Test: Gibson SG Standard T 2017 EB, E-Gitarre

10. Januar 2017

Altes Modell ganz neu oder Neues ganz alt?

Gibson geht wieder mal einen Schritt zurück, was wohl konzeptionell die Rückkehr zu den ursprünglichen Werten sein soll, sozusagen: „Schuster, bleib bei deinen Leisten“. Die Gibson SG Standard T 2017 EB, heute hier im Test, ist eines der zahlreichen Modelle für nächstes Jahr, die mit einem T versehen sind. Das „T“ steht für nichts anderes als „traditionell“.

front

— Die Gibson SG Standard T 2017 EB —

Da war dieser kleine Ausflug die letzten zwei, drei Jahre, der uns mal Gitarren fernab des etwas eingestaubten Schwarz-Weiß-Bildes lieferte. Unter anderem gab es unkonventionelle Farben und Roboter, die das Stimmen übernahmen. Nicht, dass so etwas noch nie da gewesen wäre, ich meine jetzt Bewegung zwischen den beiden Polen: Tradition und Entwicklung. Aber die Geschichte wiederholt sich ja bekanntlich und hier müssen wir uns wohl darauf einstellen, dass es mehr als nur ein, zwei Mal passierte bzw. passieren wird. So was hängt natürlich immer auch von der Nachfrage und/oder der Laune des Konsumenten ab. Momentan ist die Stimmung wohl mal wieder auf Tradition gerichtet, also wird der Reset-Button gedrückt. Wenn wir mal ehrlich sind, ist es auch nicht leicht, ein Produkt über mehr als 50 Jahre interessant und frisch zu halten. Ich als derjenige, der das Objekt bemustert, hoffe natürlich auf ein paar interessante Kleinigkeiten, die zu berichten sind.

Facts & Features

Die Solid Guitar, wie sie damals betont genannt wurde. Um den Übergang in die Welt, weg von den Resonanz-Gitarren zu ebenen, erscheint aktuell im schlichten Schwarz. Die zweite Lackierung dieser Serie ist wie zu erwarten „Heritage Cherry“.

Ausgeliefert wird das „Frühstücksbrett“, wie die SG auch gerne genannt wird, in einem braunen Gibson Koffer. Vier Spannverschlüsse, alle an der Vorderseite, schließen das Case ausreichend. Das Zahlenschloss, was lange Standard war an Gibson Koffern, spart man sich mittlerweile. Dafür gibt es als Zubehör: einen Gitarrengurt (Kunstleder, schwarz), einen Halsstabschlüssel, ein Multitool von Cruztools, ein Vliestuch, eine Karte mit den wichtigsten Daten (Baujahr, Seriennummer …) und ein Foto, wie sie bei der finalen Inspektion auf der Werkbank liegt. Alles nichts Besonderes, aber wie ich finde eine nette Geste, die man heute eigentlich nur noch von höher bepreisten Modellen her kennt.

Grover-Klemm-Mechaniken

— Grover Klemmmechaniken —

Die Gibson SG Standard T 2017 EB

Der erste Eindruck ist sehr gut, beim Koffer gab es schon nichts zu bemängeln. Nimmt man jetzt das gute Stück aus der geschützten Umgebung, wird das erste Bild in keiner Weise getrübt. Vielleicht etwas übertrieben, aber schon der Geruch vermittelt einem eher Positives. Die SG ist im Vergleich zu anderen Serien sehr leicht, was natürlich an der Masse des verwendeten Materials liegt. Mit 2,9 kg ist sie auf jeden Fall ein angenehmer Begleiter im Kampf gegen den Bandscheibenvorfall, was sich auf dem Schoß aber auch bemerkbar macht. Leider nicht nur im Positiven, denn sie ist, wie fast alle SG Modelle, leicht kopflastig. Das kann man aber gut mit dem rechten Unterarm kompensieren. Im Stehen hingegen hat man damit keine Probleme.

