Test: Harley Benton D-120 CE Black, Elektroakustik-Gitarre

28. April 2020

Schwarze Schönheit zum Schnäppchenpreis!

Im Test: Harley Benton D-120 CE Black

Heute hatte ich eine Gitarre in der Post. „Harley Benton“ steht auf dem Karton, der Name steht für die Bandbreite von günstigsten Instrumente bis hin zum mittleren unteren Preissegment. „Established 1998“ – Zweiundzwanzig Jahre Erfahrung haben die nun also auch schon. Wie hoch dürfen dann die Erwartungen sein? In diesem Fall, bei der D-120 CE Black, sehr hoch, so viel sei vorab verraten. Dieser Anbieter (der in über 20 Fabriken in verschiedenen asiatischen Ländern seine Produkte herstellen lässt) hat sich in den letzten Jahren wirklich gemausert und zum ernstzunehmenden Konkurrenten der etablierten „Marken“-Hersteller entwickelt.

Harley Benton D-120 CE Black – Facts & Features

Es handelt sich bei der Harley Benton D-120 CE Black um eine Elektroakustik-Gitarre in Dreadnaught-Bauform mit Cutaway und aktiver Elektronik mit 4-Band-EQ, die den Piezo-Pickup unter der Stegplatte regelt. Hals, Zargen und Boden bestehen aus Mahagoni, die Decke aus laminierter Fichte, das Griffbrett aus Roseacer. Der erste Eindruck nach dem Auspacken: Das ist eine richtig schöne Gitarre! Die Verarbeitung ist beinahe makellos, das Design schlicht, aber gelungen.

Im Test: Harley Benton D-120 CE Black

Die cremefarbenen Bindings um Korpus und Griffbrett sind bis auf eine kleine Stelle am Übergang von Hals und Korpus tadellos.

Im Test: Harley Benton D-120 CE Black

Wenn es meine eigene Gitarre wäre, würde ich ein Stück Klebeband und einen wasserfesten Filzstift nehmen und innerhalb weniger Minuten nachbessern. Danach sähe sie wirklich perfekt aus. Der Hals ist gerade und die zwanzig Bundstäbchen sind sauber eingesetzt und stehen nicht über. Durch das Cutaway ist die Gitarre auch bis in den zwanzigsten Bund ohne Handverrenkungen bespielbar. Die (ebenso wie die beiden Gurtpins) verchromten Mechaniken sind natürlich keine Grovers, aber geschlossen und funktionieren gleichmäßig und zuverlässig.

Im Test: Harley Benton D-120 CE Black

Im Test: Harley Benton D-120 CE Black – Tuners

Das Material der Rosette besteht aus Perlmutt-Imitat, dieses habe ich schon Mal in edlerer Ausführung gesehen, aber es ist vollkommen okay. Zwei Pickguards zum Aufkleben liegen der Gitarre bei, eines in Red Tortoise, eines in Schwarz. Die schwarze Lackierung des Instruments ist sorgfältig ausgeführt, wobei sie natürlich stark spiegelt und man jeden Fingerabdruck sofort sieht, aber das ist ja nun mal so bei schwarzen Hochglanzlackierungen. Wen das stört, für den hat derselbe Hersteller andere Modelle mit matter Lackierung im Sortiment.

