Test: Gotharman Anamono Xmini, modularer Synthesizer

12. Februar 2020

Speicherbarer Modularsynthesizer im Taschenformat

Modularer Synthesizer to go

Ein speicherbarer Synthesizer mit modularer Struktur? Modular to go?- oh ja!

Es gibt Brot-und-Butter-Synthesizer, die sich klanglich an bestehende Konventionen halten und dann gibt es die Spezialisten. Zur letzteren Kategorie gehören die Geräte des dänischen 1-Mann-Unternehmens Gotharman.

Er ist Teil von Gotharmans Anamono Reihe und der kleine Bruder des inzwischen abgekündigten ebenfalls modular gehaltenen Anamono X. Er verspricht ein speicherbarer modularer Synthesizer zu sein und hält dieses Versprechen. Da wie bei einem „echten“ Modularsynthesizer sämtliche Verbindungen selbst hergestellt werden können und müssen, ist der Anamono Mini eher nichts für Einsteiger. Für den kreativen Synth-Nerd, der einen Oszillator gerne mal erst durch einen VCA, dann durch ein Delay und danach durch ein Filter jagen möchte, dafür umso mehr.

Überblick: Gotharman Anamono Xmini Synthesizer

Das Gerät ist angenehm handlich und versprüht ein wenig den Charme eines attraktiven Laborgerätes – ich mag es. Da der Anamono Xmini auch digitale Filter in den Effekt-Slots bereitstellt, bietet er im Grunde beinahe die Einzelteile von 4-einstimmigen 1-OSC-Synthesizern zur sehr freien Verknüpfung:

  • 4x Oszillatoren (auch als Sampler schaltbar)
  • 4x VCAs mit integrierten Hüllkurven
  • 4x freie Hüllkurven
  • 4x Effekt-Slots
  • 4x LFOs
  • 4x Ring-VCAs (als Ringmodulatoren oder einfache VCAs nutzbar)
  • 4x einfache Zufallsgeneratoren
  • 4x Note-Sequencer, die auch Gate-Signale senden
  • 8x Control-Sequencer mit Glide-Parameter
  • 1x Noise
  • 1x analoges Filter

Die VCAs und Effekt-Slots und das VCF verfügen jeweils über einen 4-Kanal-Audiomixer, so dass ein separates Mixermodul nicht benötigt wird. Alle Verschaltungen und Synthesizer- sowie Sequencer-Parameter lassen sich gemeinsam in üppigen 1024 Presets abspeichern. Die Anschlüsse sind (etwas ungewöhnlich) nicht hinten, sondern auf der linken und rechten Seite des Gerätes angeordnet:

  • Audioausgang – leider nur mono
  • Audioeingang – mono
  • DC-Netzteil-Buchse
  • USB-Anschluss, ausschließlich zur Übertragung von Presets, Samples und Firmware via USB-Stick
  • MIDI-Input
  • MIDI-Output

Optional kann ein CV-Interface installiert werden: Mit diesem stehen 4x CV-Eingänge und 4x CV-Ausgänge zur Verfügung. Bei der Flut an Klangschöpfungs- und Formungsmöglichkeiten ist der einzelne Audioausgang für mich etwas mager. Das CV-Interface lässt sich jedoch bedingt auch als Audiointerface nutzen! Die Auflösung beträgt hier 10 Bit, 22 kHz. Für dreckige Drumsamples und Bässe oder Downgrade-Sampling à la SP1200 wunderbar nutzbar.

Bedienung/Interface

Für klangliche Manipulationen relevant sind der PRESET-Modus, in dem zwischen den fertigen Patches umgeschaltet werden kann und der EDIT-Modus, in dem das Erstellen und Editieren der Patches erfolgt. Zur Bedienung stehen 8 Drehregler, 6 Tasten und ein Touchdisplay zur Verfügung. Mehr hätte auf dem kleinen Gerät auch kaum Platz gefunden. Die Bedienung erfolgt hauptsächlich über das Touchdisplay und die vier darunter angeordneten EDIT-Drehregler.

Auf den meisten Display-Seiten gibt es acht Parameter, die in zwei Reihen angeordnet sind. Kurzes Tippen auf eine Reihe im Display wählt diese aus. Die 4 in der ausgewählten Reihe angezeigten Parameter werden dann mit den sich darunter befindlichen Reglern verändert. Die Drehregler fühlen sich fest und wertig an und sind mit dem Gehäuse verschraubt. Der Abstand hätte nicht enger sein sollen, aber auch mit wurstigen Fingern kommt man damit noch gut klar. Es handelt sich bei den Drehreglern um „echte“ Potis mit Anfangs- und Endwert, nicht um Endlosdrehregler oder Encoder. Das führt beim Seitenwechsel natürlich zu einer Nicht-Übereinstimmung von Parameter- und Potiposition und es kommt zu ungewollten Parametersprüngen. Hier wäre ein optionaler Abholmodus wünschenswert gewesen.

Die vier EDIT-Regler lassen sich für den Preset-Betrieb auch bestimmten Parametern zuweisen. So kann ein Preset live später schnell in bestimmten Parametern manipuliert werden – sehr schön. Trifft man keine eigene Zuordnung, sind sie automatisch vorgegeben Parametern zugeordnet. Voreingestellt lassen so drei zusätzliche Filter-Parameter und ein globales Release verändern. Dem analogen Filter mit Cutoff und Resonance immer fest zugeordnet sind zwei weitere Regler.

Erwähnenswert sind noch 4 Trigger-Buttons. Die Trigger-Buttons können auch als Mute-Taster fungieren, wenn gleichzeitig die Morph-Taste gedrückt wird. Die Mute-Funktion ist sehr hilfreich und macht auch Spaß beim Jammen. Ich hätte sie aber lieber im direkten Zugriff gehabt und dafür die Trigger-Funktion der Buttons auf die „Shift-Ebene“ verbannt.

