Ein neuer King am Tone-Himmel
Der Harby Noble Tone verspricht Prince-of-Tone-Sound ohne Wartezeit, ohne Sammlerpreise und ohne Kompromisse. Ein dynamischer Overdrive, der das Original nicht zitiert, sondern nahezu 1:1 nachbaut – inklusive interner DIP-Switches und typischem, transparentem Ton.
Kurz & knapp
Was ist es? Ein Overdrive-Pedal im Stil des Prince of Tone – gleiche Schaltung, ohne Wartezeit und ohne Sammlerpreise.
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- Authentischer Clone: Repliziert den Prince of Tone nahezu identisch – inklusive interner DIP-Switches.
- Transparenter Drive: Reagiert dynamisch, röhrenähnlich und sehr sensibel auf Anschlag und Volume-Regler.
- 3 Modi: Boost, Overdrive und Distortion machen das Pedal extrem vielseitig vor Clean- wie Crunch-Amps.
- Interne Optionen: Trim-Potis für Höhen, Mid- und Gain-DIP für Feintuning wie beim Original.
- Top Verarbeitung: Vergoldete ENIG-Platine, BAS33-Dioden, JRC4580D-Chip, eloxierte Knobs.
Inhaltsverzeichnis
Die ersten 5 Minuten
Wenn ein Overdrive-Pedal vom Hersteller selbst mit dem King of Tone verglichen wird, darf der Anspruch entsprechend hoch sein. Gleichzeitig steigt natürlich die Neugier – besonders wenn man die teils jahrelangen Wartelisten oder astronomischen Gebrauchtpreise des originalen Analogman King of Tone im Hinterkopf hat. Kein Wunder also, dass Alternativen gefragt sind. Vor allem Gitarristen, die nicht auf Markenfetisch setzen, sowie ambitionierte Semi- oder Profimusiker, für die knapp 200,- Euro für ein Drive-Pedal noch im Rahmen liegen, könnten hier fündig werden.
Lieferumfang & erster Eindruck
Wie bei klassischen Drive-Pedalen üblich, fällt der Lieferumfang beim Harby Noble Tone überschaubar aus. Das Pedal kommt in einem schlichten Karton, eine kurze Anleitung liegt bei und empfiehlt ausdrücklich, einen Blick ins Innere zu werfen. Dort lassen sich – ganz im Sinne des Originals – zusätzliche Einstellungen vornehmen. Gummifüße liegen ebenfalls bei, sind aber nicht montiert. Die meisten Gitarristen befestigen Pedale ohnehin per Klett auf dem Board. Optisch ist der Noble Tone ein echter Hingucker: violette Lackierung, roségoldene Regler – stilvoll und hochwertig.
Line Check
Der erste Line-Check fällt vielversprechend aus. Das Pedal klingt natürlich und transparent, im ersten Eindruck aber etwas dumpf. Hier dürfte das interne Treble-Trim-Poti Abhilfe schaffen. Sowohl vor einem eher cleanen AC-20 als auch vor einem Suhr Badger 18 (beide im Fractal FM9 simuliert) liefert der Noble Tone einen überzeugenden Start. Positiv fällt sofort die Flexibilität der drei Modi auf: Overdrive/Boost/Distortion.
Harby Noble Tone – die Facts
Der Harby Noble Tone steht genau genommen in direkter Verbindung zum legendären Analogman Prince of Tone, der wiederum auf dem legendären King of Tone basiert. Während der Prince of Tone 2012 als Einzel-Pedal des zweikanaligen King of Tone erschien, um dessen enorme Nachfrage zu decken, setzt der Noble Tone an genau diesem Punkt an: Er reproduziert das ursprüngliche Schaltungsdesign und Klangverhalten des Prince of Tone nahezu identisch. Und das, ohne lange Wartezeiten oder hohe Gebrauchtpreise in Kauf nehmen zu müssen.
Schauen wir uns nun mal die wichtigsten Fakten an: Wie bei einem klassischen Zerrpedal üblich, verfügt das Noble Tone über die Regler Volume, Drive und Tone. Zusätzlich gibt es noch einen Schalter für die drei Modi: Overdrive / Boost / Distortion, gefolgt von einer gelb leuchtenden Statusanzeige und einem Bypass-Footswitch. An den Seiten des Pedals befinden sich die Input- und Output-Buchsen, an der Stirnseite finden wir die 9V-DC-Buchse.
Die Elektronik – nahezu wie beim Original
Wie sein Vorbild will der Noble Tone natürliche, röhrenähnliche Verzerrung, Dynamik und Transparenz liefern, damit das Grundsignal der Gitarre erhalten bleibt. Dafür nutzt Harby ganz im Sinne des Originals einen JRC4580D OpAmp-Chip von New Japan Radio, BAS33-Silizium-Clipping-Dioden als Ersatz für die nicht mehr produzierten MA856 (mit nahezu identischer Spannungscharakteristik von 0,82 V), sowie eine vergoldete ENIG-Leiterplatte für maximale Signalreinheit. Auch die beim Prince of Tone vorhandenen internen DIP-Switches findet man beim Harby-Pedal.
