width=

Test: G&L Tribute JB-2, E-Bass

31. Januar 2019

Und täglich grüßt der Jazzbass

G&L Tribute JB-2

G&L Tribute JB-2

Es ist nun mal das meistgehörte, meistaufgenommene und meistgespielte Bassmodell ever. So ist es wenig verwunderlich, dass der kalifornische Hersteller G&L als letzte große Wirkungsstätte des 1991 verstorbenen Leo Fender mit dem G&L Tribute JB-2 eine eigene Variation zum Thema „Jazzbass“ im Portfolio führt. Dank preiswerter Fernostfertigung ist das gute Stück ab 449,- Euro zu haben, reiht sich also im Mittelklassesegment ein, wo sich reichlich Konkurrenz tummelt und nicht wenige Jazzbass-Derivate um die Bassistengunst buhlen.

G&L Tribute JB-2 – Facts & Features

Rein von der Formgebung her betrachtet, ist das gar kein Jazzbass: Die Korpusform entspricht dem Precisionbass, den Fender noch vor dem Jazzbass entwarf und anscheinend auch in seinem späteren Schaffen bei Musicman und G&L stets bevorzugte – sowohl der Stingray (MusicMan) als auch der L-2000 (G&L) basieren auf diesem Modell.

G&L Tribute JB-2

Sustain-stark: passgenaue Halstasche und sechsfache Verschraubung am Hals-Korpus-Übergang

Der Korpus ist aus drei Teilen Sumpfesche zusammengesetzt, die Oberfläche besteht aus einer sauber aufgetragenen und auf Hochglanz polierten 3-Ton-Sunburst-Lackierung. Der Ahornhals mit seinem matten Finish ist durch die für diesen Hersteller typische Sechspunktbefestigung mit dem Korpus verschraubt und weist mit 38 mm Sattelbreite das typische schmale Jazzbass-Maß auf. Auch ansonsten entspricht der Hals mit seinem  schmalen C-Profil ganz dem bewährten Vorbild. Nicht zuletzt diese auch für kleinere Finger gut bespielbare Halsform sorgt für die große Beliebtheit dieser Bassmodelle!

Ausgestattet ist dieser Hals mit einem Ahorngriffbrett, dessen Radius 12″ beträgt sowie 21 sauber verarbeiteten und ordentlich polierten Medium/Jumbo-Bünden sowie einem Obersattel aus synthetischem Material. Genau hier gibt der Testkandidat jedoch Anlass zu ernsthafter Kritik, denn leider sind die Sattelkerben viel zu hoch, sodass Bespielbarkeit und Intonation spür- und hörbar leiden.

Selbstverständlich ist mir im Laufe meiner langjährigen Tätigkeit als Bassist, Basslehrer, Musikalienhändler und Basstester nicht entgangen, dass unterhalb einer Preisklasse von ca. 1500,- Euro immer Abstriche in diesem Bereich gemacht werden müssen. Gerade wenn die Instrumente frisch aus der Produktion noch längere Reisen um die Weltmeere vor sich haben und man nicht hundertprozentig sicher sein kann, dass sich die Hölzer von Hals und Griffbrett noch minimal verändern und dann tiefe Sattelkerben zu starkem Schnarren und der Notwendigkeit eines Austausches des Sattels führen können. Aber beim vorliegenden Testmodell ist der Griff zur Feile unumgänglich, einen derart hohen Sattel findet man heutzutage – egal in welcher Preisklasse – nur noch selten.

Ich will das Ganze jetzt nicht höher hängen als notwendig, für jemanden mit Erfahrung und dem passenden Werkzeug dauert das Nachfeilen des Sattels auch in diesem Fall nicht länger als 10 Minuten, dennoch handelt sich der G&L Tribute JB-2 hier einen klaren Minuspunkt ein!

Da der Sattel auch sonst recht lieblos gemacht ist, also die Kanten nicht verrundet, nicht geschliffen und poliert, scheint es so, dass in der Produktion dieser Arbeitsschritt schlicht übersehen wurde. Insofern gehe ich von einem Einzelfall aus.