Zum tonalen Spielen und Ausprobieren zeigt das Display auf der Preset-Ebene und den meisten EDIT-Seiten ein Keyboard an, mit dem sich die Klänge direkt spielen lassen. Dieses lässt sich in Tonumfang und Oktavlage einstellen. Das ist sehr praktisch beim Erstellen von Klängen – ich mag es, wenn ich beim schnellen Rumprobieren nicht immer den ganzen Gerätepark verkabeln muss. Zum Einspielen von Sequenzen ist das Touchkeyboard aber nur bedingt virtuos nutzbar. Hier empfiehlt sich ein externes MIDI-Keyboard.

Insgesamt ist die Bedienung gut gelöst, ich würde mir zuweilen aber eine etwas konsequentere Implementierung des Touch-Displays wünschen (z. B. Doppeltippen zur Feinparameter-Eingabe). Vor allem das Preset-Benennungssystem ist eine ziemliche Qual. Es erfolgt über die Drehregler, die dann alle Buchstaben, Zahlen usw. auswählen. Hier wäre der Einsatz des Touchdisplays  eigentlich Pflicht. Bei der Namensvergabe im Little Deformer 3 ist das besser gelöst, womöglich lässt sich das auf den Anamono Mini übertragen.

Verschaltung der Synthesizer-Module

Die EDIT Page – von hier geht’s zu den Modulen

Die variable Verschaltung ist bei einem modularen Synthesizer natürlich essentiell. Umso spannender und wichtiger die Frage, wie das bei einem Synthesizer ohne das Ziehen echter Strippen gelöst ist. Im Anamono Xmini wird die Verbindung unter den Modulen grundsätzlich eingangsseitig gelöst: Die Module haben jeweils festgelegte modulierbare Parameter und Zugriff auf eine Liste von Modulationsquellen. Außerdem gibt es einen Pegel-Parameter, über den die Stärke der Modulation eingestellt werden kann.

Hier ein Beispiel:

  • Bei den Oszillatoren kann Pitch, Wave, PW und Suboszillator-Pegel moduliert werden.
  • Für jeden der 4 Parameter kann die Modulationsquelle ausgewählt werden.
  • Für jeden der 4 Parameter kann die Intensität der Modulation eingestellt werden.

Dieses System ist flexibel, manchmal würde ich aber auch gerne zwei Modulatoren gleichzeitig auf einen Parameter loslassen und das geht dann nicht ohne Weiteres, was ich ein wenig schade finde. Mit Hilfe der Ring-VCAs und etwas Getrickse lassen sich die Modulationsquellen bedingt miteinander verschmelzen. Ein separater Mixer für Kontrollsignale obendrein wäre aber gut gewesen. So ziemlich jede Modulationsquelle gibt es auch noch invertiert. Einige, z. B. die Oszillatoren, geben auch noch eine langsamere (also LFO) Variante von sich raus. Eine Liste der verfügbaren Modulationsquellen findet sich im sehr umfangreichen und verständlich geschriebenen englischsprachigen Benutzerhandbuch.

Grundsätzlich finde ich das System des AnamonoXmini sehr praktikabel und ihn gut bedienbar. Die Menge der Modulationsquellen macht die Auswahl über die Potis aber etwas fummelig; es sind viele Quellen auf wenig Poti-Weg. Es wäre schön, wenn es einfach einen INV-Schalter gäbe (wie beim Gotharman PolySpace oder Little Deformer 3). Dann würden nur noch die positiven Modulationsquellen beim Drehen auftauchen. Natürlich fehlt dem Anamono Xmini im direkten Vergleich zuweilen die direkt ersichtliche Verbindung zwischen den Modulen, die ein kabelbasiertes System ermöglicht (wobei auch dort die Übersichtlichkeit bei großen Patches schnell flöten geht). Der AnamonoXmini zeigt aber glücklicherweise eingehende Modulationssignale als kleine Balken neben den Modulationseingängen an, was sehr hilfreich ist um z. B. zu schauen, ob der zugewiesene LFO langsam oder schnell schwingt.

Gespeichert wird beim Xmini in Presets. Ein Preset besteht immer aus allen Synthesizer- und Sequencer-Verknüpfungen und Einstellungen – also allem, was man gerade hört. Das Umschalten der Presets erfolgt zum Preset-Ende, temposynchron und im Allgemeinen auch ohne Nebengeräusche. Es sei denn, es liegen den Presets extrem unterschiedliche Einstellungen zugrunde. Wenn man also von einem Preset mit Reverb in eines schaltet, in dem auf demselben FX-Slot ein Bitcrusher liegt, reißt die Hallfahne natürlich ab. Abgesehen davon lässt sich problemlos zwischen den Presets schalten, wie man es bei einer Groovebox mit Patterns machen würde, so dass man auf diese Weise auch gut Pattern-basierte Musik machen kann, wenn man mag.

Die MORPH-Funktion

Die MORPH-Funktion ist ein mächtiges Werkzeug und macht Spaß.

Es kann zwischen zwei Sounds, zwei Sequenzen oder aber zwischen Sound UND Sequenzen gleichzeitig gemorpht, also überblendet werden. Ganz links ist Morph-Layer A zu hören, ganz rechts Morph-Layer B. Hat ein Parameter am Xmini ohnehin nur zwei mögliche Werte, gleicht der Morph einem Umschalten. Es können nur Parameter gemorpht werden – es kann aber nicht die Verschaltung der Module gemorpht werden. Es wird also zwischen den Einstellungen einer bestimmten Synthie-Konfiguration überblendet und nicht zwischen zwei Konfigurationen.

