Guild Polara Limited Vintage Walnut – SG-Style E-Gitarre im Test
Mit der Guild Polara Limited Vintage Walnut bringt der traditionsreiche US-Hersteller ein bewusst reduziertes E-Gitarrenmodell auf den Markt, das sich klar an Puristen richtet. Weniger Regler, kein Schnickschnack, dafür Mahagoni-Korpus, durchgehende Saitenführung und kräftige Humbucker – die Polara verspricht klassischen Rock-Sound mit moderner Alltagstauglichkeit. In diesem Test werfen wir einen genauen Blick auf Verarbeitung, Handling und Klang der Guild Polara und klären, für wen sich diese minimalistische SG-Alternative wirklich lohnt.
- Puristisches Design: Reduzierte Ausstattung mit nur Volume- und Tone-Regler, ohne Griffbretteinlagen.
- Bauweise: Mahagoni-Korpus mit String-Through-Body und eingeleimtem Hals für gutes Sustain.
- Pickups: Zwei kraftvolle Guild HB-2+Humbucker mit Alnico-V-Magneten.
- Handling: Sehr gute Bespielbarkeit, geringes Gewicht und saubere Werkseinstellung.
- Klangcharakter: Durchsetzungsfähig, sustainstark und klar auf Rock-Spieler zugeschnitten.
Guild Polara – Facts & Features
Das Design der heutigen Testkandidatin Guild Polara folgt dem Motto „weniger ist mehr“. Überflüssiges wurde hier auf ein Minimum reduziert, so besitzt die in Indonesien gebaute Gitarre beispielsweise nur einen Volume- und einen Tone-Regler sowie keine Griffbretteinlagen. Sie wirkt relativ „rough“, da sie kein Hochglanzfinish besitzt, sondern nur dünn (transparent) lackiert wurde.
Von Gibson gab es in den 80er-Jahren einst das Modell „The Paul“, eine „Poor Man’s Paula“ mit ähnlich abgespeckten Features. Die Polara erinnert mich spontan daran.
Die Tonabnehmer der Polara sind eher „heiß“ konzipiert, somit dürfte sie besonders für rockorientierte Gitarristen interessant sein. Wem dieses Natur-Finish nicht zusagt, kann natürlich auch zu anderen Farbvarianten greifen. Die Auswahl ist recht groß – Blau, Gelb, Grün etc. sind ebenfalls erhältlich. Geliefert wird die Gitarre im Karton, ein Gigbag bzw. Koffer gehören nicht zum Lieferumfang.
Korpus
Der Korpus dieser Guild wurde – wie die meisten SG-Typ-Modelle – aus Mahagoni (3-teilig) hergestellt. Das Gesamtgewicht der Gitarre beträgt gerade einmal rückenfreundliche 3 kg, da zusätzlich eine kleine „Bierbauchfräsung“, ähnlich wie bei einer Strat, vorgenommen wurde.
Etwas speziell ist die Saitenführung durch den Korpus, die bei SG-Modellen ansonsten selten zu finden ist. Die Saiten werden vom Rücken der Gitarre durch Hülsen im Korpus geführt, ähnlich wie bei einer Telecaster. Dadurch erhöht sich der Druck der Saiten auf den Steg, was das Sustain positiv begünstigt, wie man später noch hören kann.
Hals
Der eingeleimte Hals wurde laut Herstellerangaben aus Mahagoni gefertigt und mit einem Griffbrett aus Ebenholz bestückt. Da sich dieses beim Spielen jedoch anders anfühlt, könnte es sich möglicherweise auch um einen Verbundwerkstoff handeln.
Die 22 hohen und fetten Bünde (Jumbo) wurden einwandfrei eingepresst, abgerichtet und poliert. Dots, Trapez- oder Block-Griffbretteinlagen sucht man hier vergebens. Lediglich am Griffbrettrand sind kleine weiße Punkte an den üblichen Positionen eingelassen.
Die Mensur entspricht dem Vorbild (628 mm), die Sattelbreite beläuft sich auf 42 mm und entspricht somit einem gängigen Standard.
Die Kopfplatte wurde im Gegensatz zum eher „roughen“ Finish des Korpus und der Halsrückseite hochglänzend schwarz lackiert. Die Form der Kopfplatte entspricht dem Design vieler Guild-Kolleginnen und trägt selbstverständlich auch das typische Firmenlogo.
Werkseinstellung & Handling
Die Gitarre war ab Werk erfreulicherweise bereits gut eingestellt. Das ist heutzutage bei preislich moderaten Gitarren, bei denen man in der Endkontrolle leider auch mal „schludert“, keine Selbstverständlichkeit mehr. Gerade beim Feilen des Sattels wird das Optimum häufig nicht ausgeschöpft.