Harley Benton D-120 CE Black – in der Praxis

Im Test: Harley Benton D-120 CE Black

Im Test: Harley Benton D-120 CE Black – Equalizer

Nach diesem positiven Ersteindruck bin ich natürlich gespannt, wie es um die Bespielbarkeit und vor allem natürlich den Klang des guten Stücks bestellt ist. Okay, angenehme Saitenlage, aber … was ist das? Die hohe E-Saite schnarrt, auch schon bei mittelstarkem Anschlag … Na gut, das ist eine kleine Enttäuschung, aber diese ist schnell behoben. Zum Lieferumfang gehört natürlich auch ein passender Inbusschlüssel, mit dem man im Schalloch der Harley Benton D-120 CE Black die Halsneigung regulieren kann. Also: Ein Handgriff und alles ist gut. Auch die Saitenlage ist für eine Akustikgitarre immer noch prima, auch wenn sie nun für flinke Soli in den oberen Bünden nicht mehr die erste Wahl darstellt. Strumming, Flat- und Fingerpicking funktionieren aber sehr gut! Die Gitarre lässt sich angenehm spielen und klingt akustisch klar, transparent und ausgewogen, schon mit den werkseitig aufgezogenen Saiten. Auch der Tonabnehmer ist zwar simpel, aber gut. Mit dem 4-Band-EQ kann man einige verschiedene Sounds erzeugen. Außerdem zeigt er auch den Ladezustand der mitgelieferten 9 Volt Batterie an. Inzwischen habe ich schon eine Weile auf der Gitarre gespielt – die Stimmung ist immer noch korrekt! Die Mechaniken halten, was ihr guter optischer Eindruck verspricht. Da muss ich insgesamt sagen: Die Harley Benton D-120 CE macht einfach Spaß! Akustisch wie elektroakustisch. Zufällig habe ich momentan noch eine andere Elektroakustik-Testgitarre zu Hause, da liegen Vergleiche nah. Bei dieser anderen (Marken-) Gitarre kenne ich zufällig den Preis: 399,- Euro. Im Unterschied zur Harley Benton hat sie zwei Tonabnehmer, die man „an Bord“ ineinander mischen kann, das ist natürlich ein Vorteil. Ansonsten ist sie weniger leicht bespielbar als die Harley Benton D 120-CE Black, der Klang ist anders, aber trotz massiver Fichtendecke nicht unbedingt besser, sondern ebenso wie das Design Geschmackssache. Nun schaue ich also Mal nach dem Preis der Harley Benton und reibe meine Augen: 74,- (in Worten Vierundsiebzig) Euro inklusive Versand!!! Was soll man dazu sagen? Nichts. Man kann sich nur wundern, dass die Herstellung einer qualitativ so hochwertigen Gitarre zu diesem Preis möglich ist.

Im Test: Harley Benton D-120 CE Black

Strumming akustisch:

Flatpicking akustisch:

Strumming Piezo Tonabnehmer:

Fazit

Absolute Kaufempfehlung! Bis auf winzige Unzulänglichkeiten, die sich leicht beheben lassen, schon „out of the box“ eine bühnentaugliche Elektroakustik-Gitarre. Lediglich, dass jemandem „ein Zacken aus der Krone brechen“ könnte, weil auf der Kopfplatte der D-120 CE Black nicht der Name einer renommierten US-amerikanischen Marke steht, sondern Harley Benton, könnte für jüngere Spieler ein Problem darstellen. Dieses Problem liegt dann aber meiner Meinung nach in der Einstellung der Person begründet, nicht in dem Instrument. Einsteiger, die noch nicht sicher sind, ob sie „dran bleiben“, riskieren bei diesem Preis fast nichts, aber auch fortgeschrittene Gitarrenfreunde mit Band und gelegentlichen Auftritten werden viel Freude an der Harley Benton D 120-CE haben!

 

 

Plus

  • transparenter, ausgewogener Klang
  • gute Bespielbarkeit
  • gute Verarbeitung
  • gelungenes Design
  • unschlagbarer Preis

Minus

  • winzige Verarbeitungsmängel (leicht behebbar)
  • stark spiegelndes Finish
  • kein "Markenimage"

Preis

  • 74,- Euro inklusive Versand
Forum
  1. Profilbild
    Rainer

    … ganz ehrlich …
    Ist Amazona das Marketingportal von Thomann.
    Es reicht jetzt langsam mit Harley Benton.