Was geht, wäre also z. B. :

  • „Standardanalogsynth-sound“ morpht zu anderem „Standardanalogsynth-sound“
  • oder „WavetableFXdistortionsynth-sound“ morpht zu anderem „WavetableFXdistortionsynth-sound“.
  • Was nicht geht, wäre „Standardanalogsynth-sound“ morpht zu „WavetableFXdistortionsynth-sound“.

Der Xmini speichert auch die letzte Mute-Postion der Trigger mit dem Preset. Mutes können für die Layer unterschiedlich sein, was es ermöglicht, sich in den Presets eine gute Ausgangsbasis zum Jammen speichern. Die Möglichkeit des Überblendens zwischen Klängen oder Sequenzen bzw. beidem gleichzeitig eröffnet tolle Möglichkeiten beim Live-Spiel. Und das Morphen lässt sich über einen eigenen LFO sogar automatisieren.

Manchmal kann zu Verwirrungen kommen, wenn der momentan editierte Part nicht dem entspricht, was man gerade hört (Morph-Edit-Taste aktiviert (MORPH LED leuchtet), aber Morph-Regler auf Layer 1); Augen auf beim Programmieren, dann geht’s …

Oszillatoren, Sampler + Noise

Die Oszillator-Seite

Die vier Oszillatoren können jeweils entweder als Klanggeneratoren oder als Sampler geschaltet werden. So lässt sich im modularen Verbund sehr viel Klangvielfalt produzieren. Im Oszillatorbetrieb können Tonhöhe, Klangfarbe (Wave), und PWM (unabhängig von Klangfarbe) eingestellt und moduliert werden. Wave überblendet stufenlos zwischen: Sine-, Triangle-, Saw-, Pulse- und Feedback-Schwingungsformen.

Die Tonhöhenmodulation ist leider nur exponentiell, lineares FM hätte ich noch gerne gesehen. Über den Suboszillator-Parameter lässt sich stufenlos ein Rechtecksignal zumischen, das eine Oktave unter dem Oszillator schwingt. Auch dieser Parameter ist modulierbar. Außerdem kann Sync fest aktiviert werden. Hierbei lässt sich frei festlegen, zu welchem anderen Oszillator (oder zu sich selbst) die Synchronisation erfolgt – sehr schön.

Zu guter Letzt gibt es noch Portamento.

Seit Kurzem (Dez 2019) gibt es auch zwei verschiedene Oszillatormodi: OSC Mode 2 hat einen erweiterten Pitch-Modulationsbereich, OSC Mode 1 lässt sich nur in einem Umfang von +/-1 Oktave modulieren. Die Oszillatoren unterscheiden sich ansonsten in den Feedback-Schwingungsformen. Und der zweite Oszillator klingt gegenüber dem ersten etwas weicher.

Die Oszillatoren haben einen eigenständigen Grundklang. Durch die einfache Modulation der Schwingungsform und der Möglichkeit von Pulsbreitenmodulation bei jeder Schwingungsform und aller Zwischenschritte kommt man hier bereits auf der Oszillatorebene schnell zu interessanten, lebendigen Klängen. Ich freue mich immer, wenn vor und außerhalb der Filtersektion Klangsynthese möglich ist und komme hier voll auf meine Kosten.

Das langsame Signal, das jeder der Oszillatoren von sich selbst an den Modulations-Bus ausgibt, ermöglicht interessante Möglichkeiten zur Modulation. Wenn ein Oscillator zum Beispiel sich selbst mit seiner eigenen LFO Variante in der Schwingungsform oder Pulsbreite moduliert, erzielt man schnell leicht chaotische, spannende Ergebnisse. Die “LFO“-Geschwindigkeit ist dann an die Tonhöhe des Oszillators gekoppelt. Da auch gesampelte Klänge eine LFO-Version von sich ausgeben, stehen hier schon durch die vier OSCs praktisch alle Möglichkeiten abgefahrener LFOs zur Verfügung. Und das ohne einer der 4 LFOs zu verwenden!

Hier zwei Klangbeispiele, bei denen nur ein einzelner Oszillator als Klangerzeuger zum Einsatz kommt. Dieser wird mit sich selbst, einem einzigen LFO, einem Randomgenerator und 2 Modulations-Sequencern moduliert – im Grunde also mit einem Viertel der im Anamono X verfügbaren Module. Das Krisseln im ersten Beispiel kommt von einem FM-Effekt aus der Effekt-Sektion. Es ist kein Filter involviert.

Im Sample-Betrieb können 4 Samples pro OSC ausgewählt werden, zwischen denen dann entweder händisch oder via Modulation umgeschaltet werden kann.

Also z. B.: Streicherklang im Normal-Layer, verzerrte Gitarre im Morph-Layer.

Jedes der 4 Samples hat dann einen eigenen Parametersatz für Chop und Tune. Der Chop-Parameter erlaubt das Springen zwischen bestimmten Positionen im Sample. Klassische Anwendung wäre zum Beispiel das Anfahren verschiedener Schläge innerhalb eines Breakbeats. Man kann sich aber auch ein langes Sample aus vielen einzelnen Samples bauen und diese anfahren.

Es können ganze Ordner mit WAVs auf einmal importiert werden. Der Xmini legt sie dann als ein Sample mit mehreren Chops an. Sehr praktisch – ich habe mir so mehrere Bassdrums, Snaredrums und HiHats in jeweils einen Sample-Speicher gelegt. Wenn der Beat programmiert ist, kann man schnell durch die Chops gehen und so fix einen anderen Drumsound ausprobieren. Oder die Chop-Position mit einem Sequencer steuern und auf jedem zweiten Schlag eine andere Snare erklingen lassen.

