ANZEIGE
ANZEIGE

Test: Gravity MA POP 1, Popfilter mit Gelenkarm

Gelenkiger Popfilter

7. November 2022
gravity ma pop 1 test

Gravity MA POP 1, Popfilter mit Gelenkarm

Gravity hat sich mit gutem und nützlichem Studiozubehör einen Namen gemacht. Das Angebot reicht von Mikrofonstativen und Laptop-Ständern über Noten-, Boxen-, Keyboard- oder Gitarrenständern bis hin zu Lichtstativen und Keyboardbänken. Hatten wir mal hier etwas von Gravity im Test, gab es stets ein „sehr gut“. Mit dem Gravity MA POP 1 hat sich der Hersteller aus dem südhessischen Neu-Anspach erstmals auch an einem Popfilter probiert. Und hat da versucht, die (stabilen) Erfahrungen aus seiner bisherigen Produktpalette auf den Plosiv-Eliminierer zu übertragen. Mit Erfolg?

ANZEIGE

Gravity MA POP 1

Intermezzo: Was bringt ein Popfilter?

Irgendwann muss ein Produktdesigner auf die Idee gekommen sein, dass es eine gute Idee sei, einen Popschutz (aka Poppschutz, Popfilter) mit Hilfe eines Schwanenhalses am Stativ zu befestigen. Vielleicht hatte er zufällig gerade einen auf dem Tisch liegen, vielleicht aber auch – wie ich gerade – einen Korg MicroKorg XL mit aufgesetztem Schwanenhalsmikrofon neben sich stehen. Oder er hatte den Wikipedia-Eintrag im Kopf: „Ein Schwanenhals oder Flexarm ist ein halbsteifes, biegsames Verbindungselement aus gewendeltem Metallschlauch. Ähnlich wie sein natürliches Vorbild kann er in beinahe jede Richtung gebogen werden und in jeder beliebigen Stellung verharren.“

Nun, davon mal abgesehen, dass das „natürliche Vorbild“ ziemlich bösartige Viecher sind (lasst euch da von Richard Wagners Lohengrin oder Tschaikowskis Schwanensee nicht täuschen), bei denen nur übermäßig alkoholisierte Zeitgenossen den Versuch wagen würden, den Hals „in beinahe jede Richtung“ zu biegen, haben der gewendelte Metallschlauch und ich meist eine ganz unterschiedliche Vorstellung davon, welche der möglichen „beliebigen Stellungen“ denn nun die richtige ist. Kaum habe ich den Popfilter nach allen Vorgaben einschlägiger Plattformen und Ratgeber in die in meinen Augen optimale Form gebogen, federt er nach kurzem Nachdenken wieder ein kleines Stück zurück oder weigert sich grundsätzlich, in Position zu gehen. Auch, weil der grundsätzlich zu kurz ist für meine Mikrofon-Konstruktionen, da kann ich noch so lange Exemplare kaufen. Das nervt.

Meine alte Schwanenhals-Kosntruktion

Genau wie diese meist genutzte Klemmschrauben-Befestigung, die auf schmalen und auf runden Stativen nie wirklich fest sitzt und bei der kleinsten Berührung gerne mal einfach nach hinten klappt. Nein, wirklich glücklich bin ich mit meinen Popfiltern nicht. Vermutlich werden nun einige schreiben „Probleme hat der Mann – ist mir noch nie passiert, vermutlich ist der nur zu blöd.“ Mag sein. Aber selbst dann hätte ich doch bitte ein idiotensicheres System ohne eigenen Willen. Ein anderer Einwurf könnte auch lauten „Na, dann kauf dir halt was Vernünftiges, das hält dann auch!“ Auch da ist etwas Wahres dran. Popfilter wie beispielsweise der JZ-PF mit ultralangen Schwanenhals und Metall mit Wellenschliff statt Nylonbezug (allerdings nur mit 10 cm Durchmesser) sollen ja recht stabil sein, kosten dann aber auch 135,- Euro. Gibt es denn nichts, was stabil UND günstig ist?

