Limitiertes Modell der Godin Multiac Serie
Was ist es? Godin Multiac Nylon Oceanburst Ltd, limitierte Elektro-Nylongitarre mit erweitertem LR-Baggs-Tonabnehmersystem.
- Konzept: Slim-Body-Nylongitarre für Bühne und Studio mit sehr leisem Akustikanteil.
- Sound: Flexible Klanggestaltung durch Mischung aus Piezo und Mikrofon plus Bandsättigung.
- Spielgefühl: Sehr gute Bespielbarkeit und hervorragende Balance im Sitzen und Stehen.
- Feature: Modernes Richlite-Griffbrett ohne spürbare Nachteile im Spielgefühl.
- Fazit: Klanglich vielseitiges Profi-Tool mit kleiner Schwäche in der Qualitätskontrolle.
Inhaltsverzeichnis
Godin Multiac Nylon Oceanburst Ltd
Godin hat in Zusammenarbeit mit der Band „Opal Ocean ein limitiertes Sondermodell der etablierten Multiac-Serie herausgebracht. In diesem Testbericht schauen wir uns die Godin Multiac Nylon Oceanburst Ltd genauer an und klären, was sie besonders macht.
Bevor wir uns dem Test widmen, habe ich hier ein kleines Song-Schnipsel für euch produziert. Wenn euch das neugierig gemacht hat, bleibt auf jeden Fall bis zum Schluss dabei.
Unboxing und Verarbeitung
Die Godin Multiac Nylon Oceanburst Ltd ist gut verpackt in ihrem mitgelieferten Gigbag bei mir angekommen. Der Gigbag macht einen stabilen Eindruck und verfügt über ein großes sowie ein kleines Fach, um Zubehör zu verstauen. Werfen wir einen Blick hinein, finden wir auch das heutige Testobjekt, gut geschützt und fixiert.
Und wie die Gitarre so in meinem Studio steht, muss ich wirklich sagen: Wow. Das Oceanburst-Finish sieht absolut genial aus. Damit ist die Gitarre ein echter Hingucker.
Widmen wir uns der Verarbeitung. Wie bei einem Instrument dieser Preisklasse und insbesondere bei einem Sondermodell zu erwarten, ist alles sauber umgesetzt. Keine überstehenden Bünde, keine Lackfehler, keine Kratzer. Das passt.
Wenn da nicht ein Aber wäre: Beim ersten Einstecken ist mir ein schnarrendes Geräusch aufgefallen. Es hat etwas Zeit gekostet, die Ursache zu finden. Die Saitenlage ist hervorragend eingestellt, hier gab es also keine Probleme.
Nach kurzer Suche habe ich das Elektronikfach auf der Rückseite geöffnet und den Übeltäter schnell identifiziert: ein loses Kabelbündel, das die Piezo-Tonabnehmer mit der restlichen Elektronik verbindet. Dieses hätte mit einem Klebestreifen fixiert sein sollen. Der Streifen hatte sich jedoch gelöst oder war von Anfang an nicht korrekt befestigt.
Ich kann hier nur mutmaßen, muss aber anmerken, dass ich bei einem Instrument dieser Klasse eine strengere Qualitätskontrolle erwarte.
Nachdem das Kabel wieder fixiert war, verschwand das Geräusch vollständig. Danach war alles so, wie es sein soll.
Features
Der Korpus der Godin Multiac Nylon Oceanburst Ltd wird aus Silber-Ahorn gefertigt und von einer massiven Zederndecke mit einem Furnier aus gemasertem Ahorn ergänzt. Der Hals besteht ebenfalls aus Silber-Ahorn und ist mit dem Korpus verschraubt. Das Griffbrett weist 22 Bünde auf und ist aus Richlite gefertigt.
Richlite ist kein klassisches Griffbrettmaterial, es ist nicht einmal Holz. Es handelt sich um eine moderne Alternative zu traditionellen Griffbrett-Hölzern, häufig tropische Hölzer wie Ebenholz, und besteht im Kern aus mit Harz angereichertem Papier.
Hier möchte ich dem Praxischeck bereits eine Sache vorwegnehmen: Mir ist kein nennenswerter Unterschied im Vergleich zu einem klassischen Griffbrett aus Holz aufgefallen. Wenn ich nicht vorher in das Datenblatt geschaut hätte, wäre es mir vermutlich gar nicht aufgefallen. Bei genauer Betrachtung erkennt man jedoch, dass es sich nicht um Holz handelt, da die typische Maserung fehlt.
Godin verwendet Richlite auch bei einigen anderen Modellen als Griffbrettmaterial.
