Test: Harley Benton Fusion-HH FR MN Aqua, E-Gitarre

6. September 2018

Ambitionierte Power-Strat

Das Angebot von Harley Benton wächst nicht nur kontinuierlich, seit geraumer Zeit erreichen die Instrumente der Thomann-Hausmarke auch einen Qualitätsstandard, den man für diese Preise nie und nimmer für möglich halten würde. Vorbei sind die Zeiten mit schiefen Hälsen, klappriger Hardware und einem eher dürftigen Klang. Mittlerweile machen die Gitarren und Bässe des Herstellers einen verdammt erwachsenen Eindruck und sind dabei trotzdem im Preis immer noch sehr bescheiden geblieben. So wie auch unser heutiges Testmodell, die Harley Benton Fusion-HH FR MN, die für knapp 350,- Euro bei Thomann zu bekommen ist. Wölkchenahorndecke, Maplehals, Floyd-Rose-Vibrato und zwei Humbucker waren von je her schon die wichtigsten Zutaten für eine typische Superstrat, ob das auch bei diesem Preis funktionieren kann?

Harley Benton Fusion-HH FR MN – Facts & Features

Rein optisch ist die Harley Benton Fusion-HH FR schon irgendwie ein Hingucker und dürfte den Fans von klassischen 80s-Shred-Klampfen sicher auf Anhieb gefallen. Die intensiv gemaserte Wölkchenahorndecke entpuppt sich beim genaueren Betrachten allerdings als Fake – es handelt sich hier lediglich um ein grün/blau eingefärbtes Ahornfurnier, in diesen Preisregionen wäre alles andere auch eine Überraschung. Thomann schreibt dies auch in die Produktbeschreibung der Gitarre, ganz so einfach ist das selbst kaum rauszufinden, denn das Binding an den Rändern des Mahagonikorpus besteht ebenfalls aus einem Furnier. So kann schnell der Eindruck entstehen, man habe es hier mit einer massiven Decke zu tun, da die Maserung des Holzes schon sehr genau mit der des Bindings fluchtet. Illusion perfekt gelungen!

Die Rückseite wurde hingegen in schlichtem Schwarz lackiert und besitzt kein Binding, dafür fällt aber der konturierte Hals-Korpus-Übergang auf, der es der Greifhand beim Bespielen der oberen Lagen des Halses ein Stück bequemer macht. Natürlich darf auch die berühmte „Bierbauchfräsung“ für etwas mehr Komfort nicht fehlen, das Instrument schmiegt sich so angenehm an den Körper des Spielers an. Auf der Rückseite also alles in bester Ordnung, nur hätte man sich vielleicht noch gewünscht, dass die Kunststoffabdeckung für das Vibratofach genau so versenkt eingesetzt wäre wie die Abdeckung für die Elektronik. Hier könnte es also dann und wann vielleicht mal etwas haken.

Harley Benton Fusion-HH FR – Hals & Griffbrett

In den Korpus eingeschraubt wurde ein einteiliger Hals aus Ahorn mit separat aufgeleimtem und zudem lackiertem Ahorngriffbrett. Warum man sich die Mühe gemacht hat, das Griffbrett zu lackieren, erschließt sich mir nicht ganz und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die angepeilte Zielgruppe der Gitarre ein solches Feature für unbedingt notwendig hält. Sicherlich sieht die glänzende Oberfläche hübsch aus und an der ausgeführten Arbeit gibt es auch keine Kritik, allerdings ist auch hier wieder mit Ankleben der Finger zu rechnen. Insbesondere bei Bindings oder Slides bedarf es vermutlich für den einen oder anderen doch eine gewisse Zeit der Eingewöhnung. Lob gibt es hingegen für die Qualität der 24 Bundstäbchen, die sauber eingesetzt, auf ihren Oberflächen ausreichend poliert und an ihren Flanken perfekt abgerichtet wurden.