Die Verarbeitung der Gibson SG Standard T 2017 EB ist vorbildlich, vielleicht ist das ja nur meine beeinflusste Wahrnehmung, aber ich habe das Gefühl, Gibson gibt sich nach dem Tropenholzskandal vermehrt Mühe, was die verbleibende Reputation betrifft. Das Instrument ist schlicht, aber wie erwartet stilvoll und natürlich klassisch im Design, da gibt es wenige Überraschungen. Was mir sofort ins Auge sticht, sind die großen Gurtpins, das ist mir schon bei meinem letzten Gibson Test positiv aufgefallen. Das Schlagbrett ist klein, zumindest im Vergleich zum 2016er Modell, also nur unter den Tonabnehmern angesetzt. Dafür gibt es noch eine schwarze Zierleiste zwischen dem Halstonabnehmer und dem Griffbrett. Damit kaschiert man Unebenheiten des eingeleimten Schaftes vom Hals.

Hals über Kopf

Hier haben wir ein Slim Taper Halsprofil, was einer eher mittleren Stärke entspricht. Wie das ganze Konzept klassisch schmal, aber doch genug Substanz. Am typischen Gibson Kopf oben und unten jeweils drei verchromten Grover Lockingmechaniken. Auch hier greift man zu Altbewährtem zurück, plus einem durchaus sinnvollen Locking Mechanismus, der das Saitenwechseln einfach gestaltet und Stimmstabilität verspricht. Während der Testphase hat sich das auch bestätigt.

Große Gurtpins

— Große Gurtpins —

Der TekToid Kunststoffsattel sitzt perfekt eingearbeitet am Palisandergriffbrett. Der einteilige Mahagonihals ist eingefasst von einem tadellos verarbeitetem Kunststoff-„Binding“, er verfügt über 22 Medium Jumbo Bünde. Im Palisandergriffbrett sind, auch typisch für Gibson, Trapez Inlays aus Perlmutt eingesetzt. Das Ganze natürlich mit einer Mensur von 628 mm.

Korpus, Hardware und Elektrik der Gibson SG Standard T 2017 EB

Der sehr schlanke Korpus der Gibson SG Standard T 2017 EB ist ein- bis dreiteilig aus Mahagoni, was im Detail bei der schwarzen Lackierung natürlich schwer zu erkennen ist. Ein leichtes Shaping im oberen Bereich vorne und hinten verbessert die Handhabe der Gitarre und so schmiegt sie sich etwas näher an den Körper. Nicht so geschmeidig wie bei einer Strat, dennoch angenehm und völlig ausreichend.

Die Gibson SG Standard hat einen Doppel-Cutaway und ist mit ihren „Teufelshörnchen“ für AC/DC zum Markenzeichen geworden. Mein erster Gedanke bei einer SG ist immer Angus Young, wenn auch von vielen anderen gespielt. Eric Clapton spielte sie zu Cream Zeiten sehr oft. Tony Iommi von Black Sabbath sieht man heute noch damit, Jerry Garcia von The Grateful Dead, Frank Zappa, Mike Oldfield … selbst Jimi Hendrix hatte hier und da mal eine umhängen.

Die Hardware, neben den schon genannten Grover Machine Heads, ist verchromt und am anderen Ende sitzt eine typische Stop Tail Brücke.

Die Schaltung ist auch überraschungsfrei, zwei Lautstärkeregler und zwei Höhenblenden, jeweils dem Tonabnehmer zugeordnet. Ein Dreiwege-Toggle schaltet auf Hals-Pickup, Bridge-Pickup oder beide gemeinsam.

Versenkter Deckel

–Versenkter Deckel —

Die Tonabnehmer sind meiner Meinung nach mit die beste Kombination bei SG Bestückungen. Hier wurden zwei 57er Classic Humbucker zu Wahl gezogen. Im Grunde eine Reminiszenz an die frühen PAFs, die von 1956-1962 in Gibson Gitarren verbaut wurden. Sie haben mit 7,5 Ohm eine eher niedrige Ausgangsimpedanz und klingen eher abgerundet und weniger aggressiv.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Eine echte Gitarre ohne wenn und aber. Warum sollte man ständig versuchen mit trickreicher Technik noch einmal den gut situierten Gitarristen zu verwirren. Diese traditionelle Gitarre erfüllt alle Wünsche. Nur üben muss jeder selbst! Da hilft leider nichts anderes.

    • Profilbild
      OscSync  

      Das ist das alte Dilemma… Eine SG hat auch ihre eigenen Schwächen. Latente Kopflastigkeit, die durch das Gibson-typische Headstock-Design nicht perfekte Stimmstabilität und andere Kleinigkeiten, die viele Hersteller auf ihre Weise zu adressieren versucht haben. Aber jede Änderung bringt eben potentiell auch klangliche Änderungen mit sich.

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