Eine andere tolle Anwendungsmöglichkeit ist das Erstellen von Wavetables. Und dann das Durchfahren der Chops mit einem LFO. Zwischen den Waves kann dann zwar nicht überblendet werden, aber das Ergebnis klingt trotzdem gut.

Auch im Sample-Betrieb bilde ich mir zumindest ein, einen speziellen Klangcharakter rauszuhören. Wie sag ich’s: eher leicht bedeckt als brillant, aber trotzdem nicht muffig. Nun gut – über Klang reden ist so eine Sache.

Der Noise-Generator kann Rauschen erzeugen und lässt sich klanglich variieren, aber in vielen Einstellungen klingt es, als würden Signale von einer Datenleitung ins Audiosignal einstreuen (ein fieses Fiepen). Ich habe hierfür noch keine Anwendung finden können, aber die Noise-Szene, wer weiß …

VCAs – Audio mischen, verstärken und formen

Die 4 VCAs sind gewissermaßen das Tor zur akustischen Außenwelt: Was auf den Audioausgang soll, muss in einen der VCAs geschickt werden. Jeder VCA beherbergt eingangsseitig einen 4-Kanal-Mischer. Hier können die Ausgangssignale der Oszillatoren, des Noise-Generators, des analogen Filters (VCF), der Ring-VCAs und der 4 Effekte angelegt werden. Man muss die VCAs einzeln auf den Audioausgang schalten, um sie hören zu können. Tut man das nicht, können die VCAs auch als Submischer fungieren.

Pro VCA gibt es eine ADSR-Hüllkurve, deren Verhalten zwischen linearem, logarithmischem und zwei Zwischenformen umgeschaltet werden können. Attack, Decay, Release und der Ausgangspegel des gesamten VCAs sind modulierbar. Hier zwei Beispiel mit unterschiedlichen Log-Einstellungen und leichter Modulation der Hüllkurvenzeiten:

Für Dronesounds gibt es einen Lautstärkeregler, der er es ermöglicht, den VCA dauerhaft zu öffnen, ohne ihn antriggern zu müssen. Die VCA-Hüllkurven tauchen auch in der Liste der Modulationsquellen auf. Wenn der VCA im Drone-Betrieb läuft, lässt sich die dann nicht für den VCA benötigte Hüllkurve trotzdem für andere Signale nutzen – super!

Das analoge Filter und der Audioeingang

Hier befinden sich auf der Gotharmans Seite diverse vielversprechende Typen. Bei der Bestellung des Anamono Xmini kann man aus diesen analogen Filtern eines auswählen. In meinem Gerät ist das DUAL Analog Filter verbaut.

Bei diesem handelt es sich um ein stets aktives Bandpassfilter, dem ein zweites Filter mit LP/BP/HP jeweils separat zuschaltbar ist. Außerdem stehen diverse Distortion- und Feedback-Möglichkeiten bereit. Es hat einen sehr eigenen, guten Klang. Kreischende Filterfahrten gelingen sehr leicht. Hier ein Beispiel einer Filterfahrt innerhalb eines komplexeren Patches mit einem Stretcher-Effekt und Hall:

Und ein etwas deftigeres Beispiel, bei dem die Möglichkeiten zur Verzerrung, die das Filter bietet, zur Geltung kommen. Die „stehenden“ Töne im Ausklang werden durch den vor das VCF geschalteten Stretcher-Effekt verursacht:

Der mit eingebautem Filter-Board zur Verfügung stehende Audioeingang erlaubt das Einspeisen externer Signale in Filter und FX. Außerdem kann über den Audioeingang eine externe Quelle gesampelt werden

Durch den Eingang können aber auch externe Signale direkt in das analoge Filter geschickt werden. Möglichkeiten, Kontrollsignale aus dem Eingangssignal zu generieren, wie z.B. Envelope-Follower, gibt es leider nicht. Aber mit Hilfe der internen Modulatoren oder auch als statisches Filter macht das Dual-Analog-Filter eine sehr gute Figur zur Bearbeitung externer Signale.

EFX – die Effekte

Es stehen diverse Filter, Zeitverzögerungs- und granulare Zerstörungseffekte zur Auswahl. Die digitalen Filter klingen wirklich gut und eigenständig. Hier exemplarisch ein Lowpass-Filter und ein Bandpass-Filter:

Die Filter lassen sich, außer in Cutoff und Resonance, noch in jeweils drei anderen Werten verbiegen (adj.-Parameter). Was da passiert, wird nicht genau erklärt, aber die Filter lassen sich so zu teilweise sehr brachialen Ergebnissen treiben:

Generell haben viele der Effekte einen eher harschen, retrodigitalen Charakter – will meinen, es klingt tendenziell mehr nach zerbröselnden Bits als nach CD. Einen Eventide Studiohall sucht man hier vergeblich.

Einige der Effekte verfügen über einen Granular-Parameter. Es sind aber eher die gröberen Grains, die den Gotharman-Effekten innewohnen. Glattgeschmirgelte Ambientdrones à la Clouds sind nicht die Domäne von Gotharmans Granular-Effekten.

Es stehen insgesamt 4 Effekte gleichzeitig zur Verfügung, wobei nicht jeder Effekt in allen 4 Slots verfügbar ist. Jeder der 4 Effekt-Slots hat einen 4-Kanal-Eingangsmischer. Hier können auch die anderen Effekte anliegen, so dass sich auch Ketten und Feedback realisieren lassen. Bei Verwendung des Reverbs stehen nur noch 3 statt 4 Effekt-Slots zur Verfügung.