Oktavreinheit, Halsspannung und Saitenlage waren gut eingestellt, die Sattelkerben ausreichend tief gefeilt, sodass man direkt nach dem Auspacken loslegen kann, ohne die Hilfe eines Fachmanns in Anspruch nehmen zu müssen.
Die Guild SG liegt perfekt in den Händen. Der Hals fühlt sich sehr angenehm an, nicht zuletzt, da er ausgewogene Proportionen besitzt (ähnlich SG Slim Taper) und das Finish recht „rough“ wirkt. Die Bespielbarkeit ist, wie bei vielen SG-Modellen üblich, bis in die hohen Lagen außergewöhnlich gut. Wie so oft bei SG-Typ-Gitarren ist auch diese Guild etwas kopflastig. Im Stehen fällt das nicht auf, beim Üben im Sitzen jedoch schon.
Die Stimmstabilität ist ausgezeichnet, auch heftige Bendings bringen die Gitarre nicht aus der Ruhe. Der ergonomisch geformte Hals-Korpus-Übergang macht das Spiel in den hohen Lagen nochmals bequemer. Die schwarzen Mechaniken arbeiten sehr präzise und sprechen direkt an, ohne überflüssiges Spiel zu zeigen.
Elektrik & Hardware
Die beiden verbauten HB-2+ Pickups sind laut Hersteller moderne Weiterentwicklungen der Guild HB-1 Oversized Humbucker. Sie werden in traditioneller Humbucker-Größe gefertigt und arbeiten mit Alnico-V-Magneten. Die HB-2+ sind etwas kraftvoller bzw. „heißer“ abgestimmt und mit schwarzen Polepieces bestückt.
Die auf zwei Potis (jeweils ein Volume- und ein Tone-Regler) reduzierte Elektrik unterstreicht das schnörkellose und sachliche Design der Polara. Der Kippschalter mit schwarzer Kappe übernimmt selbstverständlich die Wahl der Tonabnehmer. Auch der hauseigene Tune-o-Matic-Steg sowie die komplett schwarz gehaltene Hardware tragen zum typischen Look der Polara bei.
Sound
Beim Aufnehmen der Klangbeispiele fällt sofort auf: Die Pickups klingen satt und ausgewogen und erzeugen in Symbiose mit der Bauweise (geleimter Hals, Saitenführung durch den Korpus) ein sehr gutes Sustain. Wir beginnen mit einigen cleanen, bluesigen Linien auf dem Hals-Pickup:
In der Mittelstellung besitzt die Gitarre aufgrund ihrer Bauweise etwas „Telecaster-Artiges“ im Sound und in der Ansprache (vermutlich durch die String-through-Body-Bauweise), was mir persönlich sehr gut gefällt:
Auch auf dem Steg-Tonabnehmer ist viel Schönes zu hören:
Aktivieren wir nun den verzerrten Kanal meines Peavey Classic. Der Gain-Regler steht auf 12:00 Uhr, also optisch betrachtet maximal im Crunch-Bereich. Dennoch erhält man einen satten, ausgewogenen Ton, da die Tonabnehmer recht kräftig sind, dabei aber stets natürlich bleiben und keinesfalls „überzüchtet“ klingen:
Der Halstonabnehmer eignet sich unter anderem wunderbar für bluesige Linien, lässt sich aber natürlich auch sehr gut im (harten) Rock einsetzen:
Guild Polara Limited Vintage Walnut – Peavey Classic 20 Mini Head – MESA/Boogie 1×12″ Thiele-Box mit Celestion Creamback – Sennheiser e906 – MOTU M4 – Mac Studio mit Logic






































Eine kleine Frage hätte ich noch: Ist der Korpus jetzt aus Walnuss oder aus Mahagoni mit Walnuss-Lackierung?
@chardt Hi,
eine Bildunterschrift ist falsch. Mahagoni Korpus mit Walnuss-Finish ist korrekt. Habe das mal
fix korrigiert.
Jetzt müsste man nur noch wissen, wo die käuflich zu erwerben ist, diese Vintage-Variante. Einen Dealer auf der Guild-Website zu finden, hat etwas von einem Geduldsspiel.
@blackfrancis Hallo blackfrancis,
Du hast Recht. Leider ist sie bei thomann gerade nicht (mehr) erhältlich. Hoffen wir, dass sie wieder ins Programm kommt oder Du sie über Guild bekommst. Aber wie beschrieben, sie wäre auch in diversen weiteren Farboptionen zu erwerben.
Gruß,
Johannes
„Von Gibson gab es in den 80er-Jahren einst das Modell „The Paul“, eine „Poor Man’s Paula“ mit ähnlich abgespeckten Features.“
Genau daran dachte ich auch spontan. Es gab sogar eine „The SG“ bzw. die SG Firebrand, die genau so abgespeckt war, wie die „The Paul“.