Test: Golden Age Pre-73 DLX MKII, Pre-73 DLX Premier, Mikrofonvorverstärker

13. März 2020

(Sehr) Gutes muss nicht teuer sein

Golden Age Pre-73 DLX MKII DLX Premier Mikrofonvorverstaerker

Golden Age Pre-73 DLX MKII, Pre-73 DLX Premier, Mikrofonvorverstärker

Golden Age Pre-73 DLX MKII, Pre-73 DLX Premier, Mikrofonvorverstärker. Seit mehr als zehn Jahren bringen die emsigen Schweden von Golden Age kostengünstige Vintage-Studio-Klone auf den Markt. So zum Beispiel den „Golden Age Project Comp 3A“, eine Neuauflage des Teletronix LA-3A von 1970, den „Golden Age Project Comp-54 MKII“, eine unverhohlene Hommage an den Neve 2254, ebenfalls von 1970, das Großmembran-Röhrenmikrofon „Golden Age Premier GA-47“, das in die Fußstapfen des legendären Neumann U47 tritt, oder eben die „Golden Age Pre-73“-Serie, die Neves PreAmp 1073 im Visier hat. Die Pre-73-Reihe ist bereits seit 2009 am Start und wurde immer wieder durch neue Modelle verbessert. Nun sind mit dem „Golden Age Pre-73 DLX MKII“ und dem Golden Project Pre-73 DLX Premier“ zwei weitere Vertreter hinzugekommen. Was die von den Vorgängern bzw. anderen Modellen unterscheidet – das lesen Sie im nachfolgenden Bericht.

Golden Age Pre-73: Das „Modell-Chaos“

Auf den ersten Blick herrscht in der Pre-73-Serie ein ziemliches Durcheinander, das sich erst bei näherer Betrachtung einer recht logischen Ordnung unterwirft. Dröseln wir die Produktlinie also mal auf.

GAP Pre-73 DLX MKII und GAP Pre 73 DLX Premier

GAP Pre-73 DLX MKII und GAP Pre 73 DLX Premier

2009 erschien der Urvater der Reihe, der Golden Age Project Pre-73. Es folgte rund drei Jahre später mit dem Golden Age Project Pre-73 MKII eine verbesserte Version, 2015 dann mit dem Golden Age Project Pre-73 MKIII ein weiteres Update. So weit, so verständlich. Zusammen mit dem MKII erschien 2012 allerdings auch der Golden Age Project Pre-73 DLX – wobei das DLX für Deluxe steht. Dieser Version hatte GAP (= Golden Age Project) dann Tantal-Kondensatoren spendiert, ein Hochpassfilter und ein schaltbarer Insert waren hinzugekommen, dazu eine schaltbare Pegeldämpfung zudem wurden die Platinen etwas umgebaut; Deluxe eben. Ein Jahr später (2013) erschien noch eine Golden Age Project Pre-73 DLX Plus-Ausgabe mit zusätzlichen Goodies (z. B. Carnhill Mic Input Transformer). Ebenfalls 2015 erschien noch mit dem  Golden Age Project Pre-73 Jr, eine stark abgespeckte Variante, mit der sich eigene, mehrkanalige Versionen des Pre-73 bauen lassen. Ende letzten Jahres dann brachte man den Golden Age Project Pre-73 DLX MKII – eine (logisch) verbesserte Ausgabe des DLX von 2012. Habe ich Sie verwirrt? Kommt noch besser.

2018 nämlich startete GAP seine „Premier“-Line in der Pre-73-Reihe, die gegenüber der Standard-Project-Linie noch einmal gehobene Qualität verspricht. So verwendet  der Golden Age Premier Pre-73 im Gegensatz zum aktuellen Project-Modell, dem Golden Age Project Pre-73 MKIII, die Carnhill-Übertrager, die auch von AMS Neve genutzt werden. Und von dieser Edel-Edition ist nun auch die Deluxe-Ausgabe Golden Age Premier Pre-73 DLX erschienen.

Wenn Sie also mal Ihren Musiker-Stammtisch zum Kochen bringen wollen, werfen Sie einfach die Frage auf, ob der Golden Age Project Pre-73 DLX Plus besser klingt als der Golden Age Project Pre-73 DLX MKII – um dann ganz schnell den Raum zu verlassen.