    • Profilbild
      Hein Bloed  

      Ich finde die Anzahl der Tests von HB mittlerweile auch unverhältnismäßig. Immerhin gilt das bisher nur für Gitarren und Bässe, bei Pedalen spielt HB keine große Rolle.
      Mir wären persönlich auch Gitarren-Tests lieber, die nicht die Kategorie „Superbillig, garantiert fragwürdige Produktionsbedingungen“ bedienen würden. Vor Jahren habe ich mir mal eine Ibanez Akustik aus dem unteren Preisbereich gekauft (SGT-130E VS), die hat auch nur 179 Euro gekostet, klingt OK, spielt sich OK. Trotzdem habe ich immer noch ein schlechtes Gewissen gegenüber den Arbeitern, die das Ding gebaut haben (vom Holzfäller bis zum Lackierer). Ich nutze meine Instrumente ewig und verkaufe sie nie (ich habe 3 Gitarren, eine ist Eigenbau), von daher hält sich mein Rohstoffverbrauch in Grenzen. Sich 10 Harley Bentons ins Zimmer zu stellen, finde ich nicht OK, für das Geld kann man sich auch zwei Gitarren zulegen, die nicht in Asien produziert wurden.
      Wenn man schon Gitarren unter 100 Euro tested, sollte man vergleichsweise auch immer ein Instrument mittesten, dass zwar mehr kostet, aber fairer hergestellt wurde.
      Es ist auch schon bemerkenswert, dass sich praktisch nirgendwo eine Reportage aus den Fabriken in Asien finden läßt, sondern nur aus den amerikanischen Premium-Werken.
      Für Anfänger mag der Erwerb einer 74 Euro-Gitarre allerdings gerechtfertigt sein.

      • Profilbild
        Codeman1965  

        @ Hein Bloed:

        – „Ich finde die Anzahl der Tests von HB mittlerweile auch unverhältnismäßig.“
        Das könnte aber auch daran liegen, daß HB, anders als andere Hersteller, inzwischen fast im Wochentakt neue Modelle ‚rausbringt.

        – „Mir wären persönlich auch Gitarren-Tests lieber, die nicht die Kategorie „Superbillig, garantiert fragwürdige Produktionsbedingungen“ bedienen würden.“
        Davon gibt’s hier doch auch genug. Ist für Jeden etwas dabei. Sogar Einige aus der Kategorie „Schweineteuer, aber trotzdem schlecht gemacht“.

        – „Sich 10 Harley Bentons ins Zimmer zu stellen, finde ich nicht OK, für das Geld kann man sich auch zwei Gitarren zulegen, die nicht in Asien produziert wurden.“
        Klar kann man das. Muss man aber nicht.

        – „Wenn man schon Gitarren unter 100 Euro tested, sollte man vergleichsweise auch immer ein Instrument mittesten, dass zwar mehr kostet, aber fairer hergestellt wurde.“
        Wenn mein Budget begrenzt ist, interessiert mich aber kaum, ob die 5 oder 10mal so teure Gitarre fair produziert wurde, weil ich sie mir schlicht nicht leisten kann/möchte.

        -„Für Anfänger mag der Erwerb einer 74 Euro-Gitarre allerdings gerechtfertigt sein.“
        Das entscheidet doch der Käufer, nicht irgendeine moralische Instanz. Wenn Jemand sich ’ne billige Gitarre kauft, muss er sich doch nicht rechtfertigen…

  2. Profilbild
    Eibensang  

    Schöne Gitarre. Aber noch geileres Sofa! :D

    Und was die Marke HB betrifft: Ohne Bentons Harley ;-) wäre mein musikalischer Fuhrpark ärmer. Den ich nicht ideologisch bestücke, sondern pragmatisch-praktisch: Hätte ich mehr Geld, wäre alles vom Allerfeinsten einschließlich der Kabel dazwischen. Ich muss jedoch abwägen, was mir jeweils was bzw. wie viel wert ist – und da erweitert mir HB seit geraumen Jahren doch immer wieder die Auswahl (die ich ohne diese bekannteste von Thomanns Hausmarken gar nicht hätte: wie der sonstige Markt immer wieder zeigt).

    Die wenigen echten „Sorgenkinder“ meines (in Form von Heimstudio UND Live-Spielerei breit aufgestellten) Instrumentariums heißen mit Nachnamen eher Gibson und Ovation. Die zwar unübertroffen gut klingen. Aber bloß, weil die das jeweils Zehnfache kosten, darf man da halt keineswegs immer eine so saubere und sorgfältige Verarbeitung erwarten wie (meistens: Ich hatte da immer Glück) an einer echten Harley Benton.

    (Unübertrieben: Meine HB Fusion I hat einen besser bespielbaren und wertiger angefertigten Hals als meine Fender Tele und meine Gibson Paula zusammen. Und dazu ein stimmstabiles Floyd Rose.)

    • Profilbild
      Rainer

      Hi Eibengesang,
      Ich kann das nachvollziehen und will auch nicht so arrogant sein und behaupten, nur auch teuren Instrumenten käme auch gute Musik.