Die Halsrückseite wurde hingegen von jeglichem Lack verschont, es herrscht ein wunderbar griffiges und „holziges“ Spielgefühl, das durch das angenehm flache C-Halsprofil unterstützt wird. Mit einer Mensur von 648 mm und einer Sattelbreite von 42 mm orientiert sich die Harley Benton Fusion-HH FR an den klassischen bzw. typischen Maßen der Instrumente aus dem Hause Fender – macht ja auch Sinn bei einer Stratkopie. Einen kleinen Pluspunkt sammelt die Gitarre noch zusätzlich ein, und der kommt aus Richtung Halsfuß. Dort lässt sich nämlich der Winkel des Halses mit einem Metallstift o. ä. einstellen, schneller geht es wohl kaum. Ich als Music Man Fan und begeisterter Spieler einer Silhouette Special finde das einfach super!

Harley Benton Fusion-HH FR truss rod

— Halseinstellschraube leicht zugänglich am Halsfuß platziert —

Harley Benton Fusion-HH FR – Hardware

Ganz klar, ohne ein echtes Floyd Rose Vibrato geht bei einer Superstrat gar nichts und so wurde auch unsere Harley Benton Fusion-HH FR mit diesem „Kultsystem“ ausgerüstet, leider jedoch nur mit der Fernostvariante, wie man sich bei diesem Preis ja sicher denken kann. Viele Hersteller von Gitarren im Low-Budget-Segment nutzen dieses System ja für ihre Instrumente und einige von denen hatten wir bereits schon im Test, mit nicht immer guten Ergebnissen. Bei unserer Testgitarre ist das nicht anders, denn auch hier hält das System die Stimmung nach Benutzung nicht zu 100 %. Dazu aber später mehr.

Harley Benton Fusion-HH FR Vibrato

— Hält nicht ganz korrekt die Stimmung: das Fernost Floyd-Rose —

Zu einem Floyd-Rose-Vibrato gehört natürlich ein Klemmsattel dazu, der nicht nur die Stimmstabilität garantieren soll, sondern den Mechaniken an der Kopfplatte eine große Last abnimmt. Trotz des Klemmsattels wurde ein Satz Mechaniken von Grover verbaut, verchromt wie der Rest der kompletten Hardware. Dazu gehören auch die beiden Knöpfe der Potis für Tone und Volume – und damit sind wir bei der Elektronik und den Pickups der Fusion-HH FR angelangt.

Harley Benton Fusion-HH FR – Elektrik & Pickups

Die beiden Humbucker stammen vom ebenfalls fernöstlichen Hersteller Roswell und wurden ohne Rahmen direkt in die Decke eingesetzt. Bereits in den Tests der Harley Benton ST-62DLX oder der Harley Benton Dynamic-HSH FMT konnte ich mir ein Bild von diesen neuen Pickups machen, die der Hersteller nun anstelle der bisher genutzten Tonabnehmer von Wilkinson verwendet. Wirklich überzeugen konnten die Pickups damals nicht und drückten daher die guten bis herausragenden Testergebnisse etwas nach unten. Mal schauen, wie sich die beiden Doppelspuler HAF-B Alinco-5 an Hals- und Stegposition innerhalb der Harley Benton Fusion-HH FR schlagen.

Die Auswahl der Tonabnehmer erfolgt über einen Dreiwegeschalter, für den man sich aber sicherheitshalber schon mal Ersatz beschaffen sollte, denn er wackelt doch ganz bedenklich auf seiner Achse und hinterlässt auch sonst einen eher fragilen Eindruck. In blendendem Zustand präsentieren sich hingegen die beiden Potis für Volume und Tone, die sich butterweich benutzen lassen. Zwischen den zwei Reglern sitzt ein weiterer Zweiwegeschalter, mit dem sich die Humbucker in den Singlecoilmodus bringen lassen. Eine sinnvolle Option, die selbst bei drei Mal so teuren Gitarren oft und gerne vergessen oder schlicht ignoriert wird. Dabei wird durch solch eine Schaltung doch eine deutlich größere Klangvielfalt ermöglicht!

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Wellenstrom  AHU

    Für Punk zwischendurch doch ganz okay.
    Ansonsten ist im Studio das bissken Verstimmen ja kein Problem. Lässt sich ja in Nullkommanix wieder gerade bügeln in der Aufnahme.
    upps… wundere mich immer, dass beim Anklicken von 2 in der Werteskala immer gleich ungenügend aufblinken tut. Gemeint ist da eher knapp untem Durchschnitt.

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