Der AMS Neve 1073DPA

Der AMS Neve 1073DPA

Intermezzo: Der legendäre Neve 1073 PreAmp

Der 1073 PreAmp war von Rupert Neve erstmalig um 1970 als Kanalzug-Modul auf den Markt gekommen und wurde erstmals in der A88-Konsole (mit 28 Eingängen) für die Londoner Wessex Studios verbaut, eine Auftragsarbeit für das damals noch junge aufstrebende Neve-Unternehmen. Der Klang des Pults kam an und Rupert Neve war plötzlich ein gefragter Mann. Seine Pulte der 1970er Jahre – wie das 8048, 8058 oder das 8068, allesamt mit den 1073er PreAmps oder Varianten davon ausgestattet, wurden zu Legenden, der charakteristische dicke, seidig-cremige „Neve-Sound“ zum Qualitätssiegel und zum Inbegriff des Brit-Sounds der damaligen Zeit. Bands und Künstler wie David Bowie, Led Zeppelin, Iggy Pop oder Deep Purple nutzten beispielsweise das Neve 8048 – um nur einige zu nennen. Es gibt wohl keinen PreAmp, der in der Musikproduktion häufiger eingesetzt wurde als der Neve 1073. Der war lange Zeit offiziell gar nicht als Standalone-Version verfügbar, sondern nur als umgebastelter Kanalzug. Aber wo Bedarf besteht, gibt es irgendwann auch Lösungen. Die kamen zuerst von Drittanbietern, bevor dann Neve erst in Form von hauseigenen 500er-Modulen selber aktiv wurde, und inzwischen – nach dem kurzen Siemens-Intermezzo unter AMS Neve – die Legende in verschiedenen Modellvarianten (1073 DPX, 1073 DPA, 1073 DPD, 1073 LB, 1073 SPX, 1073 LBEQ) selber anbietet, sowohl im 19-Zoll- als auch im 500er-Format. Preislich liegen die zwischen 950 Euro (1073 LB und 2.800 Euro (1073 DPD). Einzelne Kanalzüge aus den Original Neve-8000-Pulten aus den 70er Jahren kosten heutzutage sogar gerne mal bis zu 6.000 Euro. Das nur, um mal das Feld abzustecken, auf dem wir uns hier bewegen. Zum Vergleich: Die Golden Age Project Pre-73 DLX MKII kostet dagegen preiswerte 389 Euro, die Golden Age Premier Pre-73 DLX gibt es für 599 Euro. Hört man das auch im Klang?

GAP Pre-73 DLX MKII und GAP Pre-73 DLX Premier

Stilecht: Die Vintage-Verpackungen

Ausgepackt und angeschaut: Der GAP Pre-73 DLX MKII

Der Lieferumfang des GAP Pre-73 DLX ist bescheiden: Gerät, 24V-Netzteil mit Klotz in der Mitte und ein beidseitig bedruckter Pappbogen im Vintage-Style aka „Manual“ – das war es auch schon. Gut, denke ich mir, dann lade ich mir das Handbuch halt von der Webseite herunter. Wo sich dann besagter bedruckter Pappbogen als PDF findet. Nun ja, muss reichen, aber eine detaillierte Erklärung der einzelnen Bedienelemente wäre schon hilfreich gewesen.

Gegenüber dem Vorgänger, dem GAP Pre-73 DLX, hat sich auf den ersten Blick immerhin optisch am massiven dunkelroten Metallgehäuse einiges getan – da ist man deutlich in Richtung des Pre-73 Premier gegangen. Die Bedienelemente auf der Frontplatte wurden komplett neu angeordnet und zum Teil auch neu designt bzw. an den Look der Premier-Reihe angeglichen. Die vormals kleinen runden schwarzen Druckschalter wurden – wie beim alten Premier – durch weiße eckige im Oldschool-Design aus Relais-Zeiten ersetzt (tatsächlich werden die internen Schaltungen auch über Relais gesteuert, um die Signalwege zu verkürzen) und neu als Quartett aus 48V, INS, DI und LOW-Z gruppiert; statt wie zuvor über die Frontplatte verteilt zu sein, finden die sich nun zusammen links in der Ecke. Nicht zufällig ähneln die nun ganz frappierend denen des Neve 1073-Vorbildes.