G&L Tribute JB-2

Schade: Die Sattelkerben des G&L Tribute JB-2 sind nicht tief genug

Abgesehen davon ist die Verarbeitung bis hierhin absolut makellos, besonders hervorzuheben ist die wirklich passgenaue Halstasche sowie die Ausführung der Bundierung.

G&L Tribute JB-2: Hardware und Pickups

Ganz klassisch ist das jahrzehntelang bewährte offene Design der verchromten Stimmmechaniken, die nach oben zeigend einreihig in die Kopfplatte montiert sind und dort so unauffällig wie präzise ihren Dienst verrichten. Bei der Brücke gibt es für G&L- Kenner ebenfalls nichts Ungewöhnliches zu berichten: Hier sorgt die extrem massige „Saddle Lock Bridge“, eine Erfindung von Leo Fender, für die optimale Übertragung der Saitenschwingung auf die Holzkonstruktion. Sind Intonation und Saitenlage optimal eingestellt, werden die Saitenreiter durch eine seitliche Inbus-Madenschraube bombenfest fixiert.

G&L Tribute JB-2

Die beiden verbauten „Alnico V Single Coils“-Tonabnehmer stammen bemerkenswerterweise laut Vertrieb direkt aus dem kalifornischen Stammwerk in Fullerton und sollen den begehrten Sound alter Vintage-Instrumente liefern. Typisch und klassisch ist die Ausstattung der passiven Elektronik mit je einem Lautstärkeregler pro Tonabnehmer und einer Tonblende für den Gesamtsound. Die verchromten Potiknöpfe aus Metall werden gesteckt und nicht verschraubt.

Der Blick ins Elektronikfach zeugt von Sorgfalt, hochwertigen Bauteilen und guter Verarbeitung. Als abschirmende Maßnahme gegen elektromagnetische Störungen ist der schwarze Elektronikfachdeckel aus Kunststoff von innen mit einer Metallfolie beklebt.

G&L Tribute JB-2: Sound & Praxis

Am Gurt umgehängt pendelt sich der Bass optimal mit leicht nach oben zeigender Kopfplatte in Spielposition ein. Positiv schlägt das recht moderate Gewicht zu Buche. Die Waage zeigt 4,2 kg an, was für ein Instrument mit Sumpfeschekorpus wirklich in Ordnung ist, ein Beleg für die sorgfältige Holzauswahl, die ja nach wie vor auch im Zeitalter modernster Fertigungstechniken und Entwicklungen wie virtuellen Gitarren oder Amps, der entscheidende Faktor ist, wenn es letztlich  um den Sound geht.

Der Hals mit seinem matten Finish und der bewährten Jazzbass-Form sorgt für ein sehr komfortables Handling. Wäre der Obersattel halbwegs vernünftig gefertigt, könnte man für die Bespielbarkeit locker die volle Punktzahl vergeben, die Bundierung ist wirklich für die Preisklasse als herausragend gut zu bezeichnen. Am Ende des Tages merkt man zwar schon, dass hier kein Gitarrenbaumeister in akribischer Handarbeit das letzte Quäntchen herausgeholt hat, auch die Schlusspolitur stellt nicht das Maximum des Machbaren dar, dennoch ist das wirklich sehr ordentlich gemacht!

Die Werkseinstellung war in Ordnung, lediglich die Halskrümmung bedurfte einer minimalen Korrektur, was mit dem mitgelieferten Werkzeug problemlos vonstatten ging.

Schwingungsfreudig und impulsiv präsentiert sich der Testkandidat unverstärkt, glänzt dabei mit lange ausklingendem Sustain und solidem Fundament. Prägend hierfür dürfte neben der traditionellen Schraubhalskonstruktion die ultramassige Brückenkonstruktion sein, die aufgrund ihrer optimalen Schwingungsübertragung für die lange Dauer und die reichhaltige Klangtextur des Sustains sorgt, ein typisches Merkmal der G&L Bässe, die ja das Spätwerk, sozusagen die „Spätlese“ des großartigen Leo Fender darstellen.