Jeweils drei festgelegte Parameter pro Effekt lassen sich modulieren. Die Parameterbereiche erlauben oft auch extreme Einstellungen, einfach drauflosgeschraubt klingt z. B. das Reverb sehr schnell kaputt. Mit etwas Geduld und Erfahrung kann es dann aber auch nach einem schönen Hall klingen.

Ich mag die Herangehensweise von Gotharman – der Benutzer wird nicht entmündigt. Man muss sich etwas mehr einarbeiten und wird dafür aber auch mit ungewöhnlichen Ergebnissen belohnt. Das passt zur modularen Herangehensweise.

Und über den Eingang können externe Signale auch in den Genuss kommen, durch die Gotharman Effekte gejagt werden – eine Freude. Im Folgenden ein paar der Effekte. Im dritten Beispiel ist das Patch erst ohne Effekt zu hören, dann wird der Effekt hinzugemischt.

Das Trigger-System des Anamono Xmini

DIe Trigger-LEDs zeigen an, welcher der 4 Trigger gerade aktiv ist

Über das Trigger-System legt man fest, welcher von 4 möglichen Triggern die Oszillatoren, VCAs und Hüllkurven ansteuert. So können z. B. alle Oszillatoren/Sampler vom selben Trigger (z. B. Trigger 1) angesteuert werden, die VCA-Hüllkurven aber separat von vier verschiedenen Triggern. Die 4-Noten-Sequencer dienen immer fest als Auslöser für die Trigger 1-4. Die LFOs, CV-Eingänge und Keyboard-Signale können ebenfalls als Trigger-Auslöser dienen.

Was ich hier vermisse, ist die Möglichkeit, die einzelnen Sequencer frei zu triggern. So wäre es z. B. möglich, dass ein Sequencer mit vom Keyboard jeder gespielten Note einen Schritt weiterschaltet.  Und gelegentlich wünsche ich mir etwas mehr als die 4 Trigger, da diese in komplexen Patches schnell alle in Benutzung sind. Abgesehen davon ist das System flexibel.

Zur Überprüfung, welche Elemente auf welchen Trigger hören, dienen die Trigger-Buttons: Bei Druck einen der Buttons erklingt alles, was auf den zugehörigen Trigger hört, immer auf einer für diesen Button einstellbaren Tonhöhe – wirklich brauchen tue ich persönlich das nicht oft. Vor allem, da es am Gerät nicht so viele „echte“ (physikalische) Bedienelemente gibt, wäre mir hier eine Möglichkeit zur freien Zuweisung, z. B. um schnell auf Lieblingsseiten zu gelangen (wie z. B. beim EMU-E4 oder Digitech TSR-24), lieber gewesen.

Die LFOs

Lassen sich zwischen vielen Schwingungsformen überblenden und sowohl LFO-Geschwindigkeit als auch Schwingungsform sind modulierbar. So kann ein LFO, die Geschwindigkeit des anderen modulieren, während der die Schwingungsform des ersten moduliert. Die LFOs können auch das Trigger-System ansteuern bzw. als Taktgeber für die Zufallsgeneratoren herhalten. Vermisst habe ich nur einen Reset, um die LFO-Schwingungsform neu zu starten.

Im folgenden Klangbeispiel wird ein LFO im Audiobereich schwingend zur Frequenzmodulation des Haupt-Oszillators herangezogen.

Die Zufallsgeneratoren

Die Zufallsgeneratoren lassen sich triggern und geben einen Zufallswert aus, der dann in den Modulationsquellen auftaucht. Sie können entweder direkt von einem LFO oder von einem der 4 Trigger aus dem Trigger-System getriggert werden. Außerdem können sie auch Trigger in das Trigger-System einspeisen. Ich mag Zufallsgeneratoren besonders in einem modularen Umfeld – hier mal ein bisschen auf die Decay-Zeit, dort ein wenig auf die LFO-Geschwindigkeit, bringt Abwechslung.

Einen Slew-Parameter für weichere Modulation hätte ich aber noch gern gesehen.

Die Sequencer

Hier geht einiges:

Alle Sequencer können jeweils ihre eigene Länge mit bis zu 64 Schritten haben. Sie folgen alle dem Haupttempo, können aber unabhängig in 32tel Auflösung, 16tel-Auflösung usw. laufen. Heißt z. B.: Während Sequencer 1 seine 16 Schritte schon zweimal durchlaufen hat, ist Sequencer 3 eben erst durch und Sequencer 2 gerade einmal bei der Hälfte. Möglich ist hier alles von einer Auflösung von 1/2 Noten bis 32 Noten. Das macht Spaß und ist in einem Modularsystem auch gern gesehen.

Zur Bearbeitung der Sequenzen stehen rudimentäre Funktionen wie Copy und Clear zur Verfügung. Einen Teil der Sequenz kopieren, ist leider nicht drin. Die 4-Note-Sequencer haben außer dem Notenwert noch einen Gate-Parameter für die Notenlänge. Leider ist dieser etwas kurz bemessen, so dass für Samples nicht ohne Weiteres lange gehaltene Noten möglich sind (wenn man die internen Sequenzen nutzt). Ich hätte hier gerne eine längere Gate-Zeit gesehen, die mindestens 4 Takte ermöglicht oder eine andere Möglichkeit, Noten zu verlängern.

Außerdem gibt’s noch ein Delay pro Step, hiermit lassen sich durch die Verzögerung der Steps, Patterns mit Shuffle erstellen. Note, Gate, Delay und ein globaler Swing-Parameter lassen sich modulieren. Und einen Wahrscheinlichkeitswert gibt es auch noch: Auf höchstem Wert spielt die Sequenz genau, wie sie programmiert wurde, auf niedrigen Werten werden kaum Noten der Sequenz gespielt und in der Mitte eben mal so, mal so – schön für weniger starre Strukturen!