An dieser Stelle ein kurzer Hinweise auf unseren großen Vergleichstest der Popfilter:

vergleichstest popfilter windschutz popschutz

Gravity MA POP 1 ausgepackt: Heavy Metal

Dass ein Popfilter in einem Paket verschickt wird, war mir neu. Was sicherlich auch daran liegt, dass ich bisher immer eine möglichst leichte (und simple) Konstruktion bevorzugt habe: Kunststoffrahmen mit möglichst großem Durchmesser, darin eingespannt zwei Lagen Nylonbezug und ein paar Zentimeter (je mehr, desto besser – größer 30 cm sollten es schon sein) Schwanenhals. Je weniger Gewicht, desto besser die Standhaftigkeit und desto geringer die Belastung für meine Mikrofonarme. So meine Überlegung. Diese Modelle bringen dann auch selten mehr als 200 Gramm auf die Waage. Und dieses Paket wiegt eindeutig mehr.

Gravity MA POP 1 test

Der Arm besteht aus massivem Metall – hier in die Einzelteile zerlegt

Warum, das wurde schnell beim Auspacken klar: Gravity hat auf einen Schwanenhals verzichtet und stattdessen einen gusseisernen, vielseitig justierbaren Vollmetall-Arm gewählt. Der bringt schon alleine 436 Gramm auf die Waage, dazu noch die 70 Gramm des Popfilters selber. Da bin ich dann mit gut einem halben Kilo dabei. Nun habe ich selber bei mir unter anderem zwei Rode PSA 1 Gelenkarmstative an meinem Zaor Studiotisch befestigt, die für ein Mikrofongewicht bis maximal 1,2 Kilo ausgelegt sind. An denen augenblicklich ein Rode Broadcaster (577 Gramm) und ein Rode NT2-A (860 Gramm) hängen. Und zumindest bei letzterem dürfte der Gravity MA POP 1 das PSA 1 zu Boden ringen. Zumindest auf dem Papier, aber anscheinend hat Rode da noch etwas Toleranz eingebaut, es hält auch die 150 Gramm mehr. Klar ist aber auch: Der Gravity ist nichts für Billig-Schwenkarme, denn dann zeigt der Popfilter dem Arm, warum er Gravity heißt. (Sorry, den Kalauer konnte ich mir nicht verkneifen)

ANZEIGE

Mit dabei sind auch zwei schwarze G-Rings, wie Gravity die Gummiringe an den Einstellrädern nennt. Die vorinstallierten sind Gravity-grün; wem das zu poppig ist, kann die gegen die beiden schwarzen Ringe austauschen.

An den beiden Enden befinden sich Kugelgelenke

Was bietet der Gravity MA POP 1?

Der stabile Metallarm des Gravity POP MA 1 besteht aus zwei durch ein zweidimensionales Gelenk miteinander verbundenen Streben, VARI-ARM genannt. An den äußeren Enden ist jeweils ein (3D)-Kugelgelenk angebracht, das jeweils durch eine gegenläufige Rändelmutter gesichert wird. Die Klemme zur Befestigung des Arms ist angenehm groß und innen gummiert, die hält (fast) überall. Geöffnet bzw. geschlossen wird sie über ein ebenfalls großes und – durch die Gummierung – sehr griffiges Rad. Das ist deutlich stabiler und besser in der Handhabung als die bei den preiswerteren Modellen übliche Schraube mit dem aufgesetzten Plastikgriff und dem Kunststoffstempel am unteren Ende (aka Sollbruchstelle). Die Klemme kann auch abgeschraubt werden, so dass die dann frei werdende 3/8 Schraube bei Bedarf auch direkt auf einem Stativ befestigt werden kann.

Gravity MA POP 1

Die Klemme lässt sich bis 35 mm öffnen

Berechtigter Einwand: „Warum sollte ich einen Popfilter auf ein Stativ schrauben?“ Die Antwort darauf findet sich am oberen Ende des Gestänges: Der Popfilter wird dort nämlich ebenfalls auf einer Standard 3/8-Schraube verschraubt, auf der sich natürlich auch andere Gerätschaften mit passender Bohrung befestigen lassen, wie z. B. eine Kamera, ein Mobile-Recorder, eine Mikrofonspinne und dergleichen mehr. Außerdem lässt sich der Popfilter auf diese Weise auch auswechseln (wobei ich mir gerade aber nicht sicher bin, ob es überhaupt andere Popfilter mit 3/8 Schraube gibt – Hinweise darauf bitte in die Kommentare). Der Klemmbereich der Befestigungsklemme reicht zudem von 15 bis 35 mm – weit genug also für eine Befestigung an einer Tischplatte, was die Anwendungsmöglichkeiten noch einmal erweitert.

