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Test: Hagstrom Ultra Max Special, E-Gitarre

23. November 2021

Hagstrom Paula mit drei Humbuckern

Die Ultra Max Gitarren von Hagstrom gehören zu Europas feinsten Singlecuts – schwedische Handwerkskunst mit bissigem, holzigem und röhrigem Sound. Dass die Gitarren keine Generalüberholung brauchen, sollte klar sein. Dennoch haben sich Hagstrom hingesetzt und ein paar Feinheiten geändert und der Gitarre einen weitaus vielfältigeren Sound spendiert – durch den Minihumbucker in mittlerer Position, der nun dazugekommen ist. Tatsache ist – im deutschen Markt ist das gute Stück rar gesät, mit knapp zweihundert Einheiten dann doch sehr limitiert, das Ganze. Erfreulich bleibt aber: die Hagstrom Ultra Max Special bleibt dem fantastischen Preis-Leistungs-Verhältnis der Marke treu.

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Wie gesagt: Allzu viel hat sich hier nicht verändert. Der Korpus besteht komplett zunächst aus Mahagoni mit Ahorndecke – so wie die regulären Ultra Max auch. Wir haben hier einen Vergleichstest einer klassischen Gibson mit einer Hagstrom Ultra Max gewagt. Die Hagstrom ist rein von der Haptik und der Ergonomie ein bisschen schmaler und zugänglicher. Das gewölbte Top kommt in insgesamt drei Finish-Varianten, die der Gitarre sehr gut zu Gesicht steht.

Ich persönlich bin nicht der größte Fan von perligem Binding, speziell nicht, wenn das Binding nicht schmal ist. Hier greift das Perloid-Binding von Hals über Kopf bis zur Decke so ziemlich die gesamte Gitarre – ein bisschen viel für meinen Geschmack. Die Gitarre ist mit knapp 3 kg nicht sonderlich schwer – für eine Singlecut fast schon ungewöhnlich leicht. Ansonsten liest sich die Aufmachung wirklich typisch Hagstrom: GraphTech Black Tusk Sattel XL, Resinatorholz am Griffbrett. Die elektrischen Elemente bestehen aus zwei Chromreglern und einem Fünfwege-Wahlschalter.

Der Steg ist eine Hagstrom-eigene Tune Brücke mit blockigem Tailpiece installiert – „Long Travel“. Kennt man ebenfalls von den anderen Ultra Max Gitarren, immerhin ist dieses Tailpiece bereits seit Jahrzehnten im Einsatz und sorgt für das gute Sustain der Gitarren. Der D’Addario-Saitensatz liegt gut drin, ist perfekt aufgelegt und das Testinstrument ist auch generell gut eingestellt: Nichts scharrt und bundrein ist es auch. Der Hals ist eingeleimt und geht fließend in den Cutaway über, ohne dass man es beim Bespielen in irgendeiner Weise spürt. Was man im Großen und Ganzen sagen kann: Der Korpus ist an der Rückseite für Hagstrom typisch leicht abgeflacht und dadurch ein bisschen passlicher als eine reguläre Les Paul. Insgesamt sind die Ultra Max Gitarren immer eine Freude – sie sind leicht, ein klein bisschen schlanker als Gibsons und Epiphones und liegen hervorragend an.

Der Hals und die Tonabnehmer der Hagstrom Ultra Max Special

Der Hals besteht ebenfalls aus Mahagoni und ist (zu meinem Leidwesen) lackiert. Ja, mir ist bewusst, dass es gut aussieht, aber ich würde wagen zu behaupten, dass ein Großteil der Gitarrenspieler unlackierte Hälse bevorzugt – wenn auch nicht in riesiger Überzahl wahrscheinlich. Der Slim-D-Hals ist für Paula-Verhältnisse wirklich dünn, aber verlangt auch nach einem gewissen Grip. Wer sich beim Bespielen auch wundert, dass die Gitarre nicht ganz so kompakt spielbar ist wie eine Gibson, wird auf die Mensur schauen müssen: 648 mm – kennt man eher von einer Tele. Zweiundzwanzig Bünde mit Perlmutt Bundmarkierungen und angemessen abgerundete Bundstäbchen – wie immer ist auch diese Hagstrom perfekt verarbeitet. Die Halsbreite ist oben 43 mm und der Radius des Griffbretts beläuft sich auf 15 Zoll. Das Resinator-Holz fühlt sich eigentlich identisch an mit Palisander, ein bisschen rauer vielleicht, aber vertraut eben.