G&L Tribute JB-2

Auch verstärkt gefällt der G&L Tribute JB-2, die hochwertigen Tonabnehmer glänzen neben straffen Bässen und transparenten, fast schon „aktiv“ klingenden Höhen vor allem durch die detaillierte Wiedergabe des Mittenbereiches. Dieser knurrt und singt äußerst lebendig, sodass es eine wahre Freude ist!

Die folgenden Hörbeispiele demonstrieren das Klangverhalten im Fingerstyle, wobei die beiden Singlecoils einzeln und zusammen zu hören sind:

Letztlich sind das typische Jazzbass-Klänge, die aufgrund der Brücke klar Richtung „moderner Jazzbass“ tendieren. Das klangliche Fundament wirkt solider, der Sound wirkt beinahe schon etwas komprimiert. Dafür ist die Ansprache etwas weniger direkt und der Sound insgesamt ausgewogener als bei einem typischen Vintage-Instrument.

Die Höhenblende ist hier komplett zugedreht und nur der Steg-Pickup ist aktiviert:

Nicht umsonst sind Instrumente dieser Bauart in allen erdenklichen Stilistiken zu Hause, so auch in allem, was nach Plektrum-Sounds verlangt:

Ebenso von der sehr guten Wiedergabe der Höhen, die die „Alnico V Single Coils“ bereitstellen, profitieren Slapsounds, die hier in drei Varianten zu hören sind:

Auch wenn man die höheren Lagen malträtiert, kann sich der Testkandidat bestens behaupten. Im folgenden Hörbeispiel sind Stegtonabnehmer und Höhenblende voll aufgedreht und der Hals-Pickup zu etwa einem Drittel hinzugemischt:

Auch Freunde des Two-Hand-Tappings dürften ihren Spaß mit dem G&L Tribute JB-2 haben. Hier ist eine Variante zu hören, in der alle Regler voll aufgedreht sind:

G&L Tribute JB-2

Alles in allem überzeugen die Tonabnehmer neben ihrer Wiedergabe auf hohem Niveau auch durch die für Singlecoils recht geringen Nebengeräusche. Die Singlecoils, die sonst in meinen Bässen verbaut sind, sind da weitaus anfälliger als die im Testkandidaten verbauten hauseigenen „Alnico V Single Coils“. Im Gesamten kommt der Testkandidat sehr überzeugend als „Modern Jazzbass“-Variante daher und braucht sich dabei klanglich auch hinter weitaus teureren Instrumenten nicht zu verstecken.

Es zeigt sich wieder mal, dass sorgfältig ausgewählte Hölzer, hochwertige Hardware und Tonabnehmer gemeinsam mit einem stimmigen Konzept gegen Instrumente mit weitaus mehr Features wie aktiver Elektronik, mehrstreifigen Tropenholzhälsen etc. problemlos mithalten können.

Fazit

Mit dem G&L Tribute JB-2 betrat nun wahrlich nicht zum ersten Mal eine Variante des klassischen Jazzbasses den Markt. Durch den Formfaktor des Korpus (P-Bass), die Saddle-Lock Bridge und die Sechspunktbefestigung des Halses am Korpus bietet er einige eigenständige Merkmale und kann dabei klanglich vollauf überzeugen.

Die verbauten Klanghölzer im Zusammenspiel mit der massiven Brücke und den hochwertigen Tonabnehmern aus US-Fertigung sorgen für eine fulminante Klangausbeute mit straffem Fundament, lebendigem Mittenbereich und strahlenden Höhen. Es zeigt sich mal wieder, dass gelungene Holzkonstruktionen im Verbund mit Qualitäts-Hardware und -Pickups aufwendige Aktivelektroniken verzichtbar erscheinen lassen.

Einzig der lieblos gekerbte Sattel, ich vermute hier einen Einzelfall, verhindert den Sprung aufs „Best Buy“-Siegertreppchen. Antesten wird dringend empfohlen!

 

Plus

  • Verarbeitung (abgesehen vom Obersattel, siehe Text)
  • Holzauswahl
  • Hardware
  • Tonabnehmer
  • Sound

Minus

  • Obersattel ungenügend gekerbt

Preis

  • Ladenpreis: 449,- Euro
Klangbeispiele
Forum

Es sind momentan noch keine Kommentare für diesen Artikel vorhanden.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.