Astreine Klon-DNA in zwei Ausführungen
Zwei Klon-Klone, ein Ziel: Der Harby Centauri und sein Modified-Bruder wollen den begehrten High-end-Overdrive-Sound endlich bezahlbar machen.
- Klon-Klassiker neu gedacht: Beide Pedale basieren auf dem originalen Klon-Schaltkreis mit authentischen Bauteilen.
- Modernes Design: Hochwertige Verarbeitung, SMT-Technik und kompakter Formfaktor für heutige Pedalboards.
- Flexible Optionen: Der Centauri Modified bietet zusätzliche Klangregelung per Clean-Regler und Toggle-Switches.
- Klanglich überzeugend: Vom transparenten Boost bis zum dynamischen Overdrive – warm, präsent und vielseitig.
Inhaltsverzeichnis
Die ersten 5 Minuten
Die Firma Harby Pedals hat uns schon des Öfteren mit feinen Rekreationen von extrem beliebten Pedals überrascht. Angesichts der unglaublichen Preise, die mittlerweile für einen originalen Klon Centaur auf den Tisch gelegt werden müssen, freut es mich umso mehr, dass ich mit den Harby Centauri Overdrive und Centauri Modified nun gleich zwei Pedale testen kann, die den Klon-Sound mit originalem Schaltkreis und ein paar moderneren Features aufs Pedalboard von Normalverdienern bringen wollen. Die Pedale liegen mit rund 200,- Euro zwar immer noch im höheren Preissegment, dürften damit aber auch für ambitionierte Hobby-Enthusiasten interessant werden.
Lieferumfang & erster Eindruck
Beide Pedale halten ihren Lieferumfang auf das Minimum begrenzt. Neben einer kurzen und knackigen Erklärung der Regler liegt den Pedalen nichts bei – bei einem Overdrive braucht es aber auch nicht mehr. Optisch und haptisch machen die Pedale einen sehr soliden und wertigen Eindruck. Die cremefarbene Lackierung hat Stil. Die goldenen Regler empfinde ich als etwas gewöhnungsbedürftig, das ist aber Geschmackssache. Regler und Schalter machen einen sehr wertigen Eindruck, mit gutem Druckpunkt und Widerstand.
Line Check
Beim Line Check zeigt sich direkt, dass wir es hier mit guter Qualität zu tun haben und dass der Test Spaß machen wird! Schaltet man das Pedal an, wird es geil! Egal, wie die Regler stehen – hier kommt etwas raus, mit dem man arbeiten kann. So soll es sein.
Harby Centauri Overdrive und Centauri Modified – die Facts
Ein paar Hintergründe
Die beiden Harby Centauri Testkandidaten sind direkte Nachbauten des legendären Klon Centaur, eines der meistgesuchten Overdrive-Pedale der Gitarrengeschichte. Der Klon Centaur wurde 1994 von Bill Finnegan vorgestellt, die Produktion jedoch 2009 wieder eingestellt. Danach explodierten die Preise und stiegen in astronomische Höhen. Seitdem ist der Hype um das Original ungebrochen und so gibt es mittlerweile zurecht eine große Zahl an Nachbauten. Das ist auch gut so – denn seien wir mal ehrlich: Die wenigsten von uns haben je einen originalen Klon Centaur gespielt, geschweige denn 7.000,- Euro übrig, um sich einen zu leisten.
Klon-Style-Overdrives stehen generell für leichten bis mittleren Overdrive, der den Grundsound der Gitarre nicht überfärbt, sondern verstärkt: mehr Durchsetzungskraft, mehr harmonische Präsenz und auf Wunsch ein transparenter Boost. Genau dieses Prinzip greifen der Harby Centauri Overdrive und der Centauri Modified auf. Beide kommen als Klon-Clones mit quasi identischem Schaltkreis zum Original, jedoch mit einigen zeitgemäßen Updates und zu einem fairen und bezahlbaren Preis.
Harby Centauri Overdrive
Der Centauri Overdrive ist wie gesagt eine ziemlich genaue Kopie des originalen Schaltkreises. Harby behauptet aber ausdrücklich nicht, der Centauri klinge exakt wie ein originaler Klon – denn diese klangen selbst alle leicht unterschiedlich, abhängig von den verwendeten Bauteilen. Es geht also mehr um die DNA. Und so kommt der Centauri Overdrive mit drei Reglern aus: Volume, Drive und Tone, ausgeführt als solide, eloxierte Aluminiumknöpfe. Das Pedal bietet damit alles vom sehr klaren Boost bis zum typischen, warmen, leicht griffigen Klon-Drive.
Die Schaltung nutzt vorbildgetreu genuine Texas Instruments TL072 OpAmps und die für den Originalsound entscheidenden NOS-1N34A Germaniumdioden mit der originalen Vorwärtsspannung von 0,35 V (±15 %). Neben den seitlich angebrachten Neutrik Ein- und -Ausgangsbuchsen und dem 9 V, DC Anschluss auf der Stirnseite gibt es einen Buffered-Bypass. Zu den modernen Tweaks des Pedals gehören die im SMT- (Surface-Mount-Technology) Verfahren gelötete Leiterplatte sowie der deutlich kleinere und pedalboardfreundlichere Fußabdruck des Gehäuses.