GAP Pre-73 DLX MKII und GAP Pre-73 DLX Premier

Schickes Vintage-Design

Die vier Drehregler für Line/Mic (mit einer zweiten Verstärkerstufe ab 50 dB Gain, die das Signal bis auf 80 dB befeuern kann), Highpass (50, 80, 160 und 300 Hz) Output und Pad (-7 dB bis -28 dB in 7er-Schritten) wurden ebenfalls übersichtlicher neu angelegt: Während der Mic/Line-Schalter sein altes Design behalten durfte, bekamen die übrigen drei ein einheitliches Outfit und wurden nebeneinander angeordnet – so hat man alles gleich im Blick. Der vormals schwarze Powerbutton wurde (wie beim Pre-73 Premier) durch einen klassischen Kippschalter ersetzt (der sich aber bei eingestecktem Kabel in die haarscharf daneben liegende DI-Buchse eher schlecht bedienen lässt), der dann auch bei der Phasenumkehr und beim neuen Air EQ (3dB / Off/ 6dB) zum Einsatz kommt. Dass die rote Power-LED nun – fernab vom Powerschalter – direkt neben der um eine LED verlängerten (nun vierstelligen) Pegelanzeige platziert wurde, ist etwas unglücklich, hat man dadurch nun permanent ein irritierendes Rotlicht im Pegel. Etwas unglücklich auch, dass mit der Version MKII die Beschriftung für die DI-Eingangsbuchse weggefallen ist; ein kleiner weißer Strich zum daneben liegenden DI-Taster würde da (wie beim Vorgänger) für Klarheit sorgen. Gestrichen wurden schließlich auch die zu den Schaltern gehörenden Signal-LEDs; lediglich die 48V hat ihre behalten.

GAP Pre-73 DLX MKII + GAP Pre-73 DLX Premier

Die Rückseiten der beiden Pre-73er sind identisch (Man beachte die Seriennummer des Premier!)

Auf der Rückseite dagegen ist alles beim Alten: Zwei Kombo-Buchsen für Line und Mic-IN, der Ausgang als Klinke und XLR, dazu ein Groundlift-Schalter, ein Schalter für die 600 Ohm-Terminierung des Ausgangs und eine Insert-Buchse (Klinke, unbalanced) zum Anschluss eines externen EQs oder anderer Effekte, die über den INS-Knopf auf dem Frontpanel scharf geschaltet wird.

Übrigens gibt es von GAP auch das passende Rackmount, mit dem ein bzw. zwei Pre-73s ins 19er-Rack montiert werden können. Kostenpunkt: 795 SEK (umgerechnet etwa 75 Euro).

GAP Pre-73 DLX MKII: Was ist neu?

„Es war schwierig, Wege zu finden, unseren klassischen Spitzenvorverstärker PRE-73 DLX, der seit 2011 unverändert geblieben ist, zu verbessern.“ – schreibt der Hersteller auf der Produktseite. Nun, offensichtlich sind ja schon mal die eben beschriebenen Schalter im klassischen Design. Auf technischer Seite wurde außerdem die Anzahl der internen Anschlüsse reduziert, das 48V-Phantomspannungsdesign überarbeitet, das Netzteil verstärkt und der bereits schon erwähnte AIR-EQ mit zwei Positionen hinzugefügt, den wir bereits schon aus dem GAP Premier Pre-73 von 2018 kennen.

GAP Pre-73 DLX MKII + GAP Pre-73 DLX Premier

Das Innenleben des DLX MKII – ohne Carnhill

Während man sich also sowohl optisch als auch beim AIR-EQ in Richtung Premier-Modell bewegte, muss man dessen edlen Carnhill-Übertrager bei Bedarf selber ergänzen; das Board des Pre-73 DLX MKII ist bereits für derartige Bastelarbeiten vorbereitet. Überhaupt gibt sich das neue Pre-73 recht offen für Änderungswünsche: Ob Änderungen  am Eingangs-Widerstand des DI-Eingangs oder Unterbrechung des Output-Signals zur Insert-Buchse, wenn Insert nicht aktiviert ist – geht alles. Wer da allerdings selber Hand anlegt und die Sache nicht einem der offiziellen Distributoren überlässt, verliert die Garantie auf seinen Pre-Amp.

Ausgepackt und angeschaut: Der GAP Pre-73 DLX Premier

Beim Lieferumfang gibt sich die Premier-Version des GAP Pre-73 DLX ebenfalls spartanisch. Dass dabei dann ebenfalls von einem „Carnhill Upgrade“ für den „Pre-73 DLX MKII“ die Rede ist, gehört wohl in die Abteilung „Copy/Paste-Nachlässigkeit“.