Halten von Morph + Drücken von Start/Stop schaltet die Aufnahme im momentan ausgewählten Sequencer ein bzw. wieder aus. Die aktivierte Aufnahme wird dann durch ein Blinken der Start/Stop-LED angezeigt. So wird einem angenehmerweise der Umweg erspart, über das Touch-Display auf der entsprechende Sequencer-Seite die Aufnahme zu aktivieren.

Das Verfahren, um vom internen Touch-Keyboard oder einem externen MIDI-Keyboard in die Sequencer 1-4 hinein aufzunehmen, hingegen ist leider eher umständlich: Hier muss in der Zone Page die jeweilige Zone entsprechend vergrößert werden. Will ich in Seq 2 einspielen, muss ich Zone 2 über den vollen Oktavumfang einstellen. Sobald es in den Sequencer aufgenommen ist und ich dann z. B. in Seq4 4 aufnehmen will, muss ich Zone 2 wieder minimieren und Zone 4 entsprechend ändern. So umständlich das klingt, ist es leider auch. Ich würde mir einfach einen separaten MIDI-Kanal pro Sequencer wünschen.

Die 8 Control-Sequencer dienen der Erzeugung von Modulationen und können Gate-Signale an die CV-Ausgänge weitergeben. So kann man sich schnell eine eigene Clock zimmern, ohne einen Noten-Sequencer zu opfern. Leider können sie keine Gates an das Trigger-System abgeben – schade.

Um Parametersprünge zu vermeiden, können die Steps mit einem Slide-Parameter von einem Wert auf den anderen gleiten – sehr gut. Zur Verwendung mit CV-empfangenden VCOs kann auch ein quantisiertes Signal ausgegeben werden. Dann gibt’s aber auch keinen Glide mehr. Es gibt 1 V/Oct oder 1,2 V/Oct für Buchla.

Die Control-Sequencer machen sich besonders durch die Möglichkeit, auch krumme Längen zu haben, sehr gut. So kann ein sich ständig zum starren 16-Schritt-Noten-Sequencer verschiebendes 23-Schritt-Controlpattern, das die Klangfarbe moduliert, für ständige Abwechslung sorgen.

CV-In/Out-Option

Die CV-Ausgänge erlauben auch LoFi-Audioausgabe

Die CV-Buchsen dienen natürlich primär zum Kontakt mit analogem Equipment. Wie eingangs erwähnt, lassen sie sich aber auch als LoFi-Audioausgänge nutzen. Da sich für die CV-Ausgänge ein Offset einstellen lässt, lässt sich hier die Bit-Tiefe auch noch stärker reduzieren. Im Folgenden hört man einmal ein Breakbeat-Sample über den normalen Ausgang. Im zweiten Beispiel über einen CV-Ausgang, wobei später der CV-Offset verschoben wird. Im dritten Beispiel hört man ein komplexes Patch mit Oszillatoren, einem Stretcher-Effekt, dem VCF und Hall über einen der CV-Ausgänge.

Ansonsten können die CV-Ausgänge vieles ausgeben, was des Modularisten Herz begehrt:

  • Gates
  • kontinuierliche Werte
  • 1 V/Oct oder 1,2 V/Oct, um Buchla-Synthesizer neuerer Bauart anzusteuern

Ich hatte viel Spaß mit den CV-Ausgängen, z. B. als Trigger-Quelle für analoge Drumodule. Oder als Clock-Ausgang, um einen PO-35 Speak zu synchronisieren.

Auch das Steuern des Xmini über die CV-Eingänge von einem externen CV/Gate-Sequencer funktioniert prima. Die Eingänge können verwendet werden um:

  • die Sequencer (alle auf einmal) zu synchronisieren
  • die Sequencer (alle auf einmal) zu starten
  • einen  Reset Befehl an alle Sequencer auf einmal zu senden
  • Spannungen von externen Quellen in den Xmini einzuspeisen

Wenn man den Xmini mit sich selbst verkabelt, können über eine CV-Out auf CV-In Schleife (LFO Out auf Sequencer Clock In) so auch Sequenzen mit sich verändernder Clock erzeugt werden. Das geht direkt im Gerät leider nicht. Schade finde ich hierbei,  dass die Sequencer nicht separat, sondern immer nur alle auf einmal synchronisiert werden können.

Die MIDI-Anbindung des Anamono Xmini

Ist vor allem eingangsseitig leider eher dünn implementiert. Die Presets lassen sich über Program-Change- und Bank-Change-Befehle umschalten.

Die Möglichkeit, die Parameter direkt über MIDI-CCs zu steuern, würde die Möglichkeiten beim Editieren oder auch im Live-Betrieb extrem erweitern. Von mir aus auch gerne fest adressiert – so könnte man sich ein Mapping für einen MIDI-Controller basteln, aber da geht leider nichts.

Die 4 EDIT-Regler senden im Preset-Mode festgelegte MIDI-Befehle und empfangen diese auch. Hier hätte ich die Möglichkeit schön gefunden, wenigstens diese selbst festzulegen. Ansonsten empfängt der Xmini auf einem MIDI-Kanal, um die Aufnahme in den Sequencer zu ermöglichen.

Die Control-Sequencer geben auf Wunsch CC-Daten über die MIDI-Kanäle 1-16 aus.

MIDI-Soft-Thru gibt es leider nicht, so dass die mangelnde MIDI-Thru-Buchse in kleineren Setups zuweilen unangenehm auffällt.