Harby Centauri Overdrive – die Facts auf einen Blick
- Overdrive Boost
- vergoldete Leiterplatte (ENIG)
- original Texas Instruments Operationsverstärker (TL072)
- NOS 1N34A Germanium-Clipping-Dioden mit der ursprünglichen Durchlassspannung von 0,35 V (±15 %)
- massive Knöpfe aus eloxiertem Aluminium
- Buffered-Bypass
- Regler: Volume, Drive, Tone, Clean
- Neutrik Eingangs- und Ausgangsbuchsen
- Ein- und Ausgang: 6,3 mm Klinke
- Stromversorgung via 9 V, DC Netzadapter
- Abmessungen (B x T x H): 85 x 145 x 80 mm
- Gewicht: 377 g
Harby Centauri Modified
Der Centauri Modified basiert ebenfalls auf dem originalen Klon-Schaltplan, erweitert diesen aber um drei entscheidende Funktionen und macht daraus sozusagen einen „Klon on Steroids“. Neben den bekannten Reglern Volume, Drive und Tone verfügt er über einen zusätzlichen Clean-Regler, der das Verhältnis zwischen dem sauberen Signalanteil der Gain-Stage und dem verzerrten Signal präzise abstimmen lässt. Damit lässt sich der Charakter von etwas mehr Attack bis zu deutlich angehobenem Grundsound verändern.
Dazu kommen zwei Toggle-Switches: Der Original/JB-(Phat)-Schalter lässt mehr Bassfrequenzen durch – basierend auf einer Modifikation eines echten Klon Centaur –, wodurch das Pedal voller und etwas weniger dünn klingt. Der zweite Germanium-/LED-Switch ermöglicht die Wahl zwischen klassischem Germanium-Clipping im Stil des Originals und einem LED-Clipping mit stärkerem Output, gröberer Verzerrstruktur und mehr harmonischer Sättigung.
Die restlichen Facts entsprechen denen des Harby Centauri Overdrive.
Die beiden Harby Centauri Modelle in der Praxis
Nach meinem Verständnis sind die Pedale in ihrem Grundaufbau gleich. Beide orientieren sich am originalen Schaltkreis des Klon Centaur und beherbergen die gleichen Bauteile. Der Centauri Modified bietet eben zusätzliche Features, verhält sich ohne deren Einsatz – also ohne Clean-Blend-Anteil, ohne JB-Mod und ohne LED-Clipping-Diode – allerdings genau wie der Centauri Overdrive. Da beide Pedale mit diesen Settings identisch klingen, beschränke ich mich beim Centauri Modified auf die Präsentation dieser drei Extra-Features.
Für den Test gehen wir mit den beiden Harby-Pedals in ein Fractal FM9, das ein Morgan-AC-20-Deluxe-Modell mit etwas Hall-Reverb geladen hat. Aufgenommen wird über ein RME Fireface 802 mit Ableton Live 12, alle Signale sind unbearbeitet.
12 Uhr Check
Wir fangen mit dem obligatorischen 12-Uhr-Check an – hier erst mal sozusagen im normalen Centauri-Overdrive-Modus, ohne die Centauri-Modified-Features. Es stehen also alle Regler auf 12 Uhr, der Morgan AC-20 liegt direkt in zwei Varianten auf: einmal clean und einmal in den eigenen Breakup getrieben. Bei diesen Settings liefert der Centauri Overdrive vor dem cleanen Amp auf dem Hals-Pickup meiner Haar-HSS-Strat einen dunklen und angezerrten Grundsound, der beim Schalten auf den Steg-Humbucker bereits einen saftigen, brauchbaren Rhythmus-Sound liefert. Pustet das Pedal den bereits etwas zerrenden Amp an, ist das Ergebnis direkt schon runder – und man erkennt sofort die Qualitäten eines Klon-Style-Pedals.
Clean Boost
Schauen wir uns nun das Pedal als Clean Boost an. Dreht man den Drive-Regler runter und Volume dafür etwas höher, bekommt man vor dem cleanen Amp einen warmen, satten Boost. Bei zurückgedrehtem Tone-Regler bekommt der Sound diesen in den Mitten etwas holzig wirkenden, Klon-typischen Charakter. Dreht man ihn jedoch weiter auf, kann man den Höhenanteil des Grundsounds beibehalten und bekommt einen harmonisch reichen, fetten Ton.
Der JB-Mode am Centauri Modified wird hier auch direkt getestet. Dieser macht sich erst mal nur sehr dezent bemerkbar, ist dadurch aber auch gut einsetzbar – schön! Auch die LED-Clipping-Diode liefert gute Ergebnisse. Hierbei wird der Sound etwas weniger „sparkleig“ und wirkt gesetzter.
Drive
Will man das Pedal als waschechten Overdrive verwenden, lohnt es sich, den Drive-Regler auf ca. 12 Uhr zu drehen, um die Zerre vom Pedal produzieren zu lassen. Als Belohnung bekommt man dann einen runden und dynamischen Mid-Gain-Sound. Geht man allerdings auf 15 Uhr und dreht den Clean Blend, der bis jetzt immer im Rechtsanschlag war, auf 11 Uhr zurück, erzielt man in Kombination mit dem LED-Mode einen offenen Sound mit reichlich Attack.
Drive Boost
Lässt man die Einstellungen gleich wie im letzten Klangbeispiel, fährt damit aber in den schon zerrenden Amp, bekommt man ein amtliches Classic-Rock-Brett. Gerade hier macht sich der LED-Mode sehr gut, da er etwas heißer läuft als der Germanium-Mode. Die Vielseitigkeit des Pedals zeigt sich, wenn man den Clean-Anteil im Signal wieder rausnimmt, zurück in den Germanium-Mode wechselt, aber dafür den JB-Mode auswählt und Tone auf 9 Uhr dreht. Hier bekommt man einen astreinen, warmen Blues-Rock-Sound.
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OK. jetzt gibt’s aber schon genug Klon klons.
sogar Uli hatte schon 4 verschiedene glaube ich 😉😉