GAP Pre-73 DLX MKII + GAP Pre-73 DLX Premier

Der Premier im Neve Look

Optisch ist man dem Design des Vorgängers Pre-73 Premier treu geblieben (das man ja – wie eben gelesen – nun auch in der DLX MKII-Ausgabe übernommen hat), hat es aber dann ebenfalls wie beim DLX MKII erweitert und neu geordnet. So gleichen sich die beiden Geräte dann – abgesehen von den Farben – wie ein Ei dem anderen. Lediglich die vier Drehschalter/Potis sind jetzt nicht mehr einheitlich schwarz, sondern rot (Line/Mic) bzw. grau (HP, Output, Output Pad), genau wie am AMS Neve 1073 DPA. Auch die Rückseite des Gehäuses gibt sich deckungsgleich; die wesentlichen Unterschiede müssen also im Inneren zu finden sein.

Dass sowohl der DLX MKII als auch der DLX Premier – wie schon ihre Vorgänger – noch immer keine gummierten Füße bekommen haben, ist schon etwas ärgerlich; da hätte man mit kleinem Aufwand für mehr Standfestigkeit sorgen und eventuelle Kratzer vermeiden können. Aber so was gibt es ja auch zur Not für kleines Geld im Baumarkt.

GAP Pre-73 DLX MKII + GAP Pre-73 DLX Premier

Das Innenleben des DLX Premier – mit Carnhill

GAP Pre-73 DLX Premier: Was ist neu?

„I know it’s a bit hard to keep track of the differences between these products.” – schrieb mir Gap-Chef Bo Medin, als ich ihn bat, mir doch beim Ritt durch das Versionsdickicht behilflich zu sein. Aber versuchen wir es mal.

Der Highpass, der beim Vorgänger nur 80 und 200 Hz angeboten hatte, bringt jetzt – wie auch beim DLX MKII – noch zusätzlich die Einstellungen 50 und 300 Hz. Auch die Range der Output-Pad-Funktion wurde gegenüber der Erstausgabe des Premier erweitert: Statt nur 0 und 14 dB gibt es nun noch zusätzlich 7, 21 und 28 dB; auch das ist identisch mit dem DLX MKII.

Gegenüber den beiden vorangegangenen Premier-Geräten (Pre-73 Premier und PREQ-73 Premier) finden sich beim Pre-73 DLX Premier unter anderem noch folgende Verbesserungen: Umschaltbare Insert-Buchse, schaltbarer Ausgangswiderstand, 0,1% angepasste Phantom-Widerstände, aktiver DI-Eingang, überarbeitete Stromversorgung sowie zwei statt nur einen Neutrik XLR/TRS-Kombo-Eingänge – insgesamt also durchaus eine beachtliche Liste.

Geblieben sind dagegen (zum Glück) die Original Carnhill-Transformer am Mikro Eingang und am Line-Ausgang, was dann auch den Preisunterschied zur DLX MKII-Version erklärt. Der Line-Eingang dagegen ist auch weiterhin mit einem custom made Transformer bestückt, ist aber für den Austausch gegen ein Carnhill-Exemplar vorbereitet.

GAP Pre-73 DLX MKII + GAP Pre-73 DLX Premier

Ausschalten, wenn die Buchse bestückt ist: Dann wird es eng

GAP Pre-73 DLX MKII und GAP Pre-73 DLX Premier in der Praxis

Die Bedienung der Pre-73-Pre-Amps ist in den ersten Minuten etwas tricky, muss man sich – als Neve-Neuling – doch erst einmal an deren Gain-Struktur gewöhnen. Das beginnt am dreigeteilten Mic/Line-Input-Drehregler: Der erste Teil des Regelweges (-10 bis +20) gehört dem Line-Signal, daran anschließend dann der Regelweg für Mikro bzw. DI-Signal; erst von 20 bis 50, dann wird die zweite Gainstufe von 55 bis fette 80 dB gezündet. Da jeder der drei Regelwege jeweils durch eine Off-Position getrennt ist, muss man schon genau hinschauen. Da zudem auch nicht stufenlos, sondern in 5er-Schritten geregelt wird, ist das schon etwas gewöhnungsbedürftig. („Warum höre ich jetzt nichts? Ach so, ich hab die Off-Position hinter der 50 erwischt“).