Die Kugelgelenke werden über einen ausgeklügelten Mechanismus über das in der Mitte des Metallarms angebracht Rädchen gelockert. Ich gebe zu, dass ich einige Minuten gebraucht habe, bis ich darauf gekommen bin (das kommt davon, wenn man die Produktbeschreibung nicht aufmerksam liest – da steht es nämlich drin), „One loosens all“ also.

Gravity MA POP 1

Na ja – nicht wirklich rund. Fertigungsfehler, Feature oder Transportschaden?

Der Popfilter selber besteht aus einem Kunststoffring mit 15 cm Durchmesser. Das ist – mit Blick auf die Konkurrenz – eine durchaus ordentliche Größe, damit lässt sich arbeiten. Bei meinem Testmuster ist der Ring allerdings nicht wirklich kreisrund, sondern wirkt leicht „verbogen“. Nun weiß ich nicht, ob das ein Feature sein soll oder einfach eine Montagsproduktion ist. Ist auch nicht weiter dramatisch und dürfte nur Geometrie-Fetischisten wirklich stören. Bespannt ist der Ring mit einer Doppellage Nylon, der Standard also. Metall hat zwar den Vorteil, dass es besser gereinigt werden kann, außerdem soll es wohl auch die Höhen weniger verfälschen (wie in einigen Foren und Testberichten zu lesen ist). Aber da lässt sich trefflich streiten, ob das nun Einbildung oder Tatsache ist. Andererseits aber ist Metall nun aber auch schwerer (und teurer) als Nylon, da wollte Gravity das Gewicht (und den Preis) nicht weiter erhöhen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Gravity MA POP 1 in der Praxis

Lässt sich der Gravity MA POP 1 denn nun tatsächlich passgenau und sicher einstellen? Hält der dann auch? Probieren wir es aus.

Gravity MA POP 1

Gravity MA POP 1 mit dem Rode PSA1 und dem Rode Broadcaster

Erster Test: Austausch meines Standard-Popfilters am Rode PSA1 mit Rode Broadcaster, ein Frontbesprecher also. Schwanenhals runter, Gravity MA POP 1 angeschraubt – hält bombenfest. Anders als beim Schwanenhals, den ich mir zurechtbiegen kann, ist hier der Punkt der Befestigung am Stativ für den Abstand des Popfilters zum Mikrofon entscheidend, da muss ich mehrmals versetzen, bis es passt. Die zentrale Einstellung des Arms über die Mittelschraube ist sehr praktisch, weil ich nur eine Schraube lösen muss, um die beiden Kugelgelenke und das Mittelgelenk einzustellen. Je nach Position kann es aber auch schon mal passieren, dass sich beim Lockern beide Gelenke verstellen. Daran muss man sich gewöhnen und ggf. auch mal mit der zweiten Hand stützen. Alles in allem ist die Handhabung aber sehr simpel.

Gravity MA POP 1

Gravity MA POP 1 mit Rode PSA1 und Rode NT2-A

Zweiter Test: Austausch meines Standard-Popfilters am Rode PSA1 mit Rode NTA-2, das hängend mit der Kapsel nach unten montiert wird. Auch hier lässt sich der Gravity MA POP 1 gut und genau befestigen, und sitzt anschließend wie festgemauert in Position.

Gravity MA POP 1

Gravity MA POP 1

Kundenbewertung:
(13)

Und auch der Rode PSA1-Arm hält das Gewicht, auch wenn er sich da schon im Grenzbereich befindet – mehr hätte es nicht sein dürfen. Bei Schwenkarmen hat man natürlich das kleine Problem, dass man – verschiebt man die ein wenig in ihrer Position – auch den Popfilter nachjustieren muss. Was beim Gravity-Gelenksystem ein klein wenig aufwendiger ist als beim Schwanenhals, da ich da ja erst wieder eine Schraube lösen muss.

