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Test: Harley Benton BM-75 Trans Red, E-Gitarre

3. Dezember 2019

Auf den Spuren von Brian May

Harley Benton BM-75 Trans Red E-Gitarre

Harley Benton BM-75 Trans Red E-Gitarre

Unseren Lesern etwas von Brian May und Queen zu erzählen, wäre mal wieder so, wie das berühmte „Eulen nach Athen tragen“. Ein jeder saitenaffine Mensch kennt ihn, den mittlerweile ergrauten Wuschelkopf mit seinem unverkennbaren Sound, generiert aus seiner einst selbstgebauten Gitarre und den Arsenal an VOX AC30 Amps, die ihn seit Beginn seiner Karriere mehr oder weniger begleiten. Duplikate der Gitarren des Meisters gibt es bereits, Brian May verkauft sie sogar selbst unter seinem guten Namen und versorgt damit seine Fans weltweit mit der so genannten „Red Special“. Und das mit zwei Versionen – einer amerikanischen zu einem stattlichen Preis und einer aus Fernost, die erwartungsgemäß deutlicher günstiger ausfällt. Aber immer noch nicht so günstig, wie es die Harley Benton BM-75 Trans Red ist. Die Thomann-Hausmarke bricht auch hier mal wieder alle Marken im Low-Budget-Segment und präsentiert ihre Version der „Red Special“ zu einem Preis, bei dem nicht nur Fans von Brian May schwach werden dürften.

Harley Benton BM-75 Trans Red – Facts & Features

Die charakteristische bzw. unverwechselbare Form des Korpus der „Red Special“ spiegelt sich auch in unserem Testmodell wider. Trotz der recht zierlichen Maße des Bodys ist das Gesamtgewicht der Gitarre aber nicht zu unterschätzen, die beiden Teile Mahagoni für den Korpus und den eingeleimten Hals besitzen schon ordentlich Masse. Dafür ist das Instrument sehr gut ausbalanciert und liegt daher angenehm im Schoß oder schwingt unauffällig am Gurt. Sämtliche Kanten an Vorder- und Rückseite sind mit einem Binding verziert, das sich auch an den Rändern des Griffbretts fortsetzt und lediglich an der Kopfplatte Stopp macht. Der Headstock sieht dem Original übrigens täuschend ähnlich und trägt einen Satz Mechaniken von keinem geringeren als der Firma Grover. Nicht schlecht für eine E-Gitarre in dieser niedrigen Preisklasse und erwartungsgemäß zeigen sich die verchromten Tuner als recht zuverlässig in ihrer Funktion, auch wenn sie gegen die klassischen Stimmprobleme eines Vintage-Vibratos machtlos sind.

Denn ein solches Vibrato befindet sich nämlich auf der Decke der Harley Benton BM-75 Trans Red E-Gitarre montiert. Es ist zwar optisch nicht so schön aus wie das System auf der originalen „Red Special“, aber vermutlich genau so störrisch beim Halten der Stimmung. Ein solches System ohne Klemmmechaniken wird diesbezüglich immer Probleme bereiten, also gilt auch hier wieder die Devise: Weniger ist mehr, wenn es um den Einsatz mit dem Jammerhaken geht. Das Bild wird sich nach einer Weile der Benutzung vermutlich bessern, nämlich dann, wenn die Saiten im Sattel durch das Hin- und Herbewegen ihre finale Position gefunden haben. Bis dahin aber sollte man aber besser vorsichtig mit dem Hebel agieren.

Harley Benton BM-75 Trans Red Vibrato

Harley Benton BM-75 Trans Red Vintage-Vibrato

Auf den Hals, der ein wunderbar flaches Profil auf seiner Rückseite besitzt, wurde ein Griffbrett aus Ebenholz aufgeleimt und mit 24 Jumbo-Bünden bestückt. Die Verarbeitung gibt keinen Anlass zur Kritik, wir finden sauber abgerichtete Bundstäbchen vor, die auch auf ihren Oberflächen einwandfrei poliert wurden. Dezente Abalone-Inlays weisen den Weg bis hinauf zum letzten Bund, der dank der weit ausgesägten Cutaways auch für Leute mit „Schlosserpranken“ gut zu erreichen ist. Die Halsrückseite wird wie das gesamte Instrument absolut sauber von einer Hochglanzlackschicht überzogen, die sich in der Praxis erfreulich klebefrei zeigt und der Greifhand somit keinen nennenswerten Widerstand entgegensetzt. Auch dann nicht, wenn es beim Gig mal etwas feuchter zugehen sollte.

Harley Benton BM-75 Trans Red E-Gitarre – Elektronik

Harley Benton BM-75 Trans Red Elektrik

Etwas cleverer als beim Original wurde die Anwahl der drei Singlecoil-Pickups gestaltet. Anstelle von drei Schaltern wurde ein Fünfwegeschalter eingesetzt, der die drei No-Name-Pickups in ihren verchromten Metallrahmen ansteuert. Geblieben sind aber die drei Schalter zur Aktivierung eines Out-of-Phase-Sounds für jeden der drei Pickups sowie die Regler für Volume und Tone an der gleichen Stelle auf dem schwarzen, dreischichtigen Pickguard, das gut die Hälfte der Decke besetzt und zudem faktisch die gesamte Elektronik der Gitarre aufnimmt. Sämtliche Bedienelemente hinterlassen einen guten Eindruck, die Potis laufen weich auf ihren Achsen und auch an der Qualität der verwendeten Schalter gibt es rein gar nichts auszusetzen. Die Möglichkeiten, die durch die Out-of-Phase-Schaltung der Pickups entstehen, versprechen eine breite Soundpalette und tatsächlich geizt die Harley Benton BM-75 Trans Red nicht mit vielen Facetten in ihrem Klang, genaueres dazu erfahren wir aber jetzt im Praxisteil!