Hinzu kommen weitere Möglichkeiten, das Signal abzuschwächen, anzudicken oder dem Sound einen etwas anderen Charakter zu geben. So lässt sich das Signal beispielsweise über den Output-Pad-Drehregler (hinter der Eingangsstufe) in 7er-Schritten bis -28 dB absenken; gibt man dann zwangsläufig gleichzeitig mehr Gummi am Mic/Line-Eingang, kann das – je nach Signalgeber (Mikro, Instrument) – für etwas mehr Sättigung führen. Da heißt es „einfach mal rumprobieren“. Mit dem Highpass-Filter lassen sich Bassanteile aus dem Signal ziehen, mit dem Air-EQ (eine Art Bell-Filter, der mit 3 bzw. 6 dB boostet) bekommen die Höhen mehr Druck. Dazu kommen dann noch ein Output-Regler, Phasendreher und ein LOW-Z-Schalter, der die Eingangsimpedanz von 1200 auf 300 Ohm absenkt, was sich ebenfalls auf Signallevel und Klang auswirkt – je nach Mikrofon/Instrument mal mehr, mal weniger. Und schließlich macht es auch einen Unterschied, ob ich meine Gitarre über den rückseitigen Instrumenteneingang anstöpsel oder dafür den DI-Eingang auf der Vorderseite nutze. Wie gesagt – da muss/darf man hemmungslos experimentieren und viel herumprobieren.

GAP Pre-73 DLX MKII + GAP Pre-73 DLX Premier

Die beiden 73er machen aus jedem Blickwinkel eine gute Figur

Wer seinen Sound „unverfälscht und neutral“ haben möchte, ist bei den Pre-73s an der falschen Adresse. Wie das Neve-Original auch klingen die beiden wärmer, voller, satter und etwas „cremiger“, ohne in den Höhen jetzt aber deshalb zu verwässern, im Gegenteil. Der Klangunterschied zwischen GAP Pre-73 DLX MKII und GAP Pre-73 DLX Premier ist dabei nicht dramatisch, aber doch hörbar; da machen sich die im Premier verbauten Carnhill-Transformer schon bemerkbar.

In meinen Soundbeispielen – bei denen ich drei Sätze aus unseren News eingesprochen habe – habe ich jeweils verschiedene Settings bezüglich Gain, Pad und Highpass ausprobiert und auch mal AIR-Q und LOW-Z zugeschaltet. Als Mikro kam dabei das Broadcaster von Rode zum Einsatz, zwischengeschaltet (zwischen PC und den Pre-73s) war noch ein Mackie 802-VLZ3 Mixer mit neutralen Einstellungen. Zum Vergleich habe ich auch noch eine Testaufnahme mit meinem üblichen ARD-Radio-Setting hinzugefügt, wo ich – wegen des neutralen Sounds – schon seit einer gefühlten Ewigkeit auf den einfachen, aber recht ordentlichen dbx286 setze – never change a winning team und so. Der Vollständigkeit halber habe ich auch noch einige Gitarrentakes mit den beiden Pre-73 in unterschiedlichen Einstellungen aufgenommen – für deren spielerisch schwache Qualität ich mich als gelernter Keyboarder und völlig ungeübter Gitarrist an dieser Stelle bei allen echten Gitarristen entschuldigen möchte.

Fazit

Die Ergebnisse haben mich auf jeden Fall auf ganzer Linie überzeugt. Vor allem der GAP Pre-73 DLX Premier ist – Carnhill sei Dank – doch recht nah am Neve-Vorbild, hat aber zudem auch noch einige erweiterte klangliche Möglichkeiten im Gepäck, die zum kreativen Ausprobieren animieren. Aber auch ohne Neve im Nacken sind die beiden neuen 73er einfach erstklassige PreAmps, mit feinster Technik, extrem solide gebaut und mit viel kreativem Spielraum. Ob nun die Besitzer der Vormodelle zwingend auf die aktuellen Versionen umsteigen müssen, lasse ich mal offen – das muss jeder selbst entscheiden. Beide Newcomer bieten aber schon einiges an Mehrwert – und das zu einem verdammt günstigen Preis. Vielleicht ist es ja nun für mich doch mal an der Zeit, die Klang-Neutralität aufzugeben; der GAP Pre-73 DLX MKII und GAP Pre-73 DLX Premier wären dann auf jeden Fall meine erste Wahl.

 

Plus

  • sehr guter Klang
  • Carnhill-Übertrager (Premier)
  • diskrete Schaltung
  • Air-EQ
  • mehrstufiger PreAmp mit 80 dB
  • Output-Pad für noch mehr Spielraum
  • Insertweg zum Einschleifen von externen Geräten
  • extrem solide Verarbeitung

Preis

  • GAP Pre-73 DLX MKII: 389,- Euro
  • GAP Pre-73 DLX Premier: 599,- Euro
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