Gravity MA POP 1

Gravity MA POP 1 am Tischstativ

Und zuletzt befestige ich den Gravity POP MA 1 noch an einem kleinen Tischstativ. Auch hier funktioniert das dank der äußerst variablen Einstellmöglichkeiten der Gelenke problemlos. Dabei kann ich dann auch den Popfilter abschrauben und stattdessen die Mikrofonspinne auf die 3/8-Halterung schrauben und habe so ein gut verstellbares Tischstativ (das sich natürlich auch an der Tischplatte direkt befestigen lässt).

Gravity MA POP 1

Gravity MA POP 1 als kleines Mikrofonstativ

Die Popkiller-Qualitäten der 157 mm großen Doppelmembran sind völlig ok. Da leistet der Gravity das, was auch andere Popfilter dieser Bauart leisten (die richtige Einstellung und Entfernung natürlich vorausgesetzt), was angesichts der Standard-Nylon-Doppelbespannung auch wenig verwunderlich ist. Hier ein Testsatz – bei dem ich die Plosive nun aber auch extra betone und direkt in das Mikrofon spreche ganz ohne Popfilter:

Mit einem Standard-Popfilter

Und mit dem Gravity MA POP 1

ANZEIGE
Fazit

Der Gravity MA POP 1 ist ein äußerst flexibler und variabel einstellbarer Popfilter, der sich dank der „VARI-Technik“ über eine zentrale Stellschraube schnell und bequem in jede Position bringen lässt. Die Stahlkonstruktion ist einerseits sehr stabil und verspricht Langlebigkeit, bringt andererseits aber auch gut 500 Gramm Gewicht auf die Waage und ist daher für den Einsatz von preiswerten Schwenkarmen nicht geeignet. Durch die große, massive Klammer und den Standard-3/8-Schrauben an den Enden kann der Arm auch anderweitig im Studio genutzt werden, etwa als Kurzstativ für Kameras, Mikrofonspinnen oder Mobile-Recorder mit entsprechender Bohrung bzw. entsprechendem Adapter. Der Popfilter selber ist mit einem Durchmesser von 157 mm ausreichend dimensioniert. Der Preis von 44,- Euro geht angesichts der Materialqualität des Gravity MA POP 1 und seinen vielseitigen Einsatzmöglichkeiten absolut in Ordnung.

Plus

  • sehr flexibel
  • stabile Stahlkonstruktion
  • große Klemme
  • vielfältige Einsatzmöglichkeiten
  • Ein-Schrauben-Bedienung
  • Popfilter mit 15 cm Durchmesser

Minus

  • mit rund 500 Gramm recht schwer, daher nicht für alle Schwenkarme geeignet

Preis

  • 44,- Euro
ANZEIGE
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Dirk E. aka Xsample RED

    „Kaum habe ich den Popfilter nach allen Vorgaben einschlägiger Plattformen und Ratgeber in die in meinen Augen optimale Form gebogen, federt er nach kurzem Nachdenken wieder ein kleines Stück zurück oder weigert sich grundsätzlich, in Position zu gehen. “ Herrlich! Ich musste erstmal lachen, weil ich mich da voll wiedergelesen habe. Man biegt und dreht an diesen Teilen und als ob sie ne Schlange mit Eigensinn wären, suchen sie die für sich bequemere Stellung aus. Danke für den ausführlichen und tollen Test, den GRAVITY MA POP 1 werde ich mir sicher besorgen, damit das Thema mal stabil „Hand und Fuß“ hat. :)

  2. Profilbild
    Gottwald

    Kann mich da nur anschließen: Bei mir bleibt das Ding auch nie da wo es eigentlich hinsoll!
    Vielen Dank für den Test, lohnt sich sicher das mal auszuprobieren :-)

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum, um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Politische Inhalte und Statements werden durch die Redaktion gelöscht.

Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.

X
ANZEIGE X