Samples verwalten, schneiden, importieren

Über USB lassen sich Samples und Presets im- und exportieren

Es gibt zwei Sample-Bänke. Bank1 fasst 10, Bank 2 fasst 12 Minuten Sample-Zeit. Die Samples befinden sich im internen Flash-Speicher und sind beim Anschalten sofort da. Es muss nichts geladen werden. Die Sample-Verwaltung ist etwas eigenwillig: Technisch bedingt (das verwendete Flash-RAM ist schuld) kann immer nur das letzte Sample gelöscht werden – oder alle. Das schmerzt, wenn ein vor einigen Wochen erstelltes Sample auf Platz 2 sich als unbrauchbar herausstellt, viel Platz wegnimmt, inzwischen aber bereits 15 weitere Samples dazugekommen sind.

Es gibt einen Workaround, bei dem man alle Samples auf einmal komplett exportiert. Anschließend löscht man ein ungewolltes Sample und importiert erneut. Der Xmini weist dann alles Samples (außer das gelöschte) den Presets, in denen sie Verwendung finden, automatisch richtig zu. Ausprobiert habe ich das noch nicht, aber der Hersteller beschrieb es mir so.

Neue Samples kommen über USB in den Anamono Xmini oder es kann über den Audioeingang gesampelt werden, aber auch hier: Achtung nur das zuletzt aufgenommene Sample kann einfach entfernt werden! Einfach drauflos Samples erstellen und später entscheiden, was weg kommt, ist nicht einfach so drin – hmm …

Presets lassen sich alle auf einmal oder einzeln auf ein USB-Laufwerk exportieren oder von dort importieren und somit einfach archivieren oder mit anderen Xmini Benutzern austauschen – sehr schön.

Globales und der Rest

Zusätzlich zu den VCA-ADSRs gibt es noch 4 frei zuweisbare ADSR-Hüllkurven. Attack, Decay und Release sind modulierbar und sie lassen sich zwischen logarithmischem und linearem Verhalten umschalten. Außerdem lässt sich einstellen, ob sie nur positive Werte ausgeben oder ob  sie bis in den negativen Bereich hinein arbeiten.

Die Ring-VCAs sind praktische Helfer und ermöglichen die Verknüpfung zweier Quellen:

  • 2 Audioquellen klingen dann wie miteinander amplitudenmoduliert
  • bei einem LFO und einem Oszillatorsignal würde am Ausgang der Oszillator in der Lautstärke dem LFO folgen
  • Hüllkurve und LFO würden in einem Ausgangssignal resultieren, bei welchem der LFOs in seinem Pegel der Hüllkurve folgt

Eine ausgefuchste Random-Funktion ermöglicht das zufällige Verändern von Patches in Prozent. Hierbei kann ziemlich genau ausgewählt werden, welcher Parameter verändert wird. Dauerhaft wirksam wird die Veränderung erst beim Verlassen der Random-Funktion. Wenn man das Ergebnis nicht mag, stellt man auf 0 Prozent und alles ist wieder wie vorher – sehr praktisch.

Die Random-Page

In einem SONG-Mode lässt sich eine Abfolge von Presets verketten und später abspielen. Das kann entweder Schritt für Schritt durch Eintrag in eine Liste erfolgen oder man drückt Record und nimmt die Preset-Abfolge beim Jammen auf.

Wie klingt der Gotharman Anamono Xmini Synthesizer?

Der Klang ist durchsetzungsfähig und markant. Grundsätzlich gelingen schnell lebendige, herbere, in Kombination mit den Effekten auch besonders glitchige, Sounds. Ein Sound im Minimoog-Stil ist nicht unbedingt die Paradedisziplin des Anamono Mini. Allerdings spielt hier natürlich auch das Filter eine große Rolle – womöglich „moogt“ ein anderes VCF als der im vorliegenden Gerät verbaute mehr. In meinem Xmini, benutze ich für klassische Lowpass-Filterung eher die digitalen Filter der EFX-Sektion. Das bei mir verbaute Analogfilter (BP+ LP/BP/HP) eignet sich sehr gut für das Verschmutzen von Drums, Anzerren von Leadsounds oder um Klängen einen eher vokalen Filtercharakter aufzuprägen.

Und das Wort Charakter kann beim Xmini wirklich groß geschrieben werden. Die Klänge klingen stets wunderbar eigenständig. Nein, er ist glücklicherweise keine virtuell analoge Minimoog Kopie. Der Xmini kann auch subtil und freundlich, aber die Oszillatoren mit ihrer Möglichkeit zur Waveform-Modulation und PWM sowie Sync und der weite Parameterbereich der Effekte verleiten einen schnell, in eine eher modulationsintensive Richtung zu gehen. Die Möglichkeit, in eine quasi-modulare Struktur auch Samples einzubinden, ist sehr bereichernd und macht den Anamono Xmini klanglich extrem flexibel.

Einschränkungen des Gotharman Anamono Xmini

Die Einschränkungen ergeben sich vor allem aus dem Anspruch, einen kompletten Modularsynth in einer Kiste zu haben. Hier hängt die Messlatte natürlich hoch. Als einschränkend (aus Modularsynth-Sicht) empfinde ich zweitweise das Trigger-System und die starre Kopplung der Sequencer an dieselbe Clock. Ich würde z. B. manchmal gerne eine der freien Hüllkurven direkt von einem der LFOs triggern. Oder nur einen der Sequencer von einem in Geschwindigkeit modulierten LFO als Clock ansteuern. Das geht beides leider nicht direkt, würde aber die Idee eines vollmodularen „in the box“ Synthesizers zu Ende bringen.