Wie man auf der Rückseite erkennen kann, ist die Godin Multiac Nylon Oceanburst Ltd mit einer kleinen Aussparung ausgestattet, die das Spielen im Sitzen ergonomischer gestaltet. Das hat sich im Test positiv bemerkbar gemacht.
Die Mensur beträgt 648 mm (25,5 Zoll), der Griffbrettradius liegt bei 406 mm (16 Zoll) und die Sattelbreite bei 48,3 mm (1,9 Zoll).
Der wesentliche Unterschied zur Serien-Multiac liegt neben der Wahl anderer Hölzer vor allem im Tonabnehmersystem und dessen Erweiterung.
Diese Sonderedition der Multiac ist mit einem „Custom Voiced LR Baggs“-Tonabnehmersystem ausgestattet. Dieses besteht aus sechs einzelnen Piezo-Tonabnehmern, also jeweils einem pro Saite, sowie einem Lyric-Mikrofon. Beide Signalquellen lassen sich stufenlos miteinander mischen.
Hinzu kommen eine einstellbare Bandsättigungs-Emulation, ein 3-Band-Equalizer, ein Phasenschalter und ein Lautstärkeregler. Das bietet viele Möglichkeiten zur Klangformung. Leider gab es zum Zeitpunkt meines Tests keine spezifische Bedienungsanleitung für dieses Modell. Ich musste daher zunächst ausprobieren und recherchieren, welcher Regler welche Funktion übernimmt.
Praxischeck
Kommen wir zum Praxischeck.
Zunächst das Wichtigste: Die Godin Multiac Nylon Oceanburst Ltd spielt sich wirklich gut. Die Saitenlage war ab Werk sehr gut eingestellt und Hals sowie Griffbrett sind auch für meine eher kurzen Finger nicht zu breit.
Zum unverstärkten Klang gibt es bei dieser Gitarre wenig zu sagen, da kein klassischer Resonanzkörper vorhanden ist, der den Ton akustisch verstärken würde. Das kann jedoch auch ein Vorteil sein. Wer spät abends üben möchte, kann das mit der Multiac tun, ohne die Nachbarn zu stören.
Vor dem Test des verstärkten Sounds habe ich noch überprüft, wie sich die Gitarre im Stehen mit Gurt verhält. Die Antwort ist eindeutig: sehr gut. Die Gitarre ist hervorragend ausbalanciert. Selbst wenn ich mich nach vorne beuge, bleibt sie stabil in Position. Durch das geringe Gewicht fällt sie kaum auf.
Nachdem ich die Gitarre angeschlossen habe, komme ich in den Genuss des eigentlichen Sounds. Mit allen Reglern in Mittelstellung wirkt dieser zunächst neutral und ausgewogen.
Hier zeigt sich die Stärke des Tonabnehmersystems. Bereits durch das Mischen von Piezo und Mikrofon ergibt sich eine große Bandbreite an Klangvariationen. In Kombination mit dem 3-Band-Equalizer und der regelbaren Bandsättigung erweitert sich das Spektrum deutlich.
Die stufenlos regelbare Sättigung kann den Klang hörbar verdichten und ihm zusätzlichen Charakter verleihen.
Zum Schluss habe ich einen Lautstärketest durchgeführt, um das Rückkopplungsverhalten zu prüfen. Meine Studio-Monitore erreichen zwar nicht die Lautstärke einer Live-Bühne, dennoch musste ich den Pegel deutlich erhöhen, bevor erste Rückkopplungen auftraten.
Längeren Recording- oder Songwriting-Sessions bei moderaten Lautstärken steht damit nichts im Weg.
Klangbeispiele
Ihr habt zu Beginn des Artikels bereits einen ersten Eindruck vom Klang der Godin Multiac Nylon Oceanburst Ltd bekommen. Hier folgen weitere Beispiele.
Ich habe mich vor allem auf die Unterschiede zwischen Piezo und Mikrofon sowie auf die Auswirkungen der Bandsättigung und des Phasenschalters konzentriert. Der Equalizer befindet sich in allen Beispielen in Mittelstellung.
Für alle Soundbeispiele kam dieselbe Signalkette zum Einsatz:
Gitarre → DI-Box → ART Preamp → Ferrofish Pulse AD Wandler → Motu 112D
Ihr hört unbearbeitete Aufnahmen. Der Equalizer und der Kompressor des ART-Channelstrips waren im Bypass.
Viel Spaß beim Hören.





