Jetzt zum großen Unterschied: der zusätzliche Mini-Humbucker, ebenfalls in der leichten Foil-Optik gehalten, die von Gitterkappen bedeckt werden und durchaus Vintage-mäßig anmuten. Es handelt sich hier übrigens um die schwedischen Lundgren Design Model 2 am Hals, ein Model 5 an der Brücke und ein H-52 Mini dazwischen. Dieser kleine Humbucker soll nicht einfach ein bisschen mehr für Druck sorgen, sondern ist in der jeweiligen Wegschalter-Position mit den gesplitteten großen Humbuckern kombiniert. Das bedeutet konkret:

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  • Position 1: Hals ungesplittet
  • Position 2: Hals und Mitte gesplittet
  • Position 3: Mitte ungesplittet
  • Position 4: Mitte und Steg gesplittet
  • Position 5: Steg ungesplittet

Volume- und Tone-Regler sind die einzigen zwei Regler, es gibt auch keine Push/Pull-Funktion. Der Tone dreht die Bässe sehr sauber und gleichmäßig raus. Wer ihn auf Anschlag dreht, bekommt einen furztrockenen Paula-Sound, der vor allem bei Leads noch mal dafür sorgen kann, dass man durch den Mix schneidet. Wer ein Gigbag im Lieferumfang erwartet, dürfte enttäuscht werden. Machen generell nur noch wenige Firmen, das ist mein Eindruck. Darüber hinaus bieten Hagstrom Ultra Max jedoch entsprechend maßgeschneiderte Gigbags an und auch bei Thomann gibt es die entsprechenden Cases. Kommen wir nun zum Wichtigsten – dem Sound.

Sounds der Hagstrom Ultra Max Special

Wir speisen die Hagstrom Ultra Max ausnahmsweise digital in den Quad Cortex ein und nehmen als Vergleichsreferenz die Humbucker einer Godin. Lange keine Singlecut mehr in der Hand gehalten – das Gerät ist auch, wenn es ein bisschen weniger wiegt als viele Gibsons, nach wie vor ein bisschen schwer. So ist das halt mit den Mahagoni-Paula-Modellen, die nicht gekammert sind – will gehalten werden, zweifelsfrei.

Wir nutzen einen Plexi in digital sowie einen Fender Bassman für die cleanen Passagen, manche Beispiele in Stereo, das Meiste jedoch in Mono. Der Sound der Bridge Humbucker ist wie gewohnt ein volles Pfund – sie sind bei weitem nicht so schmatzend wie bei der Pat Smear Hagstrom, dafür gehören sie aber wahrscheinlich zu den besten Paula Humbucker in der Preisklasse. Differenziert und wuchtig zugleich. Klingt zum Teil besser als die eine oder andere teurere Singlecut größerer amerikanischer Namen.

Wir gehen jetzt auf die Neuheit ein – der mittlere Humbucker und wie sich dieser auf den Gesamtsound auswirkt. Er besitzt ein unverschämt starkes Low-End, ohne die Höhen zu opfern. In Kombination mit dem Bridge-Humbucker in beidseitigem Split-Modus entsteht ein etwas hölzerner, aber keineswegs unattraktiver Sound, durchaus dreckiger und brutzelnder als die Neck-Position, aber nicht so offen wie die Bridge-Position und mit spürbar mehr Attack. Er ist quasi der dreckige kleine Bruder der anderen zwei Humbucker und erzeugt einen deutlich komprimierteren und anschlagsfreudigeren Sound, der mächtig nach vorne drückt und immer noch größer und weiter erklingt ein muffiger Neck-Pickup. Da gefällt er mir in einsamer Position eigentlich noch besser als in Split-Position in Kombination mit einem der anderen Pickups. Hat also durchaus seine Daseinsberechtigung, diese Humbucker-Neuergänzung. Auch im Crunch bringt der mittlere Humbucker eine wundervolle, deutliche Note Dirt.

Was die Hagstrom stark macht, ist die Neck-Position nicht mit Low-End zu überladen. Klar, ist deutlich spürbar. Aber die Treble-Frequenzen bleiben präsent und druckvoll – versteht sich nicht von selbst. Man ist versucht, ganze Improvisationen mit diesem Sound aufzunehmen. Auch in Kombination mit der Split-Funktion den mittleren Humbucker mit einzubeziehen und bekommt einen ungemein bissigen und glockigen Grundsound, der sich auch in den Clean-Gefilden gut weiterträgt. Generell scheint Clean nie ein Problem der Hagstrom Ultra Max zu sein. Wir haben in unserem Vergleichstest mit der Gibson Studio gezeigt, dass der Unterschied an der Front wirklich hauchdünn ist. Die Gibson klingt im Frequenzgang ein bisschen gleichmäßiger, aber für den Live-Gebrauch hat man hier eine fast identische Qualität.

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Fazit

Starker Sound, starkes Handling, starke Optik. Bis auf die nicht ganz so stimmungsstabilen Gotoh-Locking-Mechaniken unterstreicht die Ultra Max Special mal wieder, dass hier auch mehr passiert als bei einer Harley Benton oder einer anderen Low-Budget Paula – Hagstrom ist und bleibt näher an Gibson als an HB. Die Hagstrom Special ist klanglich flexibel, schön dreckig, schmatzend und besitzt mit dem mittleren Humbucker eine sinnvolle Ergänzung, die für mehr Komprimierung und Sustain sorgt. Gute Arbeit und sehr solides Teil.

Plus

  • hohes Sustain
  • gutes Handling
  • flexibel
  • gut verarbeitet

Minus

  • Gotoh Locking Mechanismen

Preis

  • 799,- Euro
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