      Mir fiel allerdings auf, dass die HB-Quote in letzter Zeit doch signifikant angestiegen ist.
      Und für meinen persönlichen Geschmack gibt es einen äußerst disruptiven Trend zur „Verbilligung“ von Musik zum Zwecke der Profitmaximierung …. nicht nur bei den Instrumenten.

      Hey AMAZONA, vielleicht könnt Ihr Euch dazu mal positionieren.
      Ich schaue quasi täglich in das Portal und hätte gerne auch weiterhin das Gefühl einer unabhängigen Testplattform.
      Vielleicht geht es ja anderen auch so…

      • Profilbild
        Herr Mikrobi  

        Hmm, wenn man sich anschaut, was für eine Geschichte/Struktur hinter Amazona steht
        (Werbeagentur gründet Online-Magazin, Thomann übernimmt Online-Magazin…)
        finde ich die Test eigentlich relativ unabhängig. Ist halt Onlinemarketing.
        Verwunderlich eher diejenigen, die hier immer mit Verschwörungen um sich werfen.

    • Profilbild
      anttimaatteri  

      „Ohne Bentons Harley ;-) wäre mein musikalischer Fuhrpark ärmer. Den ich nicht ideologisch bestücke, sondern pragmatisch-praktisch: Hätte ich mehr Geld, wäre alles vom Allerfeinsten einschließlich der Kabel dazwischen. Ich muss jedoch abwägen, was mir jeweils was bzw. wie viel wert ist“

      so siehts aus.
      ich hab selber überlegt, ob das echt gut geht mit diesen low budget akkustischen von hb, aber der geldbeutel hats diktiert. was soll ich ausserdem mit einer edelgitarre ohne „edel“musiker zu sein, der damit sein geld verdient ;D.
      meine hb war zwar sogar noch im doppelt so teuren preisbereich, aber selbst das ist ja noch low budget. die fertigungsqualitäten sind auch nichtmehr vergleichbar mit denen von früher. da ist die qualitative produktivität echt gestiegen. CADCAM machts möglich. china auch^^. wird sich auch in zukunft noch ändern. japana, indonesien, korea, alle diese billiglohnländer wurden irgendwann nicht mehr so billig. und ob dann afrika nach china herhalten muss für unseren konsum ist mehr als fraglich.

      man kann auch pech haben mit nem montagsteil, das ist bei solchen fertigungsstrassen eh klar. bisher hat ich immer glück und nur einmal pech mit einer stimmmechanik und die wurde anstandslos ersetzt von thomann. und falls mir sinn und unsinn und geldbeutel danach stehen kauf ich mir ein edleres teil der marke „mirdochwurst“

      meine HB Custom Line King-CE ist immer noch im fuhrpark anch 3 jahren^^

  3. Profilbild
    S_Hennig  

    @AMAZONA-Redaktion: Nachdem die Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Instrumenten doch immer wieder ein Thema sind, wie wär’s mal mit einer Reportage aus einem Werk in Europa (ich wohne z.B. in der Nähe von Lakewood Guitars, die machen regelmäßig Werksführungen und sind sehr nett) und vielleicht einem aus Asien.
    Ich denke, das könnte aufschlußreich sein. Schließlich wandeln sich die Arbeitsbedingungen da wie dort und der Instrumentenbauer, der vor 20 Jahren noch in aller Ruhe eine Lackschicht nach der anderen aufgebracht hat, legt vielleicht heute nur noch Zargen in die Lackiermaschine ein.
    Mich würd’s interessieren, wie meine Gitarren hergestellt werden, egal wo sie herkommen.

      • Profilbild
        Hectorpascal  AHU

        Was soll denn dabei rumkommen? Als ob ein Chef sich hinstellt und über die tollen illegal geschlagenen Edelhölzer fabuliert und der Lack so schön elastisch und wiederstandsfähig ist, weil die Weichmacher, Schwermetalle und Lösungsmittel ohne Filter und Aufbereitung an Mensch und Umwelt abgegeben werden. Am Ende ist es dann der böse Auftragsfertiger wie Foxconn bei Apple, wo die Angestellten vor Freude aus dem Fenster springen.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.