Kompakter Helfer für die akustische Gitarre
Die Thomann-Hausmarke Harley Benton erfreut seit geraumer Zeit einer Vielzahl von Kunden, die gute Produkte zum kleinen Preis schätzen. Der Harley Benton Custom Line Acoustic Preamp bildet da keine Ausnahme.
Er vereint die Funktionen eines Preamps für akustische Gitarren, bietet zusätzlich zwei Effekte (Hall und Chorus) – und das Ganze für knapp 90,- Euro. Selbstredend muss die zu verstärkende Akustikgitarre über einen Tonabnehmer (z. B. Piezo oder eingebautes Mikrofon) verfügen.
- Funktionsvielfalt: Preamp, D.I.-Box und zwei schaltbare Effekte in einem kompakten Gehäuse – ideal für Live- und Recording-Anwendungen.
- Bedienung: 2-Band-Klangregelung, Shape-Schalter und Gain-Einstellung ermöglichen flexible Klangformung – trotz einfacher Struktur.
- Effekte: Einschließlich Hall und Chorus – der Reverb klingt solide, der Chorus eher wie Vibrato oder Tremolo.
- Preis-Leistung: Für knapp 90,- Euro ein robustes, bühnentaugliches Pedal mit praktischen Features – ideal für Einsteiger und Sparfüchse.
Inhaltsverzeichnis
Harley Benton Acoustic Preamp – Facts & Features
Das Pedal ist recht kompakt (Abmessungen: 128 × 93 × 58 mm) und wiegt 435 g. Die Verarbeitung wirkt robust und absolut bühnentauglich. Die Stromversorgung erfolgt wahlweise über eine 9-V-Batterie oder ein 9-V-Gleichspannungsnetzteil (nicht im Lieferumfang enthalten). Der Stromverbrauch ist mit den vom Hersteller angegebenen 110 mA moderat.
Die Ein- und Ausgänge
Der Eingang (6,3 mm Klinke) befindet sich mittig auf der rechten Seite. Der Klinkenausgang mit Instrumentenpegel kann ggf. an einen Gitarrenverstärker angeschlossen werden, wobei man in der Praxis vermutlich den D.I.-Ausgang bevorzugen dürfte.
Mithilfe der symmetrischen XLR-Buchse lässt sich das Signal an ein Mischpult übergeben. Sollte es dabei zu Brummschleifen kommen, hilft der kleine GND/LIFT-Schiebeschalter, der den Ground-Lift aktiviert.
Ein zusätzlicher Line-Eingang (3,5 mm Miniklinke, rechts) erlaubt das Zuspielen externer Quellen (z. B. Playbacks von Handy, iPad oder Computer). Die Lautstärke muss jedoch am Zuspielgerät geregelt werden, da am Preamp selbst kein entsprechender Regler vorhanden ist.
Wer kein Mischpult verwenden möchte, kann das Gesamtsignal (Gitarre plus Zuspielsignal) auch per Kopfhörer (3,5 mm Klinke, links) abhören – ideal zum Üben.
Der Sinn des Tuner-Ausgangs erschließt sich nicht ganz, vermutlich setzt man eher auf einen Clip-Tuner oder platziert ein Stimmgerät vor dem Preamp, das während des Stimmvorgangs das Signal stummschaltet.
Die Regler
Mit dem GAIN-Regler (oben rechts) wird das Gitarrensignal eingepegelt, ähnlich wie bei einem Mischpult. Ist der Pegel zu hoch, wechselt die LED-Farbe von Gelb auf Rot (Clip). Der VOLUME-Regler bestimmt die Ausgangslautstärke.
Die Klangregelung ist zweibandig (BASS/TREBLE), was in vielen Fällen völlig ausreicht. Der kleine SHAPE-Schiebeschalter bietet eine alternative Klangvariante: Steht er auf ON, werden Bässe und Höhen leicht angehoben – was das Klangbild deutlich beeinflusst.
Der PHASE-Schalter kann helfen, bei Bedarf Phasenprobleme zu beseitigen. Ein Notch-Filter zum gezielten Unterdrücken rückkopplungsanfälliger Frequenzen ist hingegen nicht integriert.
Die Effekte
Für jeden der beiden Effekte gibt es zwei korrespondierende Regler:
- DWELL regelt die Raumgröße
- REVERB steuert den Hallanteil im Mix
- Der Chorus-Effekt verfügt über die Parameter DEPTH (Intensität) und SPEED (Modulationsgeschwindigkeit). Hier lassen sich auch Tremolo- und Vibrato-ähnliche Sounds realisieren.
Beide Effekte lassen sich per Fußschalter unabhängig voneinander aktivieren, Status-LEDs zeigen den aktuellen Zustand an.
Der Kollege hat die wichtigsten Features zusammengefasst:
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Praxistest mit Piezo-Tonabnehmer
Meine Testgitarre (Gibson Advanced Jumbo) klingt mikrofoniert hervorragend, ihr eingebauter Piezo-Tonabnehmer hingegen flach – wie leider viele Vertreter dieser Bauart. Da der Preamp vermutlich genau unter diesen Bedingungen zum Einsatz kommt, wurde dieses Szenario auch für den Test verwendet.
Wir hören das Signal mit neutraler Klangregelung (Bass und Treble auf 12 h) und ohne Hall. Der Shape-Schalter steht auf ON, was Bässe und Höhen hinzufügt – das Resultat klingt zunächst unbefriedigend, da tiefe Frequenzen zu „matschen“ beginnen. Abhilfe schafft ein Highpass-Filter am Aufnahmegerät oder in der DAW (z. B. ab 80 Hz).
Wer das Signal in einen Gitarrenverstärker einspeist, sollte auch dort die Bässe zurücknehmen.
In der Praxis empfiehlt es sich meist, Shape auf OFF zu stellen. Zusätzlich wurde das Signal etwas entzerrt (Bass 10 h, Treble 03 h) und der Hall aktiviert, um dem Klang mehr Tiefe zu verleihen. Das Ergebnis ist deutlich transparenter und lebendiger. Es fehlt jedoch eine parametrische Mittenregelung, um den Sound gezielter formen zu können.
Das klingt ordentlich, man wünschte sich aber eine (parametrische) Mittenregelung, um das Signal noch besser formen zu können. Nun hören wir das Signal mit Hall und Chorus. Beim Zuschalten des Chorus stellt sich heraus: Der Effekt erinnert eher an Tremolo oder Vibrato als an klassischen Chorus.
Reverb-Qualität im Check
Der Hall wird nun mit dem REVERB-Regler stärker zugemischt. DWELL steht auf 10 h. Der Effekt klingt solide, aber nicht hochwertig – bei dem Preis keine Überraschung.
Signalweg: Gibson Advanced Jumbo mit Piezo-Tonabnehmer – Harley Benton Custom Line Acoustic Preamp – MOTU M4 Interface – Mac mit Logic.


































Ja, es ist eigentlich eine gute Idee. Mit einem Notch-Filter (gegen Feedback) wäre es aber erheblich nützlicher für akustische Gitarre, mit parametrischen Mitten und einem besseren Chorus wäre es ein ziemlich universeller Pre-Amp. Schade!