Praxis-Check!

Dass E-Gitarren dieser Preisklasse in aller Regel mit einem eher dürftigen Setting in die Hände des Kunden gelangen, ist ja nun kein Geheimnis mehr und so präsentiert sich auch die Saitenlage unseres Testinstruments als doch sehr bescheiden. Rund 4 mm Saitenabstand zur oberen Bundkante in der Oktavlage ist kein Spaß und könnten daher so manchen Interessenten abschrecken, der Gitarre eine Chance zu geben. Denn das hat sie absolut verdient, denn ihr Klang ist zwar nicht unbedingt mit Tiefe und Charakter gespickt, dafür aber aufgrund der Out-of-Phase-Schaltung für jeden der Pickups mit enormen klanglichen Facetten bestückt.

Die drei verbauten No-Name-Singlecoils in ihren verchromten Rahmen überraschen nicht nur mit einem frischen Klangbild, sondern zeigen sich auch bei verzerrten Sounds erstaunlich frei von Nebengeräuschen, das gefürchtete 50 Hz Brummen bleibt hier also weitestgehend außen vor. Ebenso trüben keine Deadspots oder Schnarrer auf der gesamten Länge des Griffbretts das Klangbild und auch die Oktavreinheit war bei unserer Testgitarre absolut sauber justiert. Somit klingen Voicings und Akkorde absolut rein und sauber, egal in welcher Lage auch immer.

Über das Vibratosystem und dessen Stimmstabilität habe ich weiter oben schon berichtet und vor einem zu übertriebenem Einsatz des Hebels gewarnt. Eigentlich ist das schade, denn das System arbeitet an sich wunderbar weich und nuanciert. Mit ein wenig Aufwand lässt sich an dieser Stelle bestimmt eine Verbesserung erzielen, der erste Schritt wäre ein Satz Klemmmechaniken und ein Grafitsattel. Damit könnte man schon eine Menge erreichen und das Instrument sinnvoll aufwerten.

Die Klangbeispiele

Hören wir rein in den Sound der Harley Benton BM-75 Trans Red E-Gitarre, für die Klangbeispiele habe ich wieder meinen Orange Micro Dark mit angeschlossener 1×12″ Celestion Vintage 30 Box benutzt. Vor der Box stand ein AKG C3000 Mikrofon, ehe das Signal in Logic Audio aufgezeichnet wurde.

Beginnen wir zunächst mit den unverzerrten Sounds. Im ersten Beispiel hören wir alle Pickup-Kombinationen durchgeschaltet von Position 1 (Neck) bis Position 5 (Bridge). Der Sound zeigt sich erstaunlich vielseitig und überrascht zudem mit einem sauber aufgelösten Höhenspektrum.

Wir schalten ordentlich Verzerrung dazu und hören in Beispiel 2 den Leadsound des Steg-Pickups. Wie erwähnt: Erstaunlich ist das geringe Nebengeräuschverhalten, hier hätte ich bei solch einer hohen Distortion ehrlich gesagt eher ein brummendes Inferno erwartet! Aber nein, es bleibt ziemlich ruhig – und somit auch differenziert.

Nun werfen wir den Fünfwegeschalter ganz nach vorne und hören im dritten Beispiel den verzerrten Klang des Singlecoils in der Halsposition. Es könnte zwar insgesamt etwas spritziger wirken, der recht differenzierte Klang für diese Preisklasse überrascht dennoch.

Abschließend geht’s noch mal zurück zum Steg-Pickup mit einem Riff. Erstaunlich auch hier die Klarheit, mit dem der No-Name-Pickup zu Werke geht und sich dabei mit Brummen extrem zurückhält. Trotz der relativ hohen Verzerrung sind Nuancen innerhalb des Signals noch deutlich wahrzunehmen.

Fazit

Nicht nur Fans von Brian May und Queen könnten an der Harley Benton BM-75 Trans Red E-Gitarre ihren Gefallen finden! Erneut zeigt sich die stetig ansteigende Qualität, mit der die Thomann-Hausmarke den Markt im unteren Preisbereich seit geraumer Zeit kräftig aufmischt. Das Instrument wirkt hinsichtlich seiner Verarbeitung und der Optik wie aus dem Ei gepellt und die drei No-Name-Singlecoils überraschen zusammen mit den Out-of-Phase-Sounds mit einer erstaunlichen Klangvielfalt. Daumen hoch und klare Kaufempfehlung!

Plus

  • sehr gute Verarbeitung
  • brummfreie Pickups
  • vielseitige Klangauswahl
  • super Preis-Leistungs-Verhältnis (!)

Minus

  • Vibrato nicht stimmstabil
  • Saitenlage Testinstrument

Preis

  • 299,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    MacSynth  

    Schöner Test, danke! Ich sehe im Gegensatz zum Vorgänger (und dem Original natürlich) einen Nachteil im 5-Wege Schalter. Die Pickup-Kombination 1+3 und alle zusammen ist damit nicht möglich, oder? Bei dem Preis aber sicherlich verschmerzbar.

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