man die schöne Holzmaserung und die angeleimten „Foxears“. Eingeprägt ist „Made in USA“, die Seriennummer und das Fertigungsjahr. Die verwendeten Stimmmechaniken sind Gibson Vintage Deluxe Tuner.

Headstock Foxears

— Headstock Foxears —

Über den Nylonsattel zieht sich ein 9er Satz Saiten über das einteilige Palisandergriffbrett hin zur vernickelten ABR Tune-o-Matic Brücke mit einem Aluminium-Stoptail. Im Griffbrett versenkt sind die Trapezeinlagen aus Acryl. Die Gibson Mensur von (628 mm) versteht sich von selbst. Das Griffbrett ist eingebunden von einem cremefarbenen Binding, wie auch die Ahorndecke auf dem Korpus.

PLEK nun auch bei der Gibson Les Paul Traditional T 2017 AB

Nach einer kurzen Inspektion bestätigt sich der erste Eindruck, hier ist alles bestens verarbeitet. Makellos bis ins Detail, auch die „High Gloss 90 Sheen“ Lackierung lässt keine Wünsche offen. Die seit 2008 im Programm in Serie gefertigte Les Paul Traditional ist die erste Serie von Gibson, die mit dem in Deutschland entwickelten PLEK-Verfahren bearbeitet wird. Ein computerbasiertes Verfahren, um die Bünde, den Sattel und die Brücke perfekt abzurichten bzw. einzustellen. Hier bei werden Unebenheiten von den einzelnen Bünden mit einer Toleranz von 0,001 mm maschinell geglättet. Die Halsform an sich ist mit einem Rounded Neck Profli versehen, nicht zu dick, aber dennoch mit genügend Substanz.

Zweiteiliger Mahagonikorpus

— Zweiteiliger Mahagonikorpus —

Die Abdeckungen auf der Rückseite des Bodys sind versenkt, der Hals natürlich eingeleimt, wie sonst. Anstatt den Classic ’57 Tonabnehmern hat die Gibson Les Paul Traditional T 2017 AB BurstBucker 1 und 2 im Programm. Der Einser sitzt am Hals, der Zweier am Steg. Sie unterscheiden sich im Grunde nur in der Anzahl der Wicklungen. Der BurstBucker 2 hat etwas mehr Draht und somit auch eine höhere Ausgangsimpedanz, vergleichbar mit der eines PAFs. Generell klingen die Gibson BurstBucker laut Beschreibung etwas kantiger mit gemäßigtem Output.

In der Praxis mit der Gibson Les Paul Traditional T 2017 AB

Auf dem Schoß gespielt, ohne Verstärker, fängt der Spaß schon an. Selbst wenn man die Firma Gibson aus irgendwelchen Gründen nicht besonders mag, muss man sich derzeit eingestehen, dass hier qualitativ keine Kompromisse gemacht werden. Bei der Gibson Les Paul Traditional T 2017 AB passt alles gut ins Konzept und die Bauteile, plus Verarbeitung, harmonieren bestens zusammen. Die Saitenlage ist wie meistens etwas zu hoch, aber ein- oder zweimal drehen an der Brücke und ein wenig nachstimmen – schon passt es.

Die Resonanz ist beachtlich, bereits trocken angespielt entfaltet sich der Ton perkussiv und sustainreich. Alles reiht sich quasi in die bereits angestimmte Lobeshymne ein. Der Hals lässt sich angenehm greifen und bespielen, hier gibt es keine Ecken und Kanten sowie keine Deadspots. Jeder Ton stellt sich klar und sauber akustisch dar.

— AA-Riegelahorn —

Am Verstärker verhält es sich fortlaufend gut. Die Gibson Les Paul Traditional T 2017 AB spricht sehr schnell an und hat einen enormen Druck. Im unverzerrten Bereich sehr spritzig und, was nicht immer selbstverständlich ist, beim Umschalten zwischen den drei möglichen Tonabnehmerschaltungen sehr ausgewogen und angenehm nuancenreich. Auch die BurstBucker reagieren gut mit dem Lautstärkeregler und fügen sich sehr gut ins Gesamtbild ein. Ob das jetzt an der traditionellen Handverdrahtung und/oder den Orange-Drop-Kondensatoren liegt, kann man natürlich nur vermuten. Der Sound gefällt mir jedenfalls außerordentlich gut!

Die Hauptprüfdisziplin ist für mich immer der Livekontext oder zumindest der Proberaum mit der Band. Sofern es mir zeitlich möglich ist, läuft hier jede Testgitarre durch. Gitarren, die sich gegen eine relativ laute Rockband beweisen können bzw. sich durchsetzen, ohne durch maximale Lautstärke zu punkten, haben natürlich beste Voraussetzungen, im Alltag zu bestehen.

Aber auch da kann ich der Fähigkeit der Gibson Les Paul Traditional T 2017 AB nichts Negatives bescheinigen. Wenn überhaupt, dann vielleicht das stattliche Gewicht. Aber ich glaube, da fast alle meiner Gitarren unter 4 kg wiegen, bin ich wohl solch ein Stück Holz nicht mehr gewohnt. Ich denke aber, dass 4,2 kg  für die meisten Spieler immer noch im grünen Bereich liegen.

Fazit

Eine schöne Gitarre, diese Gibson Les Paul Traditional T 2017 AB. Hier gibt es wenig Überraschungen. Die Paula geht in Rente und erfindet sich stets neu, auch wenn es mal der Schritt zurück zur guten alten Tradition ist. Quasi neu ist hierbei der solide Korpus, auf jegliche Art von Weight-Relief wurde verzichtet, das Ergebnis sind 4,2 kg Endgewicht. Klanglich hat das durchaus seine Vorteile, somit besticht die Paula durch einen guten Druck und Durchsetzungsvermögen. Der Sound ist immer ausgewogen und von guter Qualität. Dafür sorgen auch die Burstbucker 1 und 2, plus dem Orange-Drop-Kondensator, das alles sogar handverdrahtet.

Für mich gibt es bei der Gibson Les Paul Traditional T 2017 AB zu beanstanden, wenn überhaupt dann: Wie rechtfertig sich der Preis? Aber bei dieser Gitarre bezahlt man nun mal den Namen mit. Wer eine Gibson will, muss das wohl einsehen. Denn hier zählt dann wohl auch: „… only a Gibson is priced enough.“

Klangbeispiele: Les Paul – BluGuitar Amp 1 – Sennheiser MD 421 – Empirical Labs Preamp Mike-E – UAD Apollo Twin – Pro Tools

Plus

  • Verarbeitung
  • Klang
  • Durchsetzungsvermögen

Minus

  • -

Preis

  • Ladenpreis: 1798,- Euro
Klangbeispiele
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