Das Pedal soll äußerst sensibel auf Anschlagstärke und Lautstärke des Instruments reagieren, und so hervorragend allein oder im Zusammenspiel mit anderen Effekten funktionieren und mit nahezu jedem Amp-Typ kompatibel sein. Eigenschaften, welche die Analogman Originale so unglaublich beliebt gemacht haben.
Die internen Regelmöglichkeiten
Die internen Switches und Trim-Potis sind ebenso haargenau vom Prince of Tone übernommen. Da hätten wir zum einen das Treble-Trim-Poti. Dreht man dieses auf (im Uhrzeigersinn), kann man mumpfigen Gitarren und Amps etwas auf die Sprünge helfen. Die Werkseinstellung ist komplett nach links gedreht (gegen den Uhrzeigersinn). Zwei DIP-Switches sind auch mit an Bord. Der Mids Dip regelt die unteren Mitten, indem er die Filterfrequenz der ersten OpAmp-Gain-Stufe erhöht. Der Gain-DIP (oder Turbo Switch) verdoppelt die Gain-Ratio der zweiten OpAmp-Stufe für früheres Clippen der Dioden.
Die Facts auf einen Blick
- Overdrive / Boost / Distortion
- vergoldete Leiterplatte (ENIG)
- JRC4580D New Japan Radio, Co., Ltd. opamp IC Chip
- BAS33 Silicon through-hole clipping-Dioden mit der Original-Durchlassspannung von 0,82 V
- massive Knöpfe aus eloxiertem Aluminium
- Regler: Volume, Drive, Tone
- internes Treble Trimpoti
- interne Mitten und Gain DIP-Schalter
- Fußschalter: Effekt an
- Neutrik-Eingangs- und -Ausgangsbuchsen
- Ein- und Ausgang: 6,3 mm Klinke
- Stromversorgung via 9 V DC Netzadapter (2,1 x 5,5 mm Hohlstecker, Minuspol innen)
- Abmessungen (B x T x H): 85 x 145 x 80 mm
- Gewicht: 387 g
Der Harby Noble Tone in der Praxis
So, nun aber genug Geschwafel – widmen wir uns jetzt der Praxis. Für den Test schnappe ich mir meine Haar-Strat und klemme das Harby Noble Tone vor ein Fractal FM9. Da wir es ja nicht mit einem originalen King of Tone/Prince of Tone zu tun haben, für dessen Finanzierung ich einen Kredit aufgenommen habe und bis zum Renteneintritt warten musste, habe ich etwas Hoffnung, dafür von den Puristen nicht gesteinigt zu werden, mit dem Zerrer einen Modeling-Amp zu befeuern.
Abgesehen davon interessiert es mich ziemlich wenig, denn gerade dieses Einsatzfeld ist doch im modernen Zeitalter mindestens genauso interessant und das FM9 ist sogar extra dafür ausgelegt, im Frontend wie ein echter Röhrenamp zu reagieren. Austausch über dieses kontroverse Thema gerne in der Kommentarspalte!
Zum Beginn verwende ich das Modell eines quasi cleanen Morgan AC-20 Deluxe mit passendem 1×12 Cab. Damit ihr einen Überblick darüber bekommt, wie sich das Pedal so verhält, starte ich mit den Reglern in der 12 Uhr Position und schalte durch die drei Modi in folgender Reihenfolge: Boost, Overdrive, Distortion. Am Anfang hört ihr das Pedal im Bypass. Um die dadurch teilweise auftretenden Lautstärkeunterschiede zu kompensieren, erhöhe ich die Lautstärke am Volume-Regler des Pedals einen Tick. Zum Einsatz kommt die Strat auf dem Hals-Pickup, alle internen Schaltmöglichkeiten sind auf Werkseinstellungen.
Testen wir nun ein paar weitere Einsatzzwecke vor einem cleanen Amp. Hier werden die verschiedenen Modi natürlich erst so richtig interessant, da man sozusagen drei Pedale in einem hat.
Ich nenne zwar keinen echten Prince of Tone mein Eigen, es gibt jedoch im Fractal eine extrem gute Kopie davon. Hier ein kurzer Vergleich der beiden mit identischen Reglereinstellungen. Zuerst das Harby Pedal im Overdrive-Mode, das direkt vor dem Fractal FM9 hängt, dann das KoT-Model im Fractal Signalweg vor dem Amp. Ihr hört jeweils zuerst den Hals- dann den Stegtonabnehmer. Die Ähnlichkeit ist wirklich verblüffend!
Als Letztes schauen wir uns noch an, was die internen DIP-Switches und das Trim-Poti so für Auswirkungen auf den Sound haben. Zuerst ohne, dann mit DIP-Switch. Das Trim-Poti drehe ich in vier Stufen im Uhrzeigersinn. Wie zu erwarten sind die DIP-Switches eher subtil, beim Trim-Poti geht jedoch einiges! Das wäre mir für die Gitarre/Amp-Kombination im Test aber schnell zu viel.



