Umgehen lassen würde sich dieses Manko, wenn externes Sequencing ins Spiel kommt. Leider lassen sich die 4 Trigger nicht einfach auf 4 getrennten MIDI-Kanälen ansteuern. Hier muss mit Keyboardsplit auf einem MIDI-Kanal gearbeitet werden, wodurch der Tonumfang pro Part eingeschränkt wird. Will man wirklich mal 4 komplette Synthesizer aus dem Gerät holen, wird’s dann eng. Vollen Tonumfang auf allen Parts gibt’s mit den internen Sequencern, aber die laufen eben immer in einem starten rhythmischen Bezug zueinander.

So muss man den Weg über CV gehen – auf dem Weg lassen sich die Trigger und Oszillatoren auch von außen voll ansteuern. Abgesehen von diesen Kritikpunkten (die ja eher Wünsche repräsentieren) muss ich Gotharman abschließend für den extrem guten Support loben! Das Gerät macht alles, was es laut Hersteller und Bedienungsanleitung tun soll und wenn dem mal nicht so sein sollte, kommt hier sehr schnell eine Antwort. Teilweise kam schon einen Tag nach Bericht eines Bugs eine E-Mail mit der gefixten Firmware!

Fazit

Der Anamono Xmini fordert im direkten Vergleich zu einem kabelbasierten Modularsynthesizer vom Anwender etwas mehr Konzentration beim Erstellen der Patches, aber es lohnt sich.

Er ermöglicht einem, blitzschnell zwischen komplett unterschiedlichen Synth-Konfigurationen umzuschalten und einen modularen Synthesizer mit Sampler-Funktionalität in der Handtasche zu verstauen und zudem viele Parameter auf einmal via Morph zu modulieren.

Die Effekte sind eher im LoFi-Lager verortet, aber unter diesem Gesichtspunkt sehr brauchbar und kreativ nutzbar.

Und von Drones mit plockernden Synthpercussions, über kreischende 4-Oszillator-Lead-Sounds, bis hin zu 4-Spur-Patterns mit Beat, Bass und KlimBim ist alles möglich und das alles, ohne Kabel umstecken zu müssen.

Plus

  • sehr flexibles freies Routing
  • druckvoller eigenständiger Klang
  • große Klangvielfalt bereits auf Oszillatorebene
  • Oszillatoren ermöglichen auch Sample-Wiedergabe
  • Audioeingang
  • diverse analoge Filter verfügbar
  • optionales CV-Interface ermöglicht Anbindung von analogem Equipment und auch LoFi-Audioausgabe

Minus

  • nur ein "echter" Audioausgang
  • keine langen Hüllkurvenzeiten über den internen Sequencer
  • keine separaten MIDI-Kanäle für die 4 Sequencer oder die 4 Trigger einstellbar
  • dünne MIDI Implementation
  • kein Abholmodus für die Potis
  • Sample-Verwaltung etwas umständlich

Preis

  • Anamono Xmini ohne zusätzliches analoges Filter-Board: 1.159,- Euro
  • CV/Gate-Option (4 In/4 Out): 300,- Euro
Klangbeispiele
Forum
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    Henrik Fisch  AHU

    Wieder einmal ein sehr schöner Test von einem Gerät, das ansonsten gefühlt eher weit unter dem Radar fliegt.

    Die Soundbeispiele hören sich so an, als hätten Künstler wie zum Beispiel Vladislav Delay oder SND (wenn die jemand kennt) oder auch Squarepusher an dem Gerät ihre helle Freude (wobei letzterer ja eher zum Promoter für Eventide mutiert ist).

    Versteh‘ mich nicht falsch: Ich finde die Sounds sehr aussagekräftig – und ich persönlich liebe sowieso solche eher rohen »Glitch«-Sounds – aber ein oder zwei … ähem … »schöne« Soundbeispiele hätten auch was gehabt. Du schreibst ja auch »subtil und freundlich«. ;-)

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      Leo Solter  RED

      Hallo Henrik, vielen Dank für Deinen Kommentar. Und ja Du hast recht, beim Durchhören klingt das jetzt unterm Strich doch noch deftiger als es mir beim machen und auswerten vorkam. Das „freundlichste“ Klangbeispiel ist dann noch die 23- 25 oder die 1.
      Ich wollte aber bewusst keine Kompositionen sondern vor allem die Einztelteile des Synths in ihren Möglichkeiten vorstellen. Ich muss gestehen ich hatte ein Patch mit Sinustönen die einen Molldreiklang spielen als „nettes“ Bespiel angefangen und der Xmini hat mich dann Richtung Beispiel 25 getrieben… Wenn man die Oszillatoren auf Sinus lässt und die Distortionparamter der Filter in Ruhe lässt wirds weniger Squarepusher… ;-). Ich werde bei Gelegenheit mal einen netten Song bei Youtube hochladen.

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        Henrik Fisch  AHU

        Wie gesagt: Die Soundbeispiele kommen für mich sehr gut rüber (ich bin wirklich glühender Fan von Vladislav Delay) und Du schreibst es ja auch deutlich, dass der Synth »Charakter« hat und nicht noch eine »Minimoog Kopie« sein möchte. Genau das merkt man in den Soundbeispielen. Genau genommen hat Dein ausführlicher Test bei mir sogar ein leichtes GAS-Syndrom ausgelöst, was in letzter Zeit nicht mehr gar so häufig vorkommt. Ich wüsste nur nicht so genau, ob und welches Analog-Filterboard ich mitkaufen sollte.

        Von daher ist alles gut und alles richtig gemacht. ;-)

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      Leo Solter  RED

      Hallo Swift, hat ein bisschen gedauert bis ich verstanden hab worauf Du anspielst. Klar Platz ist nicht mehr viel. Als ich schrieb „nur einen „echten“ Ausgang“ hatte ich im Sinn, daß die Ausgangsbuchse ja eine Stereoklinke und nicht nur eine Monoklinke